Ausgabe 
11.1.1868
 
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Taunussicunde aus Ossendach, Wiesbaden und Comburg daten sich dem Clube angeschlossen. Jar das Jahr 1868 wurden die Herten A. Ravenstein, J. Streng und A. Mablau in den Vorstand gewählt. ls Grundsaß des Clubs wurde anerkannt, daß auch fremden Besuchern unseret Gegend als Gäste die Tocilnahme an den gemeinsamen Ausflügen steis ossen zu ballen sei.

Frankfurt. Ueber die Minimaltemperatur des kalten Winters 1829,30 tbeilt dasFr. J. die nachsolgenden Noligeu aus den Beobachtungen des physikalischen Bereins mit: Am 4. Dezember 1829 sank das Thermo⸗ meter auf 7.30, und so blied es abwechseln) bis zum 31, wo es 14.4 erreichte. Sodann solaten die kältesten Tage im Januar 1830 am 5. mit 13.60, am 15. mit 145%, am 29. mit 16,0, am 30 mit 19,4%, am 31. mit 21.00. am 1. Februar mit 21,60 und am 2. Februar mit 22,8, welches der kälteste Tag diescs Winters war. Die Kälte ließ sodann nach, so daß am 11. Februar schon 1,10 warm war. Noch einmal fiel das Thermometer am 21. Februar auf 10,0%, während dasselbde am 15. März schon 8 de warm anzeigte, welche gelinde Wiiterung dann auch mit einigen kleinen Schwankungen (Nachts) unter 0 anbaltend blieb.

Darmstadt. In dem verflossenen Jahte 1867 haben im hiesiger Stadt 67 Personen das Alter von 70 bis 79, 28 das von 80 bis 89 und 1 das von 90 Jahren erteicht.

Aus dem Nied. Herr Pfarrer Heumann in Dornheim hat der bortigen Kirche mit einem Kostenauf⸗ wand von ungefähr drilthalbtausend Gulden eine Luft deizung gegeben, eine Einrichtung, deren Wohlthätigkeit bald eingeseben werden und andere Gemeinden veranlassen wird, ein Gleiches in ihren Kirchen zu thun.

Mainz. um Kulberschlachthaus ging kürzlich ein hiesiger Makler an einem Pferde vorbei, ohne etwas Schlimmes zu ahnen. Plötzlich packt ihn dieses und deißt ihm das eine Auge aus.

Lampertheim. Faktor BOtüd net von Neuschloß, welcher wegen Verdachts der Tödtung selner Frau kürzlich verheftet worden, befindet sich wieder auf freiem Fuße, nachdem er durch Beschluß der Anklagekammer Großb. Hofgerichts der Provinz Starkendurg außer Bersolgung tesetzt worden.

Berbesserungen im Eisenlahnwagen⸗ dan. Die auf den hanneverschen Bahnen jetzt in An⸗ wendung kemmenden neuen Personenwagen erster und weiter Klasse find nach dem Patent des Wagensabrikanten

tifert in Bockenheim mit doppeltem Federsystem einge⸗ richtet. Der Kasten dieser Dazen nicht direkt mit dem Untergestell verbunden, sonbern wird von einem zweiten 9 frei schwebend getragen, wodurch alle Stöße, rschütterungen und Vibrationen in den Federn aus schwingen und den Oberwazen nicht mehr direkt berühren, sowie auch eine sehr angenehme und sanfte Bewegung besselben erzeugt wird. ie Kastenfederu heben die Un⸗ leichheit der Belastung, wodurch ein viel gleichmäßigere Buffer dan ermötlicht une eine weitert Beranlassung zu Unglücksfällen vermieben wirt. Die neut Erfindung ist ale tin wicht'ger Fortschritt im Eisenbahnwagendau ju begrüßen. Durch vie Einführung der vierten Wagenklasse wird die britte sehr gehoben, zumal da in derselben auch besonbert Damen-⸗Ceupés und solcht für Nichtraucher ein⸗ richtet sind. Bequem zug ingliche Retiraben neben de⸗

dern Cups erster und zwelter Klasse find in den Schnellzügen(fürs erte nur auf der Sübbatzn), ferner Dampfheizung dei fümmtlichen Personenwagen der Schnell züge zwischen Minben und Braunschweig tingerichtet.

Nach amtlichen Ermittelungen über die Berbeetun⸗ zen, welche die fibirische Best in den Jahren 1864 und 1867 in Rußland angerichtet hat, graffirte biese Seuche 1864 gleichzeltig in 29 Geuvernemente und raffte 90,930 Stück Vieh und 403 MNenschen weg. In manchen Kreisen wüthett bie Seuche in dem Stadt, baß in vielen Dörfern auch nicht ein einziges Pferb übrig blieb. Im Jahrt 1867 erstreckten sich die Verhecrungen zwar nicht üder so es de Geuvernemente, dennech flelen der sibitischen

dis zum 13. September zum Opfer 363 Menschen, 44,676 Pferbe, 6810 Kütze und 8055 Stück Jungvieh. Am heftigen wüchet bie Seuche auch jeyt noch im Geu⸗ sernement Tobelsk, in welchem in ben letzten 3 Monaten 4720 Pferde und 356 Stück Rind vieh gefallen find.

Der Gemeinde Katechismus.

Nein lieber Leser! Denke Dich einmal in den Fall, Du würdest zum Oemeinderathe oder gar zum Bürgermeister in Deinem Dorfe gewählt. Du schüttelst den Kopf und meinst, so hoch hinaus ginge es nicht mit Dir. Nun gut, das mußt Du aber zugesteben, daß Du Gemeinde versamm · lungen zu besucken, daß Du mit zu rathen und mit zu thaten, daß Du in die Gemeinde mit zu bezahlen oder auch ans derselben zu empfangen, kurz daß Du Deiner Gemeinde gegenüber gewisse Rechte und Pflichten zu üben hast. Keunst Du diese Rechte, diese Pflichten alle in ihrem Umfange 7 Du verweisest mich an Deine Gemeinde- rätht, die la gerade als Männer von Kenntnissen und Erfahrungen an die Spige der Gemeinde

gestellt seien. Die Hand aufs Herz! Johr Herren Gemeinderathe- mitglieder! Ist es wahr oder nicht, daß von je Hundert unter Euch oft kaum zehn sind, welche sämmtliche, das Gemeindewesen betr. Gesetze und obrigkeitlichen Verordrungen wirklich selber gelesen und auch verstanden und noch gegenwärtig im Gedächtniß haben? Ihr meinet, das sei Sache Eurer Ortsvorsteher oder Bürgermeister. So hätte ich denn an diese meine Frage zu richten. Der Respect aber, den man vor den Herren Vorstehern und Bürgermeistern haben muß, will dieß wie Ihr selber einseht nicht gestatten. Zudem glaube ich auch, daß ich durch meine Frage selbst mehr wie ein städtisches Gemeinderathsmitglied zum Erröthen bringen würde.

Wißt Ihr aber, wodurch unter den Nationen der Gegenwart das englische Volk wie kein anderes uns übertrifft 7 Lediglich durch seine Achtung vor dem Gesetze. Achtung vor dem Gesetze ist aber nur da möglich, wo Gesetz und staatliche und gemeindliche Ordnungen und Rechte gekannt werden. Sieht's aber gerade in dieser Hinsicht in den meisten Dörfern bei uns in Deutschland nicht sehr miplich aus 7 Begegnet man nicht in gar vielen Orten hegte noch der Ansicht, daß alle gesetzlichen Anordnungen und Bestimmungen in Gemeinde- sachen wie in alter germanischer Zeit lediglich nur von der Gemeinde selbst ausgingen und daß über der Gemeinde ein höherer Gesetzgeber nicht existire, wie der heutige(Cultur-) Staat dieß verlangt? Wird nicht durch Unverstand und Mangel an Gesetztskenntniß gar manchem tüchtigen Bürger- meister sein Amt verleidet, ganz abgesehen von jenen widerwärtigen Oemeindestreitigkeiten und Stänkereien, die größtentheils aus jener Unkenntniß hervorgehen und ein gedeihliches Gemeindeleben zum Nutzen und Frommen der Gemeindeglieder nicht aufkommen lassen? Muß nicht auch dem wohlwollendsten Verwaltungsbeamten endlich die Lust vergehen, an dem Zustandekommen eines tüchtigen Oemeindelebens in dem oder jenem Orte auf dem Boden des Gesetzes fortzuarbeiten, wenn er auf Schritt und Tritt brutalen und unwissenden Widersachern in der Gemeinde begegnet?

Wir wissen wohl, daß die für die Allgemein⸗ beit wichtigeren Gesetze im Kasten angeschlagen, die und de auch öffentlich vorgelesen werden. Nehmen wir an, es werde dieser Anschlag auch gelesender angehört, wie sieht's mit dem Ver- fänd niß des Gelesenen oder Gehörten aue f Es in nicht uur das Stoffliche oder Materielle der Gesetze, welches wit mein Freund sagt, einem wenig cultivirten Berstande Schwierigkeiten bereitet, es i namentlich auch die Form unserer Oesetzt oder ihre Jassung(Redaction), die weit absticht von der Einfachheit unserer alten Dorfs⸗- ordnungen, und ehemaligen Weisthümer. Daß in Nucksicht auf klare, deutliche, allgemein ver⸗ tändliche und möglichst kurze Fassung unserer beutigen Gesetze vielfach gesündigt wird, dürfte wohl ziemlich allgemein zugestanden werden. Auf der andern Stcite ist aber auch nicht zu verkennen, daß die Einfachheit wie aller unserer Lebens- verhältnisse so auch unserer gemeindlichen und staatlichen Berhältnisse längst vorüber ist. Ver⸗ wickelte und vielfach in einander sich verzweigende Dinge lassen sich aber nur sehr schwer kurz und bündig in Worte fassen. Und dennoch meine ich,

daß Abhülfe geschafft werden könne. Es fragt sich nur: Wie 7 Auf welche Weise, lieber Leser! dat wohl

Luther das deutsche Volk mit seinen reformatorischen Gedanken am leichtesten und schnellsten vertraut gemacht 7 Es geschah durch die Form des Katechis⸗ mus, d. h. durch kurze Fragen und schlagende bündige Antworten, in allgemein verständlichem Tone gehalten. Wenn uns auch von Luther weiter nichts übrig geblieben wäre als seint Katechismen, wir würden dennoch auf das be⸗ stimmteste behaupten dürfen: Luther war ein durch und durch praktischer Mann. Bei ihm daben wir darum in die Schule zu gehen. Das haben die schon von Haus aus praktischen Engländer auch sehr bald gethan, die sich ja überhaupt stets

batauf verstanden, das, was iu anderen Ländern

So will ich mich an diese wenden.

Brauchbares und Nützliches entstanden, sehr schnel auf ihren heilmischen Boden zu verpflangen. In England existirt kein Zweig menschlichen Wissens und menschlicher Thaͤtigkeit, der nicht in der Form des Katechismus dem Volke zum allgemeinen Verständniß gebracht würde. Dort gibt ses Katechis⸗ men über Eisenbahnwesen und Schifffahrt, über Schwurgerichte und Gemeindtwesen, über Garten⸗ kunst und Fischerei, über Armenpflege und Bau- wesen, kurz über alle nur denkbaren Verhaltnisse und Thätigkeiten des öffentlichen und privaten Lebens. Von England aus kamen die Katechismen in späterer Zeit zunächst natürlich in Ueber⸗ setzungen wieder zu uns nach Deutschland zurück. Aber ein Katechismus über Gemeinde⸗ sachen, Gemeindegesetze und Pemeinderechte fehlt uns noch bis zur Stunde. Mit einer bloßen Zusammenstellung der in verschiedenen Bänden zerstreuten Gesetze ist uns noch nicht geho sen. Wir müssen vielmehr, um unsern Zweck zu erreichen, die Aufgabe stellen, in der Form des Katechismus, d. h. in kurzen bündigen Fragen und möglichst kurzen schlagenden Antworten unsere ganze Gemeinde⸗ gesetzgebung in ein Büchelchen zusammen zu fassen, dessen Inhalt sehr bald zum Gemeingut des Volkes werden würde.(Dz.)

Te legraphischer Bericht. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent.

Das Hamburger PostdampfschiffTeutonia, Capitän Kier, welches von New- Orleans am 15. Dezember ab⸗ ging, ist nach einer schnellen glücklichen Reise von 18 Tagen wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst eie für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Hamburg sorigesetzt. Dasselbe bringt 29 Passagicre, volle Ladung und 80/038 Dollars Contanten.

Das Hamburger PpstdampfschiffSammonia, Capt. Ehlers, welche! am 21. Dezemder von Hamburg via Southampotn abging, ist nach einer ausgezeichnet schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen 6 Stunden wohlbehalten in New⸗York angekommen.

Das Bremer Posidampfschiff des Norddeutschen Lloyn Union, Capt. Santen, welches am 28. Dezember New⸗York verließ, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen woolbehalten in Cowes angelangt. und hat, nachdem es daselbst die für England und Frank⸗ reich bestimmten Passagiete und Posten landet, unver⸗ züglich die Reise nach Bremen fortgesetzt. Dasselbe briagt 22 Passagiere, volle Ladung und 1,000,000 Dollars Contanten.

Das Hamburger Postbampfschiff Cimbria, Capitän Trautmann, welches von New⸗Dork am 28. Dezember abaing, ist nach einer ausgezeichnet schnellen glücklichen Reise von 9 Tagen 12 Stunden wohlbehalten in Cowen angelangt, und dat, nachdem es daseldst die für England und Frankreich bestimmien Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Hamburg sortgesetzt. Dasselde dringt 60 Passagiere, 950 Tous Ladung, 31.600 Dollars, Contanten und 46 Briessäcke.

Das Bremer PosidampfschiffWeser, Capt. VBenke, trat am 4. Januat wiederum eine Neise via Southampton nach New Hotrk an und hatte außer einer starken Brie und Packetpost 113 Passagiere und 450 Tone Ladung an Bord.

Sitzung d. Lokalscktian des Gewerbvertins

Friedberg den 11. Januar, Adends 8 Uhr.

Tagesotbnung: Voranschlag der Töchterschule. Der Borstanb.

Die Unterzelchneten erlauden sich auf bre

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aufwerksam zu machen, welche 3400 Bände in deulscher⸗ franzöfticher und englischer Sprache umfaßt und die dee zuaglichsten neuesten Erscheinungen enthält, u. A. Breier, Rosenkreuzer.[Schwartz, Mar. Gerstäcker, Im Busch. Säͤmmtliche Werke. Grey, Herrin von Gold⸗[Spielhagen Romane.

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Soph.

Sturm und Drang.[Gallen, Jane die Illdin. Pitawall, Maria Smart. Die Tochter des Dipl. Retelisse, Billafranca maten.

Retclifse, Puebla.[Marlitt, Goldele.&.&.

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