Ausgabe 
11.1.1868
 
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Odenwaldbahn von Darmstadt über Oberramstadt, Reinheim, Höchst bis Erbach mit einer Abzweigung über Umsladt nach Babenbausen und die Linie Worms Bensheim Alles zusammen etwa 22 bis 23 Meilen. Die Grundlage der Uebereinkunft ist die Garantie eines durchschnittlichen Reinertrages von 33,000 fl. per Meile auf allen obigen Linien durch den Staat. Die Riedbahn ist von der Garantie ausgeschlossen; deren Bau wird indessen von der Ludwigsbahn unter der Voraussetzurg von Subventionen Seitens der Gemeinden projectirt und ist die Concession dafür gleichfalls zugesagt. Wegen einer Zweigbahn von Reinheim nach Brensbach sind besondere Propositionen gemacht, aber noch unerledigt.

Worms. Durch einen aus Rom in Worms eingetroffenen Privatbrief wird einigermaßen ein Blick auf die Art und Weise ermöglicht, wie die jungen Leute als Freiwillige in die päpstliche Armee kommen. Ein Wormser Sattlergeselle, der kaum 17 Jahre alt und seiner Confession nach ein Protestant ist, schreibt seinen, wegen dieser Vorfälle auf's Aeußerste betrübten Eltern, daß er auf seiner Wanderschaft auf der Herberge in dem elsäß'schen Städtchen Belfort mit 10 andern Sattlergesellen zusammengetroffen sei. Man habe den Leuten vorgesagt, sie könnten unentgeldlich nach Rom kommen, wenn sie dortselbst 14 Tage lang für die päpstliche Armee arbeiten würden, da man dortselbst gerade großen Mangel an Sattlern habe. Nichts Arges ahnend seien die Leute nach Rom gereist; dorten aber habe man sie alsbald nach ihrer Ankunft unter die päpst⸗ lichen Soldaten gesteckt, sie einen Tag lang das Gewehr laden gelernt und sie sofort in das Feld gegen die Garibaldianer ausgeschickt, woselbst es sehr wüste hergegangen Bursche über Mangel an Geld und bittet seine Eltern inständig umUnterstützung.

Preußen. Berlin, 8. Jan. Abgeord⸗ netenhaus. Auf der Tagesordnung steht die zweite Berathung über den Antrag Lasker's, F. 84, die Redefreiheit betreffend Nachdem Zastrow und Westarp gegen, Windthorst und Schulze(Berlin) dafür gesprochen erklärt der Justizminister, die Staatsregierung habe zur Zeit noch keinen Beschluß gefaßt, sie konnte es auch nicht, werde es jedoch thun, sobald ein Antrag an sie gelangen werde: sie werde die Angelegen⸗ heit auch dann sorgfältig prüfen, wenn dieser Antrag nicht an sie gelangen werde.Meine persönliche Meinung hier auszusprechen, finde ich mich nicht veranlaßt, noch berufen, da ich hier nicht als Mitglied des Hauses, sondern als Ver⸗ treter der Regierung stebe. Bei namentlicher Abstimmung wurde der Antrag Las ker's mit 174 tegen 144 Stimmen angenommen.

DieKrenzzeitung meldet: Der Minister Graf v. Itzenplitz hat sowohl demVaterländischen Frauenvereine als demHülfsvereine für Ost⸗ preußen die frachtfreie Beförderung aller Gegenstände(Lebensmittel, Arbeitsmaterial und Kleidungsstücke), welche an die Vorstände der gedachten Vereine gerichtet sind oder von diesen abgesandt werden, mit der Bezeichnung ur Linderung des Nothstandes in Ost⸗ preußen im Frachtbriefe aufgegeben sind, auf den Staats- und unter Staatsverwaltung stehen den Eisenbahnen bewilligt. Da sich an vielen Orten Einzelne und Vereine zum Sammeln und Versenden namentlich von Lebensmitteln bereit erklärt haben, so wollen wir hier erwähnen, daß Hülsenfrüchte, Roggen, Mehl, Brod, auch Speck und anderes zur Speise geeignetes Fett mit größtem Vortheile nach den bedrängten Gegenden gesandt werden könnte. Saatkartoffeln im April nach Ostpreußen zu schicken, seien hiermit allt Landwirthe, welche von dieser Frucht etwas er übrigen können, auf das Freundlichste ge beten. Bis dahin aber, und namentlich bei dem gegenwärtigen scharfen Frost, wollen wir lieber vor Absendung der Kartoffeln warnen.

Mecklenburg. Schwerln. Zu dem Wiederaufbau des Frankfurter Domes hat der Großherzog 500 Thlr. gescheuft.

sei. Jetzt klagt der

Davern. München. Die Gerüchte, daß die partikularistische, ein Bündniß zwischen Oester⸗ reich und Frankreich anstrebende Partei den Fürsten Hobenlohe zu verdrängen suche, treten immer bestimmter auf. Die Stimmung in den leitenden Kreisen soll eine sehr unbehagliche sein.

Augsburg. DieAllgemeine Ztg. meldet aus München: Seitens der Mehrheit der Ab- geordnetenkammer steht anläßlich der Zollparlaments⸗ wahlen die Kundgebung eines Programms bevor, welches im Gegensatz zur Fortschrittspartei den Nichteintritt Bayerns in den norddeutschen Bund in seiner gegenwärtigen Fassung und Gestalt, sowie die Fernhaltung aller dahinführenden Schritte aufstellt.

Württemberg. Stuttgart. Die Ab⸗ geordnetenkammer hat die Civilprozeßordnung en dloc mit 79 gegen 2 Stimmen angenommen und die Aufhebung der körperlichen Züchtigung mit 77 gegen 3 Stimmen beschlossen.

Baden. Karlsruhe. DieK. Ztg. schreibt: An unserer Grenze, in St. Louis und in Straßburg, sind Werbebureaus für die römische Armee errichtet und in inländischen Tagesblättern und Vereinen werden junge Badener aufgefordert, sich dort anwerben zu lassen. Die Personen, welche diese Werbungen fördern und betreiben, an ihre Pflichten gegen ihr deutsches und ihr badisches Vaterland zu erinnern, würde wohl nicht der Mühe lohnen; dagegen mag ihnen der F. 40 des Polizeistrafgesetzbuches ins Gedächtniß zurückgerufen sein.(Folgt Abdruck dieses 5.7

E Die offizielle Uebersicht über die Schüler zahl des Karlsruher Polytechnikums im Studien- jahr 1867 68 weist folgende Zahlen nach: Mathematische Schule 133(darunter 78 Richt⸗ Badener), Ingenieur- Schule 86(59 N.-B.), Maschinenbau-Schule 62(52 N.-B.]), Bauschule 65(16 N.-B.), chemische Schule 19(12 N.-B.), Forst- Schule 36(4 N.- B.), Landwirthschafts⸗ Schule 14(9 N.- B.), Schüler, welche keiner Fachschule angebören, 28(5 N.-B.), Hospitanten 38(15 N.- B.); zusammen 451(250 N.- B., 201 Badener) gegen 501 im Jahre 1866, 564 im Jahrt 1865, 645 im Jahre 1864.

Oesterreich. Wien. DasTagblatt meldet vom 9. d. M.: Es fand auf Kandia ein bedeutendes Gefecht statt. Die Türken haben eine Niederlage erlitten. Der Blokadebruch eines russischen Dampfers in den kandiotischen Oewässern veranlaßte die Pforte, den Mächten amtlich diesen Fall mitzuteilen. Die Pforte fordert die Ab⸗ derufung des Admirals durch Kußland.

Der Bürgermeister Zelinka beantwortete die Adressen der Volksvereine von Leipzig und Mannheim wegen der Haltung des Semeinderaths in der Concordatefragt folgendermaßen: Die Adressen beweisen die ungeschwächte Fortdauer dees mächtigen Gefühls der Jusammengehörigkeit unter den deutschen Bruderstämmen. Die Vertretung der Stadt Wien habe sich um die Aufgabe be müht, die Pflege deutscher Sitte und Cultur zu fördern und zur festen Verknüpfung des geistigen Bandes zwischen Wien und Dentschland das Ihrige nach Kräften beizutragen.

Frankreich. paris. Die Kälte ist diesen inter in Frankreich strenger, als sie seit langer Zeit gewesen, und gleichmäßig welt verbreitet An 2. Januar waren in Nouen 10, in Poctot 13, in Orleans 12, Angers 11, in Dijon und Bourg 15, in Grenoble und Chambery 9, in Angonleme 10, in Straßburg über 15, in Nar⸗ bonne 6, in Montauban 7/0 Celsius 1c. Ganz Südfrankreich steckt im Schnee und man fürchtet für die Oelbäume. Seine, Loire, Rhone, Durance, Maine ic. sind vollständig oder stellen weise zu gefroren.

Ans Toulon wird gemeldet: Da die französischen Truppen noch unbestimmte Zeit in den päpstlichen Staaten bleiben sollen, so ist in dem Hafen von Toulon der Befehl eingetroffen, zwei Dampffregatten zurecht zu machen, welche 13 Tonnen Material nach Civitavecchia bringen ollen.

Daß sich in Frankreich ein republikanischer Geist mehr und mehr regt, geht aus Telegrammen hervor, welche das Ministerium des Innern in Bestürzung versetzten, da sie meldeten, daß die Polizei in Vesoul und Epinay Anschläge an Kirchen und Mairieen angeheftet gefunden habe, welche das Volk auffordern, sich an einer revo; lutionär-republikanischen Bewegung zu betheiligen.

Der gesetzgebende Körper bewilligte dem Kriegeministerium einen außerordentlichen Credit von 400 000 Fres. behufs Unterstützung der noth⸗ leidenden eingeborenen Bevölkerung Algeriens. Die Noth der Araber, namentlich in den militärischen Bezirken, muß fürchterlich sein; Herr Lanjuinals gibt nach einer ihm zugekommenen Privatmit⸗ theilung die Zahl der Opfer auf 200,000 anz

In Paris fand vor einigen Nächten ein Krawall von ziemlicher Ausdehnung statt, dadurch veranlaßt, daß ein Unteroffizier sich mit seiner Patrouille vurch eine mit Schleifen und Schlitt⸗ schuhlaufen sich belustigende Volksmenge einen Weg bahnen wollte. Die Dazwischenkunst eines Offiziers verhinderte durch Entfernung der Sol⸗ daten, daß es zu einem Handgemenge kam. Die aufgeregte Volksmenge, ungefähr 1500 2000 Per sonen, zog nun vor die nahe Caserne, bom⸗ badirte dieselbe mit Eisschollen und Steinen und zerschmetterte einen großen Theil der Fenster der selben. Zugleich ertönten von allen Seiten die Ruft: Es lebe die Freiheit! Es lebe die Republik! u. dgl. Dazwischen wurden die Marseillaise und andere bekannte Lieder aus der Revolutionszeit gesungen. Schließlich mußte der Platz durch das Militär mit gefälltem Gewehre geräumt werden, wobei zahlreiche Verhaftungen vorkamen.

Spanien. Auch in Spanien hat man dieß Jahr einen sehr strengen Winter. Zeitungs⸗ berichte melden, daß die Wölfe von der Sierra Morena herabkommen und die Umgegend von Cordova beunruhigen. In Catalonien war am 3. und 4. d. M. die Kälte so streng, daß man die öffentlichen Brunnen mit heißem Wasser auf⸗ thauen mußte. Viele Fabriken müssen stillstehen, weil das von Wasserfällen herkommende Wasser, welches sonst immer fließt, in diesem Winter ein⸗ gefroren ist.

Driedberg. DieH. V. bemerken sehr richig: Die neuen Posuarise find mit manchen Unzulänglichkeiten verknüpft. Der Vortheil der ermäßigten Taxe für größere Enifernungen kommt nut einer Anzahl Geschäftsleuten zu Gute, die einen sehr geringen Bruchtheil der Gesammt⸗ derölterunz bilden; dafür hat das Publikum statt der 2 kr. Taxt jetzt 3 kr. und bei Briefen mit dem Gewicht von mehr als 1 Loth statt 4 nunmehr gar 7 kr. zu zahlen. Weiler tritt der Frankaturzwang ein, was fta gar vitle Verhältnisse nicht wenig mißftändig ift. Der Geschäftemann, der Rechnungen sortschickt, der Advokat der an seinen Klienten schreibt, müssen jetzt franktren, selbst auf die Gefahr hin, für immer um den Ersatz des bezahlten Portos zu kommen. Pakete für nähere Ent⸗ sernungen haben ebensalls einen Preisaufschlaz erlitten, die Briefcouverts, die man früher getzen einfache Zahlung der aufgedruckten Marke erhielt, kosten jetzt 1 kr. extra.

Frankfurt. Hiefige Blätter melden folgenden schönen Zug der Wohlthätigkeit: Bei dem stärksten Schneegestöber dor einigen Tagen, Morgens 9 Uhr, stand ein bleiches, leicht bekleidetes Mädchen, zwischen 5 und 6 Jahren, am ekt der Schäsergasse und Zeil. Daß das Kind nicht gesund sei, sahen dit Vorübergehenden auf den ersten Blick, und Mancher sprach demselben zu, nach Hause zu gehen. Auch ein Schuhmann gewahrte das Mädchen, und for⸗ derte es auf, zu seinen Eltern sich zu begeben. Das Kind erklärte jedoch, auf eine Frau, die es habe mitnehmen wollen, warten zu müssen. Nachdem Name und Wobnung der Eltern ermittelt waren, begab sich der Schutzmann dorthin, bamit für die Entfernung des Kindes Sorze getragen werde. Hier bot sich demselben ein trauriger Anblick. Der Vater lag krank und die Mutter mit einen der Kinder schwer krank zu Bette. Hülfe war also daher nicht zu bekommen. Er ging wieder zurück, um zu thun, was seine Schuldigkeit war. Inzwischen hatten sich Leute gesammelt und bedauerten das Rind. Da kam ein be⸗ jahrter Mann des Wegs und erkundigte sich, um was es sich handle. Als er die häusliche Noth schildern horte, griff er in die Tasche und händigte dem Schutzmann einen doppelien Friedrichsb'or für die Armen ein. Mit dem

Kinde an der Hand eilte dieser zu den Eltern zurück und konnte den heißen Dank derjenigen entgegenneymen, die gewiß nicht auf eine solche Gabe hofften. Dec Name des edlen Gebers konnte nicht ermittelt werden.

Frankfurt. um Sonntag wurde auf dem Feldberg die Constunitende Generalversammlunt des Taunueclube,

welcher bereiis gegen 100 Mitglieder zählt, abgehalten.

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