Forigangs des Baues der rechterheinischen Eisen bahn wird eine von der Taunusbahn unabhängige direkte Verbindung der Nassauischen Bahn Mos- bach und Wiesbaden mit den Westbahnhöfen zu Frankfurt mit Umgehung des hess. Gebiets beab⸗ sichigt und werden demnächst durch königl. Eisen⸗ bahndircktionen Vorarbeiten stattfinden.“
Oesterreich. Wien. Die Delegationen haben ihre Arbeiten beendet. Das gemeinsame Budget für 1869 ist jetzt auf 92 Millionen Gulden festgestellt, wovon 86 auf das Kriegs- ministerium(Armee und Flotte) kommen.— Offiziös wird bereits angekündigt, daß Franz Joseph I. die Vertreter der ungarischen Nation mit einer„schwungvollen“ Thronrede verabschieden werde. Es gilt, auf die Wähler einen tiefen Eindruck zu machen, damit die Deakpartei und das Ministerium Andrassy siegreich aus den Neu- wahlen hervorgeben.
— Ein kaiserlicher Armeebefehl sagt:„Die Monarchie bedarf des Friedens. Wir müssen ihn zu erhalten wissen. Beide Reichsversammlungen entsprachen meiner Erwartung im vollsten Worte und nahmen, von ächt patriotischem Gefühl durch ⸗ drungen, das Wehrgesetz an. Ich will, daß die Armee, die Kriegsmarine und die Landwehr als treue Waffengefährten zusammenhalten. Schwere Mißgeschicke betrafen die Armee, doch ungebrochen blieb ihr Muth und unerschüttert mein Glaube an ihren Werth. Sie soll die Vergangenheit nicht verläugnen, sondern die glorreichen Erinnerun⸗ gen derselben hinübertragen in die Gegenwart.“
Pest. Im Unterhause erklärte Jvanka von der Linken Namens des Honvedeentralcomites, daß die Honveds von 1848 und 1849 infolge der der Sanctionirung des Wehrgesetzes ihre Diensie für Vaterland und Thron darbieten.
In Hermannstadt wurde eine große Zahl rumänischer Proklama tionen consiscirt, die als Gebetbücher eingeschmuggelt worden sind.
— Das„Tageblatt“ meldet: Die englischen und franzöfischen Mittelmeerflotten haben Befehl erhalten, sich zum Einlaufen in die griechischen Gewässer bereit zu halten. Auch Contreadmiral Tegethoff bereite die Zufammensetzung einer öster⸗ reichischen Escadie vor. 5
Aus Wie liczke lauten die neuesten Nach richten bezüglich Erhaltung des Salzwerkes weniger günfig. Eine Schutzmauer war schon fertig, das Wasser durch ditselbe bereite abg/ sperrt, als es plötzlich wieder seitwärte der Mauer sich einen Ausweg grub und auf Stitenwegen abzu ⸗ fließen begann; es stiömt in der Stärke von einem Kubikjuß per Sekunde. Die Arbeiten werden dennoch fortgesetzt aber mit wenig Aussicht auf Erfolg.
Dank reich. Paris. Den„Journal de Paris“ geht als ganz zuverlässig die Nachricht zu, daß der Kaiser das Decret unterzeichnet habe, durch welches die Kammern am Nontag, den 11. Januar, eröffnet werden. Der Kaiser hätte den Wunsch ausgesprochen, die Session mögt spätestens den 30. April zu Ende gehen.
— Dem„Etendard“ zusolge sind von den an 3. d. N. Berhasteten Alle, bis auf 15 bis 16 Personen, wieder in Freiheit gesetzt worden.
— In dem Urtheil, welches das Zuchtpolizei⸗ gericht von Toulouse in der Baudin⸗ Affaire ge⸗ sprschen, lief man wörtlich folgenden Erwägungs ⸗ grund:„In Erwägung, daß man in dem Betragen Baudin's nur einen At von Tugend und Muth erblicken kann, welches unter allen Regierungen geehrt zu werden verdient... 1c.“
— Der„Noniteur“ meldet an der Spitze seines Bulletins, Graf Bismarck habe gleich nach seiner Rückkunft in Berlin die Gesandten von Frankeich, England und Rußland besucht und in seinen Unterhaltungen mit diesen Diplomaten sein Vertrauen in die Aufrechterhaltung der guten Beziehungen, welche die Mächte unterhalten, aus⸗ gesprochen.
— Die„Agence Havas“ glaubt versichern zu können, daß die von der„Turquie“ gemeldeten Nachrichten an hiesiger gutunterrichteter Stelle für sehr übertrieben gehalten werden.
Großbritannien. London. Nach dem „Observer“ übernimmt Bruce definitiv das Innere, der Herzog von Argyle das Ministerium für Indien, John Bright den Handel, Earl Granville die Colonien, Earl Russel wird Großsiegelbewahrer, Bimberley Conseilspräsident und Minister des Unterrichts, Göshen Präsident des Departements für das Armenwesen, Earl Grep, Generalpost⸗ mtister, Lord Villiers, Kanzler für das Herzog⸗ thum Lancashire.
— Die„Times“ sagt, Bruce übernehme das Ministerium des Innern, Hartington werde Ge⸗ neralpostmeister, Earl Grey Conseilpräsident, Kimberley Lordsiegelbewahrer, Layard wahrschein⸗ lich Minister der öffentlichen Arbeiten. Es heißt, Lord Villiers lehne den Eintritt in das Cabinet ab. Göschen wird vermuthlich Präsident des Armengesetz⸗Collegiums.
— An der irischen Küste haben zahlreiche Unglücksfälle in Folge des Sturmes stattgefunden. Der Dampfer„Hibernian“ ist gesunken, wobei 33 Personen verunglückten; 92 wurden gerettet.
Spanien. Am 5. d. machten die Repu⸗ blikaner in Cadix eine bewaffnete Demonstration. Aufgefordert, die Waffen niederzulegen, verweigerten sie dies und errichteten Barrikaden. Die Truppen luden scharf und zerstreuten die Republikaner.
Madrid. Oenauere Regierungsnachrichten über den Cadixer Aufstand lauten:„Am 5. ds. ist die Ordnung in Hafen von Sainte-⸗Marie in Folge des Aufstandes eines Theiles der Volks⸗ wehr gestört worden, welche mit den Waffen in der Hand die Entsetzung des durch das allgemeine Stimmrecht erwaßzlten Alcalden verlangte. Dieser Aufstand ist sogleich niedergeschlagen und die Ruhestörer sind den Gerichten übergeben worden. Die Aufständischen von Cadix machten sich jedoch den Abmarsch einiger Truppen nach Sainte⸗Marie zu nutze und, von den Reactionären aufgestachelt, griffen sie die städtische Autorität und die Gar nison an. Diese nahm den Kampf mit Energie auf, schloß die Insurgenten im Apuntamiento und einigen benachbarten Gebäuden ein und verestelte so die Bewegung.
— Die„Gateta“ enthält ein Telegramm, wonach in Tarragona eine Kundgebung der Monarchisten durch die Republikaner gestört wurde. Der Gouverneur mußte zur bewaffneten Nacht Zuflucht nehmen. Nach einer Charge der Ca⸗ vallerie wurde die Ordnung wieder hergestellt.— Ein von allen Mitgliedern der Regierung unter ⸗ zeichnetes Dekret beruft dit Wähler der Halbinsel zu den Wahlen und kündigt ein neutrales Ver⸗ dalten der Regierung in Bezug auf die Wahlen an.
Türkei Konstantinopel. Die Pforte bat, unterstützt von Frankreich, England und Oesterreich, ein Ultimatum an Griechenland ab⸗ gesendet. Dieses Ultimatum verlangt: die Ber⸗ dinderung der Anwerbung von Freiwilligen für die Insurgenten in Kreta, die Einstellung der Fahrten des Dampfers„Enosis“ und die unge⸗ hinderte Einschiffung der kretensischen Emigrirten. In Falle die griechische Regierung diese For⸗ derung ablehnen sollte, würden sofort die diplo⸗ watischen Beziehungen abgebrochen, die griechischen Unterthanen aus der Türkei ausgewiesen und die türkischen Häfen für die griechischen Schiffe ge⸗ schlossen werden.
— Die Pforte hat Griechenland eine acht⸗ tägige Frist gewährt. Die thessalische Armee trifft Vorbereitungen zur Ueberschreitung der griechischen Gränze.
— Die„Turquie“ widerruft die Nachricht, daß die Pforte von ihren früheren Beschlüssen zurückgekommen und ein Ultimatum nach Griechen ⸗ land abgesendet habe, dessen Antwort sie abwarten wolle. Die Pforte habe im Gegentheil sich dahin entschieden, alle Beziehungen mit Griechenland ab⸗ zubrechen und die Schiffe in den Grund zu bohren, welche Freiwillige nach Crela bringen wollen. Am 6. d. hat ein großer Ministerrath, an welchem auch die höheren Offiziere der Armee Theil nahmen, unter Borsitz des Sultans stattgefunden. Man versichert, es seien für den Fall eines Krieges
bereits Maßregeln getroffen.
Rußland. Petersburg. Das„Journ. de St. Petersbourg“ hofft, die Weisheit der griechischen wie der kürkischen Staatsmänner werde noch die bedauerliche Consequenz eines Abbruchs der diplomatischen Beziehungen vermeiden.
— Das„Journal de St. Petersbourg“ fordert die Wiener„Neue freie Presse“ auf, die angeblich vorhandenen Beweise über russische In⸗ triguen in Ungarn beizubringen, widrigenfalls sie selbst damit das Zugeständniß einer ausgesprochenen Verläumdung machen würde.
Amerika Newpork. Die Prozeßverhand⸗ lungen gegen Jefferson Davis schlossen mit deren Vertagung bis zum Maitermin des Obergerichts⸗ hofes von Richmond. Die Bürgschaft für den Angeklagten wurde erneuert.— Auf dem Ohio ist der Dampfer„Amerika“ in Folge eines Zu⸗ sammenstoßes mit einem anderen Schiffe gesunken. Es sind bei diesem Vorfall 100 Menschen ertrunken.
— Nachrichten aus Cuba zufolge hat die revolutionäre Junta eine Proklamation erlassen, in welcher jedes Begnadigungsanerbieten zurück⸗ gewiesen und erklärt wird, daß die Insurgenten entschlossen seien, ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen.
Philadelphia. Die Truppen des General Sheridan zerstörten am Freitag ein indianisches Dorf im indianischen Territorium nach heftigem Kampfe. Die Indianer verloren 150 Todte und 60 Gefangene; die Unionstruppen verloren 16 Todie und 15 Verwundete. Eine andere Version gibt dieselbe Thatsache, verlegt sie nur einige hundert Meilen nordwärts in das Dacotah⸗ Territorium, wo eine Cavallerie-⸗Abtheilung unter General Custar einen Angriff auf ein Dorf der Chevennes gemacht haben soll.
Friedberg. Auch in unserer Gegend hat ein heftiger Sturm während der letzten Tage arg getobt, an Dächern und Schornsteinen ungestüm gerüttelt und manchen der letzeren zu Fall gebracht.— Von verschiedenen Seiten wurde uns mitgetheilt, daß dahier am Morgen des 7. Dec. zwischen 7 und 8 Uhr ein Erdsioß sehr merklich verspürt worden sei. 2
Frankfurt. Eine unserer hiesigen Strafanstalten birgt zur Zeit noch eine Persönlichkeit, über deren Herkunst die Poiizelbehöede gänzlich im Dunklen ist. Es ist dies ein Individuum, das wegen eines auf der Eisenbahn ver ⸗ übten Kofferdiebstahls zu sechs Monaten Gefängniß ver⸗ urtheilt worden ist, und sich A. F. Schwarz aus Tilsit nannte. Alle inzwischen zur Ermittlung seiner Peison bis jetzt angestellten Recherchen blieben resultatlos und vermuthet man, daß der Inhaftirte ein schweres Verbrechen begangen und deßhald allen Grund habe, seinen wahren Namen zu verschweigen. wie schon öster ein sogenanntes freiwilliges Geständniß und gab an, er beiße Casimic v. Stephany, der Sohn eines im Jahr 1830 im polnischen Ausstande gebliebenen Edelmannes. Es dürfte sehr fraglich sein, ob nun diese Angabe mehr Glauben verdient, als die früheren.
Darmstadt. Eine im Verlage von E. Zernin dahier erschienene Schrift:„Die Operauionen des 8. deutschen Armee⸗Corps im Feldzug des Jahres 1866. Nach authen⸗ tischen Quellen dargestellt. Darmstadt und Leipzig 18687, kann als eine offizielle Collectivarbeit angesehen werden, zu welcher der damalige Chef des Generalstabs, det königl. Würtiembergische Generallientenant v. Baur, das Wesent⸗ lichste beigetragen haben soll.
— Am Sonntag Abend fand im großen Ritsert'schen Saal eine surchtbare Schlägerei zwischen Soldaten, ins⸗ besondere Infanterie und Reiterei statt. Die Streitenden bedienten sich der blanken Waffe und zertrümmerten Gläser, Stühle u. s. w. in Menge.
Darmstadt. Die Versicherungs⸗Gesellschaft Provi⸗ dentia zu Franksurt, welche die schwedenden Versiche⸗ tungen der in Liquidation begriffenen„Rheinischen Ver⸗ sicherungs⸗Gesellschaft“ in Mainz en dloe übernommen, hat nunmehr ebenfalls und zwar unter der Firma „Ptovidentia, Versicherungs⸗Gesellschast zu Frankfurt a. M. und Mainz, Geschäftsnachsolgerin der Nheinischen Ver⸗ sicherungs⸗Gesellschast?, die Rechte einer inländischen Jeuer⸗ versicherungs⸗Gesellschast für das Großberzogthum erworben und genießt in Folge dessen jetzt dieselben Vergünstigungen, wie die Aachen⸗Münchener, die Colonia, der Phönix ꝛc.
Darmstadt. Die gegen Bahnwärter Blöser wegen verspäteter Schließung der Eisenbahn⸗ Barriere, wodurche bekanntlich ein Fuhrmann sein Lehen einbüßte, stittgehabte Verhandlung vor hiesigem Bezirksgerichte hatte ungeachte aller für den Angeschuldigten geltend gemachten Entlastungs⸗ gründe(der in jener Nacht herrschende Nebel und sonstiges ungünstiges Zusammentreffen mehrerer Umstände) seine Verurtheilung zu 8 Wochen Gefängniß zur Folge. Der Angeschuldigte, dessen tadellose Dienssführung von dessen Vorgesetzten und allseitig anerkannt wurde, hat Apellation gegen das erlassene Erkenntniß angezeigt.
Höchst a. M. Es wird versichert, der Herzog von Nassau stiehe mit Herrn F. Sonntag wegen des Bolon⸗ d Schlosses dahier in Unterhandlung, und soll der Verkauf so gut wie abges hlossen sein.
Bor einigen Tagen machte er
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