Ausgabe 
9.6.1868
 
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unveränderter Fassung des Unterhauses. Im Abgeordnetenhaus sprichen bei Fortsetzung der Finanzdebatte für die Majoritätsanträge des Budgetausschusses Mayr, gegen dieselben Mende, Franz, Groß und Reichskanzler v. Beust. Letzterer ermahnt das Abgeordnetenhaus, nicht durch die Potenzirung einer unerläßlichen Maßregel über das Maß der Nothwendigkeit hinauszugehen und die Schwierigkeiten dem Auslande gegenüber zu erhöhen.

5. Juni. In der heutigen Unterhaus sitzung wurde die Finanzdebatte fortgesetzt. Kaiser und Sturm widerlegen unter Beifall die Aus- führungen der Redner für die Majoritätsanträge. Weiter sprachen Bormuzaki, Klier und Stamm gegen und Petrino, Ziemalkowski für die Anträge der Majorität. Auf Antrag Kremer's wurde alsdann der Schluß der Generaldiskussion an- genommen.

6. Juni. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde bei der Debatte über das Convertirungsgesetz ein Antrag Rechbauer's auf eine Resolutton angenommen, welche erklärt, das Abgeordnetenhaus erkenne keine Rechtsverbind⸗ lichkeit zur Zahlung von Staateschulden an, welche ohne Zustimmung des Reichsrathes con⸗ trohirt wurden. Es leiste nur aus politischen Gründen Zahlung in bisherigem Maße, ohne jedoch hierdurch die Frage der Indemnitätserthei⸗ lung für derlei Anlehen zu präjudiciren. Das Abgeordnetenhaus nahm hierauf das Converti⸗ rungsgesetz in zweiter und dritter Lesung nach den Anträgen der Minorität an. Die Abend⸗ blätter melden, daß heute Mittag der Prinz Na⸗ poleon und der Kaiser Besuche austauschten. Bei dem französischen Botschafter Grammont fand heute ein diplomatisches Diner statt.

Juni. In der Abend Sitzung des Abgeordnetenhauses wird die Finanzdebatte fortgesetzt. Es spricht zunächst Rechbauer als Generalredner gegen die Majoritätsanträge des Budgetausschusses und betont hierbei besonders die Nothwendigkeit einer radicalen Umwandlung des Heerwesens zur gänzlichen Beseitigung des Deficits. Tinti beantragt eine Resolution dahin lautend, die Regierung solle bemüht sein, durch Ersparung im Heereswesen das Desicit zu decken.

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Krzeckenowicz spricht gegen die Resolution Tinti's, weil Oesterreich eines mächtigen Heeres bedürfe. Der Berichterstatter der Aus schußminorität Banhans vertheidigt in seiner Schlußrede den Minoritäts⸗ antrag und betont dabei, daß die Minorität keine Zinsenreduction wolle.

6. Juni. In der heutigen Reichsraths- sitzung sagte Finanzminister Dr. Brestel bei Fort- setzung der Finanzdebatte:Der von der Regie- rung proponirte Abzug ist eine ein für allemal festgestellte, aus der Mehrbelastung Oesterreichs in Folge des Ausgleichs mit Ungarn sich ergebende Ziffer; der Minoritätsantrag ist die durch die Gerechtigkeit gebotene äußerste Gränze. Der Finanzminister warnt vor jeder gewaltthätigen Maßregel. Die Regierung werde auf Vermögens- steuer nicht bestehen; wenn das Haus sich dagegen ausspreche, werde sie eventuell nach Ablauf der Session Vorschläge zur Steuererhöhung einbringen. In der Herbst⸗Session werden jedenfalls Steuer- reformvorlagen eingebracht. Ministerpräsident Fürst Auersperg:Das Programm der Regierung war und ist Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit des Staates. Die Regierung wünscht dringend, daß die Anträge der Majorität nicht angenommen werden. Das Haus möge die Ehre des Staates aufrecht erhaiten und den Ruf Oesterreichs nicht schädigen. Bei der nun folgenden Specialdebatte über die Unification der Staatsschuld wird der Antrag auf Rückverweisung des Gesetzentwurfes an den Ausschuß abgelehnt. Der Ministerpräsi⸗ dent Fürst Auersperg erklärt auf das Bündigste, wenn die Beschlüsse der Majorität angenommen würden, werde die gegenwärtige Regierung zu⸗ rücktreten. Schindler verzichtet Angesichts der Er⸗ klärung des Ministerpräsidenten auf weitere Ver⸗ theidigung der Majoritätsanträge und drückt seine Freude darüber aus, daß die Voraussetzungen zu einem entstehenden Zwiespalt in Folge der bün⸗ digen Erklärung der Regierung zu Schanden werden. Der Berichterstatter der Majorität be⸗ barrt bei seiner Meinung, glaube aber gegen die Erklärung des Ministerpräsidenten nicht auftreten zu sollen. Bei namentlicher Abstimmung wird darauf der Antrag der Majorität mit 113 gegen 46 und der verbesserte Majoritätsantrag mit 100 gegen 58 Stimmen abgelehnt. Der verbesserte

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Minoritätsantrag, dem sich die Regierung an⸗ schloß, wird mit großer Majorität in folgender Fassung angenommen:Sämmtliche Gattungen der fundirten allgemeinen Staatsschuld, ausge⸗ nommen die Loose von 1854, 1860 und des Steueranlehens vom Jahre 1864, werden in eine fünfprocentige einheitliche Schuld umgewan⸗ delt, die mit einer sechszehnprocentigen Steuer, welche nicht erhöht werden kann, belastet wird.

Von Nidda wird gemeldet, daß der Rechner ver⸗ schiedener öffentlichen Kassen, Herr J. von da, sich nach Eintreffen einer Visttationscommission von Hause heimlich entfernt hat. Es soll von ihm ein Schreiben aus Aachen eingetroffen sein, in welchem er den sesten Entschluß, den Tod suchen zu wollen, ausgesprochen habe.

Frankfurt. Seit dem am 1. Juni ins Leben ge⸗ tretenen Sommerfahrplin der hier einmündenden Eisen⸗ bahnen kommen täglich 82 Züge an, darunter sind 16 Schnell- und 5 Güterzüge; abgelassen werden von hier 81 Züge, darunter 15 Schnell- und 7 Güterzüge.

Frankfurt. Ein hiesiger junger Mann war die Wette eingegangen, dreimal, ohne auszuruhen, den Main zu durchschwimmen und zwar an einer Stelle, wo die Strömung am stärksten ist und innerhalb einer Gränze von 100 Fuß. Die letztere Bedingung ist offenbar die schwierigste. Dennoch löste er seine Aufgabe mit vieler Ausdauer und in der verhältnißmäßig kurzen Zeit von 28 Minuten, ein Kraftstück, das ihm wenige unserer hiesigen Schwimmer nachmachen werden. Freilich sind in der Welt schon ganz andere Schwimmproben abgelegt worden, unter denen die berühmtesten jene des Lord Byron und des Dichters Albert Dulk in Stuttgart sind. Lord Byron schwamm bekanntlich über den Hellespont und Dr. Dulk sogar über den Bodensee von Rom inshorn nach Frieorichs⸗ hafen. Hier ist der See nicht weniger als 4 Stunden breit und die großen Dampfvoote bedürfen einer Zeit von Stunden, um den Weg zurückzulegen.

Mainz. Am 3. b. M. verunglückte ein Conducteur der Taunuseisenbahn. Der Zug fuhr von Wiesbaden in Castel ein. während der Conductcur die Billeie abzunehmen im Begriffe war. Bei der Durchfahrt durch das Festungs⸗ thor ergriff dasselbe die offenstehende Thüre und schleuderte diese den auf dem Trittbcette befindlichen Beamten herab, Der Verunglückte wurde sofort ins Rochushospital gebracht, wo derselde noch spät Abends an dem rechten Arm am⸗ putirt wurde. Außerdem hat er verschiedene nicht un⸗ bedeutende Verwundungen am Kopf und am linken Bein davon getragen.

Worms. Der Brigade⸗Commandeur Oberst Bickel war am 4. d. dahier anwesend, um den preußischen Oberst⸗ lieutenant v. Frankenberg zunächst dem Offiziercorps als neuen Regimentecomm mocur vorzustellen. Am sol⸗ genden Morgen wurde demselben auf dem Exerclerplatze das Regiment übergeben.

Edictal ladung.

1128 Nachdem die ledige Marte Katharine Billasch von Fauerbach dei Frietberg am 2. Januar l. J. mit Hinterlassung eines Testaments gestorben ist, in welchem sie ihre Geschwister und vorverssorbener Geschwisler Kinder zu ihren Erben ernannt, fe doch die angeblich in Amer kla mit unbekanntem Aufentbaltserte abwesende Schwester, Wilbelmine, Ehefrau von Hartmann Kappes von Nieder⸗Wollstadt, und deren beiden Söhne, sowie die Ender ihrer Schwester, Anna Eva, Ehefrau von Caspar Tbomas auogeschlossen bat, werden die erwähnten Geschwister und Geschwisterkinder aufgefordert, das Testament der Marie Katharine Billasch binnen Frist von drei Monaten so gewiß dahier anzufechten, als sonst dasselbe als von ihnen anerkannt angesehen, und der Nachlaß den eingesetzten Erden überlassen werden wird. Friedberg den 5. Mai 1868. Greßberzoglichts Landgericht Friedberg Reiß. Steluberger, Land richter. Landgerichts Assessor.

Bekanntmachung,

5 f betreffend: . Holzversteigerung in den Domantalwaldungen der Ober⸗ försterei Ober⸗Nesbach. 1364 Freitag den 12. d. M. Morgens 8 Uhr h gelangen in 175 bel Nieder- Mörlen ge⸗ egenen Frauenwald zur öffentlichen Versteigerun an die Meistbietenden: 5 fes ie 31½ Stecken Prügelbo'z, 4675 Wellen Reiserhoꝛz, 1/ Wagen Allerleiholz, 107 Stück Baumstangen, Ober⸗ Rosbach den 3. Junt 1868. Großperzogliche Oberfersteret Ober Rosbach Bing mann.

geschälte Eichen.

Heugras ⸗Versteigerung. 1367 Donnerstag den 11. d. M., Vormittags 10 Uhr, soll vas der Gemeinde Okarben zustebende Heugras von circa 60 Morgen Wiesen in einzelen Abtheilungen auf hiesigem Rathhause meistbietend verfleigert werden.

Okarben am 3. Juni 1868.

Großherzogliche Bürgermeisterei Okarben Zauer bach.

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Holz⸗Versteigerung in der Oberförsterei Nidda.

1346 In den Domanlalwalt ungen der Oberförsterel Nidda sollen nachverzeichnete Holzsortimente mit Zahlungs

termin bis Martini l. J. versteigert werden:

1) Montag den 15. d. M. in den Districten Dornbusch und Steinbach.

Scheidholz. Prü gelholz. Stockholz. Kelsholz. Holzart S te e n.

Buchen 324 11 51 12⁵

Eichen 2 10

Nadelholz 4 2 27 12 Eichenstämme von Durchmesser und 15 4, Länge mit 136 Kubiffuß, 55 Narelholz10½ 1 25 70 1236 5 12 Buchen 14½24 17 5 550, 7 1 8 13 Eichenflangen 45 655 15-30* 46 7

18 Nadelbolz 45

30-45

108 f Das Holz im Distriet Steinbach, meist Bau-, Werk⸗ 1d Nuß holz, kommt Nachmittags al Versteigerung.

2) Dienstag den 16. d. M. in den Distrieten Streithainerborn, Comporst und Falserscla g.

Scheldholz. Pilgelholz. Stockholz. Nele holz. Holzart: S te e u. Buchen 155⁵ 1278/ 90 164 Eichen 20 1 3 Nadelholz 32 Aspen 2 1 Eichen⸗Stamm von 20 Durchmesser und 35 Länge mit 110 Kubikfuß, 1 Buchen · 1 21. 95 1

(Das Hoiz in den Distriecten Comporst und Laiserschlag wollen Steigliebhaber vor der Versteigerunz

einsehen.)

Die Zusammenkunft ist an beiden Tagen Vormittags präcts 9 Uhr und zwar Montage im Holzschlage, Dißrieis Derubusch, Dienstags im Holzschlage, Distriets Streithainerborn.

Nidda den 1. Juni 1868.

Großherzogliche Oberförsterel Nidda Georg.

Beachtensu ert! 102 Unterzeichneter besißzt ein vortreffliches Mittel gegen nächtliches Beitnässen, sowie gegen Schwächezustände det Harnblase und Geschlechtsorgane. Speclalarz: Ir. Kirchhoffer in Kappel bei St. Gallen(Schweiz).

Rangenpflanzen,

1379 Sellerie und Lauch hat zu verkaufen

Johannes Schwalm am Jauerbacher Thor.

Walzen- und Haferstroh

1374 in dem Ockonomiehof der Blinden Anstalt zu Miedberg der Centner zu 40 kr., aber nicht unter 10 Centner.

Dickrübenpflanzen, 1383 circa 200,000 Stück, gute Oberrörser⸗Sorte,

haben abzugeben Heyl& Chelius in Wickstadt.