Ausgabe 
8.10.1868
 
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Depesche gastfreundschaftliche Aufnahme in Rom angeboten hat. Im Palast Farnese werden bereits Empfangsvorkehrungen getroffen.

DieNatione vom 1. October spricht sich in folgenden Worten über Spanien aus: Wir sehen in diesem Erwachen Spaniens einen großen Vortheil für Italien. Es ist wiederum ein Volk lateinischer Race, welches auf die Bahn des Fortschritts einlenkt, die ihm bis dahin ver- schlossen war. Möge der Himmel geben, daß Spanien in seiner Wiedergeburt das herrliche Beispiel nachzuahmen wisse, welches Italien in den Jahren 1859 und 1860 Europa gegeben hat.

Einer telegraphischen Depesche aus Lugano vom 2. Oktober zufolge regnet es dort noch in Strömen, und ist der Lago Maggiore über vier Fuß gestiegen. In Raveno, Pallatza, Intra i. fährt man mit Schiffen auf die Plätze am See und in die Straßen hinein. Zwischen Biasca und Bellinzona nahm der Tessin die ganze Breite des Thales ein. Viele Häuser, sogar kleine Ortschaften sind verschwunden und Straßen und Brücken demolirt, so daß man von mehreren Millionen Schaden spricht.

Spanien. Durch ein Decret vom 30. Sept. verordnet die Junta, daß die Justiz ungehindert ihren Lauf nehme und überall schleunig und nach- drücklich einschreite. Die Urtheile werden fortan im Namen der Nation erlassen. Um die In⸗ teressen des Schatzes und des öffentlichen Ver⸗ mögens zu wahren, verordnet ein anderes Dekret, daß alles Stempelpapier mit dem Zusatz:Von der Nation genehmigt versehen werde. Alle Journale sind weiter erschienen. Der Herausgeber derDemocratia, der zu 102 Jahren Gefäng⸗ nißstrafe verurtheilt war, wurde sofort aus der Haft befreit. Ebenso holte das Volk einen Ad⸗ jutanten Prim's, Escalante, im Triumph aus dem Kerker von San Francisco und proklamirte ihn zum General der Nationalmiliz. 40,000 Menschen nach anderen Berichten sogar 50,000, wurde mit Waffen versehen. Ein schönes Beispiel der Opferfreudigkeit ist auch dieses: die Kaufmann⸗ schaft von Sevilla hat der revolutionären Junta 160 Millionen Reale zugesandt. In Cadix hat das Volk die Jesuiten fortgejagt und ihre Residen zugeschlossen das heißt etwas bei dem Spanier! Aber noch mehr, auch alle neugestifteten Mönchs⸗ klöster sollen geschlossen werden.

Alle Berichte, die jetzt in franzöfischen und anderen Zeitungen aus Madrid einlaufen und genauere Details über die ersten Momente des Sieges bringen, find einstimmig in dem Lobe der Haltung der Bevölkerung.Niemals, schreibt ein Correspondent derInd belge,habe ich eine Revolution weder in Frankreich noch in Spanien mit mehr Enthustasmus und zugleich mit mehr Ordnung sich vollziehen sehen: die Achtung des Eigenthums und der Person ist auf die vollkommenste Weise gewahrt worden. Auch war die Nachricht von der Plünderung des Palais der Königin eine falsche. Das Volk ist nur in einige wenige Säle eingedrungen, Beschädigungen fanden kaum statt. Als die Junta das Inventar des Schlosses aufnehmen ließ, fand sich Alles un beschädigt.

Die Junta besteht aus 14 Progressisten, 9 Unionisten und 7 Demokraten.

Amerika. Newyork. Die mit Spannung erwarteten Einzelheiten über das furchtbare Erd beben in Peru und Ecuador find nunmehr hier eingetroffen; dieselben bestätigen die, im Anfang sast unglaublich erachtete, Ausdehnung des Unglücks im vollsten Maße, wenn auch die beiden Quellen, das Cubakabel von Havannah und der Postdampser von Aspinwall auf dem Isthmus, bezüglich der Zahl der Verunglückten ziemlich weit austinander gehen, denn während der Telegraph von 25,000 Todten und 30,000 Obdachtosen spricht, sanden dem Postberichte aus Aspinwall zufolge 32,000 Menschen ihren Tod, und belief sich der Schaden an Eigenthum auf mehr als 300 Mill. Dollar. Im Ganzen sollen etwa 20 Städte in Trümmern liegen, doch ist eine genaue Uebersicht über das Unglück, eben seiner Ausdehnung wegen, noch nicht ermöglicht.

Das von Rio-Janeiro am 8. September abgegangene Paketboot bringt folgende Nachrichten vom Kriegsschauplatze: Der Marquis de Caxias, an der Spitze von 30,000 Brasilianern, marschirte auf Tebicuary. Den 16. August hat die Flotte Timbo bombardirt, welches den 22. mit der Artillerie und Munition preisgegeben worden ist. 10,000 Brasilianer und 5000 Argentiner hielten Humaita besetzt. Die Brasilianer besetzten Pilar, vier Tagemärsche von Tebicuary. Das Gerücht geht, daß Lopez, nach Aufgebung Tebicuarys, sich nach Cerroleon, 25 Meilen von Assumcion gewendet habe, wo die Vertheidigung eine schwierige ist. Afrika. Depeschen aus Alexandria melden, daß die Legung des Kabels zwischen Malta und Alexandria durch das mittelländische Meer erfolg⸗ reich vollendet worden ist.

Frankfurt. Der Gemeinderath von Bornheim hat beschlossen, dem provisorischen Comkte für die Wintergärten das zuerst angebotene Gelände auf der Bornheimer Haide, besser arrondirt, auf die Dauer von 99 Jahren unentgelt⸗ lich zu offeriren.

Darmstadt. Die am 3. ds. dahier stattgehabte Generalversammlung des Vereins zur Unterstützung von Invaliden und Hinterbliebenen gefallener hessischer Soldaten aus dem Feldzug von 1866 war nur wenig besucht. Der einzige Gegenstand der Tagesordnung bildete die Rechen⸗ schaftsablage pro 1866 bis 1. Juli 1868, welchen Bericht Herr Hofgerichtsrath Hahn erstalsete. Das Vereinsvermögen delief sich am 1. Juli auf 27.447 fl. 8 tr. Die Mit⸗ gliederzahl auf 7d1. Pro 1868 sind für ordentliche Unterstützungen 4106 fl. in Aussicht genommen. Darmstadt. Die in Offenbach gesammelten Unter⸗ schriften für die Adresse an den Großherzog zu Gunsten des Mitpredigers Mitzenius sind bei dem yiesigen Comite eingetroffen. Dieselben erreichen die stattliche Zahl von etwa 1100(elshundert), und zwar figuriren nicht bloß die weltlichen Mitglieder des Kirchenvorstandes, sondern auch der gesammte Gemeinderath an der Spitze. Darmstadt. Die neueste Mittheilung der Großh. Gentralstelle für die Landesstalistik bringt eine Zusammen⸗ stellung des Postverkehrs im Jahre 1867. Hiernach sind an außerhalb des Großherzogihums erscheinenden politischen Zeitungen im vierten Quartal 1867 im Ganzen 4719 mplare durch die Post bezoßen worden, welche sich wie leigt vertheilen: Frankfurter Journal 219 t E., Frankfurter Anzeiger 710 E., Frankfurter Zeitung 659 E., Kölnische Zeitung 132 E., Augsburger Allgemeine Zeitung 117 E., 9 Allgemeine Zeitung 45 E., sonstige Zeitungen 765 E.

Mainz. Das neue Dampsschiff der Köln⸗Düsseldorfer Gesellschaft, derFriede, kostet nach Angabe desMainz. Anz. mit allem nöthigen Zubehör die nette Summe von 92,319 Thlr. Das dem Personenveckehr zwischen Mainz und Köln dienende Schiff ist sehr elegant und zweckmäßig eingerichtet, bedeutend größer als die bisher im Dienste befindlichen Rheindampfboote und bietet dem reisenden Publicum größere Bequemlichkeiten und mehr Annehmlich⸗ keiten als die älteren. Es erfreut sich deßhalb auch einer sehr auffallenden Bevorzugung von Seiten der Rhein⸗ reisenden.

Heidelberg. Badische Blätter melden ven hier: Dieset Tage meldete sich ein fahnenflüchtiger Rekrut aus Eppelheim, welcher in das päpstliche Heer in Rom ein⸗ getreten war, freiwillig beim Amt. Derselbe war in Rom ausgerissen, wie so viele seiner Kameraden, weil er sich in seinen Erwartungen getäuscht sah und es nicht dort aus⸗ balten konnte, halte ganz Italien, die Schweiz und Baden durchreist, um nur wieder in die Heimath zu gelangen, trotz 5 Aussicht auf Strafe und nachträgliche Einstellung ins Heer.

Aschaffenuburg. In dem in der Nähe galegenen Orte Großthal starb vor einigen Tagen ein dortiger Orts⸗ bewohner, nachdem er Birnmost, welcher in einem Petro⸗ leumfasse aufbewahrt war, getrunken hatte, trotzdem das Faß vorher gebrüht und gereinigt wurde. Da es in diesem Orte üblich ist, daß vier Nachbarn das Grab zu graben haben, kam es nach Beenbigung dieser Arbeit dazu, daß auch diese vier Männer von dem erwähnten Birnmost zu trinken bekamen, woraufhin der eine ebenfalls seinen Geist aufgab und die anderen drei mehr oder weniger erkrankten. DieAschaffenb. Zig. übergibt diesen traurigen Thalbestand der Oeffentlichkeit in der Absicht, daß sich Jedermann für die Folge hüten möge, irgend eiwas Trink⸗ oder Eßbares in einem Petroleumfasse aufzubewahren, wenn cs auch noch so gereinigt worden wäre, da es so⸗ wohl für Menschen wie auch Thiere von den nachtheiligsten Folgen sein muß.

Würzburg. Die 26. Versammlung deutscher Philo- legen und Schulmänner sand dieser Tage dabier statt. Die Zahl der aus allen Theilen Deutschlands anwesenden Mitglieder belief sich auf 400.

In Braunschweig tagte am 19. 22. Sept. die dritte Generalversammlung des allgemeinen deutschen Frauenvereins. Die Versammlung beauftragte ihren Vorstand: 1) Eine Petition an den norddeuischen Reichs⸗ tag zu senden, bei Beratung der Unterrichtsverhälinisse auch die der Mädchen in Berücksichtigung zu ziehen; 2) auf die nächste allgemeine deuische Lehrerversammlung zwei Lehrerinnen zu senden, um als Mitglieder des allge⸗ meinen deutschen Frauenvereins, inmitten der anderen

Lehrerinnen, dort die Interessen des Standes der Lehrer⸗

innen und des weiblichen Unterrichts fördern zu helfen. Noch beschäftigte man sich lebhaft mit der Frage der Mädchenindustrieschulen und der weiblichen Aerzte. Als Vorort ward wieder Leipzig gewählt und ebenso der frühere Vorstand; zum nächsten Versammlungsort Kassel.

* Fal sche Halbguldenstücke. Es circuliren falsche Halbguldenstücke in bayerischer Präge mit der Jahr⸗ zahl 1859 und in würtembergischer Präge mit der Jahr⸗ zahl 1864, die sehr gut gearbeitet, am Klange aber leicht als falsch erkenntlich sind.

, DerCorrespondencia zufolge scheint man ein vortreffliches Specificum gegen die Cholera gefunden zu haben, und zwar in einer Pflanze, die in Arabien wächst und dort Gats genannt wird.

Landwirthschastliches.

Nachtheile, welche das zu frühe Abblatten der Rübe und das Abschnerden und Abhüten des Kartoffelkrautes zur Folge hat. Ju Nr. 104 ds. Blis. wird uns in einer: Artikel über Behand⸗ lung der Kartoffeln angerathen das Nartoffelkraut ungefähr Milte August abzuschneiden und gerühmt, daß dadurch höhere Erträge erzielt würden. Ich bin darüber anderer Ansicht, weil die Erfahrung in hiesiger Gegend das Gegen⸗ theil bewiesen hat. In einem Artikel derFrauendorfer Blätter, welcher zugleich das zu frühe Abblatsen der Rüben (Runkelrüben, Zuckerrüben) behandelt, finde ich meine Ansichten darüber wissenschaftlich beleuchtet und erlaube mir deßhalb denselben hier mitzutheilen.

Durch mikroskopische Untersuchungen ist festgestellt, daß bie Reservestoffe der Pflanzen, Zucker, Stärke ze. welche in den Wurzeln und Knollen der Wurzelirüchte für die Zeit des Wiederbeginne der Vegetation im nächsten Lebensjahre aufgespeichert werden, ihre Enistehung in den Blättern finden. Nur in den grünen Pflanzentbeilen der Kartoffeln bildet sich wie Julius Sachs nachgewiesen hat die Stärke, welche von den Blättern in die Knollen hinüber⸗ geführt wird, wo sie bis zur späteren Verwerthung deponirt bleibt. In ganz gleicher Weise sind die Blätter der Rüben der Bildungsherd des Zuckers. Man begeht oft den Irr⸗ thum, anzunehmen, daß die älteren, völlig ausgewachsenen Blätter ohne Schaden entfernt werden können; aber gerade diese älteren Blälter haben für die Zuckerbildung besondere Wichtigkeit. So lange sich das Blatt noch vergrößert, verwendet es die aus der Luft aufgenommenen und durch die Wurzeln ihm zugeführten Nährstoffe für die eigene Ausbildung; erst mit der Verlangsamung und dem Auf⸗ hören des eigenen Wachsthums kann es die Produkte seiner Thätigkeit für andere Zwecke hergeben; erst nachdem es dem eigenen Bedürsnisse genügt hat, vermag es dem ferner liegenden Zwecke zu dienen, Reservesioff für die nachsol⸗ gende Generation, oder bei mehrjährigen Pflanzen für die Zeit des Wiederbeginnes der Vegetation zu sammeln. Diesem Zwecke dien das Blatt, so lange es vegetirt und grünt, und man sollte daher mit dem Abblatten der Rüben wie auch mit dem Behüten der Kartoffelfelder oder dem Abschneiden des Krautes stets bis ganz kurz vor der Ernte warten, um zucker⸗ und stärkereiche Ernten zu erzielen. Die Richtigkeit dieser Ansicht ist so in die

Augen springend, daß sie kaum einer experimentellen De⸗ stätigung bedarf, durch direkte Versuche ist dieselbe jedoch

geliefert. Die Veranlassung zu dem irralonellen Verfahren ist gewöhnlich einerseits der Mangel an Grünfutter im Herbste, anderseits der Umstand, daß die großen Massen von Blättern, welche zur Zeit der Rübenernte abfallen, nicht rasch genug versültert werden können, und dann bei dem nassen Herbstweiter theilweise verfaulen. Dem letzteren Umstande läßt sich aber auf sehr einfache und wenig kost⸗ spielige Weise dadurch begegnen, daß man die Blätter ein⸗ miethet. Dies geschieht einsach so, daß man sie in großen Haufen zusammenfährt und mit einer 12 Fuß hohen Erdschichte bedeckt. Am besten ist es, wenn die Blätter vorher etwas abgewelkt sind; ein Zusatz von Salz oder Häcksel ist dagegen überflüssig. Die eingesäuerten Blätter werden von dem Vieh gern und ohne Nachtheil für den Gesundheitszustand gefressen; da sie sich bis in den Winlet hinein conserviren, so ist man durch das Einmiethen zu⸗ gleich enibunden, den Thieren übergroße Mengen det

Blätter geben zu müssen, um nur das Futter nicht um⸗

kommen zu lassen. Fauer bach b. F. Söllner.

vworschuß- und Creditverein zu Friedberg. Geschäftsbericht pro September 1868.

Einnahme. Ausgabe.

fl. 5540. 7 kr. Discontirte Wechsel fl. 8216. 5 ke, 5647.. Conio⸗Corrent 4706.. 672. 26 Depofiten 842..

6130.. Darlehen und Spareinlagen 2660. 43 1532. 5 Wechsel⸗Incasso 1366. 5 Mitgliederzahl: 452.

I Besonders für industrielle Kreise dürfte die Mil⸗ iheilung nicht ohne Interesse sein, daß die Zeitungs Annoncen⸗Expedilion von Rudolf Mosse, Berlin, welche seit kurzem, zweijährigen Bestehen bereits eine der be⸗ deutendsten dieser Branche geworden ist und sich einel woblverdienten Rufes in ganz Deutschland erfreut, eine Zweigniederlassung für Süd deutschland in München errichten wird.

Bei dem täglich wachsenden Umfange des Insertions wesens ist diesem Unternehmen wohl eine guse Zufunf

zuzusprechen.

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