Ausgabe 
8.10.1868
 
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1868.

Donnerstag den 8. October.

M 119.

nzeiger für Oberhessen.

0 enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samsta,

Hessen. Darmstadt. Das Großherzog⸗ liche Regierungsblatt Nr. 53 enthält:

I. Reglement, die Musterung, Abschätzung und Aus hebung der bei eintretender Mobilmachung für die Groß⸗ herzogliche Division erforderlichen Pferde betreffend.

II. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Organisation der Kreisämter betreffend. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben zu be slimmen geruht, daß die dem Großherzoglichen Kreis veterinäramt Schotten zugetheilte Gemeinde Usenborn künftig von noch bekannt zu gebendem Zeitpunkte ab zu dem Dienstbezirk des Großherzoglichen Kreisveterinäramtes Nidda gehören soll.

III. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Mainz, die Umlagen für die Stadt Mainz pro 1868 betr.

IV. Ermächtigung zur Annahme fremder Orden. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem außer ordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königl. Preußischen Hofe Geheimen Legationsrath Hofmann das ihm von Sr. Hoheit dem Herzoge von Sachsen⸗ Meiningen verliehene Großkreuz des Herzoglich Sächsischen Ernestinischen Hausordens, sowie nachbenannten Herren die beigesetzten Orden S. M. des Kaisers von Rußland anzunehmen und zu tragen erlaubt: dem Cabinetsgüter Direktor Menges den St. Annen Orden 2. Klasse, dem Dr. phil. Hager, Erzieber Ihrer Durchlauchten der Prinzen von Battenberg den St. Annen-Orden 3. Klasse, dem Geheimenrath und Cabinetedirektor Zimmermann den St. Stanislaus⸗Orden 2. Klasse mit dem Stern und dem Geheimen Baurath Lichthammec den St. Annen⸗ Orden 2. Klasse.

V. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Groß⸗ herzog haben allergnädigst geruht: am 9. September den von dem Herrn Grafen zu Stolberg⸗Wernigerode und Gedern auf die evangelische Schule zu Ranstadt präsentirten Schulamts⸗Aspiranten Nürnberger für diese Stelle zu be stätigen und am 12. September dem evangelischen Schullehrer zu Hopfgarten Momberger die evangelische Schulstelle zu Munster zu übertragen.

VI. Versetzung in den Ruhestand. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben ollergnädigst geruht: am 12. Sep⸗ tember den Schullehrer an der evangelischen Schule zu Ober⸗Hörgern Repp, unter Anerkennung seiner vieljährigen treu geleisteten Dienste, in den Ruhestand zu versetzen.

II. Concurrenz für: die erste evang. Schulstelle zu Steinbach mit einem Gehalte von 373 fl. 44 kr., nebst einer Vergütung von 24 fl. jährlich für Heizung des Schullocals; dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau ließt das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die kath. Schulstelle zu Ober⸗Abisteinach mit einem Gehalte von 484 fl. 34 kr., wovon jedoch vorerst jährlich 184 fl. abzugeben sind, nebst einer Vergütung von 30 fl. für Htizung des Schullocals; dem kathol. Pfarrex und dem Gemeinderathe zu Ober- Abisteinach sieht das Präsen⸗ talionsrecht zu dieser Stelle zu.

VIII. Gestorben: am 25. August der Schullehrer Schmitt zu Gonsenhcim.

Preußen. Berlin. Die Besorgniß vor der Gefahr des kommenden Nothstandes wird jetzt auch in provinziellen Kreisen laut, denen man eine Aus beutung dieses traurigen Capitels zu agitatorischen Zwecken wohl nicht unterlegen wird. Wie vorher schon die Insterburger Kreisstände, so haben auch die Königsberger beschlossen, dem Minister des Innern,welcher in nächster Zeit die Provinz besuchen wird, durch eine De putation Vortrag über den unserm Kreise drohen den neuen Nothstand zu halten und gleichzeitig zu bitten, daß dem Kreise zinsfreie Darlehen zur Beschäftigung der Arbeiter-Bevölkerung während des Herbstes und des Winters zur Disposttion gestellt werden. Inzwischen waltet in der Provinz der Steuereintreiber seines Amtes, da die rück ständigen Steuerreste zwangsweise eincassirt werden, und die Zuchthäuser sind so überfüllt, daß die Sträflinge in den Gefängnissen untergebracht werden müssen.

Die Berliner Blätter haben einen Fort schritt und zwar einen Fortschritt in der Geschütz⸗ Fabrikation zu melden. Kaum hat man nämlich nach anhaltenden und kostspieligen Proben vie Ueberlegenhest der preußischen Hinterladungs

72 Pfünder über die Woolwich-Kanone constatirt, so kommt aus Essen die Nachricht, daß Hr. Krupp schon eine neue Kanone anfertigt, gegen welche die 72⸗Pfünder als harmlose Spielereien erscheinen. Bei diesen letzteren wiegt die Kugel 200 Pfd., bei dem neuen Geschütz 459 Pfd., und wenn es erst gelungen ist, die jetzt etwa 1300 Fuß betra- gende Anfangsgeschwindigkeit in der Weise zu steigern, wie man hofft, so werden die Panzer- platten wohl noch einmal so stark gemacht werden müssen, um dem neuen Geschoß zu widerstehen.

Köln. DasFr. J. bringt folgende Mit- theilung: Die beiden Söhne des Vicekönigs von Aegypten, welche am 3. d. auf ihrer Reise unstre Stadt besuchten, beabsichtigten, unseren Dom im Innern in Augenschein zu nehmen, weßhalb sie bei dem Sakristanpriester anfragen ließen, ob sie nach beendigtem Gottesdienste im Dom ihre Kopf bedeckung, wie es ihnen die Sitte vorschreibe, aufbehalten dürften. Dieses wurde ihnen gestattet; aber ein Eiferer in der Person eines überspannten Chirurgen trat zu den Prinzen und forderte sie eigenmächtig auf, den Fez abzunehmen, worauf si in der Eile mehrere Goldstücke zum Fortbau des Domes beisteuerten und die Cathedrale sofort verließen.

Gelnhausen. In Bezug auf einen von mehreren Blättern gebrachten Artikel über den angeblich bereits Anfangs v. M. begonnenen ener- gischen Betrieb der Bauarbeiten auf der ganzen Linie der oberhessischen Eisenbahnen, wird dem Fr. J. geschrieben: Schreiber dieses, welcher im Laufe des vorigen Monats diese ganze Linie wiederholt bereist hat, konnte davon nichts be- merken, denn einzelne Schürfarbeiten an den schwierigeren Stellen können unmöglich für ener. gischen Baubetrieb gelten.

Gotha. Die neuesten Nachrichten über die schwedische Nordpolexpedition reichen bis zum 30. August. Die höchste Beobachtungsbreite,

welche die Expedition erreichte, war 80 Grad 52 Minuten. Nördlich von Spitzbergen wurde das Meer sehr tief gefunden. Die Expedition lothete bis zu 2100 Faden oder beinahe 15,000 Fuß.

Baden Karlsruhe. Nach derKarlsr. tg. hat die französische Regierung beschlossen, vor der Hand keine Anwerbungen für die Fremden- legion zu erlauben; ebenso hat die päpstliche Regierung das seit einigen Jahren in St. Louis bei Hüningen bestehende Werbebüreau seit dem 1. Sept. d. J. aufgehoben.

Oesterreich. Wien. Privatnachrichten aus Konstantinopel melden, daß daselbst eine Verschwörung der jungtürkischen Partei entdeckt worden sei, welche den Sturz des Sultans und die Erhebung des präsumtiven Nachfolgers des selben, Murad Effendi, auf den Thron bezweckte.

DieNeue freie Presse meldet: Der österreichische Gesandte in Madrid wurde auf Anfrage um Verhaltungsbefehle angewiesen, einst weilen in Madrid zu verbleiben und gleichzeitig ermächtigt, mit der jeweiligen factischen Regierung zu verkehren, wo die Interessen der österreichischen Unterthanen dies verlangen.

Schweiz. Bern. Der Kanzler des nord deutschen Bundes zeigte dem Bundesrath an, daß das Bundespräsidium die Einladung zur Beschickung der internationalen Conferenz in Genf mit Befrie digung entgegengenommen habe und derselben gerne Folge leisten werde. Die Bezeichnung der Bevollmächtigten werde demnächst erfolgen.

St. Gallen. Die Rheinüberschwemmung

wird immer schrecklicher und furchtbarer; das ganze Rheinthal ist ein großer See. Aus Tessin lauten die Nachrichten ebenso verzweifelt. Viele Todesfälle sind gemeldet.

Frankreich. Paris. In ihrem, von der France veröffentlichten Protest, sagt die Königin Isabella:Nach reiflicher Prüfung und ernster Berathung habe ich es für zweckmäßig erachtet, in den Staaten eines erhabenen Verbündeten die nöthige Sicherheit zu suchen, um in dieser schwie rigen Sachlage so zu handeln, wie es mir in meiner Eigenschaft als Königin obliegt, eingedenk der Verpflichtung, meinem Sohne meine Rechte un verkürzt zu überliefern, welche durch das Gesetz beschützt, von der Nation anerkannt und beschworen, sowie durch 35 Jahre voll von Aufopserung, Wechselfällen und zärtlicher Zuneigung(11) befestigt sind.

DerEtendard knüpft an die Worte unser erhabener Verbündeter in dem Proteste Isabella's an und bemerkt dabei: Frankreich kann

nicht mit einer fürstlichen Person, welche der Attribute der Souveränetät entkleidet ist, eine Allianz abschließen. Der einzige Verbündete,

den Frankreich in spanischen Angelegenheiten haben kann, ist das spanische Volk, dargestellt durch die Regierung, die es sich selbst geben wird.

DerConstitutionnel theilt mit, daß das Gerücht eines Handels- und Militärvertrags zwischen Frankreich und Holland völlig unbe gründet sei.

DiePatrie zählt die Namen aller Thron ⸗Candidaten auf, deren ihre Madrider Correspondenten Erwähnung thun. Es sind der

Herzog von Montpensier, Don Carlos, der König von Portugal, dessen Vater, der junge Herzog von Aosta und schließlich der Prinz Napoleon. Hier soll man die Candidatur von Don Fernando's Vater mit keinem ungünstigen Auge sehen, da der König von Portugal sich standhaft weigert, die spanische Krone anzunehmen. Die Republik scheint von den Führern der Bewegung nicht als wünschens⸗ werth betrachtet zu werden.

Man mache sich keine Illusionen jenseits des Rheins, sagt dieFrance.Unsere Politik ist nach der spanischen Revolution nicht mehr in Verlegenheit gesetzt, wie zuvor. Sie bewahrt für alle Eventualitäten, welche in Europa eintreten könnten, die vollkommene Freiheit ihrer Schritte und Handlungen, und sie bleibt eine entschieden und aufrichtig friedliche, wenn sie auch das ganze Bewußtsein ihrer Macht und ihres Rechts behält.

Holland. Man spricht in Deputirtenkreisen von einer Interpellation betreffs des von verschie denen Seiten wieder auftauchenden Gerüchts eines Zollvertrags Hollands mit Frankreich. Daß man hier nichts von einem derartigen Pact wissen will, ist schon oft ausgesprochen worden.

Dänemark. Kopenhagen. Der König eröffnete am 5. October den Reichstag mit einer Thronrede. Unter Vivats theilte er die Geburt eines griechischen Thronfolgers und die Verlobung des Kronprinzen mit einer Prinzessin aus dem Dänemark befreundeten Schweden mit. Die Ver lobung habe lebhafte Sympathie in Schweden und Norwegen erweckt. Die vertraulichen Ver handlungen mit Preußen über die durch den Prager Friedensvertrag angekündigte freie Ab simmung Nordschleswigs seien bisher resultatlos geblieben.

Italien. Florenz. DieOpinione theilt mit, daß der Papst der Königin Isabella in einer