Ausgabe 
8.9.1868
 
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1868.

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Dienstag den 8. September.

M 106.

Anzeiger

r Oberhessen.

Enthält die amtlichen Ewasse für den Kreis Friedberg. 1

tiedberger Intelligenzblatt.

Etrscheint jeden Dienstag, Donnerftag und Samstag.

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Betreffend: Die Militär⸗Ersatz⸗Junflruktion, hier die Ersüllung der Militärpflicht von Seiten der Schulamts⸗

Aspiranten.

Amtlicher Theil.

Friedberg den 5. September 1868.

An die Ortsschulvorstände des Kreises.

Nach Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern an uns vom 15. d. M. zu Nr. 9332 haben die beiden Infanterie

brigaden von dem Commando der Großherzoglichen Division die Weisung erhalten, vom u

ächsten Jahre an die zum Militärdienst für taug⸗

lich erkannten Schulamts-⸗Aspirauten fuͤr die Zeit vom 29. September bis Ende Oktober zur 6woͤchentlichen Ausbildung bei einem Infanterie

Regiment einzuberufen.

In Auftrag Großherzoglicher Oberstudien-Direktion geben wir Ihnen hiervon Nachricht und empfehlen, in eintretenden Fällen die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Friedberg

Schulamts⸗ Aspiranten hiernach zu bedeuten.

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Hessen. Darmstadt. Das Großherzog liche Regierungsblatt Nr. 48 enthält:

I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, den Octroitarif der Stadt Gießen, insbesondere die Erhebung der Oetroiabgabe von Branntwein bei den Brannweingroßhändlern betreffend.

II- VI. Bekanntmachungen der Großh. Commisston für Post⸗Angelegenheiten. Auf dem Darmstadt Brensbacher dezw. Reichelsheimer Postcourse findet die Ausgabe von Retourbilleten nichb mehr statt, sondern kommen diejenigen Personengeldsätze zur Anwendung, welche für die Tourfahrt vorgeschrieben sind. Auf dem Alzey⸗Mainzer und Mainz⸗ Woͤllsteiner Personenpostcourse kommt, in Folge ander⸗ weiter Feststellung der Entfernungen, eine neue Personen geldtaxe zur Anwendung. Auf der Straßenstrecke zwischen Alsfeld und Lauterbach, am Einschnitte des Weges nach dem Orte Maar, ist eine Personenannahmestelle eingerichtet worden, und beträgt die Personentaxe zwischen dem gedachten Straßeneinschnitte und Lauterbach 8 kr., Reuters 10 kr., Brauerschwend 14 kr., Altenburg 26 kr., Alsfeld 34 kr. In Folge des zwischen dem Norddeulschen Bunde und Belgien am 29. Mai d. J. abgeschlossenen Postvertrags teten mit dem 1. k. M. für die Briespostsendungen des diesseitigen Pestbezirks nach Belgien die bereits früher er⸗ wähnten Bestimmungen in Wirksankeit. Auf der Straßenstrecke zwischen Altenstadt und Bönstadt, am Ein⸗ schnitte des Weges nach dem Oppelsheimer Hofe, ist eine Personenannahmestelle errichtet worden, und beträgt die Personengeldtaxe zwischen dem gedachten Straßeneinschnitte und Altenstadt, sowie Bönstadt 10 kr.

VII. Bekanntmachung, die Umlagen zur Bestreitung der Bedücsnisse für die israelitische Religionsgemeinde zu Crainfeld, im Kreise Lauterbach, für 1868 betreffend.

VIII. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglichen Ludewigs⸗Universität zu Gießen im Winterhalbjahre 1868/69 gehalten und am 2. November ihren Anfang nehmen werden.

IX. Akwesenheitserklärung. In dem auf Abwesen⸗ heitserklärung des Joseph Schäfer, Flößer aus Castel, ein⸗ geleiteten Verfabren wurde durch Urtheil Großherzoglichen Bezirksgerichtes Mainz vom 31. Juli 1868 die Führung tines Zeugenteweises angeordnet.

X. Namenaveränderungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnäbigst geruht: am 1. August dem Karl Greb zu Eichelsachsen zu gestatten, statt seines bisherigen Familiennamens Greb in Zukunft den Familien⸗ namen Buchenauer und am 4. August der Anna Maria Wohlfahrt zu Froschhausen zu geslatlen, statt ihres bio⸗ derigen Familiennamens Wohlfahrt in Zukunft den Familiennamen Winter zu führen.

XI. Dienstnachrichten. Seine Kbnigliche Hoheit der Oroßherzog haben allergnädigst geruht: am 14. August dem seitherigen Sekretär der Central⸗Direktion der Main⸗ Weser⸗Eisenbahn Schulz die Stelle eines diesseitigen Mit- zliedes der Direktion der Main⸗Weser⸗Elsenbahn zu Kassel mit dem AmtstitelRegierungsrath zu verleihen; am 18. August dem evangelischen Pfarrer zu Dolgesheim, Wamser die evangelische Pfarrstelle zu Engelstadt zu über: tragen und den von dem Herrn Fürsten zu Isenburg⸗ Ut stein auf die evangetische Schulstelle zu Vurgbracht präsentirten Schulamis⸗Aspiranten Döll aus Dauernheim für diese Stelle zu beslätigen.

XII. Charafierertheilung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigsi geruhl: am 18. August dem Instrumentenmacher Jakob Schellenberg zu Gießen den Charakter alsUniversiiäts⸗Instrumentenmacher zu veeleihen.

XIII. Dienstenilassung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 18. Augnst den außerordenilichen Professor bei der jur istischen Fakultä! der Landes⸗Unireisuiät Dr. Merkel auf sein Nachsuchen von seinem Dienste zu entlassen.

XIV. Versetzung in den Ruhestand. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 14. August den Schullehrer an der zweiten evangelischen Knabenschule zu Lauterbach Schuster in den Ruhestand zu versetzen.

XV. Concurtenz für: die evangelische Pfarrstelle zu Obbornhosen mit einem Gehalte von 806 fl. 15 kr.; der Gesammisamilie der Freiherrn von Nordeck zur Rabenau fleht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die dritte evangelische Schulstelle zu Sprendlingen mit einem Gehalte von 300 fl., nebst einer Vergütung von 36 fl. für Heizung des Schullokals; dem Hrn. Fürsten zu Isen⸗ burg⸗Birstein steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die erste katholische Schulstelle zu Mühlheim mit einem jährlichen Gehalte von 386 fl. 4 kr., wovon jedoch voreist 50 fl. jährlich abzugeben sind, nebst einer Ver⸗ gütung von circa 34 fl. für Heizung des Schullokals; dem kath. Pfarrer und dem Ortsvorstand zu Mühlheim steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die evangelische Schulstelle zu Wald-Uelversheim mit einem Gehalte von 300 fl., nebst einer Vergütung von 30 fl. für Heizung des Schullokats.

XVI. Gestorben sind: am 17. Juli der Schullehrer Bernges zu Bleichenbach, im Kreise Nioda; am 21. Juli der Schullehrer Uichlein zu Mainz.

Eine Correspondenz desFr. J. äußert sich über die neuen Finanzoperationen in unserem Lande u. A. folgendermaßen: Schon seitdem die duich die Folgen der Ereignisse von 1866 herbei⸗ geführte Neugestaltung unserer Verhältnisse und die enorme Steigerung des hessischen Militär- budgets eine Vermehrung der direkten Steuern dringend nöthig gemacht hat, besteht bei unserer obersten Finanzbehörde die Absicht, die Personal steuer, welche nach Maßgabe des Miethwerthes angesetzt wurde, durch eine rationell veranlagte Steuerart zu ersetzen. Für die Bemittelteren (welche ein Einkommen von 800 fl. und mehr beziehen), ist dieser Zweck durch Einführung einer, sich an das direkt ermittelte Einkommen anschließen⸗ den Einkommensteuer, erreicht; für die Unbemit⸗ telteren beabsichtigt man nunmehr, die Personal- steuer durch eine nach Art der preuß. Klassensteuer veranlagte Auflage zu ersetzen. Die deßfalls angeordneten Probe. Abschätzungen haben ein über Erwarten günstiges Resultat ergeben, so daß eine Vorlage im Sinne der definitiven Einführung dem demnächst zusammentretenden Landtage zugehen dürfte. Auch die Einkommenstcuer verspricht, da die Summe der durch die Einschätzungs-⸗Commission ermittelten Steuerkapitalien den Voranschlag um einen sehr bedeutenden Betrag übersteigt und trotzdem als Folge der massenhaft erhobenen Reklamationen noch eine nicht unerhebliche Reduktion zu erwarten ist, einen hohen Ertrag zu liefern. So sehr indessen auf der einen Seite die An- zeichen einer gesteigerten Produktion und Steuer kraft unseres Landes und dessen unerschütterter Credit zu erfreuen angethan sind, so sehr bleibt zu bedauern, daß die Früchte tüchtiger bürger⸗ licher Strebsamkeit nur gereift sind, um eine Armee zu alimentiren, welche außer allem Ver hältniß zu dem Umfang unseres Vaterländchens

und seiner Machtverhältnisse steht. Der produktiven Zwecke sind noch sehr viele, welche im Interesse der Gesammtheit eine energische pecuniäre Hülfe bedürften, deren Forderungen der Staat aber nur ein nothgedrungenes non possumus entgegenzusetzen vermag.

Zu Ehren des kaiserlichen Besuches fand am Vormittag des 6. September eine Inspektion der zu den bevorstehenden Herbstmanövern in unserer Stadt und decen nächsten Umgebung con- centrirten Großherzoglichen Division auf dem hiesigen Exerzierplatze statt, zu welcher die Truppen in Felddienstequipirung ausgerückt waren. Die Allerhöchsten Herrschaften erschienen zu Pferde von zahlreicher Suite begleitet, Prinzeß Ludwig mit ihren Kindern und den Hofdamen folgten zu Wagen. Die Haltung der Truppen war, so berichtet dieDarmst. Zig. wie auch für ein Laienange erkenntlich, eine vortreffliche. Nirgends war in den Infanterie ⸗Colonnen nur eine Biegung zu bemerken; alles bewegte sich wie ein Körper. Die Artillerie fuhr beim Defiliren im Trab mit je vier Geschützen nebeneinander auf, die sich um eine Axe zu drehen schienen; ebenso trefflich hielt die Cavallerie Richtung. Ein nach Tausenden zählendes Zuschauer Publikum, zu Fuß und zu Wagen, hatte sich in der Umgebung des Exerzier⸗ platzes eingefunden, welcher jedoch in einer dem hiesigen Publikum ganz ungewohnten strengen Weise durch die Gendarmerie abgesperrt war.

Bei der kürzlich stattgehabten Prüfung zum einjährigen Freiwilligendienst haben aus Starkenburg 58, aus Rheinhessen 43, aus Ober- hessen 30 junge Männer das Examen gemacht.

Nach derH. Edsztg. die Frage des Polytechnikums endlich definitiv entschieden. Die betreffende Commission hat sich für das von Hrn. Direktor Fischer ausgearbeitete Projekt entschieden. Wegen der nothwendigen Berufungen kann der Cursus erst im Frühjahr beginnen.

1 Friedberg. Preußen hat in Paris offiziell angezeigt, daß es 120,000 Mann beurlauben werde, Rußland hat gleichfalls nicht unbedeutende Beurlaubungen eintreten lassen, die offiziösen französischen Blätter, derConstitutionel voran, singen anhaltend Friedenshymnen, Oesterreich will sich erst reorganisiren, ehe es nur den Krieg in Erwägung ziehen mag, England ist entschieden friedlich gesinnt: da werden wir vorläufig uns noch einmal der Erhaltung des Friedens freuen dürfen. Lassen wir uns dabei nicht beirren durch den Umstand, daß die französischen Oppositions- blätter den friedlichen Kundgebungen der ministeriellen Presse gegenüber sich etwas ungläubig zeigen und auf eine Spaltung im französischen Kabinet hin- weisen, wonach Rouher für den Frieden, Niel

aber für den Krieg sein soll. Es darf dabei schon etwas auf Rechnung der Oppositiopssucht

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