Ausgabe 
8.8.1868
 
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geschaffene Zustand

Oesterreich. Wien. Der Festausflug nach dem Semmering ging am 2. d. Morgens halb 7 Uhr mit nahezu 1000 Theilnehmern unter Begleitung der Innsbrucker Musikcapelle vom Südbahnhof ab. Auf allen Stationen wurde den Schützen ein wahrhaft festlicher Empfang zu Theil. In Baden und Neustadt harrte fast die ganze Bevölkerung des Zuges und begrüßte die Schützengäste in stürmischer Weise. Fast an jedem Orte schallten dem einfahrenden Zuge Musik, Böllerschüsse und Jubelrufe entgegen. Die Damen hatten sich in den Bahnhöfen mit riesigen Blumen- körben eingefunden und eröffneten auf die Schützen ein förmliches Bombardement mit Bouauets. Die Festfahrt gestaltete sich zu einem wahren Triumphzuge.

Graz. Am 2. d., Abends, hielt Johannes Ronge hier im Resourcensaale seinen ersten Vor⸗ trag vor einer sehr zahlreichen und gewählten Versammlung, in welcher namentlich die Damen stark vertreten waren. Anknüpfend an seinen ersten Besuch und die Gründung der freien christlichen Gemeinde im Jahre 1848, erläuterte er die Grundidee und die Sittengesetze der freien christlichen Kirche und wies namentlich auf die erhöhte Aufgabe der religibsen Reformpartei im Jahre 1868 hin. Nach seinem Vortrage begannen die Einzeichnungen für die sich neu dildende Gemeinde.

Innsbruck. Die vom hiesigen constitutionellen Verein anläßlich der päpstlichen Allocution be⸗ schlossene Vertrauensadresse an die Regierung ist am 30. Juli in Wien überreicht worden. Der Minister Giskra erwiederte der Deputation: das Gesammtministerium lege großen Werth auf solche Kundgebungen, besonders wenn sie aus Tyrol kommen; es betrachte die Staatsgrundgesetze als die Basis des künftigen Gedeihens.

Frankreich. Parise. Nack demAvenir National hat die päpstliche Regierung die fran⸗ zösische gebeten, die Besatzung im Kirchenstaate zu vermehren, da ein Angriff der italienischen Revo⸗ lutionäre zu befürchten sei.

DemJournal de Paris gehen Nach- richten über die Kaiserin Charlotte zu, denen zu⸗ folge ihr Gesundheitszustand sich bedeutend ver⸗ schlimmert hätte. Sie soll die sixe Idee haben, wieder nach Miramar zurückkehren zu wollen.

DasJournal de Paris verkündigt mit viel Selbstbefriedigung, wie es im Stande sei, genauere Aufschlüsse geben zu können über gewisse Pourparlers, welche die französische Diplomatie mit Staaten zweiten Ranges eröffnet hat, um für gewisse Fälle ein Abkommen mit denselben zu treffen. Mit Dänemark bestebe, behauptet es, bereits eine Uebereinkunft, nach welchem dieser Staat im Fall eines preußisch⸗französischen Krieges ein Hülfscorps von etwa 15,000 Mann stellen würde. Auch in Brüssel und dem Haag habe man das Terrain sondiren lassen, ob die dortigen Regierungen geneigt sein würden, den französischen Truppen freien Durchzug zu gestatten, oder ihre Streitkräfte gar mit den französischen zu ver einigen, wenn Frankreich sich verpflichte, für die Unabhängigkeit dieser Staaten einzustehen. Holland, fährt das Blatt fort, zeige sich geneigter als Belgien, doch weise letzteres die ihm gemachten Eröffnungen keineswegs von der Hand. Selbst bei der Schweiz habe man väterlich besorgt an⸗ gefragt, ob man dort nicht allenfalls das Bedürf⸗ niß fühle, sich im Interesse größerer Sicherheit näher an Frankreich anzuschließen. Dem Bismarck sei gar nicht zu trauen; hätte man ihm z. B. vor dem letzten Krieg in Deutschland freie Hand lassen wollen, die ganze Westhälfte der Schweiz hätte er an Frankreich preisgegeben. Freilich, Belgien, Holland und die Schweiz liegen in dem Kreise der natürlichen Gränzen Frankreichs.

Der große von Herrn Michel Chevalier redigirte und mit einer Einleitung versehene Bericht der internationalen Jury über die Weltausstellung von 1867 ist erschienen. Er bildet 13 Octav⸗

schlüsse jener Commission

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bände und ist von 250 Mitarbeitern hergestellt. Die Einleitung des Herrn Chevalier bildet einen

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Spanien. Madrid. Aufrührerische Banden sind in Arragonien erschienen; von ministerieller Seite werden sie für Schmuggler erklärt. Starke Truppenabtheilungen sind nach Saragossa abge- gangen; man sagt, die Insurgenten seien von einem Brigadegeneral commandirt. General Zabola ist von Lugo, das ihm von der Regierung zum Aufenthalt angewiesen wurde, verschwunden. Eine polizeiliche Durchsuchung hat in der Wohnung des Generals zu Madrid stattgefunden.

Es geht das Gerücht, daß Insurgenten⸗ banden in der Sierra Morena aufgetaucht seien. Ein schwerer Zwiespalt ist zwischen den Militär und Civilbehörden von Barcelona ausgebrochen. Der General hat kraft des Belagerungszustandes den Präfecten abgesetzt. Der Präsident der Insel Santo Domingo verlangt den Schutz der spanischen Regierung. Man ist in Madrid nicht geneigt, diese Proposition anzunehmen.

Rußland. Petersburg. DasJourn. de St. Petersbourg dementirt die Versicherung derDebatte, daß das österreichische Cabinet sich in Petersburg über die Agitation beschwert habe, welche in Böhmen von Rußland unterhalten werde. Das russische Blatt sagt, diese Propa⸗ ganda existire nur in der Einbildung der öster⸗

reichischen Publicisten.

Friedberg. Wie fruchtbar das heurige Jahr ist, geht daraus hervor, daß an einem Weinstocke in der Burg be⸗ reits die zweite Traubenblüthe ist. Noch sind die ersten Trauben nicht ganz reif, und schon blüht der Stock zum zweiten Male.

Frankfurt. Das Comite für Ecwerbung der Bieb⸗ richer Wintergärten hat diese von dem Herzog von Nassau jetzt für 60,000 fl. gekauft. Im zoologischen Garten wurde kürzlich eine Ducker⸗ oder Taucherbock⸗Antilope ge⸗ boren. Es dürfte dies wohl der erste Fall dieser Art in den europäischen Thiergärten sein, da überhaupt diese Antilopen zu den größten Seltenheiten gehören und außer dem hiesigen Pärchen nur noch im Londoner Garten ver⸗ treten sind. Das junge Thierchen ist kaum 6 Zoll hoch, aber äußerst kräftig gebaut, während die zierlichen Eltern eine Höhe von 1820 Zoll haben. In den letzten Tagen hört man viel über Belästigung durch Fliegen klagen, deren Stich einen bedeutenden, schmerzhaften Ge⸗ schwulst verursacht.

Ischl. Ueber den Tod der beiden Gaga rin wird den Wiener Blättern folgendes Nähere gemeldet. Fürst Gagar in, Adels marschall von Moskau, und dessen Sohn sind am 3. August, Abends 6 Uhr bei der Redtenbach⸗Mühle ertrunken. Der Sohn soll, während er sich mit dem Fischfange be⸗ schäftigte, durch Unvorsichtigkeit in den Bach gefallen sein; der Fürst Vater rollte bei dem Versuche, ihn zu retten, ins Wasser. Er ward zwar herausgezogen, aber alle Be⸗ lebungsversuche blieben ohne Erfolg. Der Leichnam des Sohnes wurde bis in die Nacht hinein vergebens gesucht.

An die Pewohner des Kreises Fritdberg. Wie öffentliche Blätter kund thun, hat die Gemeinde Laisa bei Battenberg, in dem frühern großherzoglich hessischen Kreise Biedenkopf, ein so hartes Brandunglück am Sonntag den 26. v. M. betroffen, daß dieser Ort bis auf wenige Häuser ein Raub der Flammen geworden, selbst Vieh mitverbrannt ist, die an sich schon armen Be⸗ wohner alle Habe verloren haben und nur das nackte Leben retten konnten.

Das Elend wird ale schaudererregend geschildert, und trifft Manche um so härter, als sie keine Aus sicht auf Entschädigung aus einer Brand⸗ versicherungskasse für ihre Gebäude haben sollen.

Hier thut Hülfe Noth; der Unterzeichnete, der durch seine frühere Stellung dem Bezirke Biedenkopf nahe steht und dem das Elend der armen Laisaer sehr zu Herzen geht, ruft deshalb die schon bei so vielen Gelegenheiten bewährte Mildthätigkeit der Bewohner des Kreises Friedberg an und bittet recht herzlich, zur Steuerung der Noth einen Beitrag zu liefern. Haben auch bekannte Ereig- nisse das Band, welches das abgebraunte Dorf mit dem Großherzogthum vereinigte, zerrissen, die Bruderliebe ist geblieben.

Die Herren Bürgermeister werden noch ganz besonders ersucht, sich für diese Sache zu in⸗ teressiren.

Zur Empfangnahme von milden Gaben bin ich gern bereit und werde für deren Zusendung an das dortige Comité Sorge tragen.

Friedberg am 7. August 1868.

Band für sich.

Ter a pp, Regierungsrath.

8. Die Kaiserstadt an der Donau. Wiener Photographien. Zürich und Stuttgart. Leo Woerl's Verlagshandlung.

Mehr als je hat Wien in ber letzten Zett die allge⸗ meine Au merksamkeit auf sich gelenkt. Die Inhaber von östreich.Papierches, die Poliliker, die Friedensfreunde, die Concordatler und Anticoncordatler, Alle blicken auf Wien, und die deutschen Sympathien zumal für die alte Kaiserstabt haben in dem Schützensest einen warmen Aus⸗ druck gefunden. Das ist Fahrwasser für dieWiener Photographien. Sie haben ihre Zeit gut gewählt, und dem heimkehrenden Schützen waren sie ein pikanter Ge⸗ sellschafter. Mochte er müde, übersättigt und katzen⸗ jämmerlich im Eisenbahn⸗Coups sich sirecken, die Lek lüre derKaiserstadt an der Donau versetzte in Spannung. Wohl hat er die große Stadt einmal im Festschmuck ge⸗ schaut und viele Menschengesichter gesehen, aber von dem Wien, wie es leibt und lebt, hat er, das zeigen ihm diese Photographien, nur wenig in den paar Tagen erfahren. Greift nur hinein in's volle Menschenleben.... und wo ihr's packt, da wird's intecessant. Der Verfasser hat darnach gethan. Unter Titeln wieWiener Typen, Wiener Straßenfiguren, dieHerren Buben, ein kleiner Be⸗ amter, die Juden in Wien, die Wiener Theater, das tanzende Wien, Wiener Bonmots, die Kaffeehäuser, ein Zinshaus, die Unzversität, der Dom, das stille Wien, ꝛc. dietet er ein Pholographie⸗Album von etlichen dreißig Bildern, enthaltend Wien und die Wiener, nach der Natur gezeichnet. Und die Zeichnung ist scharf, geistreich, ge⸗ legentlich salyrisch, ein⸗ oder das anderemal zwar an das Cynische anstreifend, im Ganzen aber die ernste Lebens⸗ anschauung nicht verläugnend. Dabei ist von eigentlicher Principienreiterei keine Rede. Der Verfasser ist weder ein enragirter Großdeutscher, noch ein verbissener Schwarz⸗ gelber, noch ist er ausschließlich Dies oder Jenes. Dagegen ist er ein scharfer Beobachter und gewandier Darsteller. Bald schneidet er nur eine Fratze, bald begnügt er sich mit einigen beißenden Bemerkungen, bald sucht er seine innere Bewegung hinwezuwitzeln, bald zeigt er sich wirk⸗ lich warm und innig. Er seibst nimmt Abschied von dem Leser mit den Worten:Ich war etwas bos haft, etwas salyrisch. Es ist eben schwer, in unseren Zeiten nicht satyrisch zu werden. Aber mein Herz schlägt warm für mein Wien, für mein Oestreich.

Für reifere Leser eine interessante Lectüre.

Schiffs nachrichten. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spet.⸗Agent.

Das neue Hamburger Postdampfschiff, Holsatia Capt. Ehlers, welches am 22. Juli von Hamburg vie Sout⸗ hampton abging, ist nach einer ausgezeichnet schnellen glücklichen Reise von 9 Tagen 4 Stunden wohlbehalten in New⸗ Pork angekommen.

Das Hamburger Postdampfsschiff, Hammonia Capt. Meyer, welches von New⸗Pork am 21. Juli abging ist nach einer ausgezeichnet schnellen glücklichen Reise von 9 Tagen 21 Stunden wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frank⸗ reich bestimmien Passagiere und Posten gelandet, unver⸗ züglich die Reise nach Hamburg forigesetzt. Dasselbe bringt 105 Passagiere, 700 Tons Ladung, 211200 Dollars Con⸗ tanten und 61 Briefsäcke.

Das Hamburger Postdampsschiff Borussia, Capt. Franzen, welches von New⸗York am 18. Juli als Extraboot ab⸗ ging, ist nach einer glücklichen Reise von 13 Tagen wohl⸗ behalten in Cowes angelangt, und hat nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiete und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Hamburg fortgesetzt. Dasselbe bringt 270 Passagiere, 650 Tons Ladung, 203075 Dollars Contanten und 9 Briessäcke.

Das Bremer Postdampsschiff Herrmann, Capt. Santen, welches am 18. Juli von Bremen vis Southampton ab⸗ ging, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen wohlbehalten in New⸗York angekommen.

Das Anierikanische Dampfsschiff Ariel, Capt. Jones, welches am 11. Juli von Bremen direct abging, ist nach einer glücklichen Reise von 18 Tagen wohlkehalten in New⸗MDork angekommen.

Für die Wetterbeschädigten

in den Kreisen Grünberg und Schotten sind weiter folgende Gaben eingegangen: Bei Professor Köhler Unge⸗ nannt 2 fl., Ungenannt 12 kr. Bei Direktor Stein⸗ berger Ungenannt 30 kr. Bei Rentner Müller von J. M. 48 kr. Bei Hofrath Pilger von Herrn Apotheker Ph. Werner 1 fl. Bei Beigeordneten Steinhäußer von J. St. 30 kr. Vei Professor Diegel von Herrn M. Dirsch für einen besonders bedürftigen alten Mann auf der Schmitte bei Selnrod 30 kr. Zusammen 5 fl. 30 kr. Früherer Betrag 21 fl. 46 kr. Summa 77 fl. 16 kr. Um weitere Gaben wirb gebeten. Der Vorstand des Hülfsvereins.

Ueue Stück- und Znulastfasser,

1868 von Doppelholz, verkauft Christian Frick, Kufer.

1877 Oerfenige, welcher vor 14 Tagen meinen schweren Hammer(Schlag) geliehen, wolle denselden alsbald

wieder zurückgeben. Fritz Ritzel.

Saaterbsen

1584 bei Gebr. Löb.

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