Ausgabe 
7.3.1868
 
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9 König Georg und das Welfenhaus.

Von den im Jahre 1866 entthronten Fürsten zimmt der in Hietzing bei Wien verweilende Rönig von Hannover die öffentliche Aufmerksam⸗

eit immer noch in bohem Maße in Anspruch.

Die famose Feier seiner silbernen Hochzeit hat die zesammte Tagespresse in lebhafte Bewegung ver- etzt, ja selbst diplomatische Erörterungen veran- gaßt. Extrazüge, geschmückt mit gelbweißen Fahnen und begleitet von Musikchören, haben Hunderte gon Hannoveranern zu diesem Fest nach Wien gebracht, wo sie dem verbannten Königspaar zahl eiche, zum Theil werthvolle Geschenke und die Bersich rung urwandelbarer Treue zu Füßen egten. Während der in hochfürstlichem Glanze frablenden Festfeier selbst erschien der König, um eben von den Gliedern seiner Familie und gefolgt jon seinen Edeln, inmitten seiner getreuen Extra jügler, ergriff feierlich den Pokal und trank mit nen auf seine baldige Heimkehr als freier König. Für ihn ist der Stern des alten Welfenhauses nit nichten ein untergehender; seine frohe Zu ersicht stützt er auf das Schicksal seiner Ahnen, veren einem es gleichfalls vergönnt war, aus der Zerbannung wieder auf den Thron zurückzukehren.

Wer sind diese Ahnen? Ein paar Worte zur Zeantwortung dieser Frage erscheinen nicht un- titgemäß; Zeitungen haben nicht sowohl die Aufgabe, die Tagesereignisse unvermittelt zu be⸗ ichten, als vielmehr ihre Leser darüber aufzuklären. In der Vergangenheit aber liegt die Erklärung er Gegenwart.

Wenn der Exkönig von seinen Ahnen redet,

o meint er hauptséchlich die Welfenfürsten Heinrich den Stolzen und dessen Sohn Heinrich en Löwen. Der Erstere war in der ersten

Sälfte des 12. Jahrbunderts als Herzog von Zapyern und Sachsen der mächtigste Fürst des eutschen Reiches, dazu des Kaisers(Lothar von Sachsen) Schwiegersohn. Kein Wunder, daß In sein hochstrebender Sinn bei dem Tode des kaisers nach dessen Krone trachten ließ. Die eutschen Wahlfürsten aber mochten anders über ie Sache denken, denn statt seiner wählten sie ktonrad von Schwaben, aus dem Hause der dohenstaufen. Da nun Heinrich der Stolze die Reichskleinodien nicht herausgeben wollte und sem neuen Kaiser Unterwerfung und Huldigung zerweigerte, wurde er seiner Herzogthümer entsetzt and in die Acht erklärt. Der stolze Heinrich dar übrigens nicht der Mann, der sich wider tandslos vertreiben ließ: es kam zum langjährigen, erbitterten Kampfe zwischen dem hohenstaufischen ind dem Welfenhaus. In diesem Kampf ist der Schlachtruf entstanden: Hie Welf, hie Waibling! In diesen Kampf fällt auch die Belagerung von einsberg durch den Kaiser Konrad, bei welcher Deiberlist vor sicherem Verderben rettete. In- nitten dieser Kämpfe starb Heinrich der Stolze, and der von seinem Bruder noch fortgeführte Streit wurde nachgehends dadurch beigelegt, daß

Heinrich der Löwe, des Stolzen Sohn, das

Herzogthum Sachsen zurückerbielt. Ja es kam zu völliger Aussöhnung, als der Kaiser Friedrich Barbarossa dem ihm ohnehin durch verwandt schaftliche Bande nahe stehenden Heinrich dem Löwen auch das Herzogthum Baiern zurückerstattete.

Die neue Freundschaft war indeß nicht von sehr langer Dauer. Barbarossa hatte viel gegen die italie- nischen Städte, an deren Spitze das mächtige Mai land stand, und gegen den Papst zu kämpfen. Da geschah es, daß Heinrich seinem luiserlichen Gönner in mißlicher Lage die Heerfolge verweigerte. Alles Bitten, sogar ein Fußfall des Kaisers ver mochten nicht des Herzogs starren Sinn zu er weichen. Kurze Zeit darauf erlitt der Kaiser gegen die Lombarden die enischeidende Niederlage von Legnano. Als die italienischen Wirren schließlich beigelegt und der Kaiser nach Deutsch land zurückgekehrt war, wurde der ungehorsame Herzog, nachdem er dreimal vergeblich vor ein Reichsgericht geladen worden, in die Reichsacht erklärt. Sachsen und Bayern wurden ihm wieder entrissen, und nur Braunschweig und Lüneburg verblieben ihm. Der stolze Fürst, dessen Besitzungen von der Ostsee bis an die Alpen reichten und der seinen Feinden zum Trotz auf dem Marktplatz zu Braunschweig einen ehernen Löwen aufgerichtet hatte, mußte mit Weib und Kind das beleidigte Vaterland verlassen und auf drei Jahre als Verbannter nach England gehen.

Es liegt nahe, daß der Welfenkönig in Hietzing seine jetzige Lage und seine Stellung zu dem Hause Hohenzollern mit dem Geschick seiner Abnen und ihrer Stellung zu dem Geschlecht der Hohenstaufen vergleicht. Die Familie der Welfen bat das mächtige Haus der Hohenstaufen unter geben seben, während sie selbst noch eine viel- bundertjährige ruhmreiche Zukunft vor sich hatte. Darf der Verbannte von Hietzing ähnliche Hoff nungen hegen?

Die Verhältnisse von heute sind wesentlich verschieden von denen der damaligen Zeit. Das sieht Jeder, selbst der Kronprinz scheint sich dieser Wahrheit nicht zu verschliegen, wenigstens ist sein vielerwähntes kühles Lächeln zu den begeisterten Worten seines Vaters bezeich- nend genug; nur der blinde König siebt es nicht. Ob ihm eine billige Beurtheilung daraus ein Verbrechen machen kann 7 Der des Augtrlichts Beraubte hält mit ungleich größerer Innigkeit fest an einem Gut, das ihm ein geheiligtes ist, sein Hoffen und Sehnen wird weniger durch die Macht der Thatsachen geregelt und bestimmt, die bis zu einem gewissen Grade für ibn gar nicht vorhanden sind. Und der unglückliche König ist von Jugend auf daran gewöhnt, der Wirklichkeit, selbst wo sie sein eigenstes Sein betrifft, keinen Einfluß auf sein Verhalten zu gestatten. Durfte doch mit dem Blinden nie anders als wie mit einem Sehenden verkehrt werden, und der Mann,

der nur wie zufällig oder aus Bequemlichkeit am

Arm eines Kammerherren einherschreitet, bricht vor seiner Umgebung in Bewunderung aus bet dem Anblick einer schönen Gegend oder dergl. Alle Ansprüche aber auf unsere Sympathie, die das Mißgeschick sonst zu fordern berechtigt ist, hat der verbannte König verloren, sofern und sobald seine Bestrebungen über das harmlose Vergnügen hinausgehen, einen Theil seiner Millionen dazu zu verwenden, sich für ein paar Stunden in der Fremde von allen königlichen Ehren umgeben zu wisse und einigen hundert Hannoveranern eine Gratis-Spazierfahrt zu gewähren, sofern und sobald er die frevelvolle Absicht hegen könnte, zur Erreichung selbstischer Zwecke einen unheilvollen Krieg über sein Vaterland heraufzubeschwören und an der Hand fremder Völker in seine Staaten zurückzukehren.

Zur Nachricht und Warnung.

2913 So sehr die Concurrenz im Sinne des Wortes dem Consumenten zu Gute kommt, ebenso verabscheuens⸗ werth ist dieselbe, wenn sie durch Nachahmung den Käufer zu täuschen sucht. Ungeachtet allen gesetzlichen Schutzes werden die Stollwerck schen Brust⸗Bonbons in ihrer äußern Verpackung vielseitig auf das täuschendste nach⸗ geahmt, ja sogar die Firma des Fabrikanten hierzu miß⸗ braucht! Bei dem industriellen Wetikampfe aller Länder in Paris, wo alle nur denkbaren Hausmittel als: Brust⸗ syrups, Pastillen, Pectorinen, Pasten, Elixire, Extracte ꝛc. ꝛc. vertreten waren, wurde seitens der internationalen Jury nur den Stollwerck'schen Brust⸗Bonbons die Preis⸗ Medaille zuerkannt, ein Beweis, daß die Composition des Königl. Geb. Hofraths und Universitäts⸗Professors Dr. Harleß noch von keiner Seite erreicht ist!

Möge daher der Leidende sich beim Kaufe von der Richtigkeit der Packung, der vollständigen Firma und dem Vorbandensein des Hof-Lieferanten-Siegels des Fabrikauten überzeugen.

Die Unterzelchneten erlauben sich auf übre

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aufmerksam zu machen, welche 3400 Bände in deutscher, französischer und englischer Sprache umfaßt und die vor⸗ züglichsten neuesten Erscheinungen enthält, u. A.

Breier, Rosenkreuzer. Gerstäcker, Im Busch. Grey, Herrin von Gold-

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2) Kälte und Frost während des Ausstreuens oder unmittel- bar darnach schwächen die Wirkung des Gypses ganz be deutend oder heben sie ganz auf; daher kommt es, daß in kalten Frühjahren, wo öfters leichte Nachtfröste eintreten, von der Wirkung des Gypses fast nichts zu sehen ist;

3) feuchte und warme Witterung während und nach dem Aus⸗ streuen beschleunigt und erhöht die Wirkung des Gypses, der

Klee wird höher, dichter und bekommt und breitere Blätter;

40 bei Wind geschehen, sondern muß bei

stiller Witterung, Morgens ganz früh nach einer thaureichen Nacht oder Abends im Thau, oder wenn ein gelinder Regen die Blätter angefeuchtet hat, vorgenommen werden.

Der im Handel vorkommende Gyps kann durch Beimischungen von Kalk, feinem Sand, Thon 1c. ꝛc. verfälscht sein, alle diese Berfälschungen lassen sich aber sehr leicht erkennen. Byps muß sich nämlich in verdünnter Salzsäure fast vollständig, bis nuf einen unbedeutenden Rückstand von Sand und Thon auflösen. Zleibt daher bei der Behandlung mit verdünnter Salzsäure ein be seutender Rückstand, so ist der Gyps mit Sand und Thon vermischt und braust er beim llebergießen mit Salzsäure oder starkem Essig deuf, so enthält er kohlensauren Kalk beigemengt.

das Gypsen darf nicht Mittags im Sonnenscheiu, nicht

saftigere, dunkelgrüne

warmer, trüber, wind⸗

sind.

Reiner guter

gethan.

Je reiner der wollten.

in unsrem Garten 2 Kohlmeisen und 1 Blaumeise weggefangen. scheinen die ebenso zierlichen wie nützlichen Meisen, welche sich in der Nähe unsrer Wohnung aufgehalten haben, sämmtlich vertilgt worden zu sein, wenigstens konnten wir in letzter Zeit kein Exemplar derselben entdecken.

Obgleich die große Schädlichkeit des großen Neuntödters so ziemlich allgemein bekannt ist, so wird doch so wenig für die Vertilgung desselben Es dürfte sich empfehlen, wenn die Herren Jagdbeständer ein reges Augenmerk auf dieselben haben und sie wo nur möglich wegschießen

Gyps von diesen Beimengungen und je weißer und feingepul⸗ verter er ist, desto größer ist seine Wirkung.

Die Ankunft der Zugvögel.

Aus dem anregenden Aufsatze des Herrn Direktor Dr. Curtman (Nr. 20 dieses Blattes) scheint geschlossen werden zu können, daß auch die Neuntödter ausschließlich zu den Zugvögeln gehören, indem dieselben erst im April in unsrer Gegend erscheinen.

Nach unsrer Erfabrung müssen indessen wenigstens einzelne Exemplare in Deutschland überwintern. öfters 2 Exemplare des großen Neuntödters, Würgers(Lanius excubitor), gesehen und beobachtet,

So baben wir im Laufe dieses Winters

wie sehr dieselben den kleinen Vögeln gefährlich

Innerhalb weniger Stunden wurden von diesen gefräßigen Thieren

Leider