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der Insel IJsland wird eine Hungersnoth be— fürchtet. Großbritannien. London. Aus Militär⸗ kreisen in Chatham wird berichtet, daß das Kriegs- Ministerium und das Armee-Obercommando für Neujahr eine beträchtliche Reduckion der Armee beschlossen daben. Zuerst soll die Abschaffung der meisten Depotbataillone, ferner eine Reduction des Truppenbestandes in Nord-Amerika und Australien stattfinden. Einem Gerüchte zufolge sei beabsichtigt, sämmtliche Truppen von dort zurückzurufen, da die Regierung den großen Colonien ihre eigene Vertheidigung zur Pflicht machen wolle.
Spanien. Wohl selten hat eine Revolution einen so gründlichen und dabei so unblutigen Verlauf genommen wie die gegenwärtige in Spanien. Ein Land beinahe so groß wie Deutschland, eine Bevölkerung von fast 17 Mill., an die wechsel— vollen Schicksale von Revolten aller Art gewöhnt und wie keine andere prädisponirt zum kleinen Krieg, erklärt sich einmüthig für die Revolution. In keiner von all' den, zum Theil beträchtlichen Städten, in den vielen Provinzen, nirgends regt sich ein Fuß für die Königin. Selbst die bas— kischen Provinzen, die, im Besitz einer Menge wichtiger Vorrechte und Freiheiten, wie das Recht der Selbstbesteuerung, der Freiheit von der Milizpflicht und von allen Staatsmonopolen, bei der Erhaltung des alten Regiments besonders interessirt waren, da die siegreiche Revolution jene alten Vorrechte leicht hinwegfegen kann, wie sie in der That 1841 von Esperato schon einmal vorübergehend aufgehoben waren, wiesen die Zu— muthung mit Entschiedenheit von sich, in ihren Bergen eine Erhebung zu Gunsten der Bourbonen zu organisiren. Und die königlichen Truppen? Wo ist ihre Anhänglichkeit an die Krone, ihre Treue für ihren Kriegsherrn? Nur an drei Punkten, in Barcelona, in Santandor und bei Cordova leistete man einen Schatten von Wider— stand, um dann sich schlagen und zerstreuen zu lassen, oder mit Jubel zur allgemeinen Bewegung überzugehen. Einen schlagenderen, vollgültigeren Beweis dafür kann es nicht geben, wie die Bour⸗ bonenregierung jede Spur von Sympathie im Volke verloren hatte, und wie albern die Behaup⸗ tung war, die Erhebung sei vom Ausland an— gezettelt und genährt. Es war wohl ein richtiger Instinkt, der den Prinzen von Asturien leitete, als er mit heftigem Weinen sich dem Projekte widersetzte, ihn unter der Obhut des alten Esperato zurückzulassen als legitimer Thronerbe. Was sollte auch der Knabe in einem Lande thun, wo es wahr— scheinlich für ihn nichts mehr zu retten geben wird.
Das spanische Volk war einmüthig bei dem Sturze der Königin betheiligt. Wird es gleich einmüthig sein bei der Frage, wem ihre Nachfolge anvertraut werden soll? Gewisse Blätter malen die augenblicklichen Zustände in Madrid mit düsteren Farben; ein wilder Demokrat, berichtet man, herrsche dort, die Republik sei bereits proklamirt. Gewiß ist bis jetzt nur, daß eine provisorische Regierung ernannt ist und die Wahlen ausgeschrieben sind. Ob der Herzog von Mont pensier auf den Thron gelangen oder eine Ver⸗ einigung mit Portugal erzielt werden wird, oder ob wirklich republikanische Tendenzen das Ueber⸗ gewicht gewinnen, kann erst die Zukunft lehren. Einstweilen ist es aber von Interesse, sich über die vorhandenen Parteien klar zu werden.
Von der ministeriellen Partei, den Puros und sog.
Moderados kann nach dem Sturz des Gouver⸗ nements kaum die Rede mehr sein. Es kommen darum nur folgende drei Parteien in Betracht: Die Union liberale, die eigentlichen Progressisten und die Demokratie. Erstere ist eine Compromiß⸗ partei mit monarchischen Grundsätzen und dem Marschall Serrano an ibrer Spitze. Die Pro- gressisten, unter der Führung Don Olozaga's wollen die iberische Union mit ebenfalls monarchi— scher Verfassung; auch General Prim soll noch daran festhalten. Die demokratische Fraction end— lich besteht aus den Republikanern. Ihr wichtig— stes Haupt ist der Marquis de Albaida.
— Die„Gazeta“ brachte vor einigen Tagen eine Proclamation der provisorischen Regierung, welche die Entthronung Isabella's und die Volkssouveränetät ausspricht. Sie schließt mit den Worten:„Nieder mit den Bourbonen!“— Die Wahlen sind ausgeschrieben. Es herrscht große Begeisterung.
— In Madrid herrschte am 1. Oct. voll⸗ ständige Ruhe. Das ganze Land hat sich jetzt für die Revolution erklärt. Prim und Serrano sind noch nicht angekommen.— Don Sebastian ertheilte der Königin den Rath, einen Bürgerkrieg zu beginnen, aber die baskischen Provinzen ver⸗ weigerten Mannschaften und Geld und erkannten die Revolution an.— Die Börse verkehrte in steigender Tendenz.
— Die„Gazeta de Madrid“ vom 30. Sep⸗ tember bietet, als äußeres Zeichen der in Spa⸗ nien vor sich gegangenen gewaltigen Veränderung, auf der ersten Seite ein neues Emblem dar. Die Freiheit als weibliche Gestalt ist sitzend dargestellt, mit einer Waage in der einen und einem Schlangenstab in der andern Hand. Mit dem linken Fuß tritt sie einen Fuchs nieder; rechts neben ihr liegt ein gewaltiger Löwe. Endlich erblickt man, zur Vervollständigung der allegori⸗ schen Menagerie, etwas im Hintergrunde einen Hahn— Die provisorische Junta, die aus 40 Personen besteht, empfängt beständig Beglückwün⸗ schungsadressen aus allen Städten Spaniens. Sie verfügte die unbehinderte Fortsetzung aller öffent⸗ lichen Arbeiten.
— Die Königin sandte einen heftigen Protest von Pau aus.
— Marschall Serrano spricht sich für die iberische Union aus. Prim befindet sich noch in Barcelona. Das neue spanische Ministerium soll in folgender Weise gebildet werden: Marschall Serrano als Präsidenten, Castilla für den Handel, Topete für Marine, Aguirre für Justiz Prim für Krieg, Olozaga für Auswärtiges, Madoz für Finanzen.
Italien. Rom. Das„Giornale di Roma“ veröffentlicht ein Sendschreiben des Papstes an die Protestanten und andere Akatholiken, wodurch er bei Gelegenheit des öcumenischen Concils beide Glaubensbekenntnisse wieder vereinigen will. Dat Sendschreiben schließt mit der Bemerkung, daß aus dieser Wiedervereinigung das Heil der Christen⸗ heit hervorgehen werde; die Welt werde keinen wahren Frieden haben, wenn es nicht wieder einen Hirten und eine Heerde gebe.
Türkei. In Konstantinopel haben Ver⸗ haftungen wegen einer Verschwörung gegen den Sultan stattgefunden.
Amerika. New-⸗Nork. In den califor- nischen Wäldern haben Feuersbrünste 100—200 Quadratmeilen Schlagholz zerstört.
— Die Berichte über Indianer Angriffe im Westen mehren sich. Am 11. machte eine Bande von Cheyennes einen Angriff auf die Stadt Sheridan in Kansas, tödtete drei Personen und raubte eine große Anzahl Pferde und Hornvieh. In Colorano haben die Indianer in einer Woche allein 20 Ansiedler ermordet und scalpirt, und einige 500 Stück Pferde und Hornvieh weg— getrieben.
Gießen. Es verlautet, der von hier nach Darmsiadt versetzte Hofgerichtsrath Bötticher werde vorläufig seinen Wohnsitz hier behalten, da ihm die Visitation einer Anzahl Landgerichte in Oberhessen übertragen worden sei.
Franfurt a. M. wird demnächst ein zweites Theater erhalten, zu welchem Herr Theaterdirektor Keller aus Posen schon seit längerer Zeit die Concession besitzt. Derselbe hat ein sehr geeignetes Terrain auf dem Mozart⸗ platze zwischen dem Eschenyeimer- und Bockenheimerthore käuflich an sich gebracht und die Bauverträge bereits voll⸗ ständig abgeschlossen. Das neue Institut wird den Namen Thalia⸗-Theater erhalten und für 12000 Personen einge⸗ richtet sein. Zue Aufführung sollen vorzugsweise Lust⸗ spiele, Vaudevilles, Operetten kommen, ähnlich wie im Hamburger gleichnamigen Theater. Es soll im Winter und Sommer gespielt werden und eine mit dem Etablisse⸗ ment verbundene Gartenanlage im Sommer dem Publi⸗ kum Gelegenheit geben, die Zwischenacte im Freien zu verbringen. Dte ganze Einrichtung und Ausstattung des Theaters soll eine elegante und einer Großstadt würbige werden und die Eröffnung schon am 1. August 1869 erfolgen.
Darmstadt. Der landwirthschaftliche Bezirksverein sür den Kreis Darmstadt beabsichtigt eine Prämie von 100 fl. für denjenigen Viehzüchter ober Viehhändler aus⸗ zusetzen, welcher den ersten in der Kürze stattfindenden Viehmarkt dahier mit ber reichhaltigsten und werthvollsten Collection von Thieren beschickt.
Bingen. Am 30. Sept. wurde im„Englischen Hof“ dahier die fünfte Versammlung von Lehrern an mitktel⸗ rheinischen Realschulen und verwandten Anstalten abgehalten. Vertreten waren die Schulen von Bingen, Mainz, Worms, Darmstadt, Offenbach, Michelstadt, Alsfeld, Geisenheim, Erbach, Haagenburg, Neustadt a. d. Haardt und Kreuznach. Das Präsidium führte der hiesige Realschul⸗Direktor Sanders. Die nächstjährige Versammlung wird im Sept. 1869 in Worms stattfinden.
Aus Herrieden, 28. Sept., schreibt man der„Fr. Zig.“:„Während uns immer neue, vom atlantischen Meer her ziehende Luftthäler gemischte Witterung bringen, so daß der Barometer vorgestern, mit Ausnahme vom südlichen Jialien und der Türkei, in ganz Europa unter dem Mittel blieb, herrscht in Nordamerika im Gegentheil sehr hoher Luftdruch, indessen verhällnißmäßig auch große Wärme. Die Temperaturunterschiede Europas bleiben ungeachtet des tiefen Barometerstandes fortwährend groß; die Gewitter ziehen sich mehr nach Süden zurück; die Nordlichter in Schweden und die Erdbeben in Jaszbereny (Ungarn) dauern noch fort.
Hameln. Es muß auch solche Käutze geben! Wie der ⸗Deister- und W.⸗Zig.“ mitgetheilt wird, hat die Ort⸗ schaft W. in unserer Nähe beim letzten Manöver keine Einquartierung gehabt. Die Gemeinde, welche sich dadurch zurückgesetzt gefühlt, hat sich beschwerend an den König gewandt.
„„ Bergbesteigung. Der Augsburger„Allgemeinen Zeitung“ schreibt man aus Zürich vom 22. September: „Dieser Tage wurde das 12,418 Fuß hohe Großhorn im Berner Oberland zum erstenmal erstiegen. Die kühnen Bergsieiger, Stud. med. Emil Ober und Stud, phil, Heinrich Dübi, machten sich in Begleitung der ge⸗ wandten Gletscherführer Johann Bischoff von Lauter⸗
brunnen und Joseph Singer aus dem Wallis von Lösch⸗
thal aus auf den Weg und erreichten die Spitze unter mennigfachen Gefahren. Die höoͤchst anstrengende Ex⸗ pedition erforderte volle zweiundzwanzig Stunden.“
VBerloosung.
Wien. 1. Oct. Ziehung der österreichischen 100 fle Loose vom Jahre 1858. Auf Serie 188. Nr. 13 fiel der Haupttreffer von 200,000 fl.; Serie 24017 Nr. 54 40,000 fl; Serie 2176 Nr. 4 20, 000 fl.; Serie 188 Nr. 16 und Serie 188 Nr. 25 je 5000 fl. Sonstige gezogene Serien: 485 530 542 2042 23011 2645 2747 2929 3371 3869 4059 4071 4162 4192.
* Braunkohlen- Verkauf.
2415 Für die gegen Credit zu beziehenden Braunkohlen beginnt auf dem Großherzoglichen Dorheimer Berg · werke mit dem 1. October d. J. eine neue Creditperiode, laufend bis Ende Dezember und verbunden mit einer
Zahlungsfrist bis Ende März 1869.
Der Preis der Kohlenklötze ist wie setther 12 fr. für den Centner— 14 Stück Klötze
Die Fuhrleute wollen die Gegenscheine, welche ihnen bel Abgabe des Bürgscheins eingehändigt werden, bei jedem Kohlenbezuge mitbringen, damit die einzelnen Bezüge in dem Gegenschein notirt werden können. Bei Zahlung der Crediisumme an Großherzogliche Bergkasse zu Friedberg ist gleichfalls die Vorzeigung des Gegen⸗
scheins erforderlich.
Dorhelmer Bergwerk den 30. September 1868.
Großberzogliches Bergamt Dorheim Stor ch.
2354 Zum Frankfurter Journal und der 2376 In ein Specerei-Geschäft kann ein Lehrling bel
Darmstädter Zeitung wird ein Mitleser freie
r Kost und Logts eintreten. Frankirte Offerten gt
Holz- Versteigerung.
2414 Montag den 12. d. M., Vormittags 10 Uhr, sollen in dem Freiherrlich von Died'schen Kirchwalde dahier 1) 700 Wellen von verschtedener Holzart und Güte, 2) die von den früheren Versteigerungen fitzen⸗ gebliebenen Stecken und Wellen öffentlich an Ort und Stelle versteigert werden. Ziegenberg den 2. October 1868. 5 Kirchner.
2375 Meinen Bekannten die Linzeige, daß ich das
Gasthaus zum Nürnberger⸗Hof übernommen habe.
Jute Speisen und Getränke, gukes Logis, und prompte
Bedienung zusichernd, halte ich mich bestens empfohlen. Frankfurt a. M. im October 1868.
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gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bl. 1289755 Baruch Hecht. F. Hyronimuse.
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