Ausgabe 
5.11.1868
 
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Hannover. DieZeit. sür No. dd. mel- det: Die Dienstmägde Wackernagel und Schömann, welche durch Absingen des LiedesKam ein Vogel geflogen 1c. einen Unteroffizter beleidigt haben sollten und deßhalb zu acht Tagen Gefäng niß verurtheilt waren, sind am 30. Okt. in der Berufungsinstanz kostenlos freigesprochen.

Marburg. Studiosus Schmidt von hier, welcher im August d. J. den Lieutenant von Wilkonski vom hiesigen Jägerbataillon im Duell erschossen hatte, ist von dem Schwurgerichte zu 2 Jahren Festung verurtheilt worden.

Frankfurt. Der Kreistag ist am 3. d. durch den Polizeiprästdenten v. Madal eröffnet worden. Die Sitzung war eine nicht oͤffentliche doch wurde ein Antrag auf Oeffentlichleit gestellt, der auf die nächste Tagesordnung kommt.

Bayern München. Der Dichter Geibel erklärt in einem Schreiben an den König von Bayern, daß er nach Sistirung seines Ehrenbezuges von 1400 fl. aus der königl. Cabinetskasse auch bitte, ihn seiner Verpflichtungen als nomineller Honorarprosessor der Universität und Capitular des Maximilian-Ordens zu entheben. Daß er den Orden selber zurückgegeben habe, wie einige Mlätter berichteten, ist unbegründet. Wie der N. fr. Pr. von hier geschrieben wird, soll die Lübecker Apotheose des preußischen Adlers keines- wegs die alleinige Veranlassung zum Verluste der 1400 fl. gewesen sein. Es wird vielmehr ver- sichert, daß das Benehmen Geibels unserem Mo- narchen gegenüber und gewisse in dieser Beziehung von dem Dichter gemachte Aeußerungen ihm schon seit einiger Zeit die Gunst des Königs entziehen mußten, und daß deßhalb das Einziehen der in Rede stehenden Sinecure auch schon vor dem Lübecker Gedichte beabsichtigt gewesen sein soll. Der Vorschlag derKöln. Zig., den Dichter durch eine Nationalsubscription für seinen Verlust zu entschädigen, hat derselbe in einer Zuschrift an dieses Blatt mißbilligt.

Oesterreich. Wien. Die Staatsschulden- control-Commission veröffentlicht zwei Ausweise, einen über die gesammte consolidirte Staatsschuld und die eisleithanische schwebende Schuld eine zweite über die gemeinsam schwebende Schuld bis Ende Juni 1868. Die Gesammtsumme der con- solidirten Staatsschuld beträgt auf 5prozentiges Capital ö. W. umgerechnet 2,564,724, 916 fl. mit 102,066,916 fl. jährlicher Zinsenlast, was gegen Ende 1867 eine Verminderung von 20,6 73,808 fl. beträgt. Die cisleithanische schwe⸗ bende Staatsschuld beträgt 112,469,773 fl. mit 5,307,126 fl. jährlicher Zinsenlast. Die Haupt- summe der gesammten consolidirten Staatsschuld, sowie der cisleithanischen schwebenden Schuld nebst dem Capitalsbetrag für die Entschädigungsrenten beträgt 2,69 1,851,750 fl. mit jährlicher Zinsen⸗ last von 108,045,950 fl.

DasTagblatt meldet: Der preußische Gesandte soll aus Anlaß der Denkschrift des Kurfürsten von Hessen vertrauliche Vorstellungen dagegen erhoben haben, daß der König von Hannover und der Kurfürst von Hessen die Gasifreundschaft Oesterreichs zu preußenseind⸗ lichen Agitallonen benutzen. Baron von Beust sandte hierauf eine Vertrauensperson nach Prag, um mit dem Kurfürsten die Bedingungen seines ferneren Verbleibens in Oesterreich festzustellen. Die Resultate dieser Mission sind zur vollkommenen Befriedigung des Reichskanzlers ausgefallen.

Aus Graz wird berichtet, daß der dortigen freien Gemeinde die Gründung einer Schule von der Regierung nicht bewilligt worden sei, weil diese Religtonsgenossenschaft die gesetzliche Aner- kennung(von beiden Häusern des Reichsraths und dem Kaiser!) noch nicht erlangt habe.

Wie derOsten mittheilt, ist in Bautzen eine Flugschrist erschienen, die den Titel führt: Die böhmische Frage. Der Berfasser, der gegen Ende der Schrift aus dem Tone des Warnens in den der Drohung übergeht, wendet sich am Schlusse der Broschöre an den Reichskanzler mit folgender Apostrophe:Das Beispiel Spaniens zeigt gerade in diesem Augenblicke, wohin ein Staat gelangt, dessen Bevölkerung zur Verzweiflung

getrieben wird. Wenn Ste nur einen Tag unter dem Volke Böhmens zubrächten und dessen ver zweifelte Stimmung studirten, die Ihnen wohl Niemand in ihrer ganzen Wahrheit geschildert haben dürfte, Sie würden vor dem Abgrunde erschrecken, vor dem wir Alle stehen. In Böhmen bedarf es wahrhaftig nur noch eines Funkens!.. Die Völker lassen sich heut zu Tage nicht lange mehr contumaciren, besonders wenn sie so geweckten politischen Geistes sind, wie im Kaiserstaate...

DerN. fr. Pr. zufolge soll England im Einverständniß mit den gleichgesinnten Cabinetten die Pforte veranlaßt haben, Angesichts der gemein gefährlichen Zustände in den Donaufürstenthümern gemäß Art. 22 des Pariser Vertrages, welcher jede Einmischung einer Einzelmacht ausschließe, die Initiative zu ernstlich mahnenden Gesammt⸗ schritten der Garantiemächte in Bukarest zu ergreifen.

Frankreich. Paris. Nach Angabe des Journal de Paris hätte die Königin Victoria an Don Ferdinand von Portugal eigenhändig geschrieben, um ihn zur Annahme der spanischen Krone zu bewegen. Ferner hätte der französische Gesandte in Madrid an seine Regierung berichtet, daß die Chancen des Herzogs v. Montpensier im Volke ihm sehr im Abnehmen zu sein schienen.

DerGaulois berichtet, daß die spanische Regierung den Generalen Concha, Cheste, Calonge und Fernandez San Roman den Befehl ertheilt hat, Spanien zu verlassen. Die republikanische Propaganda alcentuirt sich mehr und mehr in Spanien.

Es circulirt das Gerücht, daß verschiedene den höchsten Classen angehörende Damen von Madrid eine Adresse an die provisorische Regierung gezeichnet haben, in der sie in Berücksichtigung der proklamirten Freiheiten verlangen, daß man den Nonnen kein Hinderniß mehr in den Weg lege, ihre Klöster zu bewohnen. Diese Adresse wird von der Frau eines der einflußreichsten Männer der Situation überreicht werden.

DerAbend-Moniteur sagt: Mehrere Journale bringen seit einiger Zeit Discussionen über den umfassenden Charakter der constitutionellen Befugnisse des Staatsoberhaupts. Die Regierung erinnert die Presse daran, daß derartige Dis- cussionen durch den Senatsconsult vom 18. Juli 1866 formell untersagt wurden.

DieLiberte will wissen, daß die Car- listen, wenn ihr Candidat nicht Aussicht hat, ge⸗ wählt zu werden, sich für die Republik erklären werden. Einige katholische und bourbonistische Blätter hätten bereits auf diese Haltung hinge⸗ deutet und sich formell erklärt, entweder für Karl VII. oder die Republik stimmen zu wollen.

Seit einigen Tagen ist in Paris das Gerücht, welches indeß der Bestätigung bedarf, im Umlauf, daß die HH. Niel und Rouher in Folge einer ziemlich lebhaften Explication in der letzten Ministerrathssitzung dem Kaiser beide ihre Demission eingereicht hätten, die aber von beiden nicht angenommen worden sei. Die beiden Minister sollen auf ihrer Demission bestehen.

Großbritannien. London. Die eben erschienene neue französische Karte wird von der Times einer näheren Beleuchtung unterzogen. Das leitende Blatt zieht aus dieser jüngsten Proklamation den Schluß, daß Frankreich nicht seine Hand an die Errungenschasten des Feldzuges von 1866 legen wolle und gibt seine volle Zu- stimmung zu der aufgestellten Behauptung, daß die französische Nation von Ritmandem etwas zu fürchten habe.

Eine sehr lebhafte politische Correspondenz hat sich zwischen dem Herzog von Monipensier und seinen Brüdern in Claremont entsponnen; diese sollen dem Schwager der Königin Isabella den Rath gegeben haben, erst im Augenblick der Entscheidung auf dem Madrider Schauplatze zu erscheinen und einstweilen sich darauf zu beschrän⸗ ken, seine Mitbewerber in Spanien und im Aus- lande nach Kräften zu disereditiren.

Lord Shastesbury, Präsident der britischen und ausländischen Bibelgesellschaft, hat in einem Briese dem General Prim seinen Dank für die

in Spanien proklamirte Religionssreiheit aus-

gesprochen. Bereits sind ganze Kisten mit Bibeln auf dem Wege nach der pyrenätschen Halbinsel und in den nächsten Tagen werden auf den Straßen von Madrid und anderen spanischen Hauptstädten Bibeln zum Verkaufe angeboten werden,

In ihrem Cltpartikel hebt die Londoner Times vom 30. Oet. den Aufschwung hervor, welcher sich in Californien während der jüngsten Zeit bemerklich gemacht.Ganz im Gegensatze zu unseren Erfahrungen vor wenigen Jahren zeigt Californien sich jetzt in allen Geschäftsangelegen⸗ heiten als einen der stetigsten Staaten in der Union.

Nachdem an verschiedenen Orten große Verheerungen durch Erdbeben stattgesunden, scheint auch England von derBewegung ergriffen zu sein. Nach einem Telegramm wurden nämlich in Leamington am 31. Oct. Abends um 10½ Uhr mehrere Erdstöße verspürt, wovon 3 von Os cillationen und unterirdischem Rollen begleitet waren. Auch in Woreester haben vorgestern Erd stöße stattgefunden, ohne daß jedoch ein durch dieselben verursachter Schaden bekannt worden wäre.

Spanien. Madrid. DieGaceta ver- ösfentlicht ein Circular Zorilla's, welches den Municipalitäten die Sorge für den Volksunterricht dringend anempfiehlt, der allein der Unwissen heit von drei Jahrhunderten steuern könnte, deren Folge die bis an die letzten Zeiten der Bourbonen bestehende Inquisition gewesen sei.

DieGacetta veröffentlicht ein Decret von Sagasta, welches das Recht zu friedfertigen Versammlungen sanctionirt. Dieselben müssen je doch 24 Stunden vorher bei den Behörden an⸗ gezeigt sein. Dasselbe Blatt kündigt an, daß es in seiner nächsten Nummer das Deeret bezüglich des Zusammentritts der Cortes veröffentlichen werde. Die Wahlkreise werden aus den Pro- vinzen gebildet und wiederum in Sectionen ein⸗ getheilt, um den Wählern das Abstimmen zu es⸗ leichtern. Die Richter der Gerichts höfe erster Instanz werden zu Präsidenten der Wahlbureaus ernannt.

In einer Conferenz von Staatsmännern wurde auf Olozaga's Vorschlag ein aus Unionisten, Demokraten und Progressisten zusammengesetztes Zwölfer-Comite mit der Abfassung eines Mani sestes zu Gunsten der constitutionellen Monarchie beauftragt.

Die Gazette de France meldet, ein preußischer Prinz sei im Geheimen abgereist und habe sich über Gibraltar nach Madrid begeben.

Ein Deeret Topete's verordnet, daß die Dienstzeit der Matrosen und Marinesoldaten, welche seit 18. September in activem Diensse sind, auf zwei Jahre reducirt werde. Verschiedene Belohnungen sind Unteroffizieren aller Classen gewährt worden. Die Offiziere haben aus jede Begünstigung wegen ihrer Theilr ahme an der In surrection verzichtet.

Amerika. Vom Kriegeschauplatze in Para⸗ guay bringt die brasilianische Post neben der Angabe, daß die alliirte Armee langsam auf Asumcion vorrücke, und daß Lopez sich rüste, iht bei Villeta die Stirne zu bieten, nur noch alt Neuigkeit das Gerücht, in dem brasilianischen Heere sei wiederum die Cholera ausgebrochen.

Der Aufstand in Limas konnte erst nach heftigem Kampfe unterdrückt werden. 300 In- surgenten legten die Waffen nieder.

Die Indianer griffen am Sonnabend einen Zug der Pacisiebahn an und beschädigten denselben ernstlich. Die Bahnzüge erhalten von nun an militärische Escorte.

Frankfurt. Hiesige Bläuter bringen solgende myfle⸗ iis klingende Mittheilung: Vorgeflern Abend kamen zu einem Manne in Seckbach, welcher nach hier mit Butter ze. handelt, drei Personen, welche sich, wie man erzählt,, file Frankfurter Polizeibeamten ausgaben; dieselben verlangten die betreffende Persönlichkeit allein zu sprechen. Was die⸗ selben zu sagen hatten, wurde nicht bekannt. Der Mann ging einen Augenblick hinaus, ergriff ein großes Tranchir⸗ messer und erstach sich mit demselben. Die räthselhaften Fremden enisernten sich hierauf.

Darmstadt. Das Großherzogl. Landgericht Zwingen⸗ berg hat Namens der Direction der Main⸗Neckar⸗Bahn eine Belohnung bis zu 200 fl. ausgesetzt, um die Ene deckung des Eisenbahnsrevels zwischen Ebersiadt und Bicken⸗ bach zu erzielen.

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