Ausgabe 
3.11.1868
 
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demokralisch⸗orientalischen Vereins Maniseste gegen die Türkei, Ungarn und Oesterreich ver breiten lassen.

Triest. Der LloyddampferOreste kam mit der ostindisch ⸗chinesischen Ueberlandpost hier an und brachte Nachrichten aus Bombay vom 10. Oct. und aus Calcutta vom 5. Oct. Die⸗ selben melden, daß das nordwestliche und Central⸗ Indien von einer Hungersnoth bedroht sind.

Frankreich. Paris. Herr Miranda be⸗ richtet imGaulois über die Aussichten der spanischen Reorganisation:Die ersten Debatten der constituirenden Versammlung werden vermuth- lich folgenden Gang nehmen. Vor Allem glaubt man, daß eine große monarchische Majorität in die Kammer kommen werde, in der namentlich die progressistische Partei stark vertreten sein wird; diese wiederum neigt fast durchgängig zu der Candidatur des Königs Don Ferdinand von Portugal hin, dessen Ablehnung man nicht für eine definitive hält; zunächst wird die Frage der Regierungsform den Kammern vorgelegt werden. Wenn die Frage der Regierungsform, wie vor⸗ aus zusehen, im monarchischen Sinne entschieden sein wird, so wird man aus den hervorragendsten Dersönlichkeiten der Kammer eine Commission bilden, welche den Auftrag erhalten wird, den Candidaten zu bezeichnen. Dieser wird dann erst in der Kammer und darauf durch ein Plebiscit im ganzen Lande zur Abstimmung gebracht werden. Demseiben Gewährsmann zufolge wäre der fran⸗ zösische Gesandte in Madrid instruirt worden, der provisorischen Regierung zu eröffnen, daß, falls der Herzog von Montpensier zum König von Spanien gewählt würde, der Kaiser seinen Bot- schafter von Madrid abberufen und nur einen Geschäftsträger dort lassen würde, welcher Frank⸗ reich, nicht aber seinen Souverän, zu vertreten hätte.

DerEtendard sagt in Betreff der neuen Karte Europas:Es ist leicht, den praktischen Werth der Mainlinie zu discutiren und die gegen- wärtige Tragweite der Verträge zwischen dem norddeutschen Bund und den Südstaaten zu über⸗ treiben; im Grunde bleibt es doch ein unbestreit⸗ bares, nicht aus der Welt zu schaffendes Faktum, daß, selbs die vollständige Vereinigung von Nord- und Süddeutschland angenommen, man doch nur die Hälfte der einst in tompacter Masse gegen uns vereinigten Kräfte vorfindet.

Mehrere Blätter melden übereinstimmend, daß Herr Marfori seine Entlassung als Ober- Intendant der Königin Isabella gegeben und dabei der Königin vorgestellt hätte, wie es unter den gegenwärtigen Verhältnissen ihrer Würde besser entsprechen würde, wenn sie dieses Amt einem Granden von Spanien übertragen wollte.

Belgien. Brüssel. Der belgische Ge. sandte in Madrid hat den Auftrag erhalten die spanische Regierung anzuerkennen. Der frühere spanische Gesandte allhier wird abberufen.

Großbritannien. London DieTimes sagen: Die französischt Regierung habe durch ihren Commentar zu den bekannten Karten angedeutet, Sadowa habe den Stand der Dinge in Deutsch⸗ land für Frankreich eigentlich unbedenklicher gemacht, weil es die Anlässe zum Krieg vermindert habe. Eine größere Bekräftigung der veränderten An⸗ schauungen durch Reduction der Armee sei wün⸗ schenzwerth.

Spanien. Madrid. Das Exposé über die spanische Finanzlage veranschlagt das Defscit auf 2500 Millionen Realen und constatirt die Nothwendigkei! außerordentlicher Ausgaden in Folge des Nothstandes.

Die Mittheilung von der Anerkennung der provisorischen Regierung Spaniens Seitens der Vertreter von England, Preußen, Frankreich und Portugal bedarf einer kleinen Einschränkung. Genannte Mächte haben erklären lassen, daß sie mit der neuen Regierung internationale Beziehungen anzuknüpfen wünschten. Es liegt darin eine An⸗ deutung, daß sie den gegenwärtigen Verkehr als provisorischen ansehen, und die spanische Regierung betrachtet diese erste Annäherung vorerst nicht als formelle und endgültige Anerkennung.

Cabrera soll einen Brief an den Infanten

Don Carlos gerichtet haben, der in Kurzem ver- öffentlicht werden wird und in dem der alte Guerillero, der vor 25 Jahren den Zunamen des Tigers von Marstrazzo führte, denKönig Karl auffordert, constitutioneller und liberaler Monarch von Spanien zu werden, denn die legitimen Könige Spaniens hätten sich stets beeilt, den Strebungen ihres Volkes voranzugehen. Er räth dem jungen Prätendenten noch an, sich weder auf die alten Anhänger seiner Familie noch auf den Clerus zu stützen, der sich seine Dienste immer so theuer bezahlen lasse, sondern auf die liberalen Parteien. DerCorrespondenzia zufolge haben unter der Regierung Isabella's von Bourbon nicht weniger denn 519 Minister die Geschäfte geführt.

Italien. Rom. Es wird berichtet, daß bei Grotta Ferrata, in der römischen Campagna, eine bewaffnete Räuberbande in eine Villa ein⸗ gebrochen ist, welche dem schottischen Collegium zu Rom gebört, und den Abbé Campbell, Unter- direktor dieses Collegiums, in die Berge entführt hat. Die Bande verlangte ein Lösegeld von 100,000 Frs., hat jedoch den Abbé wieder frei⸗ gelassen, nachdem sie sich von der bewaffneten Macht bedroht sah.

Türkei. Pera. Am 17. October überreichte der Vicar des armenisch⸗katholischen Patriarchen Hassun dem Patriarchen der griechischen Kirche in feierlicher Audienz die Allocution des Papstes an die Bischöfe der orientalischen Kirche. Bevor der Pa⸗ triarch das Schreiben in Empfang nahm, fragte er den Vicar, ob es derselbe Brief sei, dessen Text bereits in den Zeitungen veröffentlicht worden, und als der Vicar bejahend antwortete, erklärte er, den Brief nicht annehmen zu können, da er in un passenden Ausdrücken abgefaßt sei, und auch eine zustimmende Antwort nicht erhalten werde. Der Vicar mußte das Patriarchat verlassen, ohne seine Mission erfüllt zu haben.

Amerika DieNewyorker Handelszeitung schreibt:Von den Gesellschaftsinseln kommt eine merkwürdige Nachricht. Am 23. Juni machte der König der Insel Huahine, deren Unabhängigkeit von Frankreich, England und den Vereinigten Staaten garantirt ist, der Königin Pomare auf Tahiti einen Besuch. Als er zurückkehren wolle, wurde er vom Gouverneur der Insel verhaftet, an Bord eines französischen Dampsschiffes gebracht und dort gezwungen, einen von Frankreich gerade gewünschten Vertrag zu unterzeichnen. Die Re- gierungen von England und den Vereinigten Staaten werden wohl hierüber nähere Erkun⸗ digungen einziehen müssen. Die Unterthanen des Königs haben nachher revoltirt, ihn gefangen genommen und einen andern Herrscher eingesetzt.

Aus Havanna wird gemeldet, daß sich dort eine Junta gebildet und sich gleichzeitig für eine Cuba'sche Republik erklärt hat. Eingeborne be⸗ absichtigen einen Aufstand, dessen aber der General- capitän Lersundi wahrscheinlich bald Herr werden wird.

Asien. Ueber schwere gegen britische Missio⸗ näre bei Chinkeang in China verübte Excesse wird demShanghai Recorder unterm 24. August Folgendes geschrieben:Der britische und der amerikanische Consul zu Chinkeang find so eben aus Yangchow zurückgekehrt, wohin sie sich begeben hatten, um Untersuchungen wegen grauenvoller Excesse einzuleiten, die gegen die Mitglieder der dortigen protestantischen Mission begangen worden sind. Etwa 8 oder 10,000 Menschen brachen in die Häuser der Mission ein und zerstörten sämmt⸗ liches darin befindliche Eigenthum. Der chinesische Pöbel steckte die Häuser in Brand und versuchte die Insassen derselben zu verbrennen. Man nöthigte die Unglücklichen die Kinder aus den oberen Stock⸗ werken zu werfen und ihnen dann nachzuspringen. Die Veranlassung zu diesen Gewaltthaten war von der gelehrten Classe ausgegangen, welche das Gerücht verbreitet hatte, daß die Missionäre Kin⸗ der schlachteten und abkochten, um deren Fleisch als Medizin zu verwenden.

Friedberg. Am Freltag Nachmittage wurde ein in Melbach in Arbeit stehender Mann auf seinem Rück⸗

wege von Friedberg nach Hause in der Nähe der Wolff'

schen Ziegelei an der Dorheimer Chaussee von zwei Bur⸗ schen angepackt und seiner Uhr und seines Regenschirmes beraubt. Die Thäter sollen ermittelt sein.

e Friedberg. In den letzten Tagen der vorigen Woche ist die Eisenbahnlinie Homburg⸗Fricbberg durch Geometer abgesteckt worden. Man hofft, die Bahn inner⸗ halb 2 Jahren hergestellt zu sehen.

Frankfurt. Vor einigen Tagen fand die feierliche Enthüllung und Bekränzung des Bethmann'schen Denk⸗ mals statt, welches die Rebe der hiesigen Einwohnerschast ihrem um die Vaterstadt Frankfurt so verdienstvollen Mit⸗ bürger errichtet hat.

Frankfurt. Eine seltsame Gesellschaft soll sich da⸗ hier gebildet haben, worin nur diejenigen Personen auf⸗ nahmsfähig sind, welche entweder schon im Concurse, oder den Nachweis führen, daß es ihnen demnächst bevorsteht. Die Gesellschaft verspricht zahlreiche Betheiligung zu finden, obgleich eine Beslimmung nur qualificirie Frankfurter als Mitglieder zulassen soll. Besonders routinirte und ruinirte auswärtige Leute von Fach sollen zu Ehrenmitgliedern er⸗ nannt werden können.

Offenbach. Nachdem die Großh. Regierung vor mehreren Monaten mit Preußen einen Vertrag zu dem Zweck abgeschlossen hatte, die hiesige Eisenbahn weiter in der Richtung nach Hanau zum Anschluß an die Hanau⸗ Bebraer Eisenbahn fortzuführen, scheint es mit dem Bau selbst bald Ernst zu werden, da vor einigen Tagen ein höherer Baubeamte von Kassel hier eintraf, um die bisher bestandenen Bahnhofsanlagen und sonstigen Terrainver⸗ hältmisse in Augenschein zu nehmen.

Darmstadt. Die Kaiserin von Rußland hat den Armen von Darmstadt und Umgegend vor Ihrer Abreise 2000 fl. zufließen lassen und ist diese Summe durch Polizeirath Petsch an 538 Personen vertheilt worden.

Mainz. Ein erst kürzlich aus dem Correctionshaus in Wiesbaden entlassener italienischer Orgelspieler, welcher einem Polizeisergeanten ein Ohr abgebissen, hat gestern Abend in Castel einem Bäckergesellen im Wirthshaus die Nase abgebissen. Die Recherchen nach dem Bisser sind angestellt.

Aus Oberfranken. Alexander v. Humboldt war preußischer Oberbergmeister in den sränkischen Fürsten⸗ thümern und hielt sich als solcher in den Jahren 1792 bis 1795 in mehreren Städtchen des Fichtelgebirges auf, so in Arzberg, Steben und Goldkronach. In letzterem Städtchen gedachte man nun dessen und brachte zum ehrenden Andenken an Alexander v. Humboldt am Gast⸗ hausZum Schwanen eine Gedenktafel an, welche am 14. Sept.(Geburtstag Humboldts) unter entsprechenden Feierlichkeiten enthüllt wurde. Das Gasthaus führt den NamenZum Alexander v. Humboldt.

Wien. Bei einer Licitation von Mililärpferden in Wien am 27. l. M. wurde das Schlachtroß des Feldzeug⸗ meister Benedeck, welches derselbe in der Schlacht bei Königgrätz geritten, für 89 fl. versteigert. Das Roß sah noch leidlich aus und war braun.

Landwirihschastliches.

(Eingesandt.)

Am verflossenen Montag wurde in Butzbach die Ge⸗ neralversammlung des landwirthschastlichen Provinzial⸗ Vereins von Oderhessen im Gasthause zum Hessischen Hof abgehalten und war die Versammlung trotz des schlechten Weiters dennoch eine zahlreiche zu nennen, denn es waren circa 60 Vereins mitglieder anwesend.

Die Haupidebatte, welche über anderthalb Stunden in Anspruch nahm, betrafdie Ausdehnung der Starkenburger Viehversicherungs⸗Anstalt auf die diesseitige Provinz.

Als Redner war zuerst Herr Mann, Rechnet der Starkenturger Viehversicherungs⸗Anstalt, aufgetreten, wel⸗ cher in beredter Weise nachwies, daß dieses Institut haupt⸗ sächlich zur Sicherheit der großen Viehbesitzer geschaffen sei. Aus dem ganzen Vortrag ging hervor, daß Redner dieses Instiiut durch und durch kannte. Daß wir die Ausdehnung der Starkenburger Viehversicherung diesseits der Mainlinie nicht nothwendig hätten, suchte der zweite Redner, Herr Sekretär Gros, dadurch zu motiviten, daß wir eine Provinzial⸗Viehversicherungs ⸗Anfalt in der so⸗ genanntenHungec⸗Viehversicherung besäßen, wovon er gegenwärtig Direktor sei. Redner siellte bauptsächlich Ver⸗ gleichungen zwischen den Bureaukosten der beiden Anstalten an und suchte darzuthun, daß diejenigen der Starkenburger Viehversicherung zu hoch seien(auf wolche Behauptung übrigens unter allen Umständen ein entscheidender Werth nicht zu legen ist). Interessant war, daß ron beiden Rednern jeder den Vorzug des Alters für seine Anstalt in Auspruch nahm. An der weiteren Debatte betheiligten sich noch Posimeister Schenk, Advokat Reuling, Dr. Gros, Provin⸗ zial⸗Direktor Goldmann ꝛc. und wurde der Gegenstand endlich dahin entschieden, daß mit dem 1. April k. J. die Starkenburger Viehversicherungs⸗Anstalt auch auf Ober⸗ hessen ausgedehnt werden solle.

Einsender dieses kennt die beiden genannten Provinzial⸗ Viehversicherungen schon über zwanzig Jahre, hat aber, obschon Oberhessen, die Ausdehnung der ersteren mit Freuden begrüßt, weil letztere wegen geringer Betheiligung ebenso wenig für die großen Viehbesitzer eine Garantie bietet, als die hier bestehenden Ortsviehkassen. Fast in jedem Ort in der Wetterau bestehen Ortsviehkassen, welche, wenn richlig organisirt und gehandhabt, vollkommen für die Kleinbauern ausreichen. In denselben können sich auch die in den Orten wohnenden großen Viehbesitzer ver⸗ asseruriren. Das dauert aber in der Regel nur so lange, als dieselben keinen bedeutenden Schaden erleiden, bricht dagegen eine Seuche in ihren Stallungen aus, so fällt

gewöhnlich die ganze Ortoviehkasie aus leicht begreiflichen Gründen zusammen und von Enischädigung ist keine Rede,