Ausgabe 
1.12.1868
 
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N 6 1

Verbhallen der Regierung erregen Bedenken, aus denen man indessen ernste Besorgnisse vorerst nicht abzuleiten gewillt ist. Bezüglich der Verhand- zungen mit dem Papste sagt das Rothbuch: Mit dem tief eingreifenden Umschwunge in der inneren Organisation der Monarchie war die Nothwen⸗ digkeit einer Abänderung des Concordats von selbst gegeben. Besprechungen mit dem Gesandten Fehrn. v. Hübner stellten nur in untergeordneten Fragen eine Nachgiebigkeit des Papstes in Aus⸗ sicht. Das Rothbuch bespricht sodann die eine Verständigung anstrebende Instruclionen des Ge sandten v. Crivelli, die zu keiner Verständigung geeignete Antwort des Papstes, sodann die ver⸗ geblichen Verständigungsversuche Hen. v. Meysen⸗ bug's, endlich den Protest des Papstes und die päpstliche Allocution.

Triest. Die Levantepost ist hier eingetroffen mit Nachrichten aus Athen vom 22. November. Dieselben melden: Vorgestern ging Petropolaki mit mehrtren Hundert Freiwilligen, zwei Berg⸗ geschützen und Artilleristen nach Kandia ab. Die Freiwilligen zogen mit wehenden Fahnen unter den Fenstern der türkischen Gesandtschaft vorüber. Der Oberst Corontos folgt ihnen nächstens mit weiteren 1000 Freiwilligen.

Frankreich. Paris. Die französische Regierung will den Advokaten Gambetta wegen dessen Vertheidigungsrede vor Gericht stellen. Die incriminirte Stelle lautet:Am 2. Dezember be mächtigte sich Frankreichs ein unbekannter Mensch ohne Halt mit Hilfe von Leuten, von denen man wiederholen kann, was Sallust von dem Schwarme sagt, der Catilina umgab, was Cäsar selbst von seinen Mitschuldigen wiederholt: der Auswurf der Bevölkerung. Mit solchem Gesindel wird die Menschheit seit Jahrhunderten niedergesäbelt, und trotz der erhabenen Erscheivungen der Sokrates, der Ciceronen, der Catonen wird das Recht in der Regel im Stiefel eines Soldaten erstickt.

1 Paris. Die Gerichtshöfe zeigen sich in der Baudin'schen Affaire nicht alle so gefügig, wie die goudernementale Anklage es wünschte. Das Zuchtpolizeigericht von Clermont-Ferrand sprach mit sehr freimüthiger Motivirung den Geranten desIndépendant du Centre von der Anschul⸗ digung und den Kosten frei. Gleiches Schicksal hatte die Anklage desIndépendant du Tarn vor dem Zuchtpolizeigericht zu Castres. In Parie pfeift's freilich anders. Die Geranten vonReveil, vomAvenir national, von derTribüne, vom Temps und vonJournal de Paris find zu je 1000 und 2000 Fr. Geldbuße und außerdem theilweise zu Gefängniß verurtheilt.

DieFrance meldet in einer Correspon⸗ denz aus- Galacz, neue beträchtlicht Quantitäten Waffen und Munition seien in die Walachei ein⸗ geführt worden. DieFrance fügt bei: That⸗ sachen, deren Genauigkeit durch glaubwürdige Zeugen bestätigt wird, beweisen, daß man nicht genug den Erklärungen der rumänischen Regierung mißtrauen kann, wodurch diese Thatsachen in Ab; rede gestellt werden.

Der stenographische Bericht über den Prozeß Baudin wurde bel dem Buchhändler Le Chevalier veröffentlicht, und in einem Tage find, wie dieOpin. Nat. meldet, 4000 Exemplare desselben verkauft worden.

Die Blätter beschäftigen sich mit der Frage, wie viel Preßprozesse dazu gehörten, um eine Regierung in der öffentlichen Meinung zu Grunde zu richten. Unter Louis Philippe hatte die Regierung, als sie fiel, 1179 Preßprozesse angestrengt und 3141 Jahre und acht Monate Gefäugnißstrafe, so wie 7,110,500 Fr. Geldbuße auferlegt und 57 Zeitungen ums Leben gebracht. Der Justizminister Pinard ist auf bestem Wege, auf dieses Golgatha der öffentlichen Meinung nich einen Pilatusberg zu setzen.

DieEpoque hat wieder einmal eine Sensations nachricht:Man unterhält sich in der politisccen Welt von der eventuellen Abdankung der Königin Viktoria. Man glaubt zu wissen, daß wenn Herr Wladstone zur Regierung gelaugt, J. Maj. diesen Eutschluß sassen wird, um nicht die Acte des Parlauenis zu sauetioniren, die

ihren religibösen Grundsätzen zuwider sind. Einst⸗ weilen scheint es gewiß zu sein, daß dem Prinzen v. Wales gerathen worden ist, seine Reise z nach Aegypten aufzuschieben.

Die Börsengerüchte von der Krankheit des Kaisers werden entschieden dementirt. Der Kaiser präsidirte am 27. d. einem Ministerrath.

Belgien. Brüssel. Der Bericht des Rechnungshofs an die Kammern enthält die höchst interessante Enthüllung, daß die belgische Regierung ihrem ehemaligen Gesandten am kaiserlichen Hofe zu Mexico, Herrn Blondell de Cueleubrouck, der vor der Katastrophe von Queretaro Reißaus ge⸗ nommen und in Newyork den Verlauf des mexi: kanischen Drama's abwartete, bei seiner Rückkehr, angeblich um ihn wegen des Verlustes zu ent schädigen, welchen er bei dem übereilten Verkauf seiner Mobilien in Mexico erlitten, eine Entschä⸗ digungssumme von 7000 Franken auszahlen ließ. Was wohl die Kammer sagen wird?

Großbritannien. Englische Blätter be⸗ richten: Bismarck wird, sobald er nach Berlin zurückkehrt, die Unterhandlungen über die Rück gabe Nordschleswigs an Dänemark wieder auf nehmen. Bismarck soll zu Concessionen geneigt sein.

London. Wenn vonWahlkämpfen die Rede ist, so denkt man zunächst an Kämpfe auf der Rednerbühne und in den Tagesblättern. In verschiedenen Orten der Provinz haben diese Kämpfe während der letzten Tage eine greisbarere und zugreifendere Gestalt angenommen. In Barnsley prügeltt man sich großartig, bis die Polizei, durch eine mit Seitengewehren bewaffnete Truppe ver stärkt, scharf einhieb und endlich Ruhe stiftete. In Crudley Heath rückte das Gesindel, das für die Tories Partei genommen, aus, um die Liberalen anzugreifen. Mehrmals wurden sie zurückgeschlagen, endlich lieferten sie denselben in der Stärke von 400 Mann auf freiem Felde ein förmliches Treffen. Die Polizei war zu schwach einzuschreiten und sah ruhig zu.

Spanien. Madrid. Durch dieIberia wird der Brief eines Geistlichen Victor Paniagua 9 Castuera an den Justizminister Antonio Romero Ortiz veröffentlicht, der also beginnt:Es ist eine allgemein verbreitete Ansicht, daß wir spanischen Geistlichen die Cultusfreiheit hassen. Gestatten Sie mir, meinerseits gegen dieses Vorurtheil feierlich zu protestiren. Das Schreiben ent wickelt run mit großer Wärme, wie sehr dit Intoleranz dem wahren Katholicismus zuwider · laufe, und beweist aus der Geschichte, daß gerade das Christenthum durch die Beschränkung der Cultusfreiheit(im alten Rom ic.) am meisten gelitten habe.

Donaufürstenthümer. Bukarest. In der Thronrede, womit Fürst Karl den Land tag eröffnete, spricht derselbe von den guten Be; ziehungen zum Auslande, dem Ausschwung der Verkehrs einrichtungen und der Zustände im Innern überhaupt, dem blühenden Zustand der Finanzen, welche Anlehen entbehrlich machen, und von der serengen Neutralität, welcht Rumänien gemäß der durch den Pariser Friedensvertrag auferlegten Verpflichtung stets eingehalten habe.

Nußland. Petersburg. DieRussische telegraphische Agentur meldet aus Konstantinopel, daß die türkische Regierung eine große Expedition gegen die Sphakier auf Kandia vorbereite. Die Beziehungen der Pforte zu Rumänien seien seit der Zusammenkunft des Fürsten Karl mit Sabri Pascha besser geworden.

Friedberg. St. Aus der Art und Weise, wie eine Gemeinde ihren Friedhof bält, kann man auf den Grad der in ihr verbreiteten Bildung, namentlich der Gemiths⸗ bildung schließen. Es war uns darum erfreulich, daß sich im letzten Sommer in diesem Blatte eine Stimme erhub und den Vorschlag machte, man möge dafür Sorge tragen, daß auf unserm Friedhof ein Brunnen angelegt werde, damit die auf den Gräbern gepflanzten Blumen⸗ stöcke zur Zeit des Sommers begossen und so der raschen Vergänglichkeit entzogen werden könnten. Und in der That, wer- unsern Friebhof, den Ort, der für uns alle so

sheure Erinnerungen birgt, im Sommer betritt und mit Bedauern wahrnimmt, wie die auf demselben mit Liebe und Sorgfalt gezogenen Zierpflanzen se bald ihren Schmuck

verlieren sder gam verwelken, weil kein erfrischendes

Wafer in des Näye it, auch wegen Entfernung der Stab: zicht leicht zur Stelle geschafft werben kaun, der wird

sicherlich jenen Vorschlag für höchst willkommen erklären müssen. In diesen Tagen nun wurden wir wieber an denselben erinnert, als uns bekannt wurde, daß in dem benachbarten Butzbach die Väter der Stadt in ihrem Gemeinbevoranschlag für 1869 die Summe von 160 fl. zur Anlegung eines Brunnens auf dem dortigen Friedhof vorgesehen haben. Wir fragten uns: könnte nicht bei uns ein Gleiches geschehen, zumal unser Friedhof noch viel weiter von der Stadt entfernt ist, als der Butzbacher, auch kein Wasserreservoir dicht neben sich hat, wie jener? Und wern unsre Stadt als solche wegen vieler gerade jetzt auf ihr lastender Verbindlichkeiten zu einem neuen Opfer nicht die Hand bieten kann, könnte nicht auf anderem Weg die erforderliche unbedeutende Summe zu einem Werke aufgebracht werden, das einem von uns allen schon ost lebhaft gefühlten Wunsche begegnen und über kurz oder lange jedem von uns zu gut kommen würde? Wir denken uns, namentlich im Hinblick auf so manches andere gemeinnützige Unternehmen, das wir in der letzten Zeit durch vereinte Kräfte ins Leben ge⸗ rufen haben, die Sache nicht schwer, bescheiden uns aber vorerst, mit bestimmten Vorschlägen hervorzutreten, weil es uns zunächst nur darum gilt, den früher von anderer Seite her gemachten Vorschlag in erneuerte Anregung zu bringen. Findet derselbe in weiteren Kreisen Anklang, so bleiben spälere Schritte vorbehalten, und zweifeln wir nicht, daß verehrliche Redaction dieses Blattes die Spalten desselben gern zur Besprechung der Sache öffnen wird 5). ) Unsrerseits werden wir die hier wiederholt in An- regung gebrachte, so sehr wünschenswer the Anlegung eines Brunnens auf dem hiesigen Friedhose in jeder Weise zu fördern suchen. D. Re Giessen. Bei der Ausloosung der Haupt⸗ und Ergänzungs⸗Geschwornen für die Monkag den 4. Januar 1869, Vormittags 9 Uhr, eröffnet werdenden Sitzungen des Schwurgerichts vom l. Quartal kommenden Jahres sind folgende Namen aus der Uene gezogen worden. Haupt⸗Geschworne.. 1) Simon Flörsheim, Modewaarenbändler in Gießen. 2) Heinrich Herbst II., Landwirth in Wahlen. 3) Philipp Casimir Feuerbach II., Bürgermeister in Ober⸗Wöllstadt. J) Emil Roth, Buchhändler in Gießen. 5) Johannes Hofmann III., Landwirth in Zahmen. 6) Johannes Onterbein II., Landwirth in Uetzbausen. 7) Georg Löhning, Bürgermeister in Altenburg. 8) Georg Jungblut. Bäcker in Schlitz. 9) Karl Neun, Kaufmann in Büdingen. 10) Johannes Christ, Schildwirih in Grünberg. 11) Carl Jäger, Ellenwaarenhbändler in Schlitz. 12) Conrad Bopp, Müller und Landwirth in Daarbach. 13) Jean Hanstein, Liqueurhändler in Gießen. 14) Johannes Herber III., Landwirth in Angersbach. 15) Friedrich Wagner, Müller in Gambach. 16) Conrad Eifert IV., Landwirth in Dir⸗ lammen. 17) Heinrich Reuther 1, Bürgermeist er in Nieder⸗Mockstadt. 18) Heinrich Bausch I., Landwirth in Nieder⸗Wöllsladt. 19) Jean Becker, Eisenhändler in Lauter⸗ vach. 20) Peter Horst, Landwirth in Leusel. 21) Caspar Gustav Bücking, Ellenwaarenhändler in Alsfeld. 22) Georg Heinrich Weiß. Müller in Altenburg. 23) Albert Schütz II., Müller in Ober⸗Wöllstadt. 24) Seligmann Hirschhorn, Ellenwarenhändler in Friedberg. 25) Rudolf Schlabach, Müller in Homberg a. d. O. 20) Bernhard Schaum, Sammtrath in Lauterbach. 27) Carl Christian Hanner, Kaufmann in Büdingen. Ernst Eberling II., Buchhändler in Büdingen. 29) Heinrich Korell I., Landwirth in Leusel. 30) Carl Christian Berck, Zeugsabrikant in Alsfeld.

Frankfurt. Wie alljährlich am 27. Nov. so wurde auch in diesem Jahre dahier das allgemeine amerikanische Danksagungefest gefeiert. Während des Tages wehte das Sternenbanner der Union über dem amerikanischen Ge⸗ neralconsulat. Am Abend versammelten sich die hier und in der Nachbarschaft wohnenden Amerikaner zu dem üb⸗ lichenThanksgiving Dinner theilweise im Hotel l Union und sheilweise imHotel d'Angleierre. Am Diner im Englischen Hef nahm u. A. Madame Linkeln Theil.

Frankfürt. Ein in einem hiesigen Hotel lozuender Fremder fiel dieser Tage bei seiner Nachhausekunft in den offenstehenden Keller. Die ducch den Fall erlinene Ge hirnerschütterung war der Art. daß der Unglückliche kurze Zeit nachher den Geist aufgab..

München. Der Festungssträfling Gustav Chorins ty ist aus seinem Gefängniß zu Kronach in die Irrenanstall nach Würzburg übergeführt worden. 5

In Ungarn muß es eden höchst gemüthlich zugehen: In Szent⸗Laszlo wurde der Dorfrichter als er in seinem Keller Wein probirte, erschossen; dem Dorfrichter von Marocz wurde von einem Stcäfling der Hals abgeschnitten;

tei Demend wurde ein Fremder, der in Erlau Wein ein⸗

kaufen wollte, ermordet und beraubt; in dem Dorfe Nara

steckte ein Arbeiter das Haus eines Gutsbrsitzers in Brand, die Bevölkerung ertappie den Mordbrenner, erschlug ihn und watf seinen Leichnam in die Flammen.

Bitte.

Da wir beabsichtigen auch in diesen Jahre eine Christbescheerung für die Kinder, die die hiesige Kleinkinderschule besuchen, zu veranstalten, so bitten wir die Bewohner unserer Stadt, uns dazu mit Gaben, zu veren Empfang jede der Unter⸗ zeichneten bereit it, freundlich unterstügen zn wollen.

Frievberg den 21. November 1868. Lina Baur. Euilie Trapp. Julie Sebastiany. Sbristiant Werner. Tb. Dieffen dach. Wil. Wisenböfet

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