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„, Det tunde Hut, jetzt Cylinder, Ofen ⸗ oder Rröbre gebeißen, machte zur Zeit der französischen elution seinen Träger in Deuischland des Jacobinis⸗ * verdächig. Man versolgte ihn daher auf alle mög⸗ Weise, allein es gelang nicht ihn zu verbannen. Im Are 1797 schrieb einer seiner Feinde:„Der runde Hut serinnt alle Tage mehr Platz im Anzuge der Manner, Ahn in den odersten Klassen. Bald wird der dreieckigte in seinem sonst so wohlbegründeten Besitzthum fast ganz dotwrängt und nur noch der Gefährte des Amlsrocks, des Snatskleides und der militärischen Uniform sein.“ Ein Cigländer batte damals den sonderbaren Einfall, eine porlische Karte von Deutschland zu entwerfen, auf welcher er den vorberrschenden Stand der revolutionären oder mriarchischen Gesinnungen der deutschen Städte durch eten beigesetzten runden oder dreieckigten Hut bezeichnen Wilte. Er sei auf die Hüte gereist, schrieb er. In Ham⸗ dug sei ein Huttriangel eine wahre Seltenheit, in Berlin wle der runde Hut, vermuthlich weil das Militär dort herschender sei, schen weit weniger gedeihen und in Oresden
raue sich der Beamte und schon in reiferen Jahren —— Mann den respektswidrigen runden Hut höoͤchstens n bei einer Landpartie aufzusetzen. Der heftigste Gegner de runden Hüte war Kaiser Paul von Rußland, der etmfalls den Jacobinismus unter ihnen witterte. Er bewot sie für ganz Rußland, ohne alle Ausnahme und mn solcher Strenge, daß er selbst einen englischen Offizier üer die Grenze eskortiren ließ, der mit einem runden Hie, damals einem Ordonnanzstück seiner Uniform! in Juersburg auf der Parade erschienen war.
„, Die Fleischversorgung von London. Der daischverbrauch von London mit seinen drei bis vier Jällionen Einwohnern greift in seinen Wirkungen tief nach Deutschland herein. Die Grundfläche des Viehmarktes brägt 109 Morgen. Es können ungefähr 7000 Stück Coßvieh und 30,000 Stück Schafe aufgestellt werden. in die Viehstände schließen sich Schasställe für 8000, und Lchsenställe für 3000 Stück. Montags und Donnerstags 1 Markt, der binnen wenigen Stunden in bewunderungs— zärdiger Ordnung vor sich geht. Der Großschlächter blachtet in einer Woche ungefähr 80 bis 100 Stück Moßvich und 500 bis 800 Schase, mancher das Doppelle. dt Kleinschlächter schlachten böchstens 8 bis 10 Ochsen der Woche und kaufen vom Großschlächter. Einzelne eischlieferanten liefern für 20— 30,000 Menschen. Es bt 3 Fleischmärkte. Die Fleischsendungen von außen sind acht belrächtlich. Von den 11,000 Centnern, welche Undon täglich konsumirt, kommen etwa ein Drittel von auswärts. Besonders Hamburg liefert viel Schweine⸗ (isch. Kropmann dort sendet wöchentlich 400 geschlachtete (chweine in Tonnen. Die Preise richten sich nach dem Etücke von dem Thier. Hirschler in Wien läßt jeden k amstag einen eigenen Zug mit 140 bis 150 Stück ab- eden. Die Unkosten betragen 33 Thaler. Die größten
Seedampfer sind eigens— Viehtransport bestimmt. Die Einladung geht wunderbar schnell. In wenigen Minuten verschwinden, von Krahnen gehoben, Dutzende von Ochsen im Schiffe, man rechnet J in einer Minnte; ebenso geht es mit der Ausladung.
Telegraphischer Bericht.
Mitgethtilt von Chr. Hecht! in Friedberg, Spec.-Agent.
Das Bremer Postdampfschiff„Amerika“, Capt. Meyer, von der Linie des Norddeutschen Lloyd, welches am 16. Januar New⸗Hork verließ, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 11 Tagen wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet unverzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt.— Dasselbe bringt 50 Passagiere und volle Ladung.
Für die Nothleidenden in Ostpreußen find weiter eingegangen:
Neunte Liste:
1) Bei Herrn Stadtrath W. Fertsch: Von Herrn Ph. Weckerling 36 kr., Ungenannt 1 fl., K. Fritz 1 fl., Pachter Alles aus Nieder- Florstadt 1 fl. 30, Fr. Dr. A. Trapp 2 fl., G. Ewald in Ockstadt 1 fl. 45, C. N. 30, C. Löffler in Gambach 3 fl. 30,(außerdem von F. Keller in Ossenheim und Fr. Hauptmann Hofmann je 1 Pack Kleider) zusammen 11 fl. 51.— 2) Bei Herrn Advocaten Trapp II.: Von Herrn Kaufmann Hatteroth 1 fl.— 3) Bei Herrn Hofrath Dr. Pilger: Von H. P. 2 fl.— 4) Bei Herrn Rentier Steinhäuser: Von 2 Ungen. aus dem Hotel Schott 1 fl. 18.— 5) Bei Herrn Pfarrer Baur: Von Herrn Gemeinderath Reuß 1 fl. 30.— 6) Bei Director Steinberger: Hauscollecte aus der Gemeinde Steinsurth-Wisselsheim, gesammelt durch Herrn Pfarrer Ebel, 20 fl. 51. Collecte sämmtlicher israel. Gemeindeglieder zu Staden, mit Ausnahme von zweien, gesammelt durch Herrn Versteher Emanuel Hesselberger, 3 fl. 16, zusammen 26 fl. 7.— In Summa 43 fl. 46. Hierzu von der Expedition des„Anzeigers für Oberhessen“ 94 fl. Zusammen 137 fl. 46 kr.— Im Ganzen bis jetzt eingegangen:
909 K. 45
Herzlichen Dank allen Gebern und allen Sammlern. Weitere Gaben sind dringend wünschenswerth.
Friedberg, den 31. Januar 1868.
Im Auftrag des Hülfsvereins⸗Vorstandes Steinberger.
Bei der Unterzeichneten gingen zu den in voriger Nummer bescheinigten Gaben ferner ein: Aus Nauheim, durch Kaufmann J. P. Weis gesammelt: Caf frangais 30 kr., Fr. Deuting 35, Tapezter Horn 1 fl., Schreiner Preßler 1 fl. 10, M. B. 48, Bernh. Schwab 30, Schlosser H. Will
1 fl., Dr. Siebert 2 fl., Aktuar Groß 2 fl., R. Huber 2 fl., Gleim 2 fl. 30, F. Schreiber 2 fl., Pr. Vobe sen. 2 fl., Dr. Bode jun. 2 fl., Ulrich 3 fl., Gruntwalb 1 fl., Kröll 1 fl., Zinser 1 fl. 10, Schreiner Fisch 1 fl., Joh. Lenz 1 fl., Rack 35, Spengler Steuernagel 30, Gas⸗ anstalt 1 fl., v. Fischer 2 fl., Frau Kersting 1 fl., Oeconom Christoph Grünewald 1 fl. 30, J. P. Weis, 2. Gabe, 1 fl. 12, Michael Rosenthal 1 fl., W. Wagner I fl., J. C. Antonie 35, gesammelt vom Postpersonal 8 fl. 36, Empl. Ertel 30, Friseur Gröben 1 fl., Frl. Kasten 1 fl., — durch Bürgermeister Rieß: Bürgermeister Rieß 3 fl., Peter Stoll 1. Wiw. 3 fl. 30, Peter Stoll II. 3 fl., Schuckhardt 2 fl., H. E. I. 1 fl. 45, H. E. II. 1 fl. 45, Stadischreiber Schutt 1 fl., H. Hartmann III. 1 fl., Stadidiener Ph. Aletter 30.,— durch Stadtraths mitglied Ph. Langsdorf: Jakob Schimpf II. 1 fl. 30, Gerichte⸗ diener Andreas 30, Gastwirth Langsdorf 1 fl., Friedrich Langsdorf 1 fl., H. Aletter I. 30, H. Reuling 24, Sam. Löb 30, Friedrich Schier I. 24, Bernhard Schäfer I. 1 fl. 12, Georg Mörler 18, Bernhard Aletter 30, Georg Fleischhauer V. 1 fl., zusammen 77 fl.— von Pfarrer A. W. in O. 1 fl., Ungenannt 1 fl. 30, zusammen 70 fl. 30 kr. In Summa bis jetzt bei uns eingegangen: 467 fl. 52 kr. Mit herzlichstem Dank bittet um weitere Gaben Die Expedition des Unzeiger für Oberhessen.
„Victoria“. Illustrirte Muster⸗ und Mode⸗ zeitung. Berlin, Verlag von A. Haack. Preis vierteljährlich 1 fl. 12 kr.
Seit vielen Jahren gehört die„Victoria“ zu den all⸗ wöchentlichen Erscheinungen, welchen unsere Damen er⸗ wartungsvoll enigegensehen. Sie regt die fleißigen Hände zur Nachahmung zierlicher Handarbeiten an, sie lehrt in leicht faßlicher Weise die Selbstanfertigung neuer Garde⸗ robegegenstände, sie erstattet Bericht über die Mode des Tages und untcrrichtet in Haus⸗ und Wirthschastsange⸗ legenheiten und anderen weiblichen Berufsarbeiten. Colo⸗ rirte Modekupfer und vortreffliche Holzschnitte ver⸗ anschaulichen die neuesten Moden und Handarbeiten aus's Beste. Dem Familienkreise bietet die„Victoria“ mannig⸗ faltigen Stoff zur Unterhaltung in Erzählungen, kultur⸗ geschichtlichen Aufsätzen, Biographien, Musikpiecen für Pianoforte und Gesang, Rebus, Nösselsprung. Nälhseln ꝛc. Der novellistische Theil it so sorgfältig und decent aus⸗ gewählt, daß sich ihm jede Thüre vertrauensvoll öffnen darf. Um nichts zu versäumen, was das Interesse ihrer Abonnentinnen erhöhen kann, veranstaltet die„Victoria“ Preis-Concurtrenzen, welche abwechselnd dem bellettistischen und lechnischen Theile zu Gute kommen. Die diesjährige Preis⸗Concurrenz für die zwei besten Novellen, wofür ein Preis von 30 Ducaten und ein Preis von 28 Du⸗ caten ausgesetzt ist, wird am 31. December geschlossen.
Bekanntmachun 9 Mittwoch den 12. Februar 1868, Vormittags Uhr, werden von den auf dem berrschaftlichen Speicher 1 Reichelsheim liegenden Früchten: 100 Malter Korn 100 1. 80„ Hafer, uf dem Geneindedaus zu Reichelsheim öffentlich an en Pleiftbictenden gegen Baarzablung verstetcgert Friedberg am 30. Januar 1868. Großherzogliches Rentamt Friedberg Lin dec.
29 Der wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften
hm ichst Tigurur Daubitz
Holz- Versteigerung 247 Mittwoch den 5. Zebruar d. J., Vormittags 10 ÜUdr anfangend, sollen in hiesigem Semeindewald,
am Weg rach Münzenderg 209 Stück Nadelholzstämme, bestebend iu 4321 Cbkiß.,
327„ Nadelbolzstangen, 1„2104 4 Stecken Klefern Prügelbolz,
25 5„ Stockbolz und
156 1„ Reisbolz,
verstelgert werden. Wodndach am 30. Januar 1868. Großherzogliche Bürgermelsserei Wohndach Pbilip pi.
Petroleum!
in unübertroffener Prima⸗ Qualität, 72 nebst den dazu geberigen Lampen allet Art zum Jabrikpreio dei W. Fertsch.
Roggenmehl
Gebrüder Löb.
empfehlen
Steinkohlen
en flets in frischer, guter Waare vorrälhig ia Fried⸗ verg bei J. A. Windecker, in Assenbeim dei Tarl Bauer.
201 vorzüglicher Quolttät det. a Ph. Dan. Kümmich.
Ein braves, solides Mädchen,
237 welches Liebe zur Ardelt hat, wird gegen 70 fl. Lohn zu mietden gesucht. Der Eintritt kann alsbald
oder auch in einigen Wochen gescheben. Näderes det der Exped. d. Bl. unter Nr. 237.
ziner großen Flottenstation an der deutschen Nordseeküste(z. B. Jahde⸗ busen). Die Hafen Eingänge müssen vor Allem so fest sein, daß auch kein Panzerschiff herbeizukommen vermag. Dies ist bei Kiel Brunsbüttel schon halb von der Natur gegeben und die künstliche Fortführung durch Festungswerke ist nicht allzu schwer. Man hat Einwendungen wegen der Eisbildung in der Ostsee gemacht, allein abgesehen davon, daß dieses Hinderniß für beide Routen ziemlich gleich sein würde, so hat die Wasser⸗ baukunst in neuerer Zeit solche Fortschritte gemacht, daß man den Canal wohl so lange eisfrei halten kann, als überhaupt Schifft, also auch fremde, sich in die Ostsee wagen können.
Da durch die Begebenheiten des Sommers 1866 Preußen in ungestörten Besitz des Landes, welches jedenfalls von dem Canal durch- schnitten werden muß, gelangt ist, so wird das Werk, welche Richtung auch genommen wird, wohl bald in Angriff genommen werden.
Das Nibelungeulied.
Ueber den Ursprung des Nibelungenlieds bestand bekanntlich lange Zeit hindurch ein Streit, ob nämlich dasselbe von vielen Dichtern herrührt, die alle nur einzelne Theile versertigt haben, welche nachher von einem geschickten Redakteur aneinandergefügt worden sind, oder ob das Ganze das Werk eines Meisters sei. Nach den neuesten Forschungen ist etwa folgendes der Stand der Wissenschaft.
Die tragischen Schicksale der burgundischen Königsfamilie gaben bald zu allerlei Sagenbildungen Anlaß, die sich rasch im Volke ausbreiteten oder von Sängern überall herumgetragen wurden. Ein stolzer Bischof von Passau, der sich der Verwandtschaft mit jenem Königshaus rühmte, ließ die Sagen durch seinen So reiber sammeln, der sie zu einer zusammen⸗ hängenden, lateinisch geschriebenen Erzählung vereinigte. Dieses Buch nun lieferte dem Dichter Kürenberger den Stoff zum Nibelungenliede. Daß dieses von ihm herrührt, schließt man namentlich aus dem Versmaß, denn auch seine übrigen beglaubigtermagen von ihm herrührenden Gedichte sind in demselben geschrieben. Es mußte nämlich damals jeder Dichter sich ein eignes Versmaß erfinden, wenn er sich eines fremden bediente, so galt das für Diebstahl. Das jetzige Lied ist seiner Sprache nach nicht älter als das Jahr 1170, wo Kürenberger schon lange todt war; man nimmt also eine spätere Ueberarbeitung an, die den Zweck hatte, das Gedicht dem herrschenden Geschmack entsprechender zu gestalten, und in der That findet man in der vorliegenden Form des Liedes Reimweisen, wie sie 1170 gar nicht mehr im Gebrauch waren, die also aus der ältern Bearbeitung stammen müssen. Sollte diese Ansicht, daß das Nibelungen lied von einem Dichter herrührt, durchdringen, so wird sie nicht verfehlen auch auf die Betrachtung der Homerischen Gesänge einen Rückschlag zu üben, in Bezug auf welche ja derselbe Streit bestebt und man wird dann nicht langer zweifeln, daß eine Iliade nicht von derumziebenden Sängern, sondern nur von einem Homer gemacht sein kann.
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