Ausgabe 
31.8.1867
 
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les Morgens eine allgemeine Besprechung über Turn⸗ ingelegenheiten statigefunden, zog man des Nachmittags unter den Klängen der Musik auf den Turnplatz, wo ein Freisturnen abgehalten wurde. Das Fest schloß mit einer Abendunterhaltung, wobei, außer einer Festrede, Decla- mationen mit Musik abwechselten.

Hofheim. Im Landeshospital wurde der Ludwigs⸗ ug durch einen Festball gefeiert, an dem 180 Pfleglinge Theil nahmen.

Worms. Im benachbarten Dorfe Eich war Kirch⸗ Veihe. In der Nacht vom vor. Montag auf Dienstag Fieg ein vagabondirender Harmonikaspieler in ein Haus, in welchem nur ein 76jähriger Mann zurückgeblieben war, vährend die übrigen Insassen sich im Wirthshause ver⸗ znügten. Er fand in einem der Zimmer zu ebener Erde zin Gewehr, nahm es an sich und dehnte, damit bewaffnet, einen Streifzug auf die obere Etage aus, wo er den Aten Mann im Bette vorfand und mit dem Gewehre rschlug. Ein Schrei war in dem benachbarten Hause zehoͤrt worden, und als der Raubmörder die Früchte seiner olutigen That einernten wollte, drangen die Nachbarn in's Haus, so daß er vorzog, die Flucht zu ergreifen. Seine Ziehharmonika, sowie ein Paar Stiefel ließ er dabei zurück.

Worms. Das starke Gewitter, welches sich am letzten Freitag Abend auch über unsere Gegend mit wolkenbruch irtigen Regengüssen entlud, hat an vielen Orten der Pfalz, namentlich bei Dahn und Landstuhl, große Ver⸗ gerungen an den Straßen, Gebäuden, Gärten und Feldern angerichtet

Guntersblum. Bei dem furchtbaren Gewitter, welches am 27. August in unserer Gegend wüthete, wurden ein Mann und zwei Kinder, welche unter einem Baume an einer Allee Schutz suchten, vom Blitz getroffen und Zetödtet. Das dritte Kind wurde auf die Mitte der Straße geschleudert, ohne daß es jedoch Schaden litt.

Aus Baden treffen Nachrichten ein, daß auch dort än den letzten Tagen der vorigen Woche und zu Anfang der laufenden schwere Gewitter und heftige Regengüsse micht unerheblichen Schaden anrichteten. So wird von Wforzheim gemeldet, daß am 23. d. ein heftiges Gewitter statthatte; der Elitz schlug in Bäume und zerriß solche, richtete an verschiedenen Blitzableitern Ver⸗ wüstungen an oder beschädigte Anderes; Fenster zerbrachen in Folge der dadurch verursachten heftigen Lufterschütter⸗ ungen; in Häusern befindliche Personen wurden zu Boden geworfen. All Das aber erfolgte zum großen Glück ohne weiteres Unheil. Aus Schriesheim bei Heidelberg berichten Bad. Blätter vom 26.: Heute Nach⸗ mittag fiel ein Wolkenbruch im Thale nieder und brachte eine solche Wassermenge, daß die Kanzelbach einem reißenden Strom glich. Bäume, von der Gewalt der Strömung aus der Erde gewühlt, wurden fortgeschwemmt, und in den Straßen des Orts stand das Wasser im Nu jast drei Fuß hoch. In den Weinbergen und Feldern wurde großer Schaden angerichtet und sind dadurch viele Einwohner hart betroffen.

Auch eine Speculation. In New Pork chat ein Kaufmann dadurch sein Glück gemacht, daß er auf sein Schild bei der Eröffnung seines Ladens schreiben ließ mnd in allen Zeitungen bekannt machte:Materialwaaren aller Art bei John Digelaw, der sich auch zu verbeitathen wünscht. Diese Anzeige lockte eine große Zahl neu⸗ gieriger Käuferinnen herbei, und um solche nicht abnehmen Zu lassen, hütete er sich wohl, eine Frau zu nehmen. Binnen Kurzem ist er ein reicher Mann geworden.

% Geständnisse der Frigard. Die wegen des Mordes im Walde von Fontainebleau zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilte Frigard hat jetzt ganz aus freien Stücken gestanden, daß sie das Verbrechen verübt Hat. Ein Pariser Blatt meldet darüber, wie folgt:In der Angelegenheit von Fontainebleau soll sich Alles seltsam gestal ten. Die Frigard, die während der ganzen Debatte

sich für unschuldig ausgab, legte kein Cassationsgesuch gegen f 1 ihr Urtheil ein. Diese während der Debatte Jo ruhlge Schwurgericht der Provinz Oberhessen.

Frau, deren Geistesgegenwart sich keinen Augenblick ver⸗ läugnete, die mit der größten Kaltblütigkeit die unglaub⸗ lichsten Geschichten erzählte, die zu allen Antworten schnell bereit war, die zuweilen ironisch war, hat zu ihren frühe ren Ironieen eine neue hinzugefügt. Nach Ablauf der Frist für die Cassation ließ sie den General-Procurator von Melun bitten, sie in ihrem Gefängnisse zu besuchen. Dort sagte ihm die Frigard, daß die Geschworenen, welche sie schuldvoll erklärt hätten, weil sie die Frau Mertens ge tödtet, indem sie einen gewissen Druck auf den Hals und die Brust ausgeübt, irre geführt worden seien.Ich habe, so fügte sie hinzu,keinen Druck, weder auf den Hals, noch auf die Brust der Frau Mertens ausgeübt, und dann die ironische Miene annehmend, die man in der Gerichtssitzung so oft an ihr bemerkt, setzte sie hinzu: Was Sie nicht wissen, und was die Aerzte nicht haben herausbringen können, ist, daß ich die Frau Mertens mit Blausäure vergiftet habe. Es ist unnütz, das Erstaunen des General-Procurators zu malen. Beim Beginne der Untersuchung fiel eine Thatsache vor, die man unglücklicher Weise wenig beachtet hat und welche die Vergiftung hätte lassen entdecken können; man hatte neben der Leiche der Frau Mertens ein weißes Fläschchen gefunden; man ließ es von einem Apotheker von Fontainebleau untersuchen, der erklärte, daß er nichts Verdächtiges daran gefunden habe. Diese Erklärung wurde für genügend gehalten, und seitdem dachte Niemand mehr an dieses Fläschchen.

2 Der Oesterreichische Hof hat noch immer Geld, wie aus den Notizen über die Empfangsfeierlichkeiten für Napoleon hervorgeht. 80 Pferde und 40 Wagen des Hof marstallamts waren nach Salzburg abgegangen, und mehr als 100 Eisenbahnwaggons hatten Einrichtungsstücke, Teppiche, Gemälde u. s. w. für die Ausstattung der von den Monarchen zu bewohnenden Räume nach Salzburg gebracht. Ein eigenthümliches Spiel des Zufalls war es, daß die Gemächer, welche Napoleon bewotznte, mit jenen Möbeln versehen waren, welche Kaiser Maximilian seiner

Zeit für die glänzende Einrichtung des Palazzo reale in

Venedig angeschafft hatte. Das Schlafgemach der Kaiserin Eugenie war genau nach dem Muster ihres Ruhegemaches in den Tuilerien eingerichtet.

% Der Untergang desAtlas. Dem Tou⸗ lonnais zufolge wurde dieser Tage bei der Insel If eine Flasche aufgefischt, in welcher sich ein Zettel befand, auf dem mit Bleistift folgende Worte geschrieben standen: Der Atlas sinkt in Sicht der Balearen⸗Inseln. Gott erbarme sich unser! Man erinnert sich, daß ein Paket⸗ boot, NamensAtlas, im December 1863 auf der

Fahrt von Marseille nach Algier verschwunden ist.

Telegraphischer Bericht. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.-Agent. Das Hamburger Postdampfschiff Saxonia, Capt. Haack, welches am 10. August von Hamburg via Southampton abging, ist nach einer sehr schnellen und glücklichen Reise von 11 Tagen 2 Stunden wohlbehalten in New-York angekommen.

Das Bremer Postdampfschiff Union, Capt. v. Santen, welches am 10. August von Bremen abging, ist nach einer schnellen und glücklichen Reise von 11 Tagen wohlbehalten in New⸗York angekommen.

Das Bremer Postdampfschiff Amerika, Capt. C. Meyer, welches am 15. August New. Pork verließ, ist nach einer schnellen und glücklichen Reise von 11 Tagen wohl. behalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen forige setzt.

Dasselbe bringt 108 Passagiere, 1000 Tons Ladung

und 200,000 Dollars Contanten.

IV. Quartal 1867.

Hauptgeschworne: 1) Friedrich Helfrich, Oeconom zu Fauerbach bei Frieb⸗

berg. 2) Georg Münch I., Bürgermeister zu Harbach 3) Philipp Lerch, Spinnereiunternehmer zu Blitzen⸗ rod. 4) Ludwig Ohnacker, Bürgermeister zu Nieder⸗

Ohmen. 5) Wilhelm Wenzel, Fabrikant zu Lauterbach. 69 Benedict Kübel, Packtuchhändler zu Herbstein. 7) Georg Winter III., Müller zu Glauberg. 8) Philipp Simmerock, Bierbrauer zu Friedberg. 9) Ernst Klein, Reallehrer zu Friedberg. 10) Karl Braubach, Cigarren⸗ fabrikant zu Heuchelheim, Kr. Gießen. 11) Konrad Reutzel II., rgermeister zu Kefenrod. 12) Julius Königer, O ster zu Düdelsheim. 13) Dr. Gustav Heyer, Professor zu Gießen. 14) Heinrich Raab, Ge⸗ richts⸗Accessist zu Lich. 15) Johannes Sehrt IV., W. S., Zeugfabrikant zu Grünberg. 16) August Peppler, Kaufmann zu Grünberg. 17) August Stammler, Liqucurfabrikant zu Grünberg. 18) Johannes Otter⸗ bein II., Landwirth zu Uetzhausen. 19) Christoph Keil, Bürgermeister zu Melbach. 20) Georg Friedrich Väth, Oeconom zu Bauernheim. 21) Hermann Hoffmann,

Gastwirth zu Grünberg. 22) Johannes Pröscher V., Metzger zu Schotten. 23) Joseph Klein III., Wirth zu Ilbenstadt. 24) Theodor Bücking, Zeug⸗ fabrikant zu Alsfeld. 25) Ludwig Adam Ubl, Wirth zu Borsdorf. 26) Heinrich Weil II., Bürgermeister zu Berstadt. 27) Martin Stephan, Landwirth zu Pfordt.

28) Peter Haas, Schildwirth zu Nieder-Wöllstadt. 29) Heinrich Feick, Landwirth zu Unter-Wegfurth. 30) Gilbert Müller II., Landwirth zu Bellersheim.

Landwirthschastliches und Gewerbliches.

Veränderungen des Mehles durch die Ein⸗ wirkung der Sonne. Häufig kommt es vor, daß man aus Waizen- oder Roggenmehl, trotz aller Sorgfalt beim Backen doch keine schöne Backwaaren erhält, wobei man dem Mehle sogleich eine Fälschung zuerkennt. Man läßt es untersuchen, findet aber weder mikroskopisch noch chemisch eine Verfälschung. Solches Mehl bekommt der Müller oder der Verkäufer wieder zugeschickt, weil es fast unbrauchbar ist. Der Müller sagt, es hat sich beim Mahlen auf den Steinen erhitzt und der Verkäufer gibt dem Umstande die Schuld, daß beim Transporte die Sonne auf die Mehlsäcke geschlenen haben müsse. Man hat schon viele Versuche angestellt und hat gefunden, daß das Mehl die Einwirkung der Sonnenstrahlen nicht ver⸗ tragen kann, selbst wenn dieselben auch nicht direkt darauf fallen. Sobald die Sonnenstrahlen auf das Mehl ein⸗ wirken, geht dieselbe Veränderung des Klebers vor, wie auch beim Mahlen der Frucht, wenn das Mühlwerk zu schnell geht und die Mahlsteine sich erhitzen. Aus diesem Grunde wäre zu empfehlen, den Transport des Mehles, womöglich bei kühlen Tagen oder des Nachts vorzunehmen, sowie das Mehl an einem kühlen(nicht aber an einem von den Sonnenstrahlen betroffenen) Orte aufzubewahren.

1700 Wenn in gesundheitlicher Beziehung ein Mittel verdient, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, so ist es in der That die Bruchsalbe des Herrn Gottlieb Sturzenegger in Herisau, Kant. Appenzell. Schweiz, gegen Unterleibsbrüche. Sie verdient dies aus zwer Gründen, einmal, weil dieselbe in weitaus den meisten Fällen die Brüche, die nur ohne Operation zu heilen moͤg⸗ lich sind, ohne jede Entzündung u. ogl. vollkommen heilt; zweitens weil unsers Wissen die ganze medicinische Wissen⸗ schaft zur Stunde noch kein Mittel gegen Unterleibsbrüche zu Tage gefördert. Es ist deßhalb erfreulich, daß schon eine bedeutende Anzahl der Herren Aerzte die Praxis über die Theorie hinwegsetzen und in Anerkennung der wirklich

vorzüglichen Eigenschaft der Sturzenegger'schen Bruch⸗ salbe dieselben bei Unterleibsbrüchen verschreiben.

Bekanntmachung. 2054 Sämmtliche Quartierträger der Stadt Friedberg kwerden hlerdurch aufgefordert, Montag den 2. September J. J., und zwar: won Daus Nr. I bis 100, von 8 bis 10 Ubr Morgens,

1

0 45 10* 00,. 1 0 L 1 2 9.

. 201 300. 2, 1 Kachmtg., 4 n eee 4 EF e e auf hiesigem Rathhaus ihre Quartterbillete

von den Monaten Juni und Juli 1866 zum Zwecke der Aufßellung einer Verthetlungsliste nieder

zu legen. zrledberg den 30. August 1867. Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg J. B. d. B.: Der Großherzogliche Beigeordnete F o ucar.

Aechten englischen

Portland Cement

1923 in Tonnen und Anbruch billigst bet H. W. Hatteroth.

Eine Grube Dung

2040 hat zu verkaufen Jos. Hoffmann.

macht werden.

Haser-Petsteigerung. 2050 Mittwoch den 4. September l. J., Nachmittags 4 Uhr, läßt der Unterzeichnete an Ort und Stelle in

den nachstehenden Gemarkungen, nämlich: Gemarkung Friedberg.

Morgen Nuthe. 72. 16. Acker an der Rosbacher Chausset mit Hafer. Gemarkung Ockstadt. Morgen. Rutbe.

. Acker im Ried mit Hafer auf dem Halmen öffentlich meistbletend versteigern, und soll der Anfang an der Ober Rosbacher Chaussee ge⸗

Friedberg den 30. August 1867. Ph. Werner, Apotbeter

Ein große Auswahl von sehr billigen

Bildern,

zum Ausschmücken von Wirthslohalitäten

geeignet, halten wir vorräthig, worauf wir die Besitzer von Gasthöfen aufmerksam machen.

Bindernagel& Schimpff

in Friedberg und Nauheim.

2033 Der wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften rühmlichst bekannte

Ligueur Daubitz

ist stets in frischer, guter Waare vorrͤthig in Fried berg dei J. A. Windecker, in Assendeim der

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