behandelte, begleitet dieselbe nach der Schweiz.
der Gymnasialkursus in Preußen sich noch auf das 19. und 20. Lebensjahr miterstreckt, während derselbe in Hessen mit dem 18. Lebensjahre ab⸗ schließt. Mithin ließe sich eine wesentliche Hebung unsrer Gymnasien durch Hinzufügung von einem oder zwei Jahreskursen bewerkstelligen. Daß übrigens jenes Mißvechältniß gar kein so schreiendes ist, wie man es darzustellen liebt, be— weist wohl am Besten der Umstand, daß zwei Schüler, welche im verflossenen Jahre von einem hessischen Gymnasium auf ein solches in Preußen übergingen, ihre Gymnasiallaufbahn dadurch nur um ein Jahr verlängerten. Jedenfalls aber bleibt der bloße Tadel ein fruchtloses Bemühen und wird sogar zu einem nichtswürdigen, wenn er darauf zielt, Männer, die anerkanntermaßen sich um unsere Gymnasien die größten Verdienste erworben haben, in Aller Augen herahzusetzen.
* Friedberg. Die„Kölnische Zeitung“ bringt über die preußisch-hessische Mili⸗ tär⸗Convention folgenden Bericht:„Der Großherzog von Hessen hat die Militär-Conven— tion unterzeichnet, zufolge der die ganze hessische Division in den Verband der Norddeutschen Armee treten wird. Dieselbe wird vorläufig dem 11. Armeecorps zugetheilt, bis daß auch die badischen Truppen reorganisirt sind, mit welchen zusammen die hessischen künftig das 13. deutsche Armeecorps bilden würden. Den Divisions⸗-Commandeur er- nennt der König von Preußen, welcher übrigens den Prinzen Ludwig in dieser Eigenschaft bestäti⸗ gen wird. Alle übrigen Offiziere ernennt der Großherzog, nur die Generale bedürfen der Be— stätigung des Bundesfeldherrn. Die vier hessischen Infanterie-Regimenter, die bisher je 2 Bataillone von 5 Compagnien hatten, formiren jetzt 3 Ba- taillone zu 4 Compagnien; die bisherigen Schützen— Compagnien, sowie das Scharfschützencorps, wel— ches aufgelöst wird, werden dazu verwandt, die neuen Füsilier⸗(3.) Bataillone zu bilden. Es brauchen also nur vier neue Compagnien errichtet zu werden. Die Regimenter heißen auch ferner 1., 2., 3. und 4. großherzoglich hessisches Infan⸗ terie⸗-Regiment, werden aber später daneben noch die Nummern 109— 112 auf den Achselklappen führen. In der Uniform werden sie sich von den preußischen Regimentern nur durch die rothweiße Cocarde und den Löwen, anstatt des Adlers auf dem Helm ꝛc. unterscheiden, wie denn auch die einjährigen Freiwilligen rothweiße Einfassung der Achselklappen tragen werden. Die beiden Chevaux⸗ legers⸗-Regimenter heißen auch ferner 1. und 2. großherzoglich hessisches Reiter-Regiment, erhalten die Uniform der preußischen Dragoner und werden später noch die Nummern 23 und 24 führen. Es muß, jedoch erst von 1869 an, für jedes der bei⸗ den Regimenter eine fünfte Schwadron errichtet werden. Die Artillerie formirt vier Fuß⸗ und eine reitende Batterie. Der Friedensetat ist be⸗ rechnet auf 6452 Mann bei der Infanterie, 1424 Mann Cavallerie, 538 bei der Artillerie, zusammen 8414 Mann. Zur Erreichung dieser Stärke ist jedoch eine Frist von zwei Jahren gelassen, so daß also für die nächste Zeit auch eine Erleichterung in den Ausgaben gewährt ist.“
Aus Oberhessen. Der Ausschuß des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen hat die Verleihung der landwirthschaftlichen Verdienst⸗ medaille 2. Classe an folgende Vereinsmitglieder beschlossen: Revierförster Weigand zu Steinfurth, die Bürgermeister Weber zu Kirchgöns, Balser zu Albach, Ortwein zu Angersbach, Kübel zu Herb⸗ stein, die Lehrer Rahn zu Kirchgöns, Schlapp zu Rödgen, Verwalter Burg zu Oberseen.
Rumpenheim. Die Familie des Herzog Adolf ist von hier nach der Schweiz abgereist. Dr. H. Walter von Ossenbach, welcher die Her⸗ zogin während ihrer langen tödtlichen Krankheit
Mainz. Die Redacteure sämmtlicher hiesigen Blätter wurden dieser Tage vor den ersten Polizei ⸗ Commissär citirt, um Kenntniß von einer Verfü⸗ gung des Festungs⸗ Gouvernements zu erhalten, in welcher denselben angedeutet wurde, sich fortan jeder Meldung über die Vorgänge in der Festung,
Preußen. Berlin. Die„Norddeutsche Allg. Zig.“ theilt mit, daß die Landtags- Eröffnungsrede nur auf das deutsche Ver— fassungswerk sich beziehen wird; eine Mittheilung über die politische Situation Seitens der Regie— rung bei Eröffnung bes Landtags ist nicht zu er⸗ warten.
— Aus Kopenhagen wird vom 25. April, Abends, gemeldet:„In unterrichteten Kreisen werde versichert, daß die dänische Regierung keinerlei militärische Maßregeln getroffen habe.“
— Der„Weserzeitung“ wird von Berlin tlelegraphirt:„In politischen Kreisen wird in Folge der veränderten Haltung Frankreichs die Situation als weniger gespannt bezeichnet. Die preußische Diplomatie betont die Aufrechthaltung des Status quo nicht als unumgänglich, indem sie annimmt, Preußen werde eine Lösung der lu— remburgischen Frage nicht ablehnen, welche anstatt des Besatzungsrechtes eine unter dem Schutze der europäischen Mächte stehende Garantie für die Sicherheit Deutschlands und die Nationalität Luxemburgs combinirte.“
— Die„Kreuzzeitung“ sagt, es seien Aeuße⸗ rungen der Großmächte über die Luxemburger Frage hier eingetroffen, sämmtlich dahingehend, daß der europäische Friede womöglich erhalten werden müsse; durch den nunmehr europäischen Charakter der Frage seien somit die Friedens- aussichten allerdings stärker geworden.
— Die neuesten Nachrichten in der Luxem- burger Frage lassen einige Hoffnung friedlicher Wendung der Dinge zu. Seit der Rückkehr des Grafen v. Bismarck nach Berlin ist namentlich in der offiziösen Presse ein großer Umschwung be— merkbar; der kriegerische und herausfordernde Ton ist friedfertigeren und nachgiebigeren Ansichten ge— wichen und es wird die Möglichkeit einer fried— lichen Lösung des Conflictes in Aussicht gestellt. Die vermittelnden Mächte haben ihre Vorschläge überreicht und, wie es heißt, die Aufgabe des preußischen Besatzungsrechtes, die Räumung und Schleifung der Festung, sowie Neatralisirung unter der Garantie Europa's, vorgeschlagen. Wenn nun Preußen, wie von verschiedenen Seiten be— richtet wird, auf die erfolgten Vermittlungsvor— schläge hin der Congreßidee seine Zustimmung ge— geben, so werden wohl auf der demnächst in London zusammentretenden Conferenz neben der Luxemburger Angelegenheit auch manche andere schwebenden Fragen zum Austrage kommen.
Sachsen. Leipzig. Der deutsche Schrift- stellertag, der im vergangenen Jahr wegen der Zeitverhältnisse bekanntlich nicht abgehalten wurde, soll nun am 9. und 10. Juni d. J., den beiden Pfingstfeiertagen, im hiesigen Schützenhause statt— finden. Der Vorstand des deutschen Schriftsteller⸗ vereins hat die betreffenden Einladungen in diesen Tagen erlassen.
Würtemberg. Stuttgart. Die Mi⸗ nisterkrisis ist beendet. Auch der Kriegsminister v. Hardegg ist auf sein Ansuchen entlassen. Oberst Wagner vom Generalstabe hat das Kriegsmini⸗- sterium und der Obertribunalrath Mittnacht(an Stelle Neurath's) das Justizministerium über⸗ nommen.— General Herwarth v. Bitten⸗ feld wird zur Leitung der Armee ⸗Organisation stündlich hier erwartet.
Oesterreich. Wien. Die„Presse“ will wissen, Frankreich habe im Princip der Neutrali⸗ sirung Luxemburg's zugestimmt und das Wie⸗ ner Cabinet werde, wenn die Antwort Preußens nicht absolut ablehnend ausfällt, in bereits gesicherter Uebereinstimmung mit den übrigen neu⸗ tralen Mächten einen förmlichen Ausgleichungs⸗ vorschlag in Paris wie in Berlin vorlegen. Die „Presse“ hält für diesen Fall das Zustandekommen eines Congresses für sehr wahrscheinlich.
— Die Vermittlungs-⸗Vorschläge Oesterreichs in der Luxemburger Frage, so wird von hier ge⸗ meldet, sind von dem Berliner Cabinet als Grund⸗ lage einer definitiven Verständigung angenommen worden. Der Zusammentritt einer Conferenz in London stehe in Aussicht, da Preußen sich nicht abgeneigt zeige, die Besatzung Luxemburgs durch
Truppenbewegungen 2c. zu enthalten.
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— Oesterreich soll dem Eintritt des Groß. 0 herzogthums Hessen, in den Nord deutschen Bund entgegen sein, auch in München und
Südstaaten auf seine Seite hinüberzuziehen. J Schwabens entscheidenden Kreisen ist die Hin neigung zum preußischen Bündniß allerdings nicht groß. Herr Varnbüler aber soll seinem König ein“ schlimmes Schicksal vorausgesagt haben, falls der⸗J n selbe das preußische Bündniß nicht zur unzweifel⸗] haften Richtschnur seiner Politik nehmen würde..
— Wiener Blätter sprechen sich dahin aus, daß Oesterreich, bevor noch von anderen Ver- mittlungs⸗Vorschlägen die Rede gewesen, den bei der luxemburger Frage betheiligten Par teien folgende den übrigen Großmächten mitge— theilte Alternative vorgeschlagen habe: Entweder Neutralisirung Luxemburgs, verbunden mit Räu⸗ mung und Beseitigung der Festung, oder die Ab⸗ tretung des Großherzogthums an Belgien und
Aufnahme desselben in die belgische Neutralität. 100 De löl Letzterer Vorschlag stieß wegen der durch die bel⸗
gische Verfassung ihm entgegenstehenden Schwierig- a keiten auf Widerstand Seitens Belgien. Nach[ in race der Verzichtleistung des Kaisers Napoleon auf die“ 7 durch den Vertrag mit Holland gewissermaßen“ 5
schon erworbenen Rechte tritt der erste österreichische“ Vorschlag auf Neutralisirung Luxemburgs wieder“
in Wirksamkeit. Es ist gegründete Hoffnung vor“ handen, daß Preußen ein Recht aufgibt, dessen 1 formelles Gewicht nach der Auflösung des deut— 2
schen Bundes ohnehin zweifelhaft ist. Frankreich. Paris. Wie der„Moni ⸗
teur“ meldet, sind die Reser ven der Jahrgänge
1860, 1861, 1862 und 1863 einberufen worden, Vet.
Bingt
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um wie gewöhnlich Revuen zu haben. Die Re⸗ 1048 Die serven von 1864 und 1865, welche neulich keine Mauern am Uebungen abgehalten haben, werden im Mai oder 1 Juni zu zweimonatlichen(anstatt sonst zu ein' gale— monatlichen) Uebungen einberufen, dagegen aber im auf Manrttat Jahre 1868 von den Uebungen befreit werden. der Nauen
— Vom französischen„Moniteur“ wird Preußen den 2 daran erinnert, in Nordschleswig die Volksabstim⸗ N mung über das definitive Schicksal dieses Landes⸗ Frleöb⸗ theils vornehmen zu lassen. Also in Schleswig 6 das Nationalitätsprinzip, in Luxemburg das Gegen⸗ theil— wie räumt sich das zusammen?
—„Patrie“ und„Frances“ rücken jetzt noch— deutlicher mit der Sprache heraus; sie sagen Ar! geradezu, es handele sich jetzt nur noch um die 1076 Fre Frage, ob Frieden oder Krieg. Danach will sollen zu Frankreich also auf keinen Vermittelungsvorschlag Veen N der neutralen Großmächte eingehen. Es soll ein⸗ änld mal ein Krieg mit Deutschland sein und der 1) Maur würde auch nicht ausbleiben, selbst wenn Preußen 2) Naß Luxemburg räumte. Vielleicht war das der ursprüng⸗ 1 5 liche Plan, erst Luxemburg zu haben, um dann 97 5 die alte Rheinpolitik desto besser verfolgen zu können. 00 Sgeutt
— Die Interpellation Jules Favre's ist von 7) Die nal
den Bureaux auf eine Zuschrift des Staats⸗ Handar
ministers Rouher verworfen worden. In derselben Jutzda! sagt der Minister:„Wenn sofortige Erklärungen nöthig wären, würde die Regierung sich beeilen,——
angeknüpft, welche der Aufrechthaltung des Friedens in Europa günstig sind und von den Großmächten thätig betrieben werden. Diese Situation e 0 1073
dieselben zu geben. Aber es seien Unterhandlungen 1
der Regierung die größte Reserve auf.“ — Man versichert aus guter Quelle als positiv, daß Preußen seine Zustimmung zu einer Conferenz gegeben hat, welche in London zusammentreten soll. 5 Belgien. Brüssel. Eine Depesche von auf 224 Berlin bringt hierher die Mütheilung, daß Preu- 0 ßen in einen Friedens⸗Congreß einwilligt, den König Leopold II. im Einverständniß mit Kaiser Napoleon vorgeschlagen hat. n D Großbritannien. London. Vom 26. 1 ds. wird berichtet: Die der englischen Regierung zugekommenen Benachricktigungen haben seit zwei Tagen eine friedlichere Tendenz. — Aus Paris wird gemeldet:„Preußen nimmt die Einladung zur Conferenz an, will aber die Bedingung in Betreff der Neutralisirung,
nicht von vornherein annehmen; wenn aber die
die Garantie Europa's ablösen zu lassen.
Schleifung und Räumung der Festung Luxemburg
Conferenz solches beschließen sollte, dann würde


