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wohl einzuschlagen sein möge. Ohne Führung geht's nun truppweise fort, zuweilen unter Regen und Sturm in die Nacht hinaus. CEbenso vertrippelt, wie wir Friedberger sagen, als der Abmarsch ist, gelangen die zur Bedienung der Spritze gehörenden Leute ½, auch zum Theil 7 ja einige 1 Stunde und mehr später als die Spritze in dem Orte des Brandes an, und jeder kann von Glück reden, wenn er sich in der Dunkelheit nicht irre gelaufen, oder, die Brandstätte anderwärts suchend, dieselbe ohne Umwege und Akwege erreicht hat. Von den hierbei leicht möglichen, nachtheiligen Folgen für die Gesundheit der einzelnen Leute wollen wir gar nicht reden. Erst wenn der größere Theil der Mannschaft bei der Spritze angelangt ist, wird dieselbe in Thätigkeit gesetzt und die beapsichtigte Hülfe und der oft dringend erwartete Beistand geleistet werden können.
Warum nun, fragen wir, wird das Abfahren der Spritze ohne Vedkenung so sehr berilt? Warum so eilen, da auf der Brandstätte wenigstens doch ½ Stunde Rast gemacht werden muß, bis die ersten der Maunschaft nur anlangen können? Gegen die Eile an sich haben wir nichts einzuwenden und wollen nichts einwenden, im Gegensheil, bei der Eile ist uns noch zu viel Wetle, denn zur Bedie- nung der Spritze gehört offenbar die erforderliche Mann⸗ schaft, welche nicht von der Spritze geirennt werden darf, und wenn deßhalb die Eile bei Abfahrt der Spritze nicht ohne Zweck, wenn sie gerechtfertigt sein sell, müssen die nöthigen Leute bei der Spritze sein und bleiben. Da die⸗ selben aber nun nicht gleichen Schritt mit den Postpferden balten kennen, so wird mit der Eile der Speitze die wohl⸗ gemein le Absicht nur erreicht werden können, enn für ebenso raschen Transport der Mannschaft etwa vermhelst eines dazu rasch und leicht herzurichtenden oder steis be— reiten Leiterwagens gesorgt ist.— Gründe der Verwaltung und Sparsamkeit können wohl hier nicht in Betracht kom⸗ men, zumal zugestanden werden wird, daß die Ausgaben für Trausport der Spretze ꝛc. in der oben geschilderten Weise doch meistens halbwegs zwecklos und ohne den be— absichtigten Erfolg gemacht werden.
Auf diese verkehrte Einrichtung aufmerksam zu machen und zu zweckentsprechender Abhülfe Anregung zu geben, ist die Absicht des Schreibers dieser Zeilen.
Das Großherzogthum Hessen auf der Pariser Ausstellung.
Einem Artikel des Pariser Journals„L'Exhibition“ entnehmen wir folgende Stellen:„Die Ausstellung des Großherzogthums Hessen ist in mehr als einer Hinsicht interessant und einzelne Erzeugnisse rivalisiren mit dem besten, was man in England, in Frankreich und in Bel⸗ gien hervorbringt.“„Einige der bemerkenswertbesten Lus⸗ stellungen sind diese: In der 3. Gruppe finden wir die Möbel des Herrn J. Heininger von Mainz, darunter unter Anderm ein durch die Schönheit seiner Zeichnung und Bildhauerarbeit hervorragendes Buffet. Herr A. Bembs, gleichfalls in Mainz, hat Parquetböden und ein großes Buffet in schöner Ausführung, ebenso Here M. W. Knuß⸗ mann Parquetis und Möbel ausgestellt.“„Die Arbeiten in Maroquin, Necessaires, Portemonnaies u. s. w. der Herren J. F. Knipp und E. Posen u. Co. von Offenbach. „In der vierten Gruppe erwähnen wir die Leinwand⸗ webereien von G. Langheinrich in Schlitz; die Kunstwoll⸗ manufactur von Worms; die Knöpfe der Herren L. Kolbe u. Co. von Bessungen bei Darmstadt und die Fußbeklei⸗ dungen der Herren Otto Herz und Jof. Schumacher Sohn von Mainz.“„Die fünfte Gruppe schließt die wichrigsten Industriceen des Großherzogthum Dessen ein. Wir ver⸗ zeichnen im Vorübergehen die Cigarren von Dubary in Offenbach; die Phosphol⸗Sulphate von F. Koch in Oppen⸗ heim; die Ultramarine des Blaufarbenwerks von Marten⸗ berg und die chemischen Produkte der Mainzer Gesellschaft und kommen zur Ausstellung der Leder und Häute, welche wirklich bewundernswerth sind. Worms und Mainz sind die beiden großen Centren der Production die ses beträcht⸗ lichen Fabrikanionszweiges.“„In Worms zählen wir, ihrer Bekeutung und ihrem Renomms folgend, nachstehende Namen: C. Heyl, Dörr und Reinhardt, L. Melas u. Co., Wormatia, A. Beller, welche vorzüglich die Specialität der Lackleder vertreten.“„Die Ausstellung der Klasse 46 gebietet die meiste Aufmerksamkeit durch die ungemeine Berühmtheit ihrer Erzeugnisse, durch die vollkommene Aus⸗ schmückung und den guten Geschmack ihrer Ausstellung; es ist diejenige der Herren Mayer, Michel und Denninger von Mainz. Die großen Industriellen haben die glückliche Idee gehabt, an der Seite des Rohsioffs den fabricirien Gegenstand aufzustellen. So sehen wir eine ganze Serie von Fußbekleidungen, Buchbinder⸗ und Maroquin⸗Arbeiten, Tapeten, Ameublements, Sättel und milttärische Cquipi⸗ rungen, alle aus ihren Produkten sabricirt. Es ist, mit einem Wort, die vollständigste Darlegung des vielfältigen Gebrauchs dieser so ausgedehnten Fabrikation, welche eine Summe von mehr als sechs Millionen erreicht.——
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Land wirthschaftliches und Gewerbliches.
Ueber das Putzen der Thiere. Für gewöhnlich saßt man das Putzen nur als Reinigungsmittel auf. Man will, wie man sagt, die durch den Schmutz verklebten Hautporen öffnen und die Ausdünstung frei und offen erhalten. Das ist aber nur ein Theil, und vielleicht wohl der gexingste des Erfolges; denn die eigentliche Ausdünstung, der Schweiß, bricht sich schon Bahn, auch wenn die Thiere nicht geputzt werden. Das Putzen ist zugleich noch ein bie gesammte Haulthäligkeit erregendes und belebendes Mittel, und wird hierdurch von entschiedenem Einfluß auf
das körperliche Gedeihen und Wohlbefinden der Thiere. Ja das Bürsten, Reiben und Frottiren ist es vorzugsweise, was auf die inneren Organe erregend und belebend einwirkt. Ein tüchtiges Bearbeiten der Haut mit Kardätschen oder Strohwiepen ist demnach jedenfalls wirksamer als ein bloßes Abkratzen des Schmutzes mit einem Striegel.— Die Gesammtwirkung einer guten Hautpflege läßt sich in wenigen Worten dahin bezeichnen, sie befördert die Ausfuhr verbrauchter Stoffe und belebt! den ganzen Stofswechsel. Man hielt das Putzen beim Milchvieh deswegen ungeeignet, weil es den Säftetrieb nach der Haut fördere und dem Körper Nährstoffe entziehe. Das ist falsch. Nur von einer übertriebenen Hauscultur ist das gültig, wie sie beim Milchvieh nicht vorkommt. Fördert die Hautreinigung überhaupt das körperliche Gedeihen und darüber kann kein Zweifel sein, dann muß es auch auf die Milchsecretion von Einfluß sein. vergleichenden Versuchen fehlt es allerdings noch sehr; doch soll der Wohlgeschmack der Milch bei unrein gehaltenen Thieren leiden, was freilich wieder in anderer Art gedeutet werden kann.
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*„ Putzpulver zum Reinigen von Silber⸗ Waaren. Man mische zusammen 4 Theile auf das feinste gepalverten Pfeifenthon und 1 Theil gereinigten, sehr feinen Weinstein. Braun angelaufene Gegenstände werden erst min Esssg und einem leinenen Lappen gesäubert.
Einladung zur Gründung eines Frauen-Vereins im Großherzogthum Hessen.
Die Ereignisse des Jahres 1866 haben vielfach die Aufmerksamkeit auf die unzureichende Zahl der vorhandenen Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen gelenkt.
Wenn die hieraus hervorgegangenen Nachthei'e in Folge der durch den Krieg veranlaßten Zusammenhäufung von verwundeten und erkrankten Soldaten besonders auffällig hervorteeten mußten, so ist es doch hinlänglich bekannt, daß auch in gewöhnlichen Verhältnissen, namentlich in den ärmeren Landestheilen, die Kranken häufig unter dem Mangel einer ausreichenden und angemessenen Pflege Noth leiden, und daß richtige Grundsätze in Beziehung auf die Behandlung der Kranken und Reconvalescenten vielsach noch keinen Eingang gefunden haben.
Die opferwillige Thätigkeit der Genossenschaften, welche sich, wie die evangelischen Diakonen und Diakonissinnen oder die katholischen barmherzigen Schwestern der Krankenpflege widmen, und deren ausgezeichnete Leistungen, namentlich seitdem dieselben durch die Pflege Verwundeter in den Kriegsspitälern mehr als in dewöhn⸗ lichen Zeiten in die Oeffentlichkeit getreten sind, allgemein auf das Wärmste anerkannt werden, kann dem bestehenden Mangel an geübtem Pflegepersonal, vorerst wenigsteus, nicht vollständig abhelfen.
Auch sind nicht alle Männer und Frauen, welche die Neigung und Befähigung besitzen, die Krankenpflege zu erlernen und als Lebensberuf oder vorübergehend während der durch Seuchen oder den Krieg geschaffenen Nothzu— stände auszuüben, in der Lage, sich von ihren Familien und häuslichen Beziehungen ganz zu trennen und in eine der bestehenden Genossenschaften für die Krankenpflege einzutreten.
Man hat in Folge dessen in verschiedenen Ländern Vereine in das Leben gerufen, welche sich die Aufgabe stellen, zur Verbesserung der Krankenpflege überhaupt und zur Hülfeleistung bei Epidemien und in Kriegszeiten be⸗ sondere Krankenpfleger u. Krankenpflegerinnen auszubilden und für deren Unterhalt, angemessene Ver⸗ wendung und Erhaltung in Krankheitsfällen oder im Alter Sorge zu tragen.
Diese Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen werden in geeigneten Heilanstalten unter ärztlicher Leitung auf Vereinskosten in der Krankenpflege unterrichtet und kehren dann in ihre Heimath zurück, um dort unter der Mit⸗ wirkung der Vereins-Comites ihrem Beruf obzuliegen.
Letztere übernehmen es, die der Pflege Beduͤrftigen aufzusuchen, bei den Armen die Bestreitung der Kurkosten zu vermitteln und für das Pflegepersonal soweit nöthig zu sorgen.
Neben den Personen, welche die Krankenpflege zu ibrem Lebensberuf machen, lassen die Vereine auch solche Männer und Frauen in der Krankenpflege ausbilden, welche ihre Kräfte den Vereinen nnr in den Zeiten der Noth, namentlich bei weitverbreiteten Seuchen und im Krieg, zur Verfügung stellen, im Uebrigen jedoch ihren gewöhnlichen Berufs⸗ geschäften obliegen.
Ein in Baden durch J. K. H. die Großherzogin Lu ise, in das Leben gerufener Frauen⸗Verein bildete in der Zeit vom Frühjahr 1860 bis 1866 bereits 64 Krankenpflegerinnen in den Spitälern zu Carlsruhe, Pforzheim und Mannheim aus, von denen 12 während des Kriegs von 1866 mit den Diakonissinnen und Ordensschwestern in den Mainspitälern sehr erfolgreich thätig waren.
In England ist die Betheiligung der Frauen aller Stände an der berufsmäßigen Krankenpflege auf Anregung der edlen Miß Nightingale, deren außerordentliche Erfolge in den Krimspitälern das dringende Bedürfniß eines ausreichenden Pflegepersonals in Kriegszeiten in das hellste Licht gestellt haben, und welche seitdem unab lässig an der Verbesserung der Krankenpflege arbeitet, sorlgesetzt im Wachsen begriffen. f
Dabei zt nicht zu verkennen, daß die allseitige Belebung des Interesses an der Fürsorge für Kranke und Noth⸗ leidende, wie sie die Verbreitung von freiwilligen Kranken⸗ pflegern und Krankeupflegerinnen über alle Landestheile zur Folge haben würde, und ein vermehrtes Verständniß
von der hohen Aufgabe und dem ehrenpollen Beruf ber⸗ selben wesentlich dazu beitragen müssen, den Genossenschaften für bie Krankenpflege, namentlich den erprobten Diako⸗ nissinnen und barmherzigen Schwestern, neue Kräfte zuzuführen, und überhaupt die Gemüther für eine werkthätige Menschenliebe empfänglich zu machen.
Unsere Zeit ist reich an Beispielen der Hingebung von Frauen für das Wohl der Einzelnen, wie der Allgemeinheit. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Frauen gern zu helseu bereit sind, wo es gilt der Noth zu steuern, und daß es ihnen nicht an Ausdauer zur Vollendung eines begonnenen Werkes und an Opferwilligkeit fehlt.
Auch die Frauen des Großherzogthums werden gern an den auf die Verbesserung der Krankenpflege und der Hülfeleistung in andern Nothzuständen gerichteten Bestrebungen sich betheiligen und, sei es durch persönliche Antheilnahme an der Krankenpflege, oder durch Sammlung von Geld und Beiträgen, Aussuchen von der Pflege bedürftigen Kranken, durch Fürsorge für letztere und fur das Pflegepersonal, zur Lösung der hohen Aufgaben, welche in unserer Zeit der freiwilligen Hülfsthätigkeit gesetzt sind, mit beizutragen.
Zur Erzielung großer und nachhaltiger Erfolge bedarf es jedoch der Vereinigung und Organisation der vor⸗ handenen Kräfte.
Die Frauen⸗Vereine können des Beiraths erfahrener Männer nicht entbehren. Nur eine einheitliche Leitung kann vor Zersplitterung der Kräfte bewahren und die Erreichung der vorgesteckten Ziele sichern.
Von diesen Voraussetzungen ausgehend hat sich in Darmstadt im Anschluß an den für die Krankenpflege der Soldaten im Felde wirkenden Hülfs verein im Großherzogthum Hessen, dessen Vorstand daselbst seinen Sitz hat, das unterzeichnete Central-Comite gebildet. 7
Ucberzeugt, daß das Bedürfniß einer Vereinigung zu gemeinsamem Handeln im Geiste ächter Humanität allseitig einpfunden und anerkannt wird, laden wir die Frauen und Jungfrauen des Großherzogthums ein, auf Grund der entworfenen Statuten) zu Frauen⸗Vereinen zusammenzutreten, unter Beischluß von Verzeichnissen der Vereins- und Comite⸗Mitglieder eine bezügliche Anzeige an das unterzeichnete Central⸗Comite gelangen zu lassen und mit Vertrauen auf den Erfolg einer guten Sache in die Vereinsthätigkeit einzutreten.
Bereits bestehende Vereine, welche ausschließlich oder theilweise gleiche Zwecke wie der Frauen⸗Verein verfolgen, werden zugleich eingeladen, ihre Wirksamkeit mit diesem zu vereinigen. 4
Namentlich ergeht diese Einlodung an die während des Kriegs von 4366 zur Unterstützung der im Felddienste verwundeten und erkrankten Soldaten gebildeten Frauen⸗ Comites, welchen der neu gegründete Frauen ⸗Verein die Gelegenheit zur Fortsetzung ihrer erfolgreich begonnenen Hüljsthätigkeit auf einem verwandten Gebiet eröffnet, und denen durch den Anschluß an den Frauen ⸗ Verein die Möglichkeit gewährt wird, die in Kriegszeiten so nöthige feste Organisation bereits in Friedenszeiten vorzubereiten und eine die Theilnahme an den Bestrebungen der Hülfs⸗ vereine belebende und erhaltende organisirte Thätigkeit zu entfalten, ferner an die Frauen⸗Comites, welche sich dem Hülfsverein auf Grund des F. 20 der vor Kurzem veröffentlichten Statuten unmittelbar anschließen werden.
Das unterzeichnete Central⸗Comite hat sich seinerseits bereits mit verschiedenen Heilanstalten in Verbindung gesetzt, um in denselben die Ausbildung der activen Mit⸗ glieder des Vereins zu ermöglichen, und hat hierbei auf Seilen der Vorstände dieser Anstalten ein höchst erfreuliches und anerkennenswerthes Entgegenkommen gefunden. In Folge der demselben bereits gemachten gütigen Aner⸗ dietungen wird der Verein seinen activen Mitgliedern, zunächst in Darmstadt und Mainz, eine vollständige Ausbildung in der Krankenpflege vermitteln können. Außerdem werden sich schon in den nächsten Tagen zwei active Mitglieder des hiesigen Localvereins nach einer der bedeutendsten Heilanstalten Deutschlands(Diakonissenhaus Bethanien in Berlin) begeben, um sich zu Kranken⸗ pflegerinnen auszubilden.
Anmeldungen zum Eintritt als active oder inactive Mitglieder des Frauen-Vereins können jeder Zeit bei den unterzeichneten Central-Comite⸗ Mitgliedern stattfinden. Auch werden Listen zur Anmeldung als inactive
Mitglieder, sowie zur Einzeichnung desonderer Bei für die de des Bekeins, den 10 en des§. 3 der Vereins⸗Statuten gemäß, in Umlauf gesetzt
werden. Darmstadt den 1. Juni 1867.
Das Central-Comite des Frauen ⸗ Vereins. Prinzessin Ludwig von Hessen, Prinzessin von Großbritannien und Irland, Präsidentin. Die Comite- Mitglieder: Fräulein Sophie von Follenius.— Frau Oberarzt Dr. Fuchs.— Frau Gebeimerath Maurer.— Freifrau Riedesel zu ne geb, von Stosch.— Frau Pfarrer Stahl.— Frau Regierungsrath Strecker. Die Geschäftsführer: Dr. Eigenbrodt, praktischer Arzt.— Dr. Orth, praklischer Arzt.— Dr. Pfeifer, Hospitalarzt.— Dr. Weber, Leibarzt.
*) Interessenten wollen sich Exemplare dieser Statuten
von dem Central-Comite erbitten.


