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1867.
Samstag den 27. Juli.
M88.
Anzeiger für Oberhessen.
1 Entbält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.“
Friedberger Juttlligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Beireffend: Die Wahlen für den Reichstag des Norddeutschen Bundes in den nördlich des Mains gelegenen
Gebictstbeilen des Großberzogthums.
Amtlicher Theil.
Friedberg den 26. Juli 1867.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Es stehen noch
wir hieran binnen 24 Stunden bei Meidung unangenehmer Verfügung erinnern.
viele von Ihnen mit Erstattung des durch unsere Verfügung vom 18. d. M. geforderten Berichts zurück, weshalb
ir.
Hessen. Darmstadt. Die„Hessischen Volksbläiter“ machen darauf aufmerksam, daß in der letzten Zeit mehrfach Personen von der Post— behörde mit Strafen belegt worden seien, weil sie Drucksachen unter Kreuzband versandt haben, welche beschrieben oder unterstrichen waren. Das Postreglement schreibt ausdrücklich vor, daß der- gleichen Druckschriften unter Kreuzband bei Ver— sendungen in keiner Weise beschrieben oder unter— strichen sein dürfen und hat fur den Fall der Nichtbeachtung dieser Vorschrift eine Contraven- tionsstrafe von 10 Thaler angesetzt. Die Post— beamten sind darauf angewiesen, die unter Kreuz— band versandten Sachen einer strengen Controle zu unterwerfen, da es schon öfters vorgekommen ist, daß die Rückseiten der Kreuzbände, größten⸗ theils aus Maculaturpapier bestehend, mit Schrift— zeichen versehen waren. Die Postbeamten sind der Ansicht, daß selbst in dem Falle, wo die Schriftzeichen nichts weiter zu bedeuten haben, dennoch eine Contravention vorliege, da eine Prüfung, ob das Geschriebene etwas bedeutet oder nicht, nicht Sache der Post sei.
— In Folge der Unterzeichnung des Post⸗ vertrags ist den hiesigen Postbeamten die Weisung zugegangen, sich in kürzester Zeit mit der in Preu⸗ ßen eingeführten Postuniform zu equipiren, und werden sich von nun an die hessischen Postbeamten von den preußischen nur durch die roth und weiße Cocarde unterscheiden lassen. Die hessischen Wap— pen werden demnächst von den Posthäusern herab- genommen und durch die preußischen Adler ersetzt werden.
— Sämmtliche Militärs, welche in diesem Jahre ihre Dienstzeit beendigen, werden sofort als Landwehrmänner eingezeichnet und soll bereits im nächsten Jahre mit der Errichtung der Cadres für die Landwehr Bataillone begonnen werden. Um die Einübung der Landwehr und die Heran- bildung geeigneter Officiere und Unterossiciere zu ermöglichen steht demnächst die Bildung eines Lehr- bataillons in Aussicht.
— Der Großherzog ist zu einem längeren Aufenthalt auf dem königlich bayerischen Schloß Leopoldskron bei Salzburg abgereist und nicht, wie lrrthümlich gemeldet wurde, nach Edenkoben. — Die zum Zweck ihrer Instruirung nach Mainz commandirten hessischen Infanterieofficiere sind heute wieder in ihre resp. Garnisonen zurück gekehrt.
— 25. Juli. II. Kammer. Für Erwer⸗ bung und Einfriedigung der Gräber bei Laufach und Frohnhofen werden circa 4000 fl. gefordert. — Die Kammer setzte sodann die Budgetberathung fort. Auf eine Anfrage H. v. Gagern's er- klärt die Regierung, daß das Nervensieber in dem Schullehrerseminar zu Friedberg in Abnahme be— griffen und der Zustand ein befriedigender sei.— Bei der Frage, ob auch für das dritte Jahr des Lehrerseminareurses das Internat beibehalten wer—
den solle oder nicht, bringen Volhard und Metz den Zusland des Seminargebäudes in Fried⸗ berg zur Sprache und heben hervor, wie sehr der
schlechte Zustand der Gebäulichkeiten die Entwick- lung des Typhus herbeigeführt habe.— Metz wünscht, daß auch das Verhalten des Seminar— Arztes mit untersucht werde.— Der Regierungs Commissär bebauptet, daß der bauliche Zustand an dem Ausbruch der Epidemie nicht schuld sei und spricht von ungerechten Angriffen in Blättern der Fortschrittspartei.— Die Kammer macht durch Schlußrufen der Debatte ein Ende und entscheidet sich dafür, daß für das dritte Jahr das Internat als Regel nicht beizubehalten sei.
— Zu dem am 1. August l. J. dahier be⸗
ginnenden landwirthschaftlichen Lehrcur⸗ sus für Schullehrer haben sich bis jetzt nicht weniger als 50 Theilnehmer gemeldet. Als Lehr- local hat die Stadt Darmstadt einen Saal im Kyritz'schen Stiftungsgebäude zur Verfügung ge stellt. „Friedberg. Eine Commission von Offfcie⸗ ren aller Waffengattungen bereist gegenwärtig Oberhessen, um in verschiedenen Städten von den vorhandenen, etwa zu Casernen sich eignenden Localitäten Einsicht zu nehmen und die von dort dem Kriegsministerium gemachten Anerbietungen an Ort und Stelle zu prüfen.— Ein bei dem neuesten Militäravancement in bevorzugter Weise zum Major avancirter hessischer Officier hat sich vor einigen Tagen in Mainz entleibt, indem er sich den Hals abschnitt. Derselde gehörte zu den zur Erlernung des preußischen Exercitiums nach Mainz commandirten Officieren.
„ Friedberg, 26. Juli. Gestern war in Frankfurt und Darmstadt allgemein das Gerücht verbreitet, ein Hannoveraner habe gelegentlich der Revue bei Coblenz auf König Wilhelm von Preu⸗ ßen geschossen und denselben am Halse schwer ver⸗ wundet. Bis jetzt ist nichts bekannt geworden, was für die Glaubwürdigkeit dieses Gerüchtes spräche.
S. Gießen. Die hiesige Bevölkerung glaubt mit Sicherheit vom 1. October an ein Regiment Infanterie als Garnison zu bekommen. Beruht dieses Gerücht auf Wahrheit, so würde der Stadt eine schwere Last mit jener Garnison auferlegt werden, denn solange die nöthigen Casernenräume nicht hergestellt sind, müßte die Mannschaft als Einquartierung in die ganze Stadt verthei Uperden.
Preußen. Coblenz. Der Sultan, der in Begleitung Fuad Pascha's nebst einem zahlreichen Gefolge hier eintraf, wurde vom Könige von Preu⸗ ßen, der hiesigen Generalität und den Spitzen der Behörden auf dem Bahnhofe empfangen. Hierauf Empfang auf dem Schlosse, Parade und Rhein- fahrt. Die Empfangsseene, welcher eine große Volksmenge beiwohnte, war vom schönsten Wetter begünstigt.
Bayern. München. Der Großberzog von Hessen ist, von Darmstadt kommend, am 22. ds. hier eingetroffen und im„Bayerischen Hof“ abgestiegen.
Frankreich. Paris. Die„Presse“ mel- det: Mazzini befindet sich in Italien und will in
Gemeinschaft mit Garibaldi ein Unternehmen gegen Rom ausführen. Garibaldi's Plan geht dahin, eine mit einer Invasion in's römische Gebiet
übereinstimmende Insurrection in Rom zu veran—
lassen und die Republik zu proclamiren.
— Dem Besuch der Kaiserin Eugenie am Londoner Hof wird vielseitig eine politische Be— deutung beigelegt. Höchst merkwürdig ist ein Gerücht, das in Paris coursirt. Die Königin von Preußen habe darnach die Einladung ver— anlaßt und die Königin Victoria sich des Ein— flusses der Kaiserin Eugenie bei ihrem Gemahl bedient, um freundlichere Beziehungen zwischen den Cabinetten von Berlin und Paris herzustellen und so den europäischen Frieden zu befestigen. Diese Version wird mit dem ganz besonders herz⸗ lichen Verkehr motivirt, welchen die Königin Augusta hier mit der Kaiserin der Franzosen pflegte.
— Im gesetzgebenden Körper verlas der Präsident ein kaiserliches Decret, durch welches die Session des Jahres 1867 geschlossen wird. Die Versammlung trennte sich unter dem Rufe: „Es lebe der Kaiser!“ Daneben hörte man ver- einzelte Rufe:„Es lebe die Freiheit und Frank- reich!“
„Friedberg, 26. Juli. Als der gestern um 2 Uhr von Frankfurt ankommende Zug in den Darmstädter Bahnhof einfahren sollte, wurde plötzlich eine kurze Strecke außerhalb desselben stille gehalten. Durch diesen Halt er⸗ lebten wir Passagiere des Zuges die Freude, von dem mit dem Zweigespann eines Extrazugs aus dem Bahnhof nach Aschaffenburg langsam abfahrenden Sultan gesehen zu werden. Die Darenstädter hatten sich in großer Anzahl ini Bahnhofe eingefunden, allein ihnen war das Glück weniger günstig als uns der Zufall, sie kehrten meistens ungesehen in die Stadt zurück, da der den Sultan von Mainz bringende Bahnzug sich am äußersten Ende des Bahnhofes nur so lange aufgehalten hatte, bis die beiden Locomotiven vorgefahren waren.
Frankfurt. Am 24. ds. Morgens waren auf dem Wehr an der Sachsenhäuser Brücke zwei schwarze Fahnen aufgebißt. Das Standbild Karls des Großen, sowie das Wahrzeichen Frankfurts auf der Brücke, der vergoldete Hahn über dem Crucifix, waren schwarz umflort.— Auf das in Offenbach erschienene Flugblatt„Pfeffernüsse, ge⸗ backen für die Frankfurter,“ wird seit gestern polizei⸗ lich gefahndet. Bis jetzt gelang es, nur weniger dieser Blätter habhast zu werden.— Am 23. ds. wurde, in Folge einer eingegangenen Weite, der Verkehr des Fuhr⸗ werks an der Hauptwache von Morgens 7 Uhr bis Adends 9 Uyr gezäblt. Es passirten nach der darüber geführten Liste diesen Kreuzpunkt 2366 Droschken, 236 Postwagen und Omnibus und 604 Herrschafts⸗ und Bauern ⸗Wagen.
Darmstadt. Die Obmannschaft der hiesigen Turner⸗ Feuerwehr hat beschlossen, gegen Mitte September d. J. ein großes Feuerwehr-Manbver hier abzuhalten, wozu die Feuerwehren der Nachdarstädte eingeladen werden. Nach den Uebungen soll eine allgemeine Besprechung über Feuer- löschwesen staltfinden.
Mainz. Seit einiger Zeit treibt eine Rotte von Falschspielern in hiesiger Stadt ihr schändliches Gewerbe. So wurden am 23. ds. einem jungen Burschen aus Waldülversheim, welcher von seinem Vater beauftragt war, seiner Schwester die Heirathomitgabe von etlichen hundert Gulden zu überbringen, in einem Wirthshause in der Kapuzinergasse 211 fl. in falschem Spiele abgenommen.
Nieder Ingelheim. Am 15. d. M. gingen die hiesigen Consersputonspflichtigen an den Rhein, um sich zu baden. Einer derselben wagte sich beim Schwimmen zu weit in den Strem; er bekam Krampf und war dem


