Ausgabe 
26.10.1867
 
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Se. Majest. der König von Preußen traf um 8 uhr wieder in Baden ein, begleitet von dem Flügeladjutanten Obersten Freiherrn v. Steinecker.

Karlsruhe. Die erste Kammer ge nehmigte einstimmig den Zoll- und Handelsvertrag, den Vertrag über die Abgabeerhebung vom Salz, den Gesetzentwurf über die Wahlen zum Zoll- parlament und den Allianzvertrag mit Preußen.

Oesterreich. Wien. Das Unterhaus nahm den provisorischen Ehegesetzentwurf an und beauftragte einen Ausschuß mit der Ausarbeitung eines neuen Ehegesetzentwurfes nach dem Grund- satze der Unabhängigkeit des Eheactes von den kirchlichen Anordnungen.

Frankreich. Paris. DiePatrie er⸗ theilt der italienischen Nation und Presse und noch besonders dem König Victor Emanuel ihr volles Lob und schiebt die ganze Schuld aufden Ein⸗ fluß bedauerlicher Schwächen und Schwankungen, denen die Entschlossenheit des Königs ein Ziel gesetzt habe; denn der König Victor Emanuel hätte selbst die Dinge in die Hand genommen und in den entscheidenden Momenten direkt mit dem Kaiser Napoleon correspondirt. Ebenso spricht dieFrance vonunklugen Rathgebern, welche nichts versäumt haben, um unser mili⸗ tärisches Dazwischentreten zu provociren. Das Ultimatum, welches Frankreich der Floren⸗ tiner Regierung stellte, war bekanntlich auf das Ansuchen der letzteren bis jetzt prolongirt worden. Wenn derTemps gut unterrichtet ist, so hätte die italienische Regierung um einige positive Er klärungen über die Zukunft des September vertrags gebeten, die ihr für ein an die Nation zu richtendes Manifest hätten als Grundlage dienen können; es scheint aber, daß sie in diesem Betracht nichts erwirkt hat. Nach derFrance sind die Truppen in Toulon allerdings wieder ausgeschifft, aber sie sollen doch in der Hafenstadt verbleiben, so lange die Ereignisse dies erfordern werden.

Die um Toulon befindlichen Truppen verbleiben dort und werden daselbst ein Lager beziehen.

Der Kaiser von Oesterreich kam am 23. d. um 3 Uhr im Bahnhof an, wo ihn Kaiser Napoleon erwartete, und begab sich sofort ins Elysce.

Die Getreidetheuerung beginnt bereits ihre üblen Wirkungen auf die öffentliche Ordnung aus- zuüben. Kürzlich sind in Napoleoville(Vendee) große Unruhen in Folge von Getreideaufkäufen seitens einiger Händler jener Stadt erfolgt. Die Truppen mußten einschreiten, das Volk empfing sie mit Steinwürfen, es fand ein förmlicher Kampf statt. Am nächsten Tage wurde ein Getreidewagen vor dem Hause eines jener Händler vom Volke angegriffen. Die Dragoner mußten dasselbe mit blanker Waffe auseinandertreiben. Andere Un- ruhen haben in Vannes, Josselin, Lorient und Gucémince stattgefunden. Bei Rohen ist ein Ge treideboot versenkt worden.

Großbritannien. Von Liverpool wird gemeldet, daß die dortige Bank ihre Zahlungen eingestellt hat, was eine besorgte Stimmung her vorrief.

Italien. Wenn sich die Nachrichten über die theilweise Niederlage der Garidaldianer und über ihren vollständigen Rückzug vom römischen Gebiete bestätigen, so möchte man wohl annehmen, daß die Erhebung vorläufig als gescheitert zu be⸗ trachten wäre und daß sich die Corps der Insur genten in Bälde auflösen würden, wenn man nicht aus anderen Nachrichten schließen müßte, daß die Garibaldianischen Corps ihre Sache noch keines⸗ wegs aufgegeben, denn die Thatsache, daß die Eisenbahn⸗ und Telegraphenverbindung zwischen Rom und Florenz noch immer gestört ist, spricht dafür, daß die Garibaldi'schen Freischaaren noch mehrere wichtige Punkte an der Grenze besetzt halten. Der schnelle Rückzug trotz der erfolgten Vereinigung von Menotti Garibaldi und Nico tera in der Nähe von Rom, das dadurch ernstlich bedroht war, scheint erfolgt zu sein in der Ueberzeugung, daß einem französischen Ex⸗ peditionscorps gegenüber ein Widerstand der

Garidaldianer unmöglich, oder man wollte die italienische Regierung aus der großen Verlegenheit ziehen, welche ihr in der französischen Intervension drohte.

Die Nachrichten aus Florenz vom 22. d. lauten: DieGazetta ufficiale meldet die Demission Rattazzi's und die Beauftragung Cial⸗ dini's mit der Bildung eines neuen Cabinets und fügt diesen Mittheilungen hinzu:Die großen Schwierigkeiten des Moments werden rasch über wunden werden, wenn man nur Vertrauen hat. Die drohende französische Intervention sei be seitigt; die Regierung werde den Traditionen der italienischen Politik treu bleiben; die wahren großen Interessen Italiens werden keine Benach theiligung erfahren; die Nation möge Vertrauen in ihre Institutionen haben; die Loyalität des Königs, welche in der Vergangenheit schon so viele Gefahren überwunden hat, sichere Italien die Garantie, daß die Elemente seiner Auferstehung keine Verletzung erfahren werden. Seit gestern Abend ist die telegraphische Verbindung mit Rom unterbrochen. Es bestätigt sich, daß die garibaldianischen Freischaaren sich nach den Gränzen zurückgezogen haben. Die Nach- richt: Rattazzi werde im Ministerium bleiben, ist unrichtig. Gelegentlich neuer Volks- demonstrationen erklärte Rattazzi, die amt⸗ liche Zeitung werde heute Abend über die Ab- sichten der Regierung Aufklärung geben. Die Volkshaufen zogen sodann vor das Haus Gari baldi's und riefen:Rom muß die Hauptstadt Italiens werden. Es herrscht hier allgemeine Aufregung. An den Straßenecken ist die Ein- berufung der Altersklasse von 1842 affichirt.

Vom 23. Nachmittags wird aus Florenz gemeldet: Durando zögert noch mit der An- nahme des Portefeuilles; das bisherige Ministerium ist noch in Function. Die hierher gelangenden Nachrichten, deren Details nicht telegraphirt werden können, sind der italienischen Sache günstig.

Ueber Garibaldi's Flucht von Caprera wird soviel mitgetheilt, daß er bereits seit dem 16. Oct. von Caprera vermißt wird und, wie es scheint, steht sein plötzliches Verschwinden mit dem plötzlichen Rückzuge der Insurgenten im Kirchenstaate in innerem Zusammenhange. Außer Zweifel scheint ferner seine Landung auf dem Festlande, die ohne Schwierigkeit in Livorno er⸗ folgte. Inzwischen wird das leere Nest des ent flogenen Adlers auf der Felseninsel noch immer bewacht; sechs Kriegsschiffe umkreisen es, und vierthalbhundert Marinesoldaten liegen dort in Garnison, ohne daß seine Flucht verhindert wurde.

Florenz. Telegraphische Nachrichten melden die Bildung eines neuen Ministeriums, wonach Cialdini das Aeußere, den Krieg und das Prä sidium, Durando Justiz, Correnti öffentliche Ar⸗ beiten, Depretis Finanzen übernommen hätten.

Rußland. Petersburg. Der Vertrag über den Verkauf Russisch-Amerikas an die Vereinigten Staaten, für eine Summe von 7,200,000 Dollars in Gold, ist ratifieirt worden.

* Friedberg. Die Generalversammlung der Lehrer- Conferenz des Freises Friedberg findet Mittwoch den 30. d. M., Vormittags 10 Uhr, auf dem Rathhause dahier statt. Gegenstand der Discussion sind ThesenUeber die Location in der Schule.

* Friedberg. Schon seit längerer Zeit verlautete, daß der langjährige Director des Landeszuchthauses Ma⸗ rienschloß, Oberst Trumpler, mit dem 1. Nov. von seiner Stelle zurücktreten und in den Ruhestand versetzt werde, ohne daß bis jetzt ein Nachfolger für ihn ernannt worden war. Wie man nun hört, wurde Oberstlieutenant Knispel vom 3. Inf.⸗Regiment hierzu ausersehen und ist bereits in Marienschloß eingetroffen. 8

* Nidda. Das Ernte⸗Dankfest wurde diesesmal in besonders feierlicher und erbebender Weise begangen. Es wurde nämlich während des Vormittagsgottesdienstes die Cantate zum Ernte-Dankfest von Thamm und der ChoralAllein Gott in der Höh' sei Ehr durch unsere Gesangvereine und den Musikverein bei überfüllter Kirche zum Vortrage gebracht. Die Wirkung der von Herrn Pfarrer Fritz in entsprechender Weise eingeleiteten, vor⸗ trefflich durchgeführten Vorträge war eine tief ergreifende und haben sich nicht allein alle Mitwirkenden, sondern vornehmlich auch der Dirigent, Herr Lehrer Weitert, den aufrichtigsten Dank der ganzen Gemeinde erworben.

Frankfurt. Falsche preußische Thaler von 1866 sind dahier in Umlauf und wird vor deren Annahme

gewarnt. Dieselben sind an dem mangelhaften Gepräge des königlichen Bildnisses und an dem falschen Klange zu erkennen.

Frankfurt. Frau Dümmich von hier, bekannt durch den Prozeß wegen Brandstiftung in dem von ihrem Manne geführten Pelzlager, wurde als lebensgefährlich erkrankt erkannt und ihr erlaubt das Correctionshaus mit dem Aufenthalt in Bad Soden zu wechseln. Dort scheint sie so schnell sich gekräftigt zu haben, daß sie plötzlich ver⸗ schwinden konnte und vermuthlich die Reise zu ihrer Familie in Amerika angetreten hat.

Offenbach. Die von dem hiesigen landwirthschaftl. Localverein am 13. d. Mis. im GasthausZum grünen Baum eröffnete und am 18. Abends geschlossene Aus⸗ stellung von Erzeugnissen der Landwirthschaft und des Gartenbaues aus der Gemarkung Offenbach bot ein über⸗ raschend günstiges Bild und gab ein ehrendes Zeugniß unseren acker- und gartenbautreibenden Bewohnern. Der Verein feierte wahrhaft einen Triumph; denn die Be⸗ sucher drängten sich schaarweise herzu, namentlich Abends, wo der große Saal brillant beleuchtet war. Die Aus⸗ stellung wurde täglich von etwa 600 Personen besucht, und am Schlusse derselben ergab sich die Zahl von über 3400. Es ist erfreulich, daß neben der Industrie unserer Stadt auch die Landwirthschaft und der Gartenbau daselbst eine ehrenvolle Stelle sich erworben haben.

Darmstadt. Die kürzlich von verschiedenen Zeitungen gebrachte Mittheilung, der oldenburgische Staatsrath Dr. Hannibal Fischer, unter dessen Leitung s. Z. die Versteigerung der deutschen Flotte vollzogen würde, befinde sich nicht mehr unter den Lebenden, ist nach denH. V. nicht richtig. Derselbe hat vielmehr, nachdem er in ver⸗ schiedenen Städten Aufenthalt genommen, endlich in Darmstadt ein friedliches Asyl gefunden und verfolgt in den in dervereinigten Gesellschaft aufgelegten Zeitungen den Gang der Welibegebenheiten auf das eifrigste. Der⸗ selbe bezieht seit 1861 eine Pension von 525 fl.

Darmstadt. Diejenigen, welche sich an dem Unter⸗ richt der Zeichnenschule an dem Großh. Museum bethei⸗ ligen wollen, welcher am 12. Nov. I. J. eröffnet werden soll, haben sich bei Großh. Galerie-Infpector, Herrn Rudolph Hofmann dahier, anzumelden.

Lampertheim. Vor einiger Zeit wurde von hier aus gemeldet, daß die Frau eines Unterbeamten auf der chemischen Fabrik Neuschloß des Abends 11 Uhr unter verdächtigen Umständen auf dem Stubenboden liegend, todt gefunden worden sei, ohne ernstlich erkrankt gewesen zu sein. Obgleich schon damals mancherlei, den Wiltwer compromittirende Gerüchte in Umlauf waren, ist doch erst in diesen Tagen die Verhaftung desselben sowie seiner Dienstmagd erfolgt. Man ist sehr gespannt Ader den weiteren Verlauf dieser Sache.

Die Dummheit und Rohheit der Irländer ist in New Hork sprüchwörtlich geworden. Ein Irländer tritt an das Fenster des Postbeamten:Ist ein Brief für mich da?Wie heißen Sie? fragt Jener.Das geht Sie nichts an! suchen!Ich heiße Patrick ONeil! erwiedert der Ir⸗ länder nach einigem Besinnen. Der Postbeamte sucht. Nichts da für Sie, ist das Resultat.Nun da danken Sie Gott, daß hier nur Ihr Fenster und keine Thür ist, sonst käme ich hinein und bräche Ihnen die Knochen ent⸗ zwei für Ihre dummdreiste Frage nach meinem Namen! Wenn Sie aber glauben, daß ich solch ein Esel gewesen, Ihnen den richtigen Namen zu sagen, so sind Sie sehr grün! Im Bewußtsein seiner Klugheit ging der Ir⸗ länder stolz davon.

Telegraphischer Bericht. Mitgelheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agen:

Das Hamburger PostdampsschiffSaxonia, Capt. Haack, welches von New⸗Hork am 12. October abging, ist nach einer ausgezeichnet schnellen, glücklichen Reise von 10 Tagen 12 Stunden wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Hamburg fortgesetzt, Dasselbe bringt 86 Passagiere, 1350 Tons Ladung, 199498 Dollars Contanten und 12 Briefsäcke.

Das Bremer PostdampfschiffUnion, Capt. Santen, welches am 5. October von Bremen abging, ist nach einer glücklichen Reise von 12 Tagen wohlbehalten in New⸗ York angekommen.

Das Bremer PostdampfschiffAmerika, Capt. Meher, welches am 3. October New-Hork verließ, ist nach einer schnellen und glücklichen Reise von 11 Tagen wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachden! es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt.

Sitzung des Lokalgewerbpereins

am 26. October. Tagesordnung: Weitere Besprechung üder die zu errichtende Fortbildungsschule für's weibliche Geschlecht.

Einladung

zu unserer Jahresfeier ar 5 Nachmittags 2 Uhr. Die Direction der Blinden⸗

Anstalt zu Friedberg.

Dann kann ich Ihren Brief nicht heraus⸗

auf Mittwoch den 30. October,

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