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Samstag den 26. October.

4 127.

Anzeiger

für

hessen.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Auf denAnzeiger kann man noch immer für die Monate October,

2 des Großherzogthums mit 33 kr. und bei der Verlags-Expedition mit 30 kr.

November und Dezember bei den Poststellen abonniren.

Hessen Darmstadt. DieD. Zig. bringt die Nachricht aus Paris, daß der Schluß der Ausstellung nunmehr am 31. d. bestimmt er folgen wird.

Der Kronprinz und Kronprinzessin von Preußen sind mit dem Prinzen Heinrich und der Prinzessin Victoria heute nach England abgereist.

Wie dieM. Ztg. hört, wäre ein Ueber einkommen in Vorschlag gebracht, nach welchem die in Aussicht genommene Eisenbahn zwischen Friedberg und Hanau als Abzweigung der Main⸗Weser⸗Bahn gebaut und betrieben werden soll, wogegen die übrigen oberhessischen Bahnlinien, namentlich Gießen-Büdingen und Main- Weserbahn-Alsfeld⸗Fulda, der Bergisch Märkischen Eisenbahn, welche gleichzeitig von Altenhunden einen Anschluß an die Main- Weserbahn bauen würde, überlassen werden.

Nach Berichten aus Alsfeld ist der dortigen Realschule durch Verfügung des General- postamts in Berlin die Berechtigung zuerkannt worden, daß die mit dem Zeugniß der Reife entlassenen Schüler, welche sich dem Postfache widmen wollen, ohne weiteres Examen als Post⸗ Expedienten- Anwärter eintreten können. Dem Beispiele Alsfeld's werden wohl auch andere Realschulen des Großherzogthums folgen.

Wie dieD. Z. meldet, hat sich Prinz Ludwig nebst Gemahlin zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach Oberhessen begeben.

* Friedberg. Die von Großberzoglicher Bürgermeisterei vor einiger Zeit erlassene Auffor⸗ derung an diejenigen hiesigen Einwohner, welche die entsprechenden Räumlichkeiten besitzen und Willens sind Soldaten der hiesigen Garnison in ständiges Quartier zu nehmen, so lange nämlich wegen unzureichender Caserne-Localitäten der hohe Dienststand ein Ausquartieren von etwa 250 Mann nothwendig macht, hat, wie verlautet, das Ergebniß gehabt, daß für 300 Mann Quartiere angemeldet worden sind, womit also dem vor- handenen Bedürfniß vorläufig entsprochen werden kann. Eine aus mehreren Offizieren zusammen⸗ gesetzte Commission hat die angemeldeten Räum⸗ lichkeiten bereits besichtigt und wird die projectirte Einrichtung ins Leben treten, sobald die höhere Genehmigung eingetroffen.

Mainz. Die Fuldaer Conferenz, zu welcher sich die beiden apostolischen, in Deutsch⸗ land residirenden Vicare, 14 Erzbischöfe und Bischöfe und 3 Capitularen als deren Stell- vertreter eingesunden hatten, ist am 23. d. ge schlossen worden. Die Beschlüsse und Verhand- lungen derselben sollen geheim gehalten werden.

Preußen. Berlin. Gerüchtsweise wird aus Berlin gemeldet, daß zwischen Preußen und Baden Verhandlungen wegen Besetzung der Festung Rastatt durch preußische Truppen gepflogen werden.

Die in Angriff genommene größere Be sestigung Straßburgs soll derElberf. Z. nach noch verstärkt werden durch eine in Aussicht ge nommene Rheinflotille von transportablen Kano- nenbooten. Die 12 in der Fabrik von Claparéde und Commartiu in St. Denis gebauten Schrauben dampfer, von denen bereits 3 nach Straßburg abgeliefert worden sind, und welche bestimmt sein sollen, zu der Vertheidigung dieser Festung bei zutragen resp. je nach Umständen selbstverständlich

auch zu dem Angriff auf Mainz und die preußischen wegen der Panik bei Gersfeld in Untersuchung Rheinfestungen mitzuwirken, dürfte die preußische und vom Dienste suspendirt waren, schon vor

Regierung bestinmen, um so entschiedener auf eine Sicherung von Süddeutschland bedacht zu nehmen.

23. Okt. In der heutigen Sitzung des Reichstags wurde der Bundeshaushaltsetat für 1807 ohne Diseussion genehmigt. Hierauf folgten Berathungen über Petitionen. Anläßlich der Petition der jüdischen Gemeinden in Mecklen burg wurde beschlossen, den Bundeskanzler zu er suchen, in der nächsten Session des Reichstags ein Gesetz über die Aufhebung der Beschränkungen der bürgerlichen Rechte durch Consessionen vor zulegen. Anläßlich der Petition aus Mecklenburg auf Wiederherstellung der constitutionellen Landes- verfassung wurde der Antrag der Commission, welcher die Petition der Berücksichtigung des Bundeskanzlers überweist, abgelehnt.

24. Okt. Der Reichstag nahm heute das Posttaxgesetz mit einer Resolution zu Gunsten der Ausdehnung der Posterleichterungen auf alle Zollvereinsstaaten an. Ebenso wurde auch der italienische Schifffahrtsvertrag und die Marine Anleihe angenommen.

Nach demStaatsanzeiger hätte Italien Preußen niemals den Wunsch kundgegeben, noch hätte Preußen jemals eine Zusage über seine Haltung in der römischen Angelegenheit direkt oder indirekt ausgesprochen.

Die Postconferenz hat im Wesentlichen die preußischerseits vorgeschlagenen Tarifänderungen angenommen, darunter auch das Einsilbergroschen- Porto, und erklärt sich ferner geneigt, der nord deutsch-amerikanischen Posteonvention beizutreten.

Die Begegnung des Königs von Preußen mit dem Kaiser von Oesterreich wird auch in Berlin als ein erfreuliches Zeichen der erneuerten Annäherung zwischen den Monarchen beider Staaten betrachtet.

In derKreuzztg. wird officiell erklärt werden, daß die preußische Regierung ihre Gesandten in München und Stuttgart angewiesen habe, die Zollvereinsverträge von 1865 am 31. Oktober zu kündigen, wenn bis dahin der neue Zollvereinsvertrag vom 8. Juli d. J. in München nicht sichergestellt und in Stuttgart nicht jeder Zweifel beseitigt sei, daß der Garantievertrag vom 13. August 1866, welchen der König von Württemberg ohne Vorbehalt ratificirt hat, auf recht erhalten bleibt.

Bayern. München. In der bayerischen Kammer wurde die Uebereinkunft vom 18. Mai, betreffend die Salz-Abgabe-Erhebung, mit allen gegen 13 Stimmen; ebenso der Gesetzentwurf, betreffend die Wahl der bayerischen Abgeordneten, mit allen gegen 14 Stimmen angenommen.

Aus Nürnberg wird vom 22. d. ge meldet: Die Gemeindebevollmächtigten Nürnbergs votirten heute in öffentlicher Sitzung einstimmig eine Dankadresse an die Abgeordnetenkammer für die Annahme der Zollveteinsverträge.

Aus München wird über die Unter suchung wegen der Affaire bei Gersfeld am 4. Juli v. J. mitgetheilt: Wie man jetzt erfährt, ist die Diseiplinar-Untersuchung gegen mehrere Cavalerieoffiziere(1 Generalmajor, 1 Rittmeister, 4 Oberlieutenants und 2 Unterlieutenants), welche

einigen Wochen beendet worden. Die strafrecht⸗ liche Untersuchung wurde schon zu Anfang dieses Jahres eingestellt, da in dem Verhalten der be treffenden Offiziere kein militärisches Vergehen oder Verbrechen gefunden werden konnte. Auch in disciplinären Beziehungen ergab sich nichts, was mit der militärischen Ehre unvereinbar wäre, wenn auch der Vorwurf des Mangels ruhiger Ueberlegung und besonnener Haltung nicht ganz unbegründet, jedoch theils durch die Commando⸗ führung, theils durch falsche Gerüchte und Un kenntniß der Gegend zu entschuldigen sein dürfte. Der betreffende General und der Rittmeister wurden denn auch früher pensionirt. Die übrigen sechs Offiziere wurden versetzt.

Kaiserslautern. Unser so schön hergerich⸗ tetes Theater ist am 21. d. gänzlich ausgebrannt. Menschenleben sind nicht zu beklagen; das Wohn- haus mit der Restauratlon und die angrenzenden Gebäude sind unversehrt.

Baden. Wenn auch das Zusammentreffen des Königs von Preußen mit dem Kaiser von Oesterreich wohl nur als ein Akt der Courtoisie be trachtet werden kann und bei der Kürze der Zeit wichtige Fragen nicht erörtert werden konnten, so erscheint doch die Begegnung beider Monarchen unmittelbar vor der Zusammenkunft des Kaisers von Oesterreich mit Napoleon sehr bedeutungsvoll. DieKarlsr. Ztg. berichtet darüber: Nach vorausgegangener Verabredung fand am 22. d. auf der Eisenbahnstation Oos eine Zusammen- kunft statt zwischen Sr. Majest. dem König von Preußen und Sr. Majest. dem Kaiser Franz Joseph von Oesterreich. Der Sonderzug des Kaisers von Oesterreich fuhr 10 Minuten nach 7 Uhr in die Station Oos ein, wo Se. Königl. Hoheit der Großherzog Se. Kaiserliche Majestät empfing und in einen besonders hergerichteten Salon einführte. In dem Augenblick als der Kaiser und der Großherzog in diesen Salon eintraten, fuhr Se. Majest. der König von Preußen, in seiner Equipage von Baden kommend, am Bahnhofgebäude an und die beiden Monarchen begrüßten sich mit freundlichem Händedruck. In- zwischen waren auch Ihre Kaiserl. Hoheiten die Erzherzoge Karl Ludwig und Ludwig Viktor aus- gestiegen und wurden vom König von Preußen freundlichst empfangen. Während die beiden Monarchen in genanntem Saale verweilten, wo ein Frühstück aufgetragen wurde, führte der Groß herzog die beiden Erzherzoge in einen anstoßenden Raum, wo den Höchsten Herrschaften und der Umgebung des Kaisers, sowie den Allerböchst denselben begleitenden Ministern ebenfalls das Frühstück servirt wurde. Die Monarchen ver abschiedeten sich nach halb 8 Uhr. Se. Königl. Hoheit der Großberzog geleitete den Kaiser zu dem kaiserlichen Waggon und verblieb dort bis das Einsteigen des zahlreichen Gefolges die Weiter reise ermöglichte. Das strenge Incognito Sr. Majest. des Kaisers von Oesterreich wurde in jeder Weise berücksichtigt und daher auch an allen Punkten, wo der kaiserliche Zug im Großberzog thum anhielt, jedwede offizielle Kundgebung unter lassen. Sämmtliche Allerhöchste und Höchste Herr

schaften mit Gefolge waren in Civilkleidung.