Ausgabe 
26.2.1867
 
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Unsere Hand den süddeutschen Ländern offen und ent⸗ gegenkommend dargereicht werden, sobald der norddeutsche Bund in Feststellung seiner Verfassang weit genug vor⸗ geschritten sein wird, um zur Abschließung von Verträgen befähigt zu sein. 5 5 7 8

Die Erhaltung des Zollvereins, die gemeinsame Pflege der Volkswirthschaft, die gemeinsame Verbürgung für die Sicherheit des deutschen Gebietes werden Grundbedingun⸗ gen der Verständigung bilden, welche voraussichtlich von beiden Theilen angestrebt werden. Wie die Richtung des deutschen Geistes im Allgemeinen dem Frieden und seinen Arbeiten zugewandt ist, so wird die Bundesgenossenschaft der deutschen Staaten wesentlich einen defensiven Charakter tragen. Keine feindliche Tendenz gegen unsere Nachbarn, kein Streben nach Eroberung hat die deutsche Bewegung der letzten Jahrzehende getragen, sondern lediglich das Bedürfniß, den weiten Gebieten von den Alpen bis zum Meere die Grundbedingungen des staatlichen Gedeihens zu gewähren, welche ihnen der Entwickelungsgang frühe⸗ rer Jahrhunderte verkümmert hat. Nur zur Abwehr, nicht zum Angriff einigen sich die deutschen Stämme, und daß ihre Verbrüderung auch von ihren Nachbarvölkern in diesem Sinne aufgefaßt wird, beweist die wohlwollende Haltung der mächtigsten europäischen Staaten, welche ohne Besorgniß und ohne Mißgunst Deutschland von den⸗ selben Vortheilen eines großen staatlichen Gemeinwesens Besitz ergreifen sehen, deren sie sich ihrerseits seit Jahr hunderten erfreuen.

Nur von uns, von unserer Einigkeit, von unserer Vaterlandsliebe, hängt es daher in diesem Augenblicke ab, dem gesammten Deutschland die Bürgschaften einer Zukunft zu sichern, in welcher es, frei von Gefahr, wie der in Zerrissenheit und Ohnmacht zu verfallen, nach eigener Selbstbestimmung seine verfassungsmaͤßige Wieder herstellung und seine Wohlfahrt pflegen und in dem Rathe der Völker seinen friedliebenden Beruf zu erfüllen vermag.

Ich hege das Vertrauen zu Gott, daß die Nachwelt im Rückblick auf die gemeinsamen Arbeiten nicht sagen werde, die Erfahrungen der früheren mißlungenen Ver⸗ suche seien ohne Nutzen für das deutsche Volk geblieben, daß vielmehr unsere Kinder mit Dank auf diesen Reichs⸗ tag als den Begründer der deutschen Einheit, Freiheit und Macht zurückblicken werden.

Meine Herren! Ganz Deutschland, auch über die Grenze unseres Bundes hinaus, harrt der Entscheidun⸗ gen, die hier getroffen werden sollen.

Möge durch unser gemeinsames Werk der Traum von Jahrhunderten, das Sehnen und Ringen der jüngsten Geschlechter der Erfüllung entgegengeführt werden.

Im Namen aller verbündeten Regierungen, im Namen Deutschlands fordere ich Sie vertrauensvoll auf: Helfen Sie uns, die große, nationale Arbeit rasch und sicher durchführen.

Der Segen Gottes aber, an welchem Alles gelegen ist, begleite und fördere das vaterländische Werk!

Nach dem Schlusse der Thronrede trat aus der Reihe der Regierungs⸗Commissarien der sächsische Minister v. Friesen vor und brachte ein Hoch auf den König aus, in welches die Versammlung drei mal einstimmte. Der König entfernte sich, die Versammlung grüßend, indem sich gleichzeitig auch der Zug in derselben Ordnung, wie er gekommen war, wieder zurückzog. Nachdem sich der Hof mit Gefolge entfernt hatte, wurde Seitens der Staats⸗ regierung im Namen des Königs der Reichstag des norddeutschen Bundes für eröffnet erklärt, worauf die Versammlung wieder auseinander ging. Unter den Peichstagsmitgliedern befand sich der Prinz Friedrich Karl von Preußen. Die Prinzen Wilhelm von Baden, Nicolaus von Nassau und Heinrich von Hessen wohnten der Feierlichkeit bei.

Der norddeutsche Reichstag wird auf Anordnung des evangelischen Oberkirchenrathes während seiner Sitzungsdauer Gegenstand des Kirchengebetes werden. Die alle Sonntage von der Kanzel abzulesende Gebetsformel soll der Köln. Ztg. zufolge also lauten:Laß, o ewiger Gott, Deine Gnade walten über den Berathungen, welche zu dieser Zeit zur Gestaltung eines festen Bundes in unserem deutschen Vaterlande gepflogen werden. Heilige Du diese Arbeit und laß sie zum Frieden und Segen unseres deutschen Volkes und seiner Fürsten und zum Preise Deines heiligen Namens gereichen. Sei Du unseres deutschen Vaterlandes starker Schutz und Schirm, und gib, daß alle christliche Obrigkeit mit unserem Könige unter Deinem Segen trachte, Dein Reich auf Erden bauen zu helfen und Deines Namens Herrlichkeit zu preisen.

Berliner Blätter berichten, daß während der Verlesung der Thronrede auf der Zuschauer⸗ tribüne der tragische Zwischenfall vorkam, daß ein dort Anwesender plötzlich, vom Schlagflusse getroffen, todt niederstürzte. Der Verstorbene soll ein Kanzleirath Riese gewesen sein.

Der Abgeordnete für Frankfurt a. M., Freiherr M. K. v. Rothschild, hat seinen Platz

im Saal des Reichstags neben den Herren v. Vincke⸗Olbendorf(altliberal) und Consul Meier, dem Vertreter Bremens, genommen.

25. Februar. Reichstag Sitzung. In der heutigen ersten Sitzung waren 220 Mitglieder anwesend, worunter Prinz Friedrich Karl; den Vorsitz führte der Alterspräsident Fran kenberg. Die provisorische Annahme der Geschäfts ordnung des preußischen Abgeordnetenhauses und die Aufstellung einer Rednerbühne wurde beschlos sen. Die Mitglieder des Reichstags werden heute dem Könige vorgestellt und zur königlichen Tafel gezogen werden.

Königsberg. Man erzählt sich hier folgende Wahlaneks ote:Ein höherer Offizier ließ am Wahltage die ihm untergebenen wahlberechtigten Soldaten antreten und theilte ihnen mit, daß sie heute wählen sollten; er halte es doch, fügte er hinzu, für zweckmäßig, daß sie sich vorher über den Candidaten verständigten, dem sie ihre Stimme geben wollten. Es seien zwei Candidaten auf gestellt, der General Vogel v. Falckenstein und Stadtverordnetenvorsteher Dickert. Wer den ersten wählen wolle, trete rechts, wer den zweiten, links. Natürlich traten alle Soldaten auf die rechte Seite.

Köln. Die Cholera ist in den letzten Tagen milder aufgetreten, indem am 21. sechs und am 22. nur zwei Sterbfälle vorkamen.

Frankfurt. Am 24. Vormittags fand große Parade auf dem Theaterplatze statt, und wurden dabei die wegen des letzten Feldzuges verliehenen Fahnenbänder für die drei Bataillone des Infanterie-Regiments Nr. 34 durch den Divisions Commandeur Generallientenant v. Bayer über geben. Bei dem darauf folgenden Militärgottes dienste in der Paulskirche wurden die Fahnen von dem Garnisonsprediger Herrn Gerlach eingesegnet.

Oesterreich. Wien. DieWiener Ztg. publicirt in ihrem amtlichen Theile die Ernennung des auf Andrassy's Vorschlag gebildeten ungarischen Ministeriums. Dasselbe wird bestehen aus dem Obergespan Georg Grafen Festeties(Minister am kaiserl. Hoflager), dem Obergespan Freiherrn v. Wenckheim(Inneres), und den Abgeordneten Melchior v Lonyay(Finanzen), Joseph Frhr. v. Eötvös(Cultus und Unterricht), B. r v. Horvath Justiz), Emrich Grafen Miko (öffentliche Arbeiten und Verkehr) an ben v. Gorove(Handel, Industrie und Landwirthschaft.)

Schweiz. Bern. Vom schweizerischen Ge⸗ neralconsul in Washington wird neuerdings vor der Auswanderung nach Nordamerika im Hin- weis auf die dermaligen Zustände gewarnt, indem sich das Land in einer socialen Krise befinde und Tausende von Arbeitern brodlos seien.

Belgien. Brüssel. Große Sensation erregt hier die Nachricht aus dem Haag, daß der dortige Minister der auswärtigen Angelegen- heiten vorgestern der zweiten Kammer der Ge⸗ neralstaaten in geheimer Sitzung Mittheilung über Prätensionen gemacht hat, welche Preußen plötzlich Holland gegenüber geltend macht. Wie es scheint fordert Preußen eine Berichtigung der Maasgränze. Im Haag ist die Aufregurg eine gewaltige und dürfte die Regierung sich ge⸗ zwungen sehen, um Uebertreibungen vorzubeugen, officielle öffentliche Mittheilungen zu machen.

Italien. Repräsentanten der österreichischen und der italienischen Regierung sind zusammen⸗ getreten um die Präliminarien eines Handels- und Schifffahrtevertrages zwischen Oesterreich und Italien zu berathen 8

* Friedberg. Am 6. März, Vormittags von 8 Uhr 30 Minuten bis 11 Uhr 13 Minuten findet eine bei uns sichtbare Sonnenfinsterniß statt. Der Mond wird um ¼ͤ die Sonne bedecken. Am 20. März, Abends von 7 Uhr 45 Minuten bis 11 Uhr wird eine Mondfinsterniß eintreten.

Gießen. Am 22. d. M. wurde die Leiche eines Mädcheus, welches seit 14 Tagen vermißt wurde, in der Lahn aufgefunden.

Gießen. Der hiesigen Polizei scheint gelungen zu sein, den Thäter einer vor einiger Zeit am Bahnhofe gestohlenen Reisetasche zu ermitteln, indem ein junger Mensch, als der That verdächtig, kürzlich verhaftet wurde.

Worms. In ben letzten Tagen hat sich hier ein Fall ereignet, der zur größten Vorsicht bei Entleerung der Aborte auffordert. Im Reuber'schen Holzhofe dahier waren am Freilag Abend brei Arbeiter mit der Gruben⸗

räumung beschäftigt, als plötzlich einer derselben wegen Einathmung einer allzugroßen Menge Stickluft in die Tiefe sank; der zweite wollte Hülfe leisten, theilte aber das gleiche Schicksal; ebenso auch der dritte. Vermittelst rascher ärztliches Hülfe gelang es, die zwei zuletzt Gesunkenen wieder ins Leben zurückzurufen, der erste aber, Vater von sechs kleinen Kindern, blieb todt.

Warnung vor der Auswanderung nach Rußland. Jahr für Jahr ist in ostpreußischen Blättern gewarnt worden vor den verlockenden Vorsplegelungen russischer Agenten, welche deutsche Arbeitskräfte zur Aus⸗ wanderung nach dem Süden Rußlands verleiten. Leider meistentheils vergeblich! Nicht oft genug können diese Warnungen, wiederholt und auf die unglücklichen Opfer der nichtswürdigen Speculation hingewiesen werden, welche man immer noch in alter Weise ins Elend verlockt. Ein neues Beispiel berichtet diePosener Zig...Ju den letzten Tagen kamen 24 Sachsen in jämmerlichem Zustande aus Rußland zurück. Die halbnackten, ausgehungerten Jammergestallten erregten wahrhaft Mitleid. Der Eine derselben, ein schon bejahrter Mann, ehemals Fleischer in Pirna, erzählt über sich und seine Kameraden Folgendes: Im vorigen Jahre erlteß ein Commisstonär zu Dresden in sächsischen Blättern einen Aufruf, nach welchem männliche Individuen, welche Lust hätten, unter guten Bedingungen sich in der schönsten Gegend des südlichen Rußland eine angenehme Existenz zu gründen, sich ungesäumt bei ihm melden sollten. In Zeit von drei Wochen waren 150 Mann, für welche Zahl sein Auftrag lautete, beisammen und Ende September ging es unter Führung eines Agenten über Breslau nach Warschau, wo ein damit beauftragter Agent die Leute übernahm und über Petersburg nach Wor nesch, als den Ort ihrer Bestimmung, führte. Dort ergab sich denn, daß ein russischer Gutsherr 150 Ackerleute für seine Güter verlangte und dem Dresdener Agenten 15 Tylr, per Kopf bezahlt hatte. Dieser hatte demnach nur die Zahl zusammenzubringen gesucht, um seine Spesen zu erheben. Es wurden von 150 Leuten nur 83 als zur Einslellung auf den Gütern tauglich befunden, der Rest von 67 Personen aber ihlem Schicksale überlassen. Drel⸗ undzwanzig von ihnen haben noch anderweitig Unterkommen gefunden, 40 aber mußten im größten Elend meist zu Fuße sich fortbeiteln, um die Heimath zu erreichen; unterwegs sind 17 dem Hunger und den Strapazen erlegen, zum Theil gestorben und zum Theil krank zurückgeblieben

Landwirthschastliches und Gewerbliches.

, Soll man die Maul würfe fangen oder nicht? Da über diese Frage unter unsern Landwirthen noch die widersprechendsten Ansichten bestehen, so möchte es am Platze sein, eine Stelle aus der von dem königl. preußischen Landes⸗Oekonomie⸗ Collegium mit dem ersien Preise ge⸗ krönten Schrift von Dr. C. L. Taschen bergNatur⸗ geschichte der wirbellosen Thiere ꝛc. hier folgen zu lassen: Den Engerlingen stellen vor Allem die Maulwürfe nach. Hier eine Beobachtung aus der Schweiz: Auf einer mit Maikäf(Engerlingen) vorzüglich stark heimgesuchten Wiese wurden einige Maulwürse geduldet. Sie vermehrten sich sehr rasch und verbreiteten sich über das ganze von Wegen umgebene Grundstück, eine Vertiefung ausgenommen, in der sich bisweilen Wasser ansammelte. Diese Stelle ward von den Engerlingen vollständig vernichtet, der Ucberrrest der Wiese dagegen, mit Maulwurfshügeln wie besäet, lieferte einen schöͤnen Futterertrag, während andere Wiesen der nämlichen Gegend gerade so aussahen, wie jene Vertiefung. Es war bemerkenswerth, wie sich die Maulwürfe immer genau in derjenigen Höhe aufhielten, wo sich auch die Larven befanden. Waren letztere oben auf, so warfen die Maulwürfe beinahe keine oder nur sehr geringe Hügel und biloͤeten nur Gänge so nahe unter der dünnen Rasendecke, daß man dieselben beim Gehen alle Augenblicke eintrat. Mit dem Sinken der Larven wurden die Erdaufwürfe größer, nahmen zu bis in den Winter, und im Frühjahre wieder mit dem Steigen der Insekteu in gleichem Verhältnisse ab. Also Schonung der Maulwürfe! Daß sie die Wurzeln nicht fressen, sondern nur den Insektenlarven und Regenwürmern nachgehen, ist zwar heut zu Tage allgemein anerkannt, lrotzdem wird ihnen noch immer viel zu sehr nachgestellt. Statt die durch ihre Aufwürfe den Pflanzen zugefügten Schäden und dem Mäher der Wiesen erwachsenden Uebel⸗ stände auf andere Weise zu paralysiren, entfernt man lieber den Urheber, der sich doch nur da einstellt, wo sich dem Pflan⸗ zenwuchse wahrhaft schäbliches Gewürm ein genistet bat.

* Ein Beitrag zur Wohnung frage. Woher es kommt, daß in den meisten neuen Häusern schon nach dem ersten Vierteljahre in Thuüren und Fenstern sich Nitzen und Oeffnungen zeigen, die der Zugluft freien Spielraum gewähren diese Frage läßt sich einfach dadurch beantworten, daß gehörig ausgetrocknete Stämme immer seltener werden. Wie it bem Uebel abzuhelfen? Veirachten wir unsere Eisenbahnwagen die doch gewiß genug heruingeschüttelt werden! so hat wohl noch Niemand eine Ritze in deren Holzgetäfel bemerkt. Das kommt daher, weil die Eisenbahnwagen⸗Fabriken das Holz auf mechanischem Wege, also in kürzester Zeit, entweder durch Dampf oder ducch heiße Luft in besonderen Apparaten trocknen, während die Bautischler diesen Prozeß der Sonne überlassen. Es ist eine unabweisbare Nothwendigkeit geworden, derartige a einzuführen. Wird das Mittel nicht ergriffen, so dürfen die Beireffenden sich nicht beklagen, wenn wie dies bereits in Anregung gebracht worden Fabrik⸗Unternehmer ihnen zuvor⸗ kommen. Wir sehen also auch hier: Das neue, wissen⸗ schaftlich und praktisch Bewährte bringt keine Gefahr;

aber der Zwitterstand, das zaghafte Schwanken zwischen Alt und Neu. J

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