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bffnung des Reichstags am 24. d. hatte die Stadt
Die vorige Nummer ist irrthümlich als Nr. 26 bezeichnet statt Nr. 25.
1867.
Donnerstag den 28. Februar.
26.
72 50 .
Anzeiger für Oberhessen.
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Enthält die am lichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
—
Bestellungen auf dieses Blatt werden auswärts bei der betreffenden Poststelle, in Friedberg bei der Expedition entgegengenommen.
Amtlicher Theil.
Aufforderung.
Es werden hiermit die Vormünder und Curatoren aufgefordert, die in diesem Jahre fälligen Verwaltungs-Rechnungen, beziehungsweise Rechenschaftsberichte, binnen 3 Wochen, bei Vermeidung einer Strafe von 1 fl., einzureichen.
Die Großherzoglichen Ortsgerichte des Bezirks werden angewiesen, diese Aufforderung lassen und Bescheinigung darüber innerhalb 8 Tagen bei Ordnungsstrafe einzusenden.
zu Friedberg den 26. Februar 1867.
sofort in Ihren Gemein den bekannt machen
Großherzogliches Landgericht Friedberg
Hessen. Darmstadt. Mit Bestimmtheit will man wissen, daß in Folge der Ratification der Stuttgarter Conferenzbeschlüsse die preußischen Exereierreglements ohne Verzug bei der großh. Armeedivision eingeführt würden.
— Nach einem am letzten Samstag gefaßten Beschluß wird die zweite Kammer alsbald nach Ostern wieder zusammentreten. f
— Nach dem Frkf. Journ. beantragen Abg. Dumont und Genossen in Erwägung, daß in Gefolge der territorialien Aenderung auf der rechten Rheinuferseite und der neuen Richtung, welche die Verkehrsverhältnisse dadurch zu nehmen drohen, der Bau einer stehenden Brücke zwischen Mainz und Castel zu dringender Noihwendigkeit geworden ist:„Die Kammer wolle rzogl. Staatsregierung ersuchen, noch auf diesem Land- tage eine Vorlage Zwecks Erbauung einer solchen Brücke zu machen, dabei in das Auge zu sassen, ob nicht wegen des fortificatorischen Interesses der Festung Mainz und des Verkehrsinteresses der Taunus⸗Eisenbahn wegen Betheiligung des königl. preuß. Militärgonvernements, also des Staates Preußen und der Taunus⸗Eisenbahn⸗Gesell⸗ schaft die dienlichen Beredungen einzuleiten sind.“
— Zur Abgabe eines Gutachtens über die Reorganisation unserer technischen Schule, die in ihrer jetzigen Verfassung ihrem sicheren Untergang entgegengeht, ist von Seiten der Regierung eine aus den Herren Obersteuerdirector Hügel, Ober⸗ rechnungskammerdirector Wernher, Oberstudienrath Wagner, Generalsekretär Dr. Krämer und Se⸗ eretär Fink bestehende Commission ernannt worden.
Friedberg. Der„Wett. Bote“ enthält eine„An meine Wähler“ überschriebene An- sprache des Reichstags⸗ Abgeordneten für Büdingen⸗ Friedberg⸗Vilbel, Herrn Bergrath Buderus in Hirzenhain. Wir können nicht beurtheilen, welche Gründe vorlagen, diese an die Wähler des ganzen Wahlkreises gerichtete Ansprache nur in genanntem Blatte erscheinen zu lassen, ohne dieselbe gleichzeitig auch den andern Blättern des Wahlkreises zum Abdruck zu übergeben und so zur größlmöglichsten Verbreitung auch unter den⸗ jenigen Wählern des Herrn Buderus zu bringen, welchen oben genanntes Blatt nicht zur Hand kommt.
Preußen. Berlin. Zur Feier der Er⸗
schon früh ein festliches Gewand angelegt. Nament⸗ lich prangte die Straße Unter den Linden, die Wilhelmsstraße, der Schloßplatz, die Königs straße ꝛc. in reichern Flaggenschmucke. Mit der preußischen Fahne wechselte ab und zu die neue Bundesflagge— schwarz⸗ weiß roth— wogegen man andere Fahnen gar nicht erblickte. In den
wohnung der Eröffnungsfeier
von dem Schlosse mehr entfernt liegenden Straßen
war der Flaggenschmuck weniger reich. Um 11½ Uhr fand in Schloßkapelle für die königliche Familie, den Hof und die evangelischen Mitglieder des Reichstags ein Gottesdienst statt, für die kath. Mitglieder war zu derselben Zeit
der
Gottesdienst in der St. Hedwigskirche. Nach dem Gottesdienste versammelten sich die zur Bei— berufenen Personen in den für sie angewiesenen Gemächern im Schlosse, die Abgeordneten zum Reichstage fanden sich in dem weißen Saale ein. Kurz vor dem Erscheinen des Königs traten die Königin, die Königin⸗ Wittwe, die Kronprinzessin und übrigen
die 1 2 8 8— 1 Prinzessinnen des k. Hauses, nebst ihrem Gefolge,
in für sie bestimmten Logen. Nach 1 Uhr We Zug zum weißen Saale in Be wegung„Eröffnet wurde derselbe von den Hof- fourieren, denen die k. Pagen, der Oberceremonien⸗ meister, die Kammerherren und der Oberhof- und Hausmarschall folgten. Dann kamen die von Generalen und den höchsten Hoschargen getragenen Reichsinsignien, escortirt von Ossizieren der Garde— du-⸗Corps, und zwar das entblößte Reichsschwert, der Reichsapfel, das Scepter, die Krone und das Reichspanier, welche schon bei der Königskrönung im Jahr 1701 gedient haben und bei hohen Hof- feierlichkeiten dem Könige vorgetragen werden. Hierauf erschien der König in großer Generals— uniform, von einem dreimaligen Hoch der Ver— sammlung begrüßt, welches der voraussichtlich als Alterspräsident fungirende wirkliche Geh. Rath v. Frankenberg-Ludwigsdorf ausbrachte. Hierauf folgte der Kronprinz, die übrigen Prinzen des k. Hauses, die General- und die Flügeladjutanten, die Minister, der Cahiuetsrath des Königs und schließlich die Hofstaaten. Der König schritt, sich nach allen Sciten verneigend, auf den Thron zu und bestieg denselben, während der Zug um den Thron Aufstellung nahm. Der König eimpfing nunmehr aus der Hand des Ministerpräsidenten die Thronrede und las dann mit lauter, fester Stimme:
Erlauchte, edle und geehrte Herren vom Reichstag des norddeutschen Bundes!
Es ist ein erhebender Augenblick, in welchem Ich in Ihre Mitte trete; mächtige Ereignisse haben ihn herbei⸗ geführt, große Hoffnungen knüpfen sich an denselben. Daß es Mir vergönnt ist, in Gemeinschaft mit einer Versamm— lung, wie sie seit Jahrhunderten keinen deutschen Fürsten umgeben hat, diesen Hoffnungen Ausdruck zu geben, da⸗ für danke Ich der göttlichen Vorsehung, welche Deutsch⸗ land dem von seinem Volke ersehnten Ziele auf Wegen uführt, die wir nicht wählen oder voraussehen. m
ertrauen auf dlese Führung, werden wir jenes Zlel um so früher erreichen, je klarer wir die Ursachen, welche Uns und unsere Vorfahren von demselben entfernt haben, im Rückblicke auf die Geschichte Deutschlands erkennen.
Einst mächtig, groß und geehrt, well einig und von starken Händen geleitet, sank das deutsche Reich nicht ohne Mitschuld von Haupt und Gliedern in Zerrsssenhelt und
gehört,
Rei tz. Ohnmacht. Des Gewichtes im Rathe Europa's, des Einflusses auf die eigenen Geschicke beraubt, ward Deutsch⸗
land zur Wahlstatt der Kämpfe fremder Mächte, für welche es das Blut seiner Kinder, die Schlachtfelder und die Kampfpreise hergab. Niemals aber hat die Sehnsucht des deutschen Volkes nach seinen verlorenen Gütern auf⸗ und die Geschichte unserer Zeit ist erfüllt von den Bestrebungen, Deutschland und dem deutschen Volke die Größe seiner Vergangenheit wieder zu erringen.
Wenn diese Bestrebungen bisher nicht zum Ziele ge⸗ führt, wenn sie die Zerrissenheit, anstatt sie zu heilen, nur gesteigert haben, weil man sich durch Hoffnungen oder Erinnerungen über den Werth der Gegenwart, durch Ideale über die Bedeatung der Thatsachen täuschen ließ, so erkennen wir daraus die Nothwendigkeit, die Einigung
deutschen Volkes an der Hand der Thatsachen zu suchen und nicht wieder das Erreichbare dem Wünschens⸗ werthen zu opfern.
In diesem Sinne haben die verbündeten Regierun⸗ gen, im Anschlusse an gewohnte frühere Verhältnisse, sich uber eine Anzahl bestimmter und begrenzter, aber prae⸗ tisch bedeutsamer Einrichtungen verständigt, welche eben so im Bereiche der unmjttelbaren Moͤglichkeit als des zweifellosen Bedürfnisses liegen. Der Ihnen vorzulegende
des
Verfassungsentwurf muthet der Selbständigkeit der Einzel⸗
staaten zu Gunsten der Gesammtheit nur diejenigen Opfer zu, welche unentbehrlich sind, um den Frieden zu schützen, Sicherheit des Bundesgebietes und die Entwickelung Wohlfahrt seiner Bewohner zu gewährleisten. Meinen hohen Verbündeten habe Ich für die Bereit⸗ willigkeit zu danken, mit welcher sie den Bedürfnissen des gemeinsamen Vaterlandes entgegengekommen sind. Ich spreche diesen Dank in dem Bewußtsein aus, daß Ich zu derselben Hingebung für das Gesammtwohl Deutschlands auch dann bereit gewesen sein würde, wenn die Vorsehung Mich nicht an die Spitze des mächtigsten und aus diesem Grunde zur Leitung des Gemeinwesens berufenen Bun⸗ desstaates gestellt haͤtte. Als Erbe der preußischen Krone aber fühle Ich Mich stark in dem Bewußtsein, daß alle Erfolge Preußens zugleich Stufen zur Wiederherstellung und Erhohung der deutschen Macht und Ehre geworden sind. Ungeachtet des allgemeinen Entgegenkommens und ob⸗ schon die gewaltigen Ereignisse des letzten Jahres die Unentbehrlichkeit einer Neubildung der deutschen Ver⸗ fassung zu allseitiger Ueberzeugung gebracht und die Ge⸗ müther für die Annahme derselben empfänglicher gemacht hatten, als sie früher waren und späͤter vielleicht wiederum sein würden, haben Wir doch in den Verhandlungen von Neuem die Schwere der Aufgabe empfunden, eine volle Uebereinstim nung zwischen so vielen unabhängigen Re⸗ gierungen zu erzielen, welche bei ihren Zugeständnissen obenein die Stimmungen ihrer Landstände zu beachten haben. Je mehr Sie, Meine Herren, sich diese Schwierig keiten vergegenwärtigen, um so vorsichtiger werden Sie, davon bin ich überzeugt, bei Prüfung des Verfassungs⸗ entwurses die schwer wiegende Verantwortung für die Gefahren im Auge behalten, welche für die frledliche und
ou, die der
gesetzmäßige Durchführung des begonnenen Werkes ent⸗
stehen koͤnnten, wenn das für die jetzige Vorlage berge⸗ stellte Einverständniß der Regierungen über die vom Reichs⸗ tage begehrten Aenderungen nicht wieder gewonnen würde.
Hier kommt es vor Allem darauf an, den günstigen Moment zur Errichtung des Gebäudes nicht zu versäu⸗ men. Der vollendetere Ausbau desselben kann alsdann
etrost dem ferneren vereinten Wirken der deutschen Für⸗ sien und Volksstämme überlassen bleiben.
Die Ordnung der nationalen Beziehungen des nord. deutschen Bundes zu unseren Landsleuten im Süden des Mains ist durch die Friedensschlüsse des vergangenen Jahres dem srelen Uebereinkommen beider Theile anheim: gestellt. Zur Herbeiführung dieses Einverstandnisses wird


