Samstag den 23. Februar.
N24.
zeiger
für O
berhessen.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.“
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
BBestellungen auf
dieses Blatt werden auswärts bei der betreffenden Poststelle, in Friedberg bei der Expedition entgegengenommen.
Hessen. Darmstadt. Die vor Kurzem n der Zeitschrift„Unsere Zeit“ enthaltenen Artikel über das Großherzogthum Hessen haben im ganzen Lande, ganz besonders aber in der Residenz großes Aufsehen erregt, so daß daselbst das Gerücht von einer bei dem Großh. Ober— appellationsgerichtsrath Noellner stattgehabten Haussuchung zum Zwecke der Ermittelung des Verfassers starken Glauben fand. Dasselbe hat sich jedoch als unbegründet erwiesen.
— Die„Hess. Volksbl.“ bemerken:„Ueber unsre Militärorganisation und das Verhältniß unseres Contingents zu der Unionsarmee ist noch N bereinkunft mit Preußen getroffen. Blos
Scharfschützenkorps und die Artillerie erhalten Käppi's, die übrige Mannschaft Helme nach preußischem Muster.
— Den Anträgen der Liquidationscommission auf Entschädigung der Baumgutsbesitzer in Mainz, Bretzenheim, Gonsenheim, Kostheim und Castel, im Gesammtbetrage von 90,635 fl. 30 kr. haben nunmehr alle in der Commission vertretenen Regierungen, außer Württemberg,
zugestimmt,
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Bayern ohne Präjudiz für die Rechtsfrage, die
übrigens nicht zweifelhaft ist
Friedberg. Am 21. d. M. erfolgte auf dem hiesigen Paradeplatz die Vertheilung der Feld— dienstzeichen für den Feldzug von 1866, wozu die Garnison in Parade ausgerückt war kurze Ansprache des Commandeurs schloß mit einem Hoch auf Se. Königl. Hoheit den Großherzog.
= Reichelsheim. Eine von hier nach Darmstadt entsandte Deputation, welche die Bitte um Errichtung eines Landgerichtes zu Reichelsheim bei den hohen Behörden wieder— holt vorzubringen beauftragt war, hatte die Ehre, bei dem Ministerpräsidenten Frhrn. v. Dalwigk und Justizminister v. Lindelof zur Audienz zu gelangen und bei beiden Herren eines sehr freund— lichen Empfanges sich zu erfreuen. Die Deputation ist mit der zuversichtlichen Hoffnung zurückgekehrt, daß die vorgetragene Bitte Berücksichtigung finden werde, nachdem man auch in den höchsten Regierungskreisen sich der Ueberzeugung nicht verschließen könne, daß die geographische Lage Reichelsheims die Errichtung eines Landgerichts daselbst fordere und daß dadurch der Beoblkerung dieses Bezirkes eine Wohlthat erwiesen werde.
Laubach. Von hier aus wird ein Flugblatt des Grafen Otto von Solms-Laubach verbreitet, in welchem sich derselbe gegen die Vorwürfe ver— theidigt, die ihm gelegentlich seines öffentlichen Auftretens als Candidat zum Reichstage wegen seines früheren Verhaltens und seiner Abstimmun— gen in der I. Kammer unserer Stände gemacht worden sind. Das Blatt ist zunächst an seine Wähler gerichtet und drückt diesen den Dank aus für das ihm durch die stattgefundene Wahl be— wiesene Vertrauen. Er berust sich hinsichtlich der ihm gemachten Vorwürfe auf das Urtheil aller derjenigen, die ihn näher kennen und sagt:„Ich stehe zwar der Grenze des menschlichen Lebens sehr nahe, aber noch schlägt mein Herz so warm für die Größe, Macht und Ehre unseres gemein— samen Vaterlandes und ist erfüllt von Liebe für unsere Provinz, an die ich durch so viele Bande gekettet bin, daß mein einziger Leitfaden in meiner
aus
fast in allen Provinzen geschlagen.
Eine
sentlichen Grundrechte des deutschen Volkes würde auch ich bei sich ergebender Veranlassung nicht ermangeln einzustehen.“
Mainz. In dem hiesigen Abendblatt ist eine energische Vorstellung enthalten, welche die gesammte katholische Geistlichkeit im Großherzog— thum Hessen an den Großherzog gerichtet hat, Beschwerde führend über den für das Jahr 1867 in Darmstadt erschienenen Gustav-Adolph-Kalender— Die in der Petition erwähnten Verläumdungen sollen hauptsächlich in den bekannten Anschuldigungen bestehen, welche in erwähntem Kalender nicht zum Erstenmal zu lesen sind, wohl aber in unzähligen Büchern und Schriften der Gesellschaft Jesu schon entgegengehalten wurden.
Preußen. Berlin. Nachdem nunmehr das Ergebniß der Wahlen zum Reichstag bis auf wenige feststeht, hat es sich wider alles Erwarten dahin entschieden, daß die conservative Partei im Reichstage die Majorität haben wird. Das Frkft. Journ. läßt sich von Berlin aus hierüber schreiben: Das Resultat der Parlaments- wahlen steht jetzt fest, die Conservativen haben die Majorität und die Liberalen sind in Preußen Die Fort- schrittspartei und die sogenannten National- Liberalen verfügen, selbst wenn sie sich mit den Altliberalen verbinden, lange nicht über die Hälfte der Stimmen im Reichstag, und der Ver- lauf der letzten Session unseres Landtages hat gezeigt, wie seiten die Altliberalen zu einem bestimmten Ja oder Nein sich verstehen. Wir werden sie allem Vermuthen nach auch im nord— deutschen Parlament viel häufiger mit den Con- servativen als mit der Linken operiren sehen. Die Conservativen haben nichts Geringeres vor, als den Präsidenten unseres Herrenhauses, Eber— hard Graf zu Stolberg- Wernigerode, zum Präsidenten des Reichstages zu machen. Gelänge ihnen dies Vorhaben, so schnitten sie damit der Opposition von vornherein das Wort ab. Soll der Reichstag keine andere Sprache führen, als
unsere„Herren“ gewohnt sind, so wird das Interesse für ihn bald genug verschwinden. Im Publikum überrascht der Ausfall der Wahlen
ungemein, um so mehr, als anfänglich sich Alles anders anließ und man auf etwa so viel con— servative Stimmen rechnete, wie jetzt liberale da sind. Am meisten fällt auf, daß Männer wie Gneist, Löwe, Hoverbeck, Forkenbeck nicht im Parlament sitzen werden. Sie sind fast alle mit colossalen Majoritäten geschlagen worden. Es hilft nichts, den Sachverhalt zu verdecken— die Liberalen haben eine Niederlage erlitten, von der sie sich so bald nicht erholen werden.
— Wie versichert wird, fassen die Bundes- regierungen die von ihnen eingegangenen Ver- bindlichkeiten und ihre Stellung zu dem Ver- fassungs⸗Entwurfe dahin auf, daß Abänderungen ihrer Zustimmung bedürfen, aber den Entwurf nicht aufheben. Dagegen kann der Entwurf kein Bundesgesetz werden und die Bundesverfassung nicht in Kraft treten, so lange die Zustimmung des Parlaments und der Einzelkammern nicht erlangt ist.
— Die Marine-Verwaltung entwickelt auf das Neue eine große Thätigkeit, und es werden bei
politischen Wirksamkeit das Wohl des gemeinsa- dem Baue neuer Kriegsfahrzeuge die Systeme in men Vaterlandes und das unseres lieben Ober- Anwendung gebracht, welche sich bisher als die
hessens allein sein kann und wird.
Für die we- angemessensten
bewährt haben. So wird die
eine der neu gebauten Panzer⸗ Fregatten als ein Muster in ihrer Art angesehen werden können. In Nordamerika sollen ferner mehrere leichte Avisos angekauft werden.
— Aus Gumbiunen wird folgendes Wahl- curiosum gemeldet:„Unser Obrist v. Blumenthal hatte am Wahltage zuerst eine Marschübung mit den Soldaten abgehalten, nach welcher sich de wahlfähigen Soldaten zu einem Appel versammeln mußten, und zwar war ungewöhnlicher Weise jeder Wähler, ob Hautboist, Spielmann, Oekonomiearbeiter 1c., mit einer Patrontasche versehen. Darauf hielt der Obrist eine Anrede an die Wähler, die den Inhalt hatte, daß in den Patrontaschen die Patronen ihren Platz gehabt, die den äußern Feind bezwangen; jetzt sei es die ehrenvolle Aufgabe der Wähler, gegen den innern Feind zu kämpfen, und er hoffe, daß die Patrone(der Wahlzettel), die jetzt die Tasche aufnehmen werde, ebenfalls den Sieg davontrage. Die Wahlzettel wurden darauf in die Tasche gelegt und die Soldaten in das Wahllokal geführt.“ Eine Cabinetsordre vom 31. Januar bestimmt, daß Söhne von Staatsangehörigen aus allen Landestheilen, welche der preußischen Monarchie einverleibt worden, bei ihrer Aufnahme in das Cadettencorps als Inländer zu behandeln sind und daß, wenn aus diesen Landestheilen
[Söhne von solthen Offizieren, welche in preußische
Dienste übergetreten oder nach Ableistung des Eides pensionirt, oder endlich vor der Ein- verleibung des betreffenden Landestheils verstorben sind, zur Aufnahme in das Cadettencorps an- gemeldet werden, bei der Prüfung der Berechtigung verfahren werden soll, als wenn die Väter in preußischem Dienste gewesen wären.
— Die„Kreuzzeitung“ ist mit dem Gesammt⸗ resultate der Wahlen zufrieden. In gleichem Sinne äußert sich das ministerielle Organ.
— Graf Bismarck ist von Seiten des Königs zum ersten, Herr v. Savigny zum zweiten Com⸗ missarius für die Reichstagsversammlungen er⸗ nannt worden. Für die einzelnen Branchen sollen Specialcommissäre ernannt werden.
— An die Wiedererkrankung des Minister- präsidenten Grafen Bismarck knüpfen sich Gerüchte an, wornach für den Fall, daß Graf Bismarck an der Wahrnehmung der Geschäfte verhindert würde, dem General v. Manteuffel eine Rolle von Wichtigkeit zugedacht sein soll.
— Die„Provinzial-Correspondenz“ bemerkt bei Besprechung der Resultate der Parlaments- wahlen, daß letztere die Erwartungen der Regierung noch übertroffen haben. Die Regierung werde unter den Abgeordneten der alten Provinzen eine Majorität von beinahe zwei Drittel der Stimmen haben. Prinz Friedrich Karl habe die auf ihn in einem ostpreußischen Kreise gefallene Wahl an— genommen. In der Wahl des Frhrn. v. Roth⸗ schild sieht das ministerielle Blatt ein Zeugniß der entgegenkommenden Haltung der Bevölkerung Frankfurts.
Schleswig. Eine größere Anzahl Prediger aus Dänemark, welche bisher ihre Aemter un- gestört fortgeführt haben, wollen es nicht mit ihrem bisherigen Auftreten vereinbar finden, dem Könige Wilhelm den Eid der Treue zu leisten und deßhalb gewillt sein, ihre Aemter nieder- zulegen. Der Pastor in Hoist ist wegen seiner Erklärung, daß es ihm unmöglich sei, die kürzlich


