Ausgabe 
21.11.1867
 
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sondern die Selbstbestimmung und Autonomie der deutschen Einzelstaaten, Provinzen und Gemeinden in allen Angelegenheiten, deren Leitung nicht im Interesse des-Gesammt-Vaterlandes ausschließlich der Bundesgewait zu überlassen ist.

Bayern Würzburg. Der Schauspieler Wiesner vom hiesigen Stadttheater hatte sich in der Vorstellung am 4. November als Darsteller der Titelrolle inEiner von unsere Leut' in der Antwort auf desSchlossermeisters Frühauf Vorwurf:Bei den Juden sei jedoch alles Schwindel eine Anspielung auf die Lösung des Verlöbnisses des Königs erlaubt. Das im Theater anwesende Publikum gab sein Mißfallen durch laute Aeußerungen kund; die Sache scheint nun aber noch weitere üble Folgen nach sich zu ziehen, denn Herr Wiesner wurde in Folge einer Anklage auf Majestätsbeleidigung am 15. ds., Abends, verhaftet.

Baden. Freiburg. Der Gemeinderath und der katholische Ortsschulrath veröffentlichen die die Aufhebung des weibl. Erziehungs-Instituts Adelhausen betreffende großh. Bekanntmachung mit dem Anfügen,daß sämmtliche bisherige Lehrfrauen der Anstalt sich bereit erklärt haben, den Unterricht an der neuen Schule wie seither fortzusetzen und daher derselbe ohne Unterbrechung ganz in der bisherigen Weise seinen Fortgang haben werde.

Oesterreich. Wien. Die Adresse der hiesigen Bewohnerschaft gegen das Concordat zählt bis jetzt schon 10,000 Unterschriften.

Die Adresse, welche die Studenten Behufs Aufhebung des Concordats an das Ab geordnetenhaus richteten, cireulirt gegenwärtig zur Unterschrift und wird dem Abgeordneten Dr. Mühlfeld überreicht werden.

Fast sämmtliche Blätter legen die Thron rede des Kaisers Napoleon in friedlichem Sinne aus.

Ein Telegramm derSüddeutschen Presse aus Wien berichtet: Der Papst erklärte auf die Einladung zur Conferenz, die Kirche könne über die Sicherstellung ihres Rechtes discutiren, nicht aber dieses Recht in Frage stellen lassen.

Frankreich. Paris. Der bei Eröffnung der Kammern am 18. ds. gehaltenen Rede des Kaisers Napoleon entnehmen wir folgende Stellen: Seit Sie sich getrennt, haben sich vage Beunruhigungen einge stellt, um die öffentliche Meinung Europas anzugreifen und überall die Bewegung des Gewerbefleißes und des Handelsverkehrs zu beeinträchtigen Trotz der Erklärungen meiner Regierung, die nie von ihrer friedlichen Haltung abg wichen ist, hat man den Glauben verbreitet, daß jede Aenderung in der inneren Einrichtung Deutschlands eine Ursache zu Streit sein müsse. Dieser Zustand der Un⸗ gewißheit darf nicht mehr länger dauern. Die Veränderungen, die sich auf der anderen Rhein⸗ seite vollzogen haben, müssen freimüthig hingenommen und es muß verkündet werden, daß, so lange unsere Interessen und unsere Würde nicht bedroht sind, wir uns nicht in die Umwandlungen ein- mischen werden, die sich nach dem Wunsche der Bevölkerungen dort vollziehen werden. Die Beun⸗ ruhigungen, welche zu Tage getreten sinv, lassen sich schwer erklären in einem Zeitraume, wo Frankreich der Welt das imposanteste Schauspiel der Versöhnung und des Friedens dargeboten hat. Die Weltausstellung, wo sich fast alle Souveräne Europas eingefunden haben und wo sich die Ver⸗ treter der arbeitenden Classen aller Länder begegnet haben, hat die Bande der Brüderlichkeit zwischen den Nationen wieder auf's Neue verschlungen. Sie ist verschwunden, aber ihr Eindruck wird sich tief in unser Zeitalter einprägen. Fesseln der Arbeit und der Intelligenz, Schranken zwischen den verschiedenen Völkern wie zwischen verschiedenen Classen, internationale Gehässigkeiten, das ist es, was sie hinter sich geworfen hat. Diese unleug⸗ baren Pfänder der Eintracht können uns aber nicht davon entbinden, die militärischen Einrich tungen Frankreichs zu verbessern. Es ist eine gebieterische Pflicht für die Regierungen, unab hängig von den zufälligen Umständen, den Fort schritt auf allen Gebieten zu verfolgen, welche die

Kraft des Landes ausmachen, und es ist für

uns eine Nothwendigkeit, unsere militärische Or ganisation, wie unsere Waffen und unsere Marine zu vervollkommnen. Der Friede, den wir Alle erhalten wollen, ist einen Augenblick gefährdet erschienen. Die am hellen Tage vorbereiteten revolutionären Bewegungen bedrohten die päpst lichen Staaten. Da die Convention vom 15 September nicht ausgeführt worden war, habe ich von Neuem unsere Truppen nach Rom schicken und die Macht des h. Stuhles beschützen müssen, dadurch, daß ich die Eindringlinge zurückwarf. Unsere Haltung konnte nichts Feindseliges gegen die Einheit und die Unabhängigkeit Italiens haben und diese Nation, einen Augenblick über rascht, hat nicht gezögert, die Gefahren zu ver⸗ stehen, welche diese revolutionären Manifestationen dem monarchischen Prinzip und der europäischen Ordnung bereiteten. Die Ruhe ist heute in den päpstlichen Staaten fast vollständig wiederhergestellt und wir können auf den nahen Zeitpunkt der Rückkehr unserer Truppen in die Heimath rechnen. Für uns besteht die Convention vom 15. Sept., insofern sie nicht durch einen neuen internationalen Akt ersetzt ist. Die Beziehungen Italiens zu dem heiligen Stuhle interessiren ganz Europa und wir haben den Mächten vorgeschlagen, diese Beziehungen in einer Conferenz zu regeln und so neuen Com plikationen vorzubeugen. Man hat die orientalische Frage in den Vordergrund gebracht; der versöhn liche Geist der Mächte benimmt jedoch derselben jeden beunruhigenden Charakter. Wenn auch zwischen ihnen einige Abweichungen über das Mittel, die Pacification Kretas, bestanden haben, so schätze ich mich glücklich, constatiren zu können, daß sie Alle in zwei Hauptpunkten übereinstimmen: die Erhaltung der Integrität des ottomanischen Reiches und die Verbesserung des Losses der Christen. Die auswärtige Politik erlaubt uns demnach, alle unsere Sorgfalt den Verbesserungen im Innern zu widmen. Der Kaiser will, sagt er weiter, daß das seit fünfzehn Jahren be gonnene Werk fortgesetzt werde, dadurch, daß die Fundamentalgesetze außer dem Bereiche feindlicher Beurtheilungen und Leidenschaften gehalten, aber die freisinnigen Institutionen entwickelt werden, ohne die Grundsätze der Autorität zu schwächen. Der Kaiser schließt, daß er auf die Unterstützung der Kammern rechne, und sagt, daß er die Gewalt, die ihm anvertraut sei, hoch und fest aufrecht erhalten werde; denn ungerechte Hindernisse und Widerstand würden weder seinen Muth noch seinen Glauben an die Zukunft erschüttern.

Es erscheint sehr zweifelhaft, ob die von Napoleon vorgeschlagene europäische Conferenz zu Stande kommt. England hat geradezu abgelehnt. Preußen will erst die Dispositionen des Papstes und Italiens, sowie die Grundlage der Berathung überhaupt kennen, bevor es der Einladung Folge leistet und Italien macht seine Theilnahme von Bedingungen abhängig, auf die sich Napoleon kaum einlassen dürfte. Es verlangt nämlich vor allem die Räumung Roms durch die Franzosen.

Wie es scheint, nimmt das aufrührerische Geschrei in den Straßen von Paris zu und kommt mehr und mehr in Mode. Dieser Tage wurden wieder drei Individuen nach Mazas gebracht, die an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Stunden wegen dieses Vergehens in Paris festgenommen worden waren. Die Personen, welche Anfangs voriger Woche verhaftet wurden, befinden sich noch immer in geheimer Haft in Mazas. Wie man aus guter Quelle vernimmt, haben die auf rührerischen Proklamationen, welche man vor un⸗ gefähr acht Tagen in Paris verbreitete, diese Maß regeln hervorgerufen. Diese Proklamationen, drei von verschiedenem Inhalte, forderten nämlich das französische Volk auf, endlich die Herrschaft des Mannes abzuschütteln, der ihm seine Freiheiten genommen, seinen Namen im Auslande dem Gelächter Preis gegeben, es ohne Unterlaß mit Schmach und Schande bedeckt und durch die römische Expedition das Maß voll gemacht habe.

DerMoniteur sagt in seinem Bulletin, in dem er den Inhalt der Thronrede des Königs von Preußen zusammenfaßt, der König habe in Beziehung auf die auswäxtige Politik bestätigt,

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wie sehr seine Zusammenkünfte mit den Souveränen in Einklang gewesen seien mit dem freundlichen Charakter der Beziehungen, welche seine Regierung mit diesen Mächten unterhalte. Bezüglich auf den Paragraphen über Italien sagt der Moniteur, der König, indem er den Interessen seiner kath. Unterthanen genugthun wolle, so wie den Pflichten, welche aus den politischen Interessen und inter⸗ nationalen Beziehungen von Deutschland hervor gehen, sehe in der Lösung des seiner Regierung vor liegenden Problems keine Gefahr für den Frieden.

Großbritannien. Schlimmer, als man gefürchtet hatte, schreiben Londoner Blätter, ist die Kunde von einem großen Grubenunfall in der Grube Fernsdale in Süd-Wales zur Wahrheit geworden. Dorf und Grube gleichen Namens liegen mehrere Meilen von der nächsten Eisenbahn station, so daß die Nachrichten von der schrecklichen Katastrophe nur spät und unregelmäßig eintrafen. Freitag kurz nach 1 Uhr Mittags erschütterte plötzlich eine furchtbare Explosion weit umher die Erde, und fast augenblicklich schlugen Flammen und dicke Rauchwolken aus dem Schacht hervor. Das Entsetzen in dem Arbeiterdorfe, das wie die Grube, erst jungen Datums ist und 800 Ein- wohner zählt, war grenzenlos; Boten wurden allenthalben umhergesendet, Hilfe traf bald ein, und man drang in die Grube. Was man dort vorfand, waren, mit vereinzelten Ausnahmen, Leichname. Die sehr schwankenden Angaben über den Umfang des Unglücks bringen als niedrigste Ziffer 170 Todte, während von anderer Seite über 400 gemeldet werden. Bis Montag Abends hatte man aus der nur mit Gefahr zugänglichen und stellenweise verschütteten Grube 62 Leichen heraufgeholt. Die direkte Veranlassung der Ex⸗ ploston ist noch nicht ermittelt.

Dem Vernehmen nach constatirt die eng lische Thronrede, daß die Beziehungen zum Ausland die befriedigendsten seien. Sie drückt die Hoffnung, auf friedlichen Ausgleich der rö⸗ mischen Frage aus, bezeichnet die abyssinische Ex⸗ pedition als eine Nothwendigkeit und erwähnt die Fenierumtriebe. Unter den angekündigten Gesetz⸗ entwürfen wird eine Reformbill für Schottland und Irland genannt.

Italien. Ueber die in verschiedenen Jour⸗ nalen schon erwähnte Metzelei, welche päpstliche Zouaven am 30. Oct. in einer Schenke bei der Villa Cechina ausgeübt haben, bringen italienische Blätter ausführliche Berichte, denen wir Folgendes entnehmen: Von den in die Schenke eingedrun⸗ genen Zouaven wurde Pietro Mazzini, ein Schuster, seine Mutter, seine verwittwete Schwester und ihre zwei kleinen Kinder, welche dort ruhig essend und trinkend am Tische saßen, mit Bayonnet⸗ ssichen und Kolbenschlägen ermordet, eben so zwei Arbeiter, Guiseppe Farnesi, siebenzig Jahre alt, und Gregorio Campiloni, achtundzwanzig Jahre alt. Ein Schneider, Vincenzo Borgetto, und ein gewisser Eugenio hatten sich in die Wohnung des Wirthes geflüchtet und dort unter den Betten versteckt; sie wurden in ihrem Versteck mit Bayonnetstichen getödtet. Lorenzo Mariangoli, ein Ackerbauer aus der Nachbarschaft, der mit einem hölzernen Kruge und für die Familie ein⸗ gekauften Broden über die Straße kam, wurde erschossen. Der Wirth der Schenke, Ventra Biagioli, mit seiner schwangeren Frau und meh⸗ reren Kindern flüchtete in ein Nachbarhaus und entging den Verfolgern, aber zwei seiner Kinder, eins von sechs und eins von vier Jahren, welche die Zouaven auf der Treppe des Hauses fanden, wurden erstochen. In diesem Hause wären ne mehrere Mordthaten geschehen, wenn, nicht päpst liche Gensd'armen dazu gekommen wären, bie den Zouaven Einhalt thaten und die bedrohten Ein- wohner verhafteten und nach der Engelsburg ab führten; einige derselben wurden noch bei der Abführung mit Bayonnetstichen verwundet. Im Hause des Schenkwirthes und im Nachbarhause wurde geplündert, der Wein ausgetrunken und alle Möbel zerschlagen. 5

Amerika. Während des Jahres 1866 sind an amerikanische Schulen und Bildungsanstalten außerordentlich reiche Schenkungen gemacht worden.

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