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reich unter den Schutz seines Patriotismus und gegen jeden Angriff sicher gestellt.(Ja, ja! Bei- sall.) Zum Schlusse, meine Herren, sage ich Ihnen meinen aufrichtigen Dank für Ihre zuvor— kommende und liebenswürdige Gastfreundschaft zc.“ Die officiösen Journale legen der Rede und dem Toaste des Staatsministers eine hohe Bedeutung bei.
Amerika. Die Staatsschuld beträgt
gegenwärtig 2,653,000,000 Doll. und ist dem⸗
mach in Jahresfrist um 35,000,000 Dollar
tredueirt worden.
O Frankfurt, am 18. Sepibr. Den Besuchern Frankfurts, insbesondere den Theilnehmern an der heute ihre Sitzungen beginnenden Versamm e ung der Naturforscher und Aerzte, muß es in unsern Mauern eigenthümlich zu Muthe sein. Lebhaft erinnert man sich an den Festjubel, in dem in früheren Jahren bei ähnlichen Veranlassungen ganz Franlfur: einstimmie, an die beflaggten Straßen und Häuser, an die Empfangsfeierlichkeiten an den Bahnhöfen mit Ehrenpforten und Musikchören, an die in festlicher Stimmung die Straßen durchwogende Menge,— und heute! Ernst und schweigend wandelt man seinen ge wohnten Beschäftigungen nach, nirgends ein öffenllches Zeichen, daß die deutschen Vertreter der in unseren Zeiten shochwichtigen Naturwissenschaften hier zu tagen beginnen, aum daß hie und da in öffentlichen Lokalen die Rede darauf gebracht wird. Andrerseiis kündigt eine einzige sschwarzweiße Fahne auf dem Haupfpostgebäude die Ankuuft des Königs von Preußen an. Ist dies noch das alte Frankfurt mit seinen für alle höheren Interessen empfäng— lichen und opferwilligen Bewohnern, der Hort deutscher Kultur und Wissenschaft, die Perle deutscher Städie?— Ein sprechendes Zeugniß der Frankfurter Zustände ist der Dom. Verheerende Kräfte haben ihn erfaßt, haben seine geweihten Hallen durchbraust und ihn seines Schmuckes tentkl idet; den Eindruck einer Ruine aber macht er nicht Mit seinem kühn nach oben strebenden Thurm, auch in ider Zerstörung Graus noch ein redendes Bild deutscher Kraft und deutscher Innigkeit, steht er noch da, uner— sschüttert in seinen Grundfesten, einem gewaltigen Helden gleich, der geschlagen, aber nicht besiegt, ungebeugten Hauptes mit ernstem Sinnen kommenden Tagen sich zu— wendet und von neuen Thaten und neuer künftiger Herr⸗ llichkkit räumt. Auch Frankfurt wird, wenn auch unter weränderten Verhältnissen, neuem Gedeihen und neuer Blüthe entgegengehen, wenn nur der tüchtige Sinn seiner Bewohner in trotzigem Unmuthe sich nicht selbst aufgibt. — Der Einsichtige aber und Billigdenkende wird den Ernst, der sich in der Haltung Frankfurts kundgibt, der Situation nicht ganz unangemessen finden. Franksurt hat Großes verloren. Es durfte stolz sein auf seine staatliche Selbständigkeit; knüpften sich doch daran glorreiche Erin— merungen an eine lange Reihe vergangener Jahrhunderte, mund hat es die selbe steis bewährt in glücktichem Gemein⸗ rwesen zur Wohlfahrt seiner Einwohner. Darf es sich nuch der Hoffnung nicht verschließen, daß so große Opfer gebracht seien zum Heil des ganzen großen Vaterlandes mund darum schließlich auch zu eignem Wohl, so versagen wir doch auch jenem Griechenfürsten nicht unsere Theil⸗ mahme, dessen Vaterherz blutete, während er zum Besten der zu großem Unternehmen vereinigten Griechenstämme eine Tochter dem Opferaltar enigegenführte, wie der durch den Mund des Priesters ihm verkündete Wille der Götter s erheischte.
zaylen.
Frankfurt. Der Reichtagsabgeordnete M. C. v. Rolthschild hat die Verhandlungen des ersten nord— deulschen Riichstags der hiesigen Stadtbibliothek zum
Geschenk gemacht,
Frankfurt. Am 17. ds. trug sich bei Eröffnung der Jagd im Walde ein Unglücksfall zu, der den raschen Abbe uch des Jagdvergnügens und die frühe Rückkehr der meisten Schätzen zur Folge hatte. Es hatte nämlich ein biesiger Barbier das Unglück, aus Unvorsichtigkeit einen Jagdgenossen, den Gerümpler S., durch einen Schuß zu tödten. Wie wir hören, soll der Letztere eine Frau mit sechs Kindern hinterlassen.
Mainz. Die biesige Polizei soll Anhaltspunkte dafür gewonnen haben, daß der des Mords an Adam Volz in Eich verdächtige Schlossergeselle Grüll aus Gernsheim sich in hiesiger Gegend aufhalte. Er soll am Sonntage auf der Kirchweihe zu Marienborn gewesen sein und sich zur Fahrt einer hiesigen Droschke bedient haben. Möge es gelingen, auch hier die gesetzliche Sühne für ein so schauderhaftes Verbrechen bald eintrelen zu sehen.
Pforzheim. In unserer Nähe, und zwar an der im Bau begriffenen württembergischen, nach Wildbad führenden Bahnlinie, hat sich kürzlich eine That der be— klagenswerthesten Rohheit zugetragen. Ein Arbeiter Italiener, weigerte sich, ein zerbrochenes Trinkglas zu be— Der Eigenthümer, ein Menagehalter, machte darob kurzen Proceß, ergriff eine Flinte und erschoß den Armen. Der Thäter ist von der württembergischen Be— hörde eingezogen worden.
In Landau wurde dieser Tage ein Lehrer aus F. eingeliefert, welcher während der Kirchweihe in Minfeld den Opferstock beraubt hatte.
Berlin. Auf der letzten Conferenz des nord deut- schen Eisenbahn- Verbandes wurde beschlossen, die Personenwagen auf den Linien des Verbandes mit Eintritt dieses Winters heizbar zu michen, und zwar nicht nur die Wagen erster und zweiter, sondern auch die dritter und vierter Classs. Ein unmittelbar hinter der Locomotive be— find icher Wagen wird bei den Zügen alsdann speciell be— ttimmt sein, die Heizapparate aufzunehmen. Letztere liefern warmes Wasser, welches alsdann in Röhren alle Waggons des Zuges durchströmt, und so die nöthige Wärme abgibt. Innerhalb der Waggons sind die Röhren von Kupfer, während zur Verbindung der Wagen untereinander Röhren von Gummi dienen. Durch die an den Kupferröhren an— gebrachten Ventile wird es möglich sein, die Wärme im Innern der Waggons nach Wunsch zu erhöhen oder zu vermindern. Gleichzeitig wird, dieß indeß versuchsweise, die Einrichtung getroffen werden, daß die Personenzüge des norddeutschen Verbandes eine Restauration und Closets mitführen.
Ueber die Hopfenernte lauten die Berichte aus Nürnberg außerordentlich günstig, sie wird als die be— deutenoste und reichste bezeichnet, seitdem der Hopfenbau Eingang gefunden. Der Geschäftsverkehr auf dem dortigen Hopfenmarkt übertrifft deßhalb auch bei Weitem den aller früheren Jahre, es waren an einem Tage 1500— 2000 Ballen aufgefahren. Diese Preise stellen sich für guten Markthopfen auf 60—64 fl. Gebirgshopfen 66 fl., Halle⸗ tauer 60—65 fl., Schwetzinger 45—64 fl.—(Das wären ja herrliche Aussichten für durstige Bierkehlen,— wo nicht trotzdem Hopfen und Malz verloren ist bei dem Brauer. Der Setzer.)
e Ein Gemeindewahl-Erlaß. Der Vorstand einer deuischen Gemeinde in Mähren erließ unlängst eine Kundmachung, welche wörtlich lautet:„Kundmachung. Es wird überall bekannt gemacht, daß 3 Jahre vorbei
sind. Es wird quält am Sonntag im Gasthaus des N. N., welcher auch bei der Wahl ist. Die Gemeinde— Vortrettung die neue wird gewählet mit Stimmenmehrheit, wo jeder Mann wäblen kann, wenn er will, aber solches von jeden Wahl Körper in Gemeinde. Daß es jeder ver⸗ steht, wird jedem jetzt gesagt, nicht mit Stimmzetteln, sondern mundig, und so viel als er braucht. Weil aber das Gesetz sagt, so werden die, welche zu die Ausschüssen gewählt worden sind, an der Gemeinde Dafel durch ganze 8 Tage aufgehängt, und wann wer was einzuwenden hat, der sollte es zum Gemeindevorsteher vor⸗ bringen, wo sie denn zu der Statthalterei gehen muß. Anfang um 8 Uhr. Ende um 6 Uhr.“
4 Eisenbahnunglück. Zwischen Liverpool und Birmingham ereignete sich dieser Tage eine Kette ver⸗ schiedener Unfälle, wie wohl selten Aehnliches vorkommt. Eln Viehzug fuhr in den Peak-Forest-Tunnel hinein und stürzte gegen einen dort haltenden Zug, wobei mehrere daselbst beschäftigte Arbeiter zu Schaden kamen und ein kleines Mädchen, das seinen Vater besuchte, den Tod fand. Die beiden Locomotiven des aus 25 Waggons mit Horn⸗ vieh und Schafen, im Ganzen an 1000 Stück, bestehenden Zuges wurden schwer beschädigt von den Schienen ge— worfen und die Viehwagen nebst einem Waggon dritter Klasse, worin die Besitzer und Treiber des Viehes, sowie ein Schaffner, in Allem 9 Personen, waren, rissen sich los und rollten durch die Gewalt des Rückstoßes erst lang⸗ sam und dann immer schneller auf der geneigten Ebene zurück. Die beschleunigte Geschwindigkeit bewog den Schaffner und drei der übrigen Leute, aus dem Waggon zu springen. Ueber ihr Schicksal liegen noch keine Nach⸗ richten vor. Mit den übrigen Wagen rollte der Zug ohne Leitung in einen anderen Zug, dessen Locomotioführer herabspringen wollte, aber an einem der Viehwagen hängen blieb und noch einige Schritte weit fortgeschleppt wurde, wo man ihn später unter den Trümmern bewußtlos, aber äußerlich wenigstens, nicht bedeutend verletzt, fand. Die Viehwaggons brachen, mit Ausnahme von neun, sämmt⸗ lich in Trümmer; die fünf Personen wurden schrecklich zugerichtet. Einer derselben nur, dem der Fuß weggerissen wurde, dürfte mit dem Leben davonkommen; 50 bis 60 Schafe lagen todt oder verendend auf den Schienen und der ganze Schauplatz war ein kolossaler Trümmerhaufen.
„ Schweizer Blätter melden, daß durch das Steigen des Käsepreises die Schweiz dieses Jahr aus dem Artikel 2 Millionen Franken mehr löͤst, als letztes Jahr.
Telegraphischer Bericht. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.-Agent. Das Hamburger Postdampfschiff„Cimbria“, Capt. Trautmann, welches am 31. August von Hamburg direct abging, ist nach einer sehr schnellen und glücklichen Reise
von 11 Tagen 1 Stunde wohlbehalten in New- York angekommen. Das Bremer Postdampfschiff„Deutschland“, Capt.
Wessels, welches am 31. August von Bremen abging, ist nach einer glücklichen Reise von 12 Tagen wohlbehalten in New⸗York angekommen.
Verloosungen. Mailand, 16. Sept. Bei der heute stattgefundenen Zichung der Mailänder 10 Frs. Loose sind folgende 5 Serien gezogen worden: 562, 1245, 1970, 3023 und 5377, und fielen die Gewinne von 30,000 Fr. auf Serie
3023 Nr. 24, 1000 Fr. auf Serie 5377 Nr. 40 und 500 Fr. auf Serie 3023 Nr. 5.
dar.
Um uns herum breitete sich ein Ocean zusammengeballter, von der
Wir überflogen
den Main oberhalb Kesselstadt; ein plötzliches
Sonne röthlich⸗gelb beleuchteter Nebelmassen aus,— wie Traumgebilde kiner fremden, nie geahnten Welt! Hingerissen, bezaubert von dem herr— lichen Anblick, merkte ich kaum, wie wir immer höher stiegen durch den Haren Aether, dem tiefblauen Horizont über uns entgegen. Bald erschien uus auch diese Wolkenlage concav, darüber als Wölbung eine zweite, höhere silberhelle Schichte leichterer Wolken, hier und da durch Lücken die Erde sichtbar, die bereits im tiesen Schatten lag, während für unseren Ballon noch die Sonne ihre letzten röthlichen Strahlen spendete und ihn vergoldete!
Jetzt, etwa 25 Minuten nach unserer Abfahrt, hatte unser Koloß die höchste Höhe erreicht, die ihm die Herren Berg geben wollten. Einige zerrissene Nebelmassen, die uns von östlicher Richtung entgegenkamen, doch höher über uns, zeigten uns an, daß wir im Begriffe waren, in eine entgegengesetzte Luftströmung zu kommen.
In dieser Höhe fing das Gas zu expandiren an, was sich durch ein Geräusch des Seidenstoffes, der sich in seinem Netz Platz zu machen uchte, andeutete. Sei es, daß diese Ausdehnung des Gases seinen Grund in der dünnen Luft hatte(wir waren 6000 Fuß hoch), sei es, daß die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf den Seidenstoff erwärmend wirkten; genug,— es schien, schon wegen der einbrechenden Dunkelheit, Zerathen, niederzusteigen.
Die Leine des Ventils wurde angezogen; ein Geräusch des ent— weichenden Gases, nur in dieser lautlosen Stille hörbar, zeigte uns an, daß die Reise nach abwärts gehe. Ebenso wie beim Aufsteigen, waren es beim Niederfallen die Papierstreifen, die uns die Geschwindigkeit des Fallens andeuteten. Noch ein Ruck an der Leine und die Papierstreifen chossen pfeilschnell nach oben. Ein eigenthümliches Gefühl, etwa, wie wenn man träumt, daß man fällt, ein Druck auf das Gehirn, belehrten uns, daß wir uns der Erde rapid nähern.
Drehen des Ballons um seine Axe deutete uns an, daß wir wieder von einer anderen Strömung erfaßt wurden, die uns über Hanau hinaus trug. Wieder drang Geräusch, der Jubel der überall herbeieilenden Menge, der Pfiff der Locomotiven, das Gerassel des Zuges auf den Schienen, an unser Ohr; wieder unterschieden wir die Gegenstände deutlicher, sahen die Menschen auf den Straßen und Plätzen von Hanau so groß, wie Mohn⸗ körner. Nach und nach schienen uns die Häuser entgegenzukommen; die Streifen Felder, die einen grün, die anderen hellbraun, wurden zusehends breiter.
Noch immer fiel der Ballon mit rasender Geschwindigkeit. Jetzt waren wir noch einige hundert Fuß hoch. Um den Fall zu mildern, wurde wieder Ballast ausgeworfen; nun ging es sanfter abwärts.
Ohngefähr 50 Fuß über der Erde angelangt, wurden die Anker ausgeworfen. Wir reisten mit der Schnelligkeit eines Eisenbahnzuges über die Felder hinweg, die Anker schleiften nach und rissen die Kartoffelstauden mit sich fort, bis sie endlich an einem Streifen Rasen etwas festeren Anhaltspunkt fanden. Nun galt es, sich an der Gondel festzuhalten. Ein starker Ruck,— der Ballon neigte sich, die Gondel prallte auf und stieg, emporgeschnellt, im Moment wieder bis zur Haushöhe; ein zweiter ge— linderer Anprall,— und, nachdem das Ventil ganz geöffnet war, wurde das Niedersteigen bewerkstelligt. Herbeieilende Leute hielten die Ankertaue fest, nachdem sie eine ziemliche Strecke fortgeschleppt wurden, und brachten den Ballon zum Stehen. Bald waren eine Masse Hanauer Einwohner herbeigeströmt, um das Wunderthier in der Näbe zu besehen.
Nachdem man während zwei Stunden das Gas hatte ausströmen lassen, wurde schließlich der Ballon sammt Netz zusammengepackt, mit der Gondel auf einen großen Leiterwagen geladen und nach Frankfurt im Triumph zurückgebracht.


