Ausgabe 
21.3.1867
 
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Mainz. Am 15. d. trafen einige großher⸗ zoglich badische Militärs dahier ein zur Empfang; nahme der 6000 Stück Zündnadelgewehre, welche Preußen leihweise an Baden überläßt, um die badischen Truppen einstweilen einzuüben und mit der Waffe vertraut zu machen, bis die badischen Hinterladungsgewehre fertig sind, mit welchen die Armeedivision bewaffnet werden soll.

Preußen. Berlin. Die neuesten Be⸗ richte von Berlin bringen einen wahren Platzregen von Amendements zu dem Verfassungs-Ent⸗ wurf des norddeutschen Bundes, denn den bereits mitgetheilten Amendements zu dem Verfassungs⸗ Entwurf des norddeutschen Bundes ist nunmehr noch eine erkleckliche Anzahl Anträge von Seiten der national⸗ liberalen Fraction und der Linken gefolgt, wodurch die Special⸗Discussion des Ent wurfs an Interesse und Gründlichkeit, aber auch an Ausdehnung gewinnen wird. Es wird sich schon in den ersten Sitzungen zeigen, inwiefern man bezüglich dieser Anträge auf Berücksichtigung wird hoffen dürfen.

18. März.

Reichstag. Die heutige

Sitzung wurde vom Präsidenten Simson mit eini⸗

gen geschäftlichen Angelegenheiten eröffnet. Das Haus, bemerkt der Präsident, werde wohl den Wunsch hegen, dem Könige von Preußen zu sei⸗ nem am 22. d. wiederkehrenden Geburtstage seine Glückwünsche darzubringen: er schlage vor, die drei Präsidenten des Reichstags mit der Abstat⸗ tung dieses Glückwunsches zu beauftragen. Der Reichstag erklärte sich hiermit einverstanden. Das Haus tritt sodann in die Tagesordnung ein. In der nun folgenden Debatte über das Bundesgebiet wies Graf Bismarck die von den Polen und den Nordschleswigern eingebrachten Proteste zurück und erklärte bezüglich Nordschleswigs, nur Oesterreich habe ein Recht, vertragsmäßig die Abstimmung in Nordschleswig zu verlangen. Die Grenzlinie werde nur nach dem Interesse Preußens gezogen werden und der abzutretende Theil werde jeden falls kleiner sein, als man in Kopenhagen denke. Betreffs Luxemburgs bemerkte Graf Bismarck: Preußen verlange nicht den Eintritt Luxemburgs in den norddeutschen Bund; alle Mittheilungen der Zeitungen hierüber seien bodenlose Erfindun⸗ gen. Auf eine Bemerkung des Herrn v. Carlo⸗ witz über eine eventuelle Verbindung Süddeutsch⸗ lands mit Frankreich erklärte Graf Bismarck: Die Beziehungen zwischen Nord⸗ und Süddeutschland seien vertragsmäßig verbürgt. Bei der Abstim⸗ mung wurde der Artikel in der Fassung des Ent⸗ wurfs angenommen, die Amendements des Herrn v. Carlowitz, betreffend das Cessionsrecht und das Gesandtschaftsrecht der Bundesfürsten, sowie alle anderen Amendements und Anträge aber verwor⸗ fen. Der Großherzogl. Hess. Bundescommissär Hoffmann hatte während der Debatte Veran⸗ lassung genommen, das Wort zu ergreifen und zu erklären: Er freue sich, daß ein Abgeordneter aus Oberhessen(Frhr. v. Rabenau) schon in der neu⸗ lichen Debatte den Standpunkt von Hessen richtig und klar dargestellt habe; das ganze Großherzog⸗ thum Hessen werde in dem Verhältniß, in welchem es jetzt zu dem Norddeutschen Bunde stehe, nicht lange mehr so bleiben. Der Main werde bald überbrückt werden, und auch die übrigen Provin⸗ zen dem norddeutschen Bunde zuführen. Bedenk⸗ lich sei der Beitritt von Kostheim und Castel, so lange das jetzige Verhältniß daure, da dort das französische Recht Geltung habe. Darauf beziehe sich die Bemerkung im Schlußprotokoll vom 7. Februar.

DerStaatsanzeiger veröffentlicht die Bündniß Verträge zwischen Preußen und Bayern vom 22. August und zwischen Preußen und Baden vom 17. August 1866. Dieselben sind identische Schutz⸗ und Trutzbündnisse, sie ga⸗ rantiren gegenseitige Gebiets⸗Integrität und ver⸗ pflichten, im Kriegsfalle die ganze Kriegsmacht einander gegenseitig zur Verfügung zu stellen, wo⸗ bei Bayern und Baden den Oberbefehl über ihre Truppen dem Könige von Preußen übertragen.

Die Verträge, deren Ratification stattgefunden,

sollten vorerst geheim bleiben.

Köln. Die Cholera ist so sehr in der Ab- nahme begriffen, daß in der vorigen Woche an

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4 Tagen kein Cholerasterbfall vorkam; an den übrigen Tagen starben nur 3 oder 4, wogegen in Elberfeld an einem Tage 4 der Epidemie er lagen.

Flensburg. Die Polizei fahndet nach einer Adresse, welche an König Christian IX. ge richtet sein soll(nach denFlensb. Nachr. an den Kaiser von Frankreich) um ihn zu veranlassen, die Abstimmungsfrage auf diplomatischem Wege anzuregen und einer baldigen Lösung entgegenzu führen. Diese Adresse ist hier noch nicht vorge funden; übrigens sind bei einzelnen Personen mehrere Papiere und Schriften mit Beschlag belegt worden.

Frankfurt. Das Ministerium des Kriegs und des Innern hat in Bezug auf die Militär pflichtigen der Stadt Frankfurt zwei sehr wichtige Bestimmungen getroffen. Erstens soll über die Reclamationen solcher Militärpflichtigen aus dem Gebiete unserer Stadt, welche sich bereits vor der hier erfolgten Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Auslande in gesicherten Lebens stellungen befunden haben, gleich im ersten Con currenzjahre definitiv entschieden werden. Zweitens sollen die Reclamanten, welche sich zur Zeit der Musterung in fernen Welttheilen befinden, von der persönlichen Stellung vor den Ersatzbehörden, sofern die bezüg lichen Verhältnisse in glaubwür diger Weise bescheinigt sind, gänzlich entbunden werden. f

Das Königl. Cabinetsschreiben vom 11. d., welches die Antwort auf die Mitte v. M. durch eine Deputation eingereichte Immediateingabe der ständigen Bürgerrepräsentation bezüglich der Con tributionsangelegenheit enthält, bemerkt u. A., daß wenngleich die Auferlegung der Contribution ge genüber der Stadt Frankfurt a. M. nach den Grundsätzen des Kriegs- und Völkec-Rechts voll⸗ kommen gerechtfertigt war, es doch in des Königs landes väterlichen Intentionen nicht liegen könne, den Wohlstand einer Deutschen und nunmehr auch Preußischen Stadt zu gefährden. Zur Aufklärung der Umstände, unter denen eine solche Gefährdung in Betracht kommen könnte, soll die Trennung der städtischen Einnahme-Quellen ꝛc., von denen des Staats auf alle Weise beschleunigt werden. Sollte die Entscheidung dafür ausfallen, daß die Ge sammtheit oder ein Theil des Contributions-Be⸗ trages der Stadt⸗Gemeinde zur Last fällt, so wird der König darauf bedacht sein, daß die Stadt Frankfurt nicht über das Maaß hinaus belastet werde, welches mit der fortschreitenden Entwicke lung ihres Wohlstandes verträglich ist, der ihm bei einer geschichtlich und volkswirthschaftlich so hervorragenden Stadt wie Frankfurt besonders am Herzen liege.

Nach einer Mittheilung derKreuzzeitung steht die definitive Feststeluung der Stadtver⸗ fassung von Frankfurt unmittelbar bevor. Wie ein anderes Berliner Blatt berichtet, ist die Frage über die projectirte Verlegung des Sitzes der Postdirection von Frankfurt nach Wies⸗ baden zu Gunsten der Stadt Frankfurt entschie⸗ den worden.

Baden. Heidelberg. Die Universität Heidelberg hat einen schweren Verlust zu beklagen; am 17. d. starb eine ihrer Zierden, Geh. Rath Häusser, Professor der Geschichte. Er war geboren 1818, studirte am Lyceum zu Mannheim und an der Universität zu Heidelberg, wo er seit dem Jahre 1840 als Lehrer der Geschichte wirkte. Ein Herzleiden hatte ihn schon längere Zeit an das Zimmer gefesselt und hat jetzt seinem Leben rasch ein Ziel gesetzt.

Oesterreich. Von Oesterreich ist eine Auf⸗ hebung des Münzvertrags vom 24. Januar 1857 beantragt worden, der von demselben nie vollständig eingehalten werden konnte, was das Verhältniß des Staatspapiergeldes zur Münzprä⸗ gung anlangt. Der Vertrag soll mit dem 31. Dezember d. J. erlöschen.

Schweiz. In der naturforschenden Gesell⸗ schaft in Chur hielt Herr Dr. Kilias über den im letzten Januar fast im ganzen Canton Grau- bündten gefallenen sogenannten rothen Schnee

einen interessanten Vortrag, welcher den Zweck

hatte, zu zeigen, daß derselbe weder von der Vesuvasche noch von den Passatwinden herrühre, sondern durch den Föhn herbeigeführter afrikani⸗ scher Wüstensand sei.

K. Melbach, 18. März. Anz verflossenen Samstag

hielt Herr Dr. Henkelmann von Friedberg mit seinen Ackerbauschülern hier ein sog. landwirthschaftliches

Kränzchen ab, das sowohl von den Melbacher Ein wohnern, als auch von Freunden der Landwiethschaft aus der Nähe recht zahlreich besucht war. bauschüler den Zweck solcher landwirthschaftlichen Kränzchen mit einigen Worten dargethan, ging man zur Berathung

der gestellten Fragen, welche ein Zögling der Anstalt

immer mit einem kleinen Vortrage einleitete, über; es wurden da die Meinungen und Erfahrungen der Land wirthe ausgetauscht und fand diese Besprechung den all⸗ gemeinsten Anklang. Herr Ur. Henkelmann hat ver⸗ sprochen im Laufe dieses Jahres Melbach nochmals wit seinem Besuche zu beehren, wo er als bestellter Wander- lehrer die geeigneten Vorträge halten wird.

r Södel. Die Ackerbau-Schüler des Herrn Dr. Henkelmann hielten am 16. März, Nachmittags von 3 6, im Saal des Gastwirths Philippi zu Melbach ihr landwärthschaftliches Kränzchen. Herr Dr.

Henkelmann hatte hierzu freundlich eingeladen, und, wie

nicht anders zu erwarten, war denn auch die Betheiligung eine zahlreiche. Den Verhandlungen über wichtige in die Landwirthschaft tief eingreifende Gegenstände folgten alle Anwesende mit gespannter Aufmerksamkeit. Waren diese an sich schon geeignet, das Interesse in Anspruch zu neh⸗ men, so wurde das noch erhöht durch die zur Besprechung aufgestellten, und von mehreren Schülern mit Sicherheit und Gewandtheit beantworteten Fragen, insbesondere aber, durch die auf Erfahrung und Wissenschaft gegründeten, klaren, gründlichen, umfassenden und interessanten Mit⸗ theilungen des Herrn Dr. Henkelmann. Wir sind fest überzeugt, daß durch die landwirthschaftlichen Kränzchen der rationelle Betrieb der Landwirthschaft ungemein ge⸗ fördert wird, und empfehlen sie zur Betheiligung auf's augelegentlichste. Der Dank, welchen Herr Bürger⸗ meister Keil Herrn Dr. Henkelmann am Schlusse der Verhandlungen aussprach, war allen Anwesenden aus der Seele gesprochen.)

*) Wir glaubten beide Berichte über das landwirth⸗ schaftliche Kränzchen zu Melbach zum Abdruck bringen zu sollen, um dadurch einestheils zu zeigen, mit welchem re⸗ gen Interesse sich der intelligentere und strebsamere Theil unserer welterauer Landwirthe an diesen Versammlungen betheiligt und wie sehr er den Werth und Nutzen derselben erkannt hat. Anderntheils wollten wir der einflußreichen Wirksamkeit des Herrn Dr. Henkelmann für Verbesserung der landwirthschaftlichen Zustände unserer Wetterau im Allgemeinen und der umsichtigen und ersolgreichen Leitung seiner Anstalt, welche in den erfreulichsten Leistungen und einem lobenswerthen Eifer seiner Zöglinge sich zu erkennen gibt, und deßhalb auch zugleich diesen jungen Herren die verdiente Anerkennung zu Theil werden lassen. Beide Artikel stehen sich in diesen Beziehungen ergänzend zur Seite. Die Red.

Lorsch. Der Segen des Himmels hat einen hiesigen Küfermeister abermals beglückt, indem seine Frau(er lebt in dritter Ehe) ihm das sechsundzwanzigste Kind be⸗

scheerte. Von diesen 26 Kindern sind jedoch 17 mit Tod

abgegangen, und hat also dieser Familienvater, die beiden Ehefrauen mitgerechnet, neunzehn Angehörige auf dem Friedhofe liegen. g

Kassel. Vor einigen Tagen platzte in der bei hiesiger Stadt gelegenen Papierfabrik ein Dampf⸗Cylinder; der über 6000 Pfund schwere Körper wurde von der Gewalt fortgeschleudert und eine

Nachdem ein Acker-

massive Wand zertrümmert.

Wunderbarerweise war Niemand bei der Katastrophe auch

nur im mindesten verletzt.

Hannover. Ein Verein zur Förderung der Erwerbs⸗ fähigkeit des weiblichen Geschlechts wurde dahler von einer größeren Anzahl Damen und Herren gegründet, nachdem

der von einem Seitens der Direktion des Gewerbvereins,

niedergesetzten Comite vorgelegte Statutenentwurf sehr gründlich berathen, jedoch mit nur wenigen Aenderungen angenommen war. Der Verein will seine Thäligkeit zu⸗ nächst auf die Stadt Hannover und deren nächste Um⸗ gebung beschränken; die Mitgliedschaft wird durch Zahlung eines jährlichen Beitrags von mindestens 20 Groschen, oder eines einmaligen Beitrags von 10 Thlr. erworben. Aus Bern wird geschrieben:Auch das Berner Oberland hat jetzt seinen Felsberg. Am 27. Februar, Morgens um 5 Ühr, löste sich von der sog. Krachenfluh bei Iseltwald eine große Felsmasse ab und stürzte unter fürchterlichem Gepolter, Alles vor sich niederwerfend, durch den darunter liegenden Buchenwald hindurch, dem Dörflein Eis zu. Einzelne Steinblöcke von 5 bis 6000 Cubikfuß

kamen den höchst gelegenen Häusern des Dörschens bis 0

auf 200 Fuß nahe. Der verursachte Schaden ist sehr groß. Es sind mindestens bis 600 Klafter Holz zu Grunde ge⸗ richtet und 20 Jucharien Waldboden von der Steinmasse begraben und fuͤr immer zur Cultur unfähig gemacht.

Verloosungen. Mailand, 16. März. Bei der heutigen Serien⸗

ziehung der Stadt Mailänder Fres. 10 Lodse von 1866 wurden folgende Serien à 100 Stück Loose gezogen: Serie 3514, 4326, 4470, 6677, 7495 und fielen bei der alsbald vorgenommenen Gewinnziehung auf folgende Nummern die beigesetzten Prämien. Serie 6677 Nr. 12 50,000 Fr., Serie 3514 Nr. 25 1000 Fr., Serie 6677 Nr. 18 500 Fr.

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