worden. Die absolute Majorität betrug 6600 Stimmen; 3600 fielen auf den k. Obertribunal- rath Frech in Berlin.
Preußen. Berlin. Auf Antrag Preußens haben die Bevollmächtigten der zum norddeutschen Bunde gebörigen Regierungen die in den§§. 14 und 25 des Verfassungs⸗Entwurfs bezeichneten, dem Präsidium sowohl wie dem Bundesrathe eingeräumten Befugnisse, so weit sich dieselben auf den Reichstag beziehen, der Krone Preußen übertragen, und ermächtigen dieselbe dem Reichstage den Verfassungs-Entwurf, über den die verbündeten Regierungen sich geeinigt haben werden, vor— zulegen und für dessen Vertretung dem Reichstage gegenüber die nöthige Vorsorge zu treffen. Die erwähnten§§. heißen: F. 14.„Dem Präsidium steht es zu, den Bundesrath und den Reichstag zu berufen, zu eröffnen, zu vertagen und zu schließen.“§. 25.„Die Legislatur-Periode des Reichstages dauert drei Jahre. Zur Auflösung des Reichstages während derselben ist ein Beschluß des Bundesrathes unter Zustimmung des Prä⸗ sidiums erforderlich.“
— Die deutsche Lehrerversammlung wird in diesem Jahre zum ersten Male in Preußen tagen, nachdem der Cultusminister v. Mühler erklärt hat, kein Bedenken gegen die Abhaltung der all— gemeinen deutschen Lehrerversammlung in Hildes— heim zu haben, und daß er davon bereits das königl. Gouvernement in Hannover zur weiteren Förderung der Angelegenheit in Kenntniß gesetzt habe.
— Der König und der Kronprinz begeben sich am 19. d. Vormittags 11 Uhr in Begleitung des Generaladjutanten v. Treskow zum Besuche des sächsischen Hofes nach Dresden und werden am Mittwoch Abend wieder zurückkehren.
Köln. Leider ist die Cholera wieder in unserer Stadt ausgebrochen und zwar in nicht unerheblicher Weise. Am 15. sind 5, am 16. 4 und heute ebenfalls 4 Cholerakranke gestorben und im Cholera⸗Hospital war gestern Abend ein Be⸗ stand von 29 Kranken. Im vorigen Jahre sind 261, im letzten Monat 4 und im Februar schon 19 Cholerakranke gestorben..
Sachsen. Dresden. Glaubwürdigen Mittheilungen zufolge räumen die Preußen am 1. Juli 0. Dresden, behalten dagegen Leipzig, Bautzen und die Festung Königstein besetzt. Sachsen bildet das zwölfte Bundesarmeecorps. Der König von Preußen ernennt den Ober⸗ befehlshaber nach dem Vorschlage der sächsischen Regierung, der König von Sachsen die comman⸗ direnden Generale mit dem Einverständnisse der preußischen Regierung.
Württemberg. Stuttgart. In einer dahier stattgehabten Arbeiterversammlung, welche von 4 500 Theilnehmern besucht war, wurde in den gefaßten Resolutionen sich für das all⸗ gemeine Wahlrecht ausgesprochen und weiter beschlossen, dahin zu wirken, daß baldigst ein Gesetz zu Stande gebracht werde, welches Frei⸗ zügigkeit für ganz Deutschland gewährleiste.
Oesterreich. Wien. der Prinz Bernhard v. Solms ist vom hannoverschen Flügeladjutanten Baron v. Wedell im Duell erschossen worden. Der Prinz war ein Verwandter des Königs Georg von Hannover.
Frankreich. Paris. Das franzbösische Budget für das Jahr 1868 ist wie folgt ver⸗ anschlagt: Ordentliche Einnahmen 1,673, 451,585 Fr., specielle und departementale Einnahmen 259,076,993 Fr., außerordentliche Einnahmen 21,996,666 Fr., zusammen 1, 954,525,244 Fr. Ausgaben, ordentliche 1,548, 775,621 Fr., specielle und departementale 259,076,993 Fr., außerordentliche 146,489,500 Fr., zusammen 1,954, 342,114 Fr., Ueberschuß 183,180 Fr.
Italien. Florenz. Das Ministerium ist neu gebildet und besteht aus: Ricasoli, Vorsitz und Inneres; Venosta, Auswärtiges; Depretis, Finanzen; Devincensi, öffentliche Arbeiten; Branchert. Marine; Correnti, Unterricht; Cugia, Krieg. Zum Jufstizminister wird wahrscheinlich Mari ernannt werden.
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Rußland. Von der polnischen Gränze wird berichtet, daß das Russificirungswerk im Königreich Polen in früher kaum geahnter Weise vorschreitet; die materiellen Vortheile nämlich, die durch den Uebertritt zur orthodoxen griechischen Kirche erlangt werden, sind für die Launen im Glauben so ver— lockend, daß sie keinen Anstand nehmen, das katholische mit dem griechischen Kreuz zu ver— tauschen. Ist diese Wandlung aber einmal geschehen, so sind sie Russen mit Leib und Seele. Die Regierung setzt auch nicht aus religiösen Gründen einen Werth auf diesen Uebertritt, sondern lediglich aus politischen, denn sonst würde man auch die Protestanten zum Uebertritt zu verlocken suchen, was jedoch nicht geschieht, weil man weiß, daß man an diesen ohnehin treue Unterthannen hat. Der katholische Clerus wagt es nicht mehr, die Uebergetretenen von der Kanzel herunter zu verdammen, seitdem man deßhalb zwei Domherrn verhaftet und weggebracht hat. Interessant ist es auch, zu erfahren, daß die Regierpng in Polen sich nicht mehr damit begnügt, nur Russen als höhere Beamte anzustellen und die russische Sprache als ausschließliche Amts— sprache einzuführen, sondern anfängt, die polnischen Städtenamen, wo sich nur irgend ein Anlaß dazu findet, in russische zu verwandeln.
Amerika. Newyork. Wie es heißt, haben Präsident, die Minister und die Gouver— neure verschiedener südlichen Staaten längere Berathschlagungen gehalten und sich geeinigt, einen neuen Reconstructionsplan auf folgende Grundlage in Vorschlag zu bringen: Verzichtleistung auf das Recht, aus dem Bunde auszutreten; Bestimmung, daß der Congreß nicht berechtigt sei, einen Staat auszuschließen; Heilighaltung der Nationalschuld, Zurückweisung der conföderirten Schuld; Stimm⸗ recht für alle Männer, eingeborne oder naturali⸗ sirte, wofern sie das gesetzliche Alter haben und lesen und schreiben können, oder steuerpflichtiges Eigenthum im Werthe von 250 Doll. besitzen. Ausgenommen unbesteuerte Indianer.
S. Hungen. Der Vorschuß⸗ und Credit⸗ Verein dahier besteht seit Mai 1866 und erstattete in der am 13. d. M. abgehaltenen Generalversammlung Ab⸗ rechnung für 1865, wobei sich trotz der schweren Kriegs⸗ periode ein Umsatzkapital von circa 1000 fl. ergab und den Mitgliedern auf den Gulden Stammkapital 5% Di⸗ vidende gutgeschrieben werden konnte. Der Verein zählt gegenwärtig 30, meist dem Handwerkerstande angehörige Mitglieder, wurde nach den Grundsätzen von Schulze⸗ Delitzsch gegründet und ist der Procentsatz so nieder als für den Anfang nur möglich gestellt. Seit den wenigen Monaten seines Bestehens hat der Verein schon Manchem aus momentaner Verlegenheit geholfen, also auch hier als ein zeitgemäßes und wohlthätiges In itut sich bewährt. Es wäre daher sehr zu wünschen, wenn sich noch Viele aus der Stadt und näheren Umgebung dazu entschließen möch⸗ ten, demselben beizutreten.
Gießen. Ein junger Mann von circa 20 bis 21 Jahren, welcher heute Morgen mit der Bahn von Frank⸗ furt kam, ließ sich im hiesigen Wartesaal einen Weck ge⸗ ben und während er sein Messer aus der Tasche nahm, um denselben aufzuschneiden, sank er zusammen und ver⸗ schied augenblicklich. Die Leiche wurde in das Cliuikum gebracht.
Sachsenhausen. Eine Anzahl hiesiger Einwohner hat, von dem Gedanken ausgehend, daß einem jungen Manne, namentlich wenn er keine Mittel besitzt, ein drei⸗ jähriger Militärdienst sehr hart und schwer ankommen muß, besonders wenn er von elterlicher Seite keinen Zu⸗ schuß zu dem kargen Solde erhalten kann, eine von dem schönsten Erfolg begleitete Sammlung veranstaltet, aus deren Ertrag nicht allein ein Fonds für die Zukunft ge⸗ gründet, sondern auch für das Erste die Mittel herge⸗ nommen werden sollen, um die bereits zu den Fahnen eingerufenen Sachsenhäuser zu unterstützen.—
Neuß. Man will in unserer Gegen? bemerkt haben, daß durch die Desinfection der Düngerstätten während der Cholerazeit nicht nur die Seuche sich minderte, sondern auch eine andere Landplage, die der Ratten, wenigstens theilweise schwand. Es liegen also doppelt Gründe vor, in dem Desinfektionsverfahren nicht inne zu halten.
Petersburg. Der Telegraph zwischen Ruß⸗ land und Amerika. Es ist Aussicht vorhanden, daß der Telegraph zwischen Rußland und Amerika noch vor dem dazu bestimmten Termin dem Weltverkehr übergeben werden wird. Die Compagnie der Amerikaner legt den⸗ selben über die Behringsstraße bis Nikolajewsk, die Weiter⸗ führung von Nikolajewsk nach Werchneudinsk wird für Rechnung Rußlands bewerkstelligt. Von letzterem Orte bis Srentensk sind die Pfähle schon gesetzt, ein Durchhau des Waldes wird vorbereitet. Das Telegraphen⸗Material ist aus dem Auslande glücklich auf dem Amur angelangt und dessen größter Theil auf demselben an den Ort der Arbeiten geschafft. Wegen Eintrittes der Fröste wird der
in Blahoweschtschensk zurückgebliebene Theil mit Eröffnung der Schifffahrt auf die Linie vertheilt werden. Aller Schwierigkeiten auf der Linie nach Grobiza(180 Werst) ungeachtet, hofft Major Brun de St. Hypolite, dieselbe im Herbst dieses Jahres in Thätigkeit setzen zu können. Die amerikanische Compagnie hat die Behringsstraße behufs Legung des Kabels bereits gepeilt. Auf dem amerikani⸗ schen Festlande ist der Telegraph von New⸗Pork bis Kenel gelegt; in Asien sind die Arbeiten zwischen Gischiginsk und dem Ausfluß des Anadir in Angriff genommen. Im Laufe des Winters werden die Pfähle für die ganze asia⸗ lische Linie angefertigt und an die Orte der Arbeiten ge⸗ bracht sein.
. Der Leichnam des renommirten Löwentödters Jul. Gerard, welchen man einfach im Jong ertrunken glaubte, ist in diesem afrikanischen Fluß zwischen Woola und Makalei mit auf den Rücken gebundenen Händen, einen schweren Stein am Halse und entikleidet, aufgefun⸗ den worden. Die Mörder sind Kosos⸗Neger, die ihn be⸗ gleiteten und den Mord aus Raubsucht verübten. Gerards Dollmetscher führten sie als Sklaven fort. Als dieser vor geraumer Zeit entfliehen konnte, gab er die Anhaltspunkte für obige Nachsuchung an.
„„ Der Talgbaum, der in den nötkdlichen Gegenden Chinas einen mächtigen Handelszweig zu bilden anfängt, ist in neuerer Zeit von dorther auch in Indien eingeführt worden. Er gedeiht und wächst sehr üppig in den nordwestlichen Provinzen und in Pungab, und in den Regierungspflanzungen wird er bereits mit zehn Tausenden cultivirt, die Tonnen von Samen liefern. Dr. Sameson bereitete aus dem Samen 100 Pfund Talg und sendete 50 Pfund davon an die Eisenbahn in Pungab, um eine Brauchbarkeit zum Einschmieren prüfen zu lassen. Zu Lichtern ist der Talg ausgezeichnet. Er gibt eine helle, glänzende und geruchlose Flamme und ist ganz frei von Rauch. Der Baum gibt auf den Höhen wie in der Ebene eine reiche Ernte und wächst mit großer Schnellig⸗ keit. Manche Bäume, die vor acht Jahren gesäet wurden, haben jetzt schon einen Umkreis von sechs Fuß und sind drei Fuß hoch. Das Holz ist weiß, sehr fest und eignet sich vortrefflich zu Druckerblöcken, und um den Baum im vollsten Sinne des Wortes allgemein nützlich zu machen, werden die Blätter als Farbffoff benützt.
Landwirthschastliches und Gewerbliches.
** Zur Beruhigung böser Pferde, welche sich nicht beschlagen lassen wollen, theilt uns Herr Dr. Henkelmann aus der pharmaccutischen Zeitung ein Mittel mit, welches seiner Einfachheit wegen wohl verdiene probirt zu werden. Man gießt nämlich in ein Tuch etwas Petersilienöl und hält dasselbe mit beiden Händen an die Nase des ftörrischen Pferdes. Augenblicklich läßt sich das böseste Pferd ohne allen äußeren Zwang ganz ruhig beschlaten. 5
„Chemiker C. Puscher hat im Nürnberger Gewerbe⸗ verein folgendes Recept einer guten Tinte vor anderen besonders empfohlen: Man kocht 10 Loth Blauholz mit der vierfachen Menge Wasser bis zur Hälfte ein und thut dasselbe mit der halben Menge des Wassers nochmals, mischt hierauf beide Abkochungen zusammen, fügt 2 Loth Chromalaun hinzu und kocht noch eine Viertelstunde, in welcher Zeit sich der letztere auch gelöst haben wird. Nach weiterem Zusatz von 1 Loth arabischem Gummi erhält man circa 25 Loth einer tief veilchenblauen klaren Lösung, welche die gute Eigenschaft hat, daß sie gleich tiesschwarz schreibt. Löst man noch 1 Loth arabisches Gummi und ½ Loth Farinzucker oder Glycerin darin auf, so erzielt man eine vortreffliche Copirtinte.
Schwurgericht der Provinz Oberhessen. II. Quartal 1867. Sauptgeschworene:
1) Georg Pyilipp Diel, Gastwirth zu Ober⸗Wöllstadt. — 2) Wilhelm Fink, Kaufmann zu Vilbel.— 3) Wil⸗ helm Kleberger II., Landwerth zu Melbach.— 4) Isaac Hanau, Seifensabrikant zu Gießen.— 5) Heinrich Rupp, Oeconom zu Ober⸗Erlenbach.— 6) Heinrich Ludwig Pe⸗ ter Wolff, Deconom zu Rommelshausen.— 7) Georg Nicolay, Landwirth zu Dauernheim.— 8) Johannes Geiß, Landwirth zu Stammheim.— 9) Friedrich Wag⸗ ner, Müller zu Gambach.— 10) Heinrich Peter, Land⸗ wirth zu Bernsfeld.— 11) Georg Höres, Oeconom und Branntweinbrenner zu Unter⸗Widdersheim.— 12) Karl Puth, Oeconom zu Nieder⸗Wöllstadt.— 13) Andreas Ganß, Eisen⸗ und Specereihändler zu Grebenbain.— 14) Georg Steffan II., Gastwirth zu Echzell.— 15) Fried⸗ rich Kempff, Post⸗Stallmeister zu Gießen.— 16) Johan⸗ nes Weber III., Bürgermeister zu Eichelsachsen— 17) Heinrich Schäfer, Zeugfabrikant zu Schlitz.— 18) Hein⸗ rich Bausch I., Oeconom zu Nieder⸗Wöllstabt.— 19) Jo⸗ seph Dauch, Müller zu Hoͤchst a. d. N.—. 20) Georg Kaspar Mogk II., Weinwirth zu Echzell.— 21) Heinrich Ruppel, Oeconom zu Kloppenheim.— 22) Theophil Baist, Hofgerichts⸗Advocat zu Gießen.— 23) Johannes Bloch II., Lardwirth zu Stockhausen, Kr. Lauterbach.— 24) Fried⸗ rich Krauß, Müller zu Selters.— 25), H. Wilhelm Moll, Kaufmann zu Allendorf a. d. Lumda.—. 28) Urias Hahn, Schildwirth zu Bellersheim.— 27) Johannes Jochem V., Landwirth zu Laubach.— 28) Georg Reitz, Bürgermeister zu Södel.— 29) Freiherr von Wetzel zu Ober⸗ Mörlen. — 30) Johannes Köhler IV., Schildwirth zu Langsdorf.
V er Io o fungen.
Fenrene en 15 Fr.⸗Loose. 1 Serie 493, 607, 687, 912, 1020, 1423, 1614, 1749, 3004, 4354, 4865, 893, 54177, 5912, 6129, 5064, 6518, 7047, 7096, 7938.
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