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Friedberg, 15. Juli. Im Laufe dieses Nach- mittags sind 2 Diaconissinnen von Darmstadt hier angekommen und von ihrer verehrten Frau Oberin, welche die Güte gehabt hat, sie zu begleiten, in
ihre Arbeit am Seminar eingeführt worden. Gebe
Gott seinen Segen zu ihrem edlen Wirken! Kurz nach ihrem Eintritt in den Krankensaal wurde leider ein dritter unserer Patienten, Konrad Schneider aus Maulbach, Kreises Alsfeld, in Gegenwart seiner Angehörigen durch den Tod von seinem schweren Leiden erlöst. Unsere Liebe und unsere Thränen folgen dem braven, fleißigen jungen Manne in sein Grab nach.
Was den Krankenstand betrifft, so ist gestern ein Patient als Reconvalescent in die Heimath entlassen worden; 8 Seminaristen und 1 Pedell verbleiben in ärztlicher Behandlung; die Krank— beitserscheinungen wechselnd; Hoffnung bei Allen.
Steinberger.
Mainz. Wie der„M. Anz.“ berichtet, hat sich hier eine Falschspielerbande etablirt, welche es zunächst auf die
durchreisenden Auswanderer abgesetzen. Damit sie nicht von der Polizei überrascht werden, stellen sie vor den Wirthshäusern, die sie zum Schauplatz ihrer Thätigkeit wählen, Posten aus, die jeden Polizeibeamten rasch signalisiren. Tritt dann einer dieser Beamten in die Wirthostube, so ist bereits ein unschuldiges Spielchen im Gange, das zum Einschreiten keine Veranlassung bietet Es wäre gut, wenn die armen Auswanderer durch die sie befördernden Agenten vor diesen Spitzbuben ernflich gewarnt würden.— l g f J
Wien. Hier ereignete sich kürzlich der drollige Fall, daß eine des Diebstahls angeklagte Magd, Jacobina Sweboda, in den Saal trat und dem Vorsitzenden ein von demselben Tage datirtes ärztliches Zeugniß übergab, in welchem bestätigt wurde, daß sie an einer Rippenfellentzündung leide und das Bett nicht verlassen könne. Man denke sich die Gesichter der Richter, als die blühend aussehende Magd dieses Zeugniß überreichte. Die Dirne hat gemeint, es sei am besten, wenn sie mit dem Zeugniß selbst erscheine. Es wird nunmehr gegen den gewissen— haften ärztlichen Aussteller des Zeugnisses eine Unter— suchung eingeleitet werden.
Telegraphischer Bericht. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.-Agent.
Das Hamburger Postdampfschiff Borussia, Capt. Franzen, trat am 13. Juli wiederum eine Reise direct nach New⸗York an und hatte außer einer starken Brief⸗ und Packetpost 550 Tons Ladung, 33 Passagiere in der Cajüte und 260 im Zwischendeck an Bord.
Das Bremer Postdampfschiff Hansa, Capt. Oterendorp des Norddeutschen Lloyd, welches am 22. Juni von Bremen abging, ist nach einer schnellen und glücklichen Reise von 12 Tagen wohlbehalten in New⸗York angekommen.
Newyork, 13. Juli.(Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfschiff des Norbd. Lloyd Hermann, Capt. W. H. Wenke, welches am 29. Juni von Bremen und am 2. Juli von Southampton abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier angekommen.
Ueber Verbrennung weiblicher Personen.
Die jetzt in so erschreckender Weise überhand nehmenden Fälle von Entzündung und Ver— brennung weiblicher Personen durch Zünd— hölzchen mahnt zur größeren Vorsicht mit diesem in mehr als einer Hinsicht so gefährlichen Artikel, der ja auch schon zum Anlaß so zahlreicher Ver— giftungen wurde. Vor Allem aber sind es die sog. Wiener Salonhölzchen, welche eine große und beständige Gefahr in sich bergen, und daher aus allen Häusern verwiesen werden sollten. Diese sehr elegante hergerichten, theilweise sogar parfümirten, aber auch ziemlich theueren Streich hölzer sind bekanntlich ohne Schwefel zugerichtet, und haben daher bie Annehmlichkeit, beim Ent— zünden keinen üblen Geruch zu verbreiten. Darin besteht aber auch ihr einziger Vorzug; denn im Uebrigen haben diese Hölzchen Nachtheile, welche diesen einen Vorzug bedeutend überragen. Von dreien brennt nämlich im Durchschnitt nur ein einziges wirklich an, bei der übergroßen Mehrzahl flammt nur der Phosphor auf, ohne das Holz zu entzünden, da eben der übelriechende, aber sehr nützliche Vermittler Beider, der Schwefel, als Dritter im Bunde und eigentliches Bindeglied
fehlt. Dadurch wird der ohnehin schon kostspielige
Consum dieser Luxushölzer noch wesentlich mehr vertheuert. Wenn dieß aber nur der einzige Schaden wäre! Ein weit größerer droht uns beständig aus jenen eleganten Pandorabüchsen durch das bei durchschnittlich 50% der Wiener Salonhölzchen eintretende Abspringen des durch die Reibung entzündeten und zugleich vom Holze losgerissenen Phosphorkäpselchens. Dasselbe fliegt nun als ein brennender Zünder umher, auf den Tisch⸗ oder Stubenteppich, ins Gesicht, vielleicht ins Auge der damit beschäftigten Person, oder auf ihre Kleidungsstücke, und gratuliren mag man sich noch, wenn diese mit einem eingesenkten Loch davon kommen. Leider mehren sich fast mit jedem Tage die Beispiele eines weit furchtbareren Aus- ganges! Ist es etwa Zufall, daß die meisten dieser Entzündungen in Oesterreich vorkommen, wo die Wiener Salonhölzchen ihren Hauptboden haben? Man entferne sie ohne Gnade aus allen Haushaltungen, denn der kleine Vorzug, den sie bieten, wird für's Erste reichlich schon durch den beständigen Aerger aufgewogen, daß sie schlecht zünden, und im Weiteren völlig nichtig gemacht durch die beständige Todesgefahr, in welche diese dämonischen Hölzchen alle Diejenigen versetzen, welche sich ihrer zu bedienen die Unvorsichtigkeit
haben. Also: fort mit ihnen! Aber mit dieser rein negativen Vorsichtsmaßregel ist es noch lange nicht genug; es müssen auch noch positive Vor— beugungs⸗ und Verhinderungsmittel gegen die Verbrennung durch Entzünden der Kleidungsstoffe zur Anwendung kommen. In dieser Hinsicht wäre es sehr wünschenswerth, daß die bereits gemachten Vorschläge eines Zusatzes von Alaun in das Wasser, worin die Kleider gereinigt werden, oder noch besser: ein schon in der Fabrikation der Zeuge zu beobachtendes Verfahren, um die Ver— brennung derselben unmöglich zu machen,— einer genauen Prüfung und den eingehendsten Versuchen unterzogen würden. Abgesehen davon, daß der Gelehrte, der Fabrikant, welcher seine Anstrengungen in dieser Richtung mit Erfolg gekrönt sähe, sich nicht nur ein ewiges Verdienst um die Mensch— heit erwürbe, würde er auch mit seiner Erfindung unzweifelhaft ein gutes Geschäft machen. Hat das Alterthum schon feuerfeste Gewänder aus Asbest zu bereiten verstanden, so wird die moderne Wissenschaft ohne Frage auch die Mittel und Wege zu finden wissen, eine der entsetzlichsten Todesarten aus der heutigen menschlichen Gesell— schaft zu verbannen. Im Interesse Aller bitten wir die Redactionen anderer Blätter, diesen kurzen Andeutungen und Anregungen weitere Verbreitung zu geben.
Pariser Ausstellung.
Für seine Dampf⸗Chocoladen⸗Brustbonbons und Zucker⸗ waaren ist dem hiesigen Fabricauten Franz Stollwerck auch in diesem Jahre die Preis-Medaille zuerkannt worden! Diese Auszeichnung ist um so ehrender, als die Erzeugnisse gleicher Branche aus allen Ländern, darunter von etwa vierzig der bedeutendsten pariser Häuser, mit einander concurrirten und es die einzige Medaille ist, welche hie⸗ für auf ganz Preußen fällt. Besonders wird die Viel⸗ seitigkeit der Fabrication, wie sie wohl keines der ver⸗ tretenen Häuser aufzuweisen hat, so wie die vorzügliche Arbeit und Preiswürdigkeit der ausgestellten Waaren selbst Seitens der französischen Concurrenz auf das lobendste anerkaunt. Obige Thatsachen dürften wohl geeignet sein, die in Deutschlaud noch vielseitig wurzelnden Scrupel, daß nur Paris Vorzügliches in Chocoladen und Confituren liefern könne, zu beseitigen, um so mehr, als der Verkauf der Stollwerck'schen Fabricate in der Ausstellung selbst ein ganz bedeutender ist. Die vor kaum einem Jahre dem Betriebe übergebene neue größere Fabrik des Herrn Stoll⸗ werck vermag die einlaufenden Aufträge nicht zu be⸗ wältigen, und steht derselbe im Begriffe, ein größeres Etablissement zu errichten, wozu bereits die neuesten und vorzüglichsten in der pariser Ausstellung befindlichen Maschinen acquirirt sind. 1741
(Kölnische Zeitung, 10. Juli Nr. 189, Zweites Blatt.)
Oeffentliche Ladung
1737 Allen etwaigen unbekannten Gläubigern des Ortobürgers und Schuhmachers Heinrich Pung III. von Nieder⸗Mörlen wird unter dem Anfügen, daß dessen aufgetreiene bekarnte Gläubiger unterm 7. v. M. bei Gericht mit der schuldnerischen Seite einen Nachlaß und Strndungsvertrag abgeschlessen haben, hiermit der Belirsit zu solchem oder dessen etwaige gegründete Be anftandung sogewiß innerhald 14 Tagen andeimgegeben, widrigenfals nach Ablauf dieser Frist obne Rücksicht bierauf jenes Arrangement gerichtlich bestätigt und in Vollzug gesetzt werden würde Nouhelm am 12. Juli 1867. Großberzogliches Landgericht Nauheim U brich, Suppes, Landrichter. Landgerichts⸗Assessor.
Bekanntmachung.
Bersteigerung von Ginstern in der Ober⸗ förfteret Ober- Rosbach.
1735 Montag den 22. d. M., Morgens 7½ Uhr, werden in dem Diflriete Kellerberg bei Ober⸗ Rosbach an die Meistbietenden öffentlich versteigert: 788 Gebund Ginstern, zu Backbolz brauchbar. Anfang der Verfleigerung an dem drrch den Keller⸗ berg führenden Fußplad. Ober Rosbach den 15. Juli 1867. Großherzogliche Obersörsterel Ober⸗Rosbach Bing mann.
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Hamburg-Amerikanische Packetsahrt-Actiengesellschast. Directe Post⸗Dampfschifffahrt zwischen
Hamburg und New-Hork
5 vermittelst der Post-Dampfschiffe am 27. Juli, Saxonia,
„ 3. Aug., Germania,“ Die mit“ bezeichneten Dampfschiffe laufen Southampton nicht au.
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Capt.— am 10. Aug.
chwensen,„ 17. Ang.
165, Zweite Cajute preuß. Cour. Riblr. 118,
Zwischendeck preuß. Cour. Rthlr. 60. Briefporto von Pamburg 4½ Sgr., vom Inlande 6½ Sgr. Briefe zu bezeichnen„per Hamburger Dampfer“.
1739 Näheres bei
Christ. Hecht,
Spectal-Agent in Friedberg.
Versteig erung. 1736 Montag den 22. d. Mis., Vormittags 10 Ubr, will Peinrich Clauß III. zu Nieder Florftadt eine vollständige Dampfbrenneret abzugshalber meistbtetend durch den Unterzeichneten verstelgern lassen. Einsichts⸗ nahme kann jederzelt stattfinden. Nieder glorstadt den 15. Juli 1867. Großherzogliches Ortsgericht Nieder-Flotstart agner, Vorsteher.
Zu verkaufen
1695 habe ich einen von mir entworfenen und schon
ausgehauenen Grabsteir. Derselbe ist 10“ hoch, 2½“
breit, 2“ dick, hat freistehende Säulen, reiche Ver—
zierungen und ist mit großer Sorg'alt gearbeitet. Nauheim den 9. Juli 1867.
D. Müblhäuser,
Steinhauermeister.
Roggenbrodmehl,
174% auf Verlangen Zablungefrist bis 1. October d. J. empfehlen
a Gebrüder Löb. Eine Ziege
1743 bat zu verkaufen
Ambros Strauß.


