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Preußen erhalten hätten, hervorgerufen wurde, hat in Paris ungeheure Sensation erregt. Die Ge⸗ rüchte, daß ein Theil der Pariser Blätter im Solde fremder Regierungen ständen, waren schon seit langer Zeit verbreitet. Durch die Debakte in er Kammer, die den Moniteur veranlaßt, den Artikel der„Finance“,(er sagt, das Sidele hätte 600,000, die Debats 300,000, die Opinion Nationale 150,000, die Liberte 250,000 und das Avenir National 100,000 Franes erhalten) zu bringen, ist aber nun die Sache offenes Stadtgespräch geworden. Die öffentliche Meinung ist getheilter Ansicht; die Einen sagen: Sollte es begründet sein? Die Anderen meinen: Es ist nicht möglich. Die Herren Guérolt und Havin bringen übrigens die Sache vor ein Ehrengericht und haben bereits ein bezügliches Schreiben an Kerverguen abgehen lassen.
— Der Deputirte Vicomte de Kerverguen hat den Vorschlag der Herren Havin und Gueroult auf Einsetzung eines Ehrengerichts bezüglich der bekannten Bestechungsgeschichte angenommen und seinerseits die Deputirten Marquis d' Andelarre und Martel als Schiedsrichter bezeichnet. Man macht sich auf einen großen Scandal gefaßt.
— Tie Erklärung des französischen Ministers Rouher im gesetzgebenden Körper hat für Deutsch⸗ land eine wichtige Bedeutung. Bis jetzt konnte man annehmen, daß trotz allen Forderungen ein intimes Verhältniß zwischen Frankreich und Italien sich in naher Zukunft werde herstellen lassen; jetzt aber ist es gewiß geworden, daß so lange Frank reich an seiner jetzt endlich deutlich proklamirten Politik festhält, Frankreich und Italien durch einen wahren Abgrund der Meinungsverschiedenheit ge- trennt sind. Die Italiener werden auf das Gebot des frauzösischen Ministers den festesten Grundkern ihrer nationalen Ueberzeugung, daß Rom die Bestimmung habe Italiens Hauptstadt zu werden, nicht aufgeben; Frankreich wird in Italien jetzt ein Venetien haben.
Großbritannien. London. Zu den Hiobsposten von der Küste gesellt sich die Kunde vom Scheitern des Hamburger Dampfers„Ham⸗ monia“ auf der Fahrt von Hamburg nach Hull. Das Schiff lief bei Brancaster auf den Strand. Die Passagiere wurden von den Booten an's Land gebracht. Doch ging die See zu hoch, um es den Booten zu ermöglichen auch die Mann⸗ schaft zu retten. Mit großer Mühe wurde letzteres schließlich durch die wackeren Leute des Rettungs- bootes bewerkstelligt. Das Schiff zerschellte kurz nachher. In Leitb vermißt man außerdem den Dampfer„Vienna“, der am Sonnabend vor acht Tagen mit mehreren Passagieren, 20 Mann Be⸗ mannung und 8 Matrosen für ein Schiff in Leith Hamburg verließ und seitdem verschollen ist. Der nach der„Vienna“ abgegangene Dampfer „Curfew“ lief am vergangenen Mittwoch, aber auch nicht ohne Havarieen, ein.
— Die Fenier versuchten, das Gefängniß Clerkenwell in die Luft zu sprengen, um den da⸗ selbst gefangen gehaltenen fenischen Oberst Burke zu befreien. Eine Gefängnißmauer und mehrere Häuser sind zertrümmert, 3 Personen sind sterbend, 25 verwundet. Zwei Verdächtige wurden arretirt. Burke ist nicht entwischt.
— In Folge der im Gefängniß Clerkenwell stattgefundenen Explosion gab es 3 Todte und 39 Verwundete, welche ins Hospital transportirt wurden. Die zur Haft gebrachte Frau suchte Selbstmord zu begehen. Unter den Verwundeten befinden sich mehrere Frauen und Kinder. Das Gefängniß ist von den Truppen besetzt.
Amerika. Zugleich mit der Erwähnung
von starker Einwanderung aus Deutsch⸗ land und Irland nehmen amerikanische Blätter von einem beträchtlichen Rückstoß Notiz, der, ver-
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anlaßt durch Ueberfüllung des Arbeitsmarktes und Theuerung der Lebensbedürfnisse, viele Auswan⸗ derer bestimmt, wieder in ihre Heimath zurückzu⸗ kehren, und wahrscheinlich allmälig ein Abnehmen der Einwanderung verursachen wird.
— Die neueste Depesche aus New- Jork vom 3. Dez. meldet: Die Botschaft des Präsidenten sagt, die Desorganisation der Union ist der Gegen⸗ stand patriotischen Bedauerns. Die alte Union kann nicht wieder hergestellt werden, wenn nicht sämmtliche Staaten im Congreß vertreten sind. Johnson empfiehlt als Mittel zur Reorganisation die loyalste Ausführung der Gesetze der Constitu⸗ tion. Was die Negerfrage betrifft, so sagt er, daß die Oberherrschaft der Neger im Süden schlimmer wäre, aks der Militärdespotismus, der jetzt dort herrsche. Johnson weist auf die Ge⸗ fahren hin, welche aus einer Ausdehnung des Negerstimmrechts erwachsen würden. 4 Millionen Sklaven von gestern können nicht zu intelligenten Staatsbürgern gemacht werden. Johnson wünscht jedoch, daß die Lage der Neger verbessert werde. Die Botschaft schließt: Der Mißbrauch des heim- lichen Sklavenhandels hat gänzlich aufgehört und unter den gegenwärtigen Umständen ist nicht zu befürchten, daß er wieder Boden gewinnt.
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O Friedberg, 16. Dezhr. Vorige Woche starb dahier der alte Seminardiener Weis. Sein 84. Ge⸗ burtstag wurde sein Todestag. In ihm haben wir einen der ältesten Männer hiesiger Stadt und den letzten Sol⸗ daten der ehemaligen kaiserl. Burg Friedberg begraben. Sein Tod erinnert darum lebhaft an die letzten Jahre der Selbständigkeit von Burg und Siadt als Glieder des weiland deulschen Reiches und an die Exeignisse, die das durch das Zusammenbrechen des morschen Reichskörpers bedingte Aufhören jener kleinen staatlichen Existenzen begleiteten. Die Neichsstadt Friedberg war schon in Folge der durch den Lüneviller Frieden veranlaßten Abmachungen auf dem Reichslag zu Regensburg am 6. Oct. 1802 in den provisorischen Civilbesitz des Landgrafen v. Hessen übergegangen. Daß auch die Burg ihm in der Folge anheimfallen würde, unterlag keinem Zweifel, obwohl der Burggraf mit den Burgmannen von einem solchen Wechsel der Dinge nichts wissen, ja ihre Hoheitsrechte in der Stadt der neuen Regierung gegenüber nicht aufgeben wollten und sich zur Abwehr gewaltsamer Maßregeln rüsteten. Da nun im Hinblick auf die mancherlei Zwischenfälle und Anstände, die bei den Ueberweisungen neuer Gebiete in der allgemeinen Verwirrung vielfach entstanden, es von Interesse war, baldmöglichst in den Besitzstaud derselben zu treten, so wurde hessischer Seits ein Handstreich gegen die Burg beschlossen. Es war am 21. Januar 1804, als vier Soldaten in Civilkleidung am Burgthor unter erdichtetem Vorwand sich Einlaß zu ver- schaffen wußten und alsbald die Schildwache überrumpelten und fesinahmen. In demselben Augenblicke erschien eine Tags zuvor von Gießen gekommene Compagnie Soldaten vor dem Thor und konnte nun ohne Gewalt in die Burg einrücken, um provisorisch und mit aller Schonung der Civil⸗Rechte des Burggrafen von ihr Besitz zu nehmen. Zwar hatte dieser die Genugthuung, die Zurückziehung der hess. Besatzung durchzusetzen, aber schon im Jahre 1806 wurde dem neuen Großherzog von Hessen die Souveränität der Burggrafschaft Friedberz zuerkannt. (S. Dieffenbach, Gesch. der Stadt Friedberg.)
Es begreift sich leicht, daß diese für einen Burgsoldaten doppelt wichtigen Ereignisse eine hervorragende Rolle in den Jugenderinnerungen des Verstorbenen spielten, und wer sich der Gunst des biederen Alten erfreuen durfte, dem erzählte er in früheren Jahren gern und viel von jenen alten Zeiten und von dem damaligen Burggrafen Bassen⸗ heim, konnie aber recht böse werden, wenn ihn Jemand im Scherze damit aufziehen wollte, er habe die Burg verlieren helfen.
Die ehemaligen Zöglinge des Schullehrer⸗Semminars werden sich mit Wehmuth des geraden, derben, aber von Herzen guten und grundebrlichen Mannes erinnern, der in seinem gewissenhaften Eifer für die Sache, der er diente, von den Seminaristen nie anders sprach als:„Unsere Leut“ und es wird ihnen angenehm sein zu erfahren, daß es dem zuletzt schwachsinnig gewordenen Greis, der schon seit Jahren sich nur noch mühsam for tschleppen konnte, in der Familie einer treuen Tochter an der nöthigen Pflege nicht fehlte.
S. Gießen, 15. Dec. Sie brachten in Ihrer vorigen Nummer die Nachricht, daß 2 Studenten dahier inhaftirt worden, weil sie beschuldigt seien, ein Brett auf die Bahn gelegt zu haben, durch welches ein großes Uuglück hätte herbeigeführt werden können. Wir beeilen ung, Ihnen mitzutheilen, daß Beide am 13. d. aus der Haft entlassen worden sind in Folge eines amtlichen Gutachtens, welches sich dahin ausspricht, daß das fragliche Objekt ein Ent⸗ gleisen des Zuges nicht veranlassen konnte.
Frankfurt. Vor einigen Tagen kam mit der Eisen⸗ bahn ein Transport preußischer Silber⸗ und Kupfer⸗ Scheidemünze für Nassau(Wiesbaden) bestimmt hier durch. Die grobe Münze wird zum Theil aus den alten Provinzen bis zum 1. Januar, wo die Thalerwährung eintritt, gesandt, theils durch die hiesige Münze, in welcher man eben fleißig mit der Anfertigung von Thalern be⸗ schäftigt ist, geliesert.
Frankfurt. Der Kassenbestand des hiesigen Dom⸗ bauvereins beträgt jetzt 90,166 fl. 37 kr. Nach dem Rechnungsausweis beginnen die Frankfurter im Ausland ihre Anhänglichkeit an die Vaterstadt durch Einsendung größerer oder kleinerer Summen zu bethätigen. An der Spitze der Sammelnden stehen jedoch die Deulschen in Manchester, welche zur„Herstellung des Pfarrthurms“ 5022 fl. 41 kr. einsandten. Eine in hiesigen Privalkreisen durch Frau Reuß⸗Rauscher veranstaltete Verloosung brachte 725 fl. ein. Auch Gottespfennige wurden dem Verein zugewandt und Hr. L. B. H. Goldschmidt in Paris schickte 1000 fl. Der Fürst von Isenburg- Wächtersbach mit Frau gab 50 fl. Als weitere Baareingänge aus den Sammlungen in hiesiger Stadt sind 20,437 f. kr. verzeichnet. g 5 München. Der Untersuchungsrichter bei dem k. Bezirksgerichte München erklärt in der Wiener„Presse“ die Angabe, daß der in München inhaftir te Graf Gustav v. Choriusly nunmehr„in Eisen gelegt sei“, für unwahr.
Der Lahrer Hinkende Bote für 1868,
2916 der an die schönsten Zeiten des rheinländischen Hausfreundes ven Hebel erinnert, gehört unstreitig zu den bedeutendsten Erscheinungen der jetzigen Kalender⸗ Literatur. Der„Hinkende Bote“ hat in Herrn Bürklin einen Mitarbeiter gefunden, der dem unvergeßlichen Hebel würdig zur Seite steht und schon seit Jahren sowohl belehrende Aussätze in vortrefflichem, ächt populärem Style liefert— wir erinnern nur an die wahrhaft klassische Arbeit über die Telegraphie im Kalender 1863— als auch durch seine Erzählungen voll des kernigsten und edelsten Humors und des frischesten Duftes der Poesie viele tausend Herzen erfreut und erquickt hat. Und so sind auch in dem diesjährigen„Kalender die Erzählungen in der Bahnhofs⸗Restauration“ ein Blüthenstrauß, den der ächteste Humor und die reinste und wahrste Poesie ge⸗ wunden haben. Besonders ansprechend und dargestellt ist die Erzählung:„Das stählerne Herz,“ die um so ergreifender wirkt, wenn man weiß, daß die Haupt⸗ personen in derselben keine erdichteten sind, sondern, daß dieselben wirklich so waren, lebten und litten wie der Dichter es schildert. Die ganze Haltung des Kalenders ist eine edle und freisinnige und dazu maßvolle und wird in jedem braven Hause und Herzen, sei es in der Stadt oder auf dem Lande, einen wohlthuenden Eindruck zurück⸗ lassen, wie der ist, den wir empfinden, wenn wir so glück⸗ lich waren, eine Stunde mit einem Biedermann von ächtem Schrot und Korn zugebracht zu haben. Wir wünschen daher unserm Hinkenden alles Glück und eine recht freund⸗ liche Aufnahme, die ihm in jedem deutschen Hause und erzen seit Jahren nicht gefehlt hat und auch für das Jahr 1868 sicher nicht fehlen wird.(Heidelb. Ztg.)
2718 Wohl kein Nahrungsmittel ist dem Gesunden wie Reconvalescenten zuträglicher, als eine reine, unverfälschte Chocolade; übertrifft doch eine Tasse guter Chocolade bei weiten die beste Bouillon am Echalte des positiven Nahrungsstoffes! Zur Herstellung billiger Preise findet jedoch so vielseitig eine Unlermischung der Waare Statt, daß eine garantirt reine Qualität zur Seltenheit ge⸗ worden ist. Um so mehr verdient zur allgemeinen Kennt⸗
Fabeik don Franz Stollwerck in Köln a. Rh., welche zu den bedeutendsten des Zollvereins zählt, auf der Pariser Welt⸗Ausstellung für Reellität, vorzügliche Qualität und Billigkeit ihrer Chocoladen die Preis⸗Medaille zu⸗ erkannt wurde. Diese Auszeichnung ist um so ehrendee, als die ertheilte die einzige Medaille ist, welche in der Branche auf ganz Preußen fällt! Die Fabrik verdankt dem Princip: nur durchaus reine Waare an den Markt zu bringen, ihren verbreiteten Ruf. Jedes größere Geschäft sollte sich zur Pflicht machen, seine Kundschaft mit diesem Producte zu versehen.
Arbeits- Versteigerung.
2954 Donnerflag den 19. Dezember, Vormittags 10 uhr, sollen zu Bruchenbrücken nachstehende Arbeiten in Accord gegeben werden; für das Jahr 1868. 1) Anfertigung einer Subsellle in den Schulsaal nach dem vorhandenen Muster der übrigen Subsellien.
2) die Handarbeiten auf den Vicinalwegen in der
Versteigerung. 19. d. Mts., des Vormittags 10 Ubr, soll dahier ein der Gemeinde zustehender, schlachtbarer, schwerer Faselochse an den Melsibietenden öffentlich versteigert werden.
Bauernheim am 14. December 1867.
Faselochs⸗
2955 Donnerstag den
Gemarkung Bruchenbrücken auf die Dauer von mehreren Jahren. Irledberg den 16. Dezember 1867. Der Bezirks⸗Bauaufseber Schneider.
Hroß herzogliche Bürgermeisteret Baue ruhe im r
Annonce.
2951 Auf bevorstehenden Weihnachtsmarkt empfeble ich mein wobl assortirtes K Tricot⸗Waaren⸗Lager, als: Herten und Damen Unterhosen von 36 kr. bis 1 fl., wollene und baumwollene Certen und Damen⸗ Untersacken, desgleichen auch Kinder- und Jünglings⸗
Unterhosen
Jacken, sowie größere Kinver Untetbosen, eigenen Fabrikats. J N. Lehr aus Offenbach a. M.
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meisterhaft
niß gebracht zu werden, daß der Damp Chocoladen ·
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