Ausgabe 
17.10.1867
 
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und der Sinnesart des hohen Brautpaares kund⸗ gab, welche beide Theile gleichmäßig den Abschluß des ehelichen Bündnisses nicht wünschenswerth er⸗ scheinen ließ. Unter so bewandten Umständen sah sich Herzog Max veranlaßt, an den König die Bitte um Enthebung seiner Tochter von ihrem Versprechen zu stellen, welcher Bitte selbstverständ⸗ lich entsprochen wurde.

Eine von dem bayerischen Episcopat an den König gerichtete, die Schulfrage betreffende Adresse ist von demselben dem Ministerium des Innern zur ressortmäßigen Würdigung überwiesen worden. g

DemFr. J. wird von hier gemeldet: Der Fortschrittspartei erscheint der Entschluß des Königs, seine beabsichtigte Vermählung mit der Prinzessin Sophie aufzugeben, schon aus dem Grunde erwünscht, weil nun jedenfalls die Ver⸗ suche aufhören werden, den König für österreichische Vorschläge empfänglich zu machen. Es wird von dieser Seite gehofft, daß derselbe sich nun ent⸗ schieden für die Anknüpfung eines intimeren, den Norden und Süden Deutschlands umschließenden Bandes erkläre.

Der zu Begutachtung des Zollvereinsver⸗ trags ernannte Kammerausschuß hat sich ein⸗ stimmig für die Genehmigung des Vertrags erklärt, seinem Gutachten aber folgende zwei Wünsche beigefügt: Einführung einer jedenfalls nur mäßi⸗ gen Tabakssteuer und successive Herabsetzung der Salzsteuer.

Baden. Aus Baden-Baden wird ge meldet, daß am Mittwoch den 16. ds. der Groß⸗ herzog und die Großherzogin von Baden, Donner- stag der Kronprinz und die Kronprinzessin von Preußen und der Prinz Ludwig von Darmstadt mit Gemahlin daselbst erwartet werden. Freitag wird der Geburtstag des Kronprinzen im Fami⸗ lienkreise gefeiert werden.

Karlsruhe. In der Sitzung der zweiten Kammer vom 14. d. Mts. stellte der Abgeordnete Wundt eine Interpellation wegen der ver⸗ schiedenen Aeußerungen des Fürsten Hohenlohe in seiner neulichen Rede in der bayerischen Kammer. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Herr v. Freydorf, legte den Verlauf der im Frühjahr und Sommer dieses Jahres zwischen den Südstaaten geflogenen Verhandlungen über die Bildung eines weiteren Bundes mit dem norddeutschen Bunde dar, und sagt:Es kam zu einer Verständigung über die Einleitung von Verhandlungen mit dem norddeutschen Bunde, aber noch nicht zur völligen Ausgleichung der differirenden Ansichten über die Grundlagen der Verfassung des anzustrebenden Bundes. Nach⸗ dem der Minister die Differenzpunkte näher er⸗ läutert hatte, sagte er:Aehnliches gilt von der Beziehung zu Oesterreich, worüber Baden sich nicht geäußert. Die persönliche Ansicht des Fürsten Hohenlohe über die nähere Verbindung der einzelnen süddeutschen Staaten mit dem nord- deutschen Bunde sei als die eines hervorragenden gewissenhaften deutschen Staatsmannes zu achten, sie beruhe aber wohl nur auf einer von der be⸗ kannten Ansicht Badens abweichenden Auslegung der Verträge von Nikolsburg und Prag und auf der allgemeinen Anschauung über die Lage der Dinge in Mitteleuropa. Herr v. Freydorf schließt:Die großherzogliche Regierung glaubt, daß der Augenblick kommen werde, welcher den süddeutschen Staaten gestattet, sich als vollzählende Glieder dem sich neu gestaltenden Deutschland an⸗ zuschließen. Sie ist bemüht, durch Handlungen die Voraussetzungen zu schaffen, welche unser Land berechtigen werden, die nationale Einigung zu verlangen. Sie wird sich aber glücklich schätzen, wenn diese Einigung mit dem Norden in Gemeinschaft mit den Nachbarn südlich vom Main erfolgen kann und wird bis dahin stets, wie in den fraglichen Verhandlungen, zu jedem einleiten⸗ den Schritte mit den übrigen süddeutschen Regie- ungen bereit sein.

Oesterreich. Wien. Der Kaiser hat am 14. ds. die Deputation des Gemeinderathes der Stadt Wien, welche ihm eine Adresse als Erwiederung der Bischofsadresse überreichte, gnä⸗

digst empfangen und derselben erklärt: er werde die Adresse dem Ministerium zumitteln. Der Kaiser sprach sodann die Zuversicht aus, daß der Gemeinderath, dessen thätige Bestrebungen für die Hebung und Förderung des Volksschulwesens er, der Kaiser, gerne anerkenne, weit entfernt ist, den Einfluß der Religion auf die Volksschule und die Bildung des Lehrerstandes irgendwie schmälern zu wollen, da gewiß die Gemeindevertretung mit ihm die Ueberzeugung theilen werde, daß die Re⸗ ligion die unerläßlichste Unterlage aller wahren sittlichen Volkserziehung bilden müsse.

unter den für Aufhebung des Concordats eingelaufenen Petitionen macht diejenige der großen Dorfgemeinde Hermannstadt gerechtes Aufsehen durch eine beigefügte Schilderung der clericalen (geistlichen) Unterrichtsweise. Es heißt nämlich dort:Bei der jährlich einmal stattfindenden Prüfung wissen wohl die bravsten Schüler, wie es im Himmel aussieht, kennen die hervorragend- sten Engel, die Zahl der Heiligen, haben auch einen Begriff von der Hölle, vom Fegfeuer und von den Leiden der Verdammten u. s. w., aber was in dem eigenen Kronlande erzeugt wird, wie es billiger und besser erzeugt werden könnte, was exportirt und importirt wird, ja nur, wie viel Einwohner im Kronlande sind und wie die Hauptstadt desselben heißt, davon wissen sie Nichts. Können die Schuler den Katechismus und die biblische Geschichte papageienmäßig herplappern, so werden die Lehrer öffentlich belobt.

Wie Nachrichten aus Ungarn besagen, sind dort für mehr als 60,000,000 Gulden Ge traide-Einkäufe gemacht worden, wovon der grö- ßere Theil zur Deckung des Ernte⸗Ausfalles nach Frankreich gegangen ist.

Die Antwort des Ministeriums auf die Adresse der Bischöfe soll einen Passus enthalten, welcher wegen Uebergehung des verantwortlichen Ministeriums einen entschiedenen Tadel der Adresse ausspricht.

Schweiz. Von Bern aus wird geschrie · ben: In unseren Bergen hat sich der Winter zeitig eingestellt. In den Cantonen Graubünden, St. Gallen, Uri, Appenzell ꝛc. schneit es seit letz⸗ ten Freitag ununterbrochen. Im Ober-Engadin lag am Samstag der Schnee schon zwei Fuß hoch, so daß die Post bei Mühlenen im Schlitten fah⸗ ren mußte. Großen Schaden haben die Obst⸗ bäume gelitten, deren Aeste durch die Schnerlast gebrochen sind. Ebenso sind viele Telegraphen⸗ linien zerstört. Im St. Galler-Oberland ist die Alp Soll mit ihrem Inhaber und einer bedeuten den Viehhabe durch den Schneefall total von jeder Verbindung abgeschnitten. Da es ihr an jedem Obdach und Nahrung fehlt, so haben sich Män⸗ ner von Vasön auf den Weg gemacht, ihr Hülfe zu bringen, was wegen der Lawinengefahr und der weiten Entfernung von Vasön, welche fünf Stunden beträgt, viel Schwierigkeit bietet.

Frankreich. Paris. DieFrance sagt: der Einmarsch der italienischen Truppen in das römische Gebiet wäre eint Verletzung der übernom⸗ menen Verpflichtungen und würde unverzüglich einen Protest und eine Intervention von Seiten Frankreichs provociren. DiePatrie will nicht glauben, daß die italienische Regierung der Sep⸗ tember⸗Convention entgegenhandeln werde, und sagt: wenn italienische Truppen die römische Grenze überschreiten, stellt sich Italien als Feind Frank- reich gegenüber.

Großbritannien. London. Die Ar⸗ beitseinstellung der Londoner Schneider, welche volle sieben Monate gedauert hat, kann nun als abgeschlossen betrachtet werden. Ein eigentliches Friedensdocument wurde von den streitenden Par- teien gar nicht abgeschlossen, allein die Vereins gesellen nehmen wieder Arbeit bei den bisher im Bannfluch gestandenen Meistern, ohne daß letztere sich den von ersteren bisher gestellten Bedingungen gefügt hätten. Damit ist denn factisch der Friede vorläufig hergestellt.

Eine Anfrage der französischen Handels- Kammer in Rouen bei der Liverpooler Handels- Kammer, ob Handel und Gewerbe in England

gegenwärtig eben so stark darniederliegen, wie in

Frankreich, und wenn dem so, ob die veranlassen⸗ den Momente in beiden Ländern nicht etwa die⸗ selben seien, hat folgende Antwort hervorgerufen: Gewiß, auch in England existire starke Geschäfts⸗ stockung, und zwar seien die Hauptgründe: 1) der amerikanische Krieg mit der Baumwollkrists; 2) der hinaufgeschraubte, amerikanische Zolltarif; 3) die fortdauernde Desorganisation der Industrie in den südlichen Staaten der amerikanischen Union; 4) die andauernde politische Spannung in Europa, nebst den Geld- und Ar- beitskräfte verzehren den, Heeren, und hebt außerdem noch einige speciell England betreffende Momente hervor.

Italien. Florenz. Die Dinge in Ita⸗ lien scheinen von Tag zu Tag eine ernstere Gestalt anzunehmen. Während einerseits es nicht mehr zu verkennen ist, daß der Papst sich aus eigenen Kräften gegen die Insurrection nicht zu halten vermag, drohen die ministeriellen französischen Blätter mit sofortiger Intervention, falls die ita lienischen Truppen das Gebiet des Kirchenstaates besetzen. Eine zweite Intervention Frankreichs in Rom wird sich aber Italien wohl nicht gefallen lassen und dann wäre ein Conflict zwischen beiden Staaten unvermeidlich, der leicht auch Deutsch land in Mitleidenschaft ziehen könnte. Möglich ist aber auch, daß Rattazzi im Einverständniß mit dem Tuileriencabinet der Insurrection im Kirchenstaate, welche fortwährend im Wachsen be griffen ist, ruhig ihren Lauf läßt und sich vor⸗ läufig auf die scheinbare Bewachung der päpst⸗ lichen Grenzen beschränkt. So wird am Ende der Hauptzweck doch erreicht und Italien und Frankreichzgerathen sich nicht in die Haare.

Italienische Blätter melden, daß die vor Caprera stationirten vier Regierungsdampfer eine sehr scharfe Wache halten und jede Verbindung mit Garibaldi verhindern.

Das römische Comité hat am 9. October die Leitung der revolutionären Bewegung wieder übernommen und eine Einladung an die Bevöl- kerung Roms erlassen, die insurrettionelle Bewe⸗ gung in den Provinzen zu unterstützen. Eine Proclamation Garibaldi's beauftragt seinen Sohn Menotti mit der Leitung der Unternehmung gegen Rom, bis er selbst werde an Ort und Stelle er⸗ scheinen und die Führung übernehmen können. In Rom werden fortwährend Verhaftungen be⸗ werkstelligt.

Ein Telegramm derKöln. Zeitg. aus Florenz vom Samstag Abend meldet die Nieder⸗ lage der päpstlichen Truppen in mehreren Gefechten. Dieselben wurden über die Grenze gedrängt und auf italienischem Gebiete zwangsweise entwaffnet. Die Gemeindeverwaltungen von Lodi und Brescia haben, wie dieselbe Depesche mittheilt, Subscrip⸗ tionen für verwundete Insurgenten eröffnet.

Der päpstliche Minister des Auswärti⸗ gen, Cardinal Antonelli, hat im Auftrag des heiligen Vaters an verschiedene europäische Höfe eine diplomatische Note gerichtet, die bestimmt ist, die Angriffe, welche gegenwärtig gegen die Grenzen des päpstlichen Gebietes unternommen werden, in offieieller Weise zur Kenntniß zu bringen. Der Schluß dieses Actenstücks lautet:Angesichts die⸗ ser Vorgänge protestirt die Regierung des päpst⸗ lichen Stuhls feierlich und erklärt, daß sie das Opfer eines neuen Attentats der Florentinischen Regierung geworden, die trotz der mit dem Tui⸗ leriencabinet abgeschlossenen Convention vom 15

September ein Gebiet hat angreifen lassen, welches

zu vertheidigen sie sich feierlich verpflichtet hatte.

Die päpstlichen Truppen haben Nerola angegriffen, welches Menotti Garibaldi besetzt hält, sie wurden aber zurückgeworfen. DieOpinione vertheidigt die Haltung der Regierung der römi⸗ schen Frage gegenüber und sagt: Italien müsse, trotzdem es von anderer Seite mit einer Intervention gedroht wird, in das römische Gebiet einrücken, wenn die Interessen des Vaterlandes und der Monarchie oder die Erhaltung der Ordnung im Lande es erheischen.

Spanien. Wenngleich der letzte Aufstand wie⸗ der unterdrückt werden konnte, hat doch die Regierung

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