Ausgabe 
17.9.1867
 
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sowohl die biedern Kopenhagener als auch die Agenten keine schlechten Geschäfte machen können, und in der That reizt der verhältnißmäßig niedrige Preis des Looses, sowie die Aussicht auf einen hohen Gewinn nicht wenig das unerfahrene Publikum. Man weiß nicht, ob die Unter⸗ nehmer bei der Verloosung selbst so ehrlich zu Werke gehen, daß dasGrundstück(falls es überhaupt existirt) zum Ausspiel gelangt, oder ob die Kopenhagener sich nicht ein fach darauf beschränken, einem zurückbehaltenen Loose den Gewinn zuzudiktiren; jedenfalls ist der Modus der Ver loosung ein solcher, daß er sich gänzlich der Controle ent⸗ zieht, weßhalb die Presse die Pflicht hat, nachdrücklichst vor demAgentengesuch und seinen Folgen zu warnen; denn selbst zugestanden daß die Verloosung in der ehrlichsten Weise statifindet, so beweist doch schon der unbegrenzte Verkauf der Loose, sowie der Umstand, daß, die Unter⸗ nehmer Jedem, der sich um eine Agentur bemüht, Loose zum Verkauf übersenden, ohne eine Garantie für die Ehr lichkeit des Agenten zu haben(den sie im Falle seiner Unehrlichkeit nicht einmal gerichtlich belangen dürfen, um sich nicht selbst zu denunciren), daß etwas faul ist auch an diesem dänischen Unternehmen.

In der französischen Stadt Lille starb dieser Tage eine Berühmtheit ihrer Art, der Veteran des dortigen Arresthauses, im Alter von 92 Jahren, von denen er 45 Jahre im Gefängniß zugebracht hatte. Im Jahre 1815 entwendete er dem Marschall Brune, dessen Bediente er damals war, seine Ehrenzeichen, reiste nach Valenciennes und ließ dort die Truppen die Revue passiren. Das Staafgesetzbuch kennt kein Verbrechen, dessen er sich seitdem nicht schuldig gemacht hätte. Seine letzte Verurtheilung

war vor 6 Jahren; damals machte er, trotz seines vor- gerückten Alters, noch ein Meisterstück. Nachdem er eine bedeutende Summe Geldes erschwindelt hatte, stahl er einem Commis-Voyageur Pferd und Cabriolet und setzte dessen Reise fort, wurde aber bald wieder gefaßt. Während seines langen Aufenthaltes in den Arresthäusern wurde er nie wegen der Hausordnung bestraft, die er streug befolgte.

** Mittel gegen die Cholera. Dr. Fromm, Arzt in Kairo, ein geborener Oesterreicher, theilte einem Freunde, den er selbst vor zwei Jahren von einem heftigen Choleraganfalle rasch und glücklich befreite, Folgendes über seine Behandlungsweise mit:Ich gebe beim Anfalle dem Erkrankten in viertel- bis halbstündigen Zwischenräumen zwei bis vier Löffel von nachstehender Arznei, die ich für diesen Zweck stets in größter Menge vorräthig halte, worauf alsbald eine Minderung der Anfälle eintritt und der Kranke sich nach kurzen Schlafe genesen von seinem Lager erhebt: Fünf Gran Opiumextract, in fünf Unzen Zimmt⸗ wasser gelöst, werden mit 10 Tropfen Kreosot versetzt, und die Arznei schüttelt man beim Gebrauche jedesmal gut um. Auch theilt Dr. Fromm mit, daß nach seinen vielfachen Erfahrungen das Tabakrauchen(Karbolsäure?) sich als das beste Schutzmittel gegen die Ansteckung durch die Cholera erprobt habe. Beide Mittel sind rationell und verdienen wohl Beachtung von Aerzten und Nichtärzten.

4 Das amerikanische Boot mit seiner kleinen Be⸗ mannung von vier Personen, das auf seiner Fahrt von Baltimore nach Europa von einem englischen Schiffe an⸗ gerufen wurde, hat seitdem den Untergang gefunden. Die stürmische See kenterte das kleine Fahrzeug mehrere Male,

und wenn es sich auch jedesmal wieder aufrichtete, so verlor es doch seine Vorräthe, Oel, Licht, Brod, Compaß ꝛc., und gerieth in eine schlimme Lage. Kleinigkeiten, die be⸗ gegnende Schiffe ablassen konnten, langten nicht weit, und es kam der Augenblick, wo das Meer sich seine Opfer holte und die Tollküühnen, im Zustande der größten Er⸗ schöpfung und beinahe wahnsinnig, einen nach dem andern von der kleinen Barke hinwegspülte. Nur Einer, ein Mann Namens Armstrong, obwohl halb todt vor Er- mattung, hielt sich mit den letzten Kräften an dem Boote sest, und so oft ihn auch die See davon hinwegriß, um ihn gleich darauf gegen dasselbe anzuschleudern, daß ihm fast die Sinne vergingen, arbeitete er sich doch wieder zu der rettenden Planke hin. Erbärmlich zerschlagen und wund, erstarrt, ausgehungert, krank von dem vielen See⸗ wasser, das er geschluckt, wurde er von einem englischen Schiffe aufgefischt. Bei sorgfältiger Pflege genas er bald und bei seiner Ankunft in England nahm sich der amerikanische Consul seiner an und verschaffte ihm die Mittel, nächstens nach Amerika zurückzukehren.

4 4 Ein englischer Schiffskapitän erzählt, daß, als die Cholera auf seinem Schiffe ausgebrochen und dreißig Menschen von derselben befallen waren, er sie alle durch Eingebung von gebranntem Kork gerettet habe. Dieses Mittel ist in England und Ostindien mit sehr gutem Erfolge angewandt worden. Man brenne ein Stück Kork zu Pulver und nehme einen Theelöffel voll davon in ein wenig Wasser oder Milch. Wenn es nöthig ist, so wiederhole man dieses zwei- ober dreimal, bis der Kranke genesen ist.

Edictalladung.

1809 Katharina Jäger, Tochter der Juliane Jäger, nachherigen Ehefrau des Johannes Tengel von Staden, geboren zu Nieder- Wöllstadt den 25. Jun! 1797 und Ernst Ferdinand Lohmeier von da, über 70 Jahre alt oder ihre Erben werden aufgefordert fich binnen drei Monaten zur Empfangnahme des hier ver⸗ walteten Vermögens jener zu melden, widrigenfalle dasselbe dem Fiskus überwlesen wird. Altenstadt am 8. Juli 1867. Großherzogliches Landgericht Alte nstadt Dr. Stammler.

Edictalladung.

2122 Forderungen und sonstige Ansprüche an den Nachlaß des am 17. Juli l. J. verstorberen deinrich Wilhelm Weckerling von Friedberg und seiner schon früher verfiorbenen Ehefrau Anna Eva, geb. Hoffmann, find binnen Frist von vier Wochen dahler anzumelden, widrigenfalls solche bei der Nachlaß-Regulirung außer Berückfichtigung bleiben werden. Friedberg am 30. August 1867. Groß berzogliches Landgericht Friedberg Reitz, Steinberger,

Landgerichts ⸗Assessor.

Aepfel ⸗Versteigerung. 2181 Freitag den 20. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, sollen die Gemeindeäpfel dahler auf Ort und Stelle oͤffentlich meistbietend versteigert werden. Ossenbelm den 14. September 1867. Großherzogliche Bürgermeisterel Ossenheim

Mau l.

O bst⸗Versteigerung.

2182 Freitag den 20. September d. J., Mittags 1 Ubr, wird das der Gemeinde Ober⸗ Rosbach gebörige Obst, circa 210 Malter Aepfel, in Abtheilungen öffentlich meistbietend verstelgert. Ober⸗Rosbach am 14. September 1867. Großherzogliche. Ober Ros bach e cher.

Landcichter.

Au fiene rüntgz.

2180 Der Tischlergeselle Christian Habersarg aus Markruhl hat gegen Ende des vokigen Monats nach einer uns von demselben gemachten Anzeige dahier oder in der Gegend sein Wander- oder Arbeitsbuch verloren Der Finder desseloen wird gebeten solches baldmöglichst an uns abzugeben oder durch Vermittelung seiner Bürgermetisterei auf dem Dienstwege an uns einzusenden. Friedberg am 13. September 1867. Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg d. B. Der Großberzogliche Beigeordnete Foucar.

Bekanntmachung. 2177 Vom 1. Oktober d J. ab kommt das Reglement für Benutzung der Preußischen Eisenbahntelegrappen zur Beförderung solcher Depeschen, welche nicht den Eisen⸗ bahndienst betreffen, gültig vom 1. Juli 1867, den Ve⸗ nutzung des Bahntelegraphen der Main-Weser-Zahn in Anwendung.

Es wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kruntuiß gebracht, daß hierdurch der Depeschen Verkehr zwischen den Telegraphenstatienen der Maln-Weser⸗Gahn und der Main⸗Neckar⸗Bahn eine Aenderung nich erleidet.

Kassel am 10. September 1867.

Die Centraldirection der Muain-Weser⸗Bahn.

2127 Ein Paar kräftige, ganz egale, gat eingefahrene, geriftene und P A Schecken)/ 8 und fromme fer d e, 9 Jahre alt, 27 Fäuste hoch, namentlich zur Oeronomtie geeignet, verkauft auf Probe, billig und auch auf Credit Joh. Balth. vc oll

in Gießen. W degen Tahnschmerz 2179 empfiehlt zum augenblicklichen Stillen Apotheker Bergmann's

Zahhnwolle aus Paris à Hülse 9 kr.

2184

Ph. Dan. Küm mich.

Versteigerung einer eisernen Kiste.

Montag den 23. dieses Monats, Vormittags 11 Uhr, soll eine, der hiefigen Sparkasse gehörige, durch Anschaffung eines neuen Kassa-Schrankes entbehrlich gewordene eiserne Kiste in der Wohnung des Rechners Hildebrand, öffentlich an den Meistbietenden, gegen gleich baare Zablung versteigert werden.

Hungen den 16. September 1867.

Der Vorstand der Spar- und Leihkasse daselbst: Keie ß lin g⸗ Funk.

25 neue Spiritusfässer, 21284 Ohm baltend, stehen zum Verkauf gegen baare Zahlung oder Credit dei

Joh. Balth. Noll in Gießen. Anzeige.

2176 Damen, welche in Ruhe und geheim ihre Nieder kunft erwarten wollen, werden gebeten, sich an Unter⸗ zeichneten zu wenden. Für billige und liebevolle Behandlung wird garantirt. Münzenberg im September 1867. Dr. Martin.

Tüchtige Schmiedegesellen 2162 finden dauernde Beschäftigung in der lamd⸗ wirthschaftlichen Maschinen⸗ und Geräthe⸗Werkstätte von

Konrad Häuser in Fauerbach bei Friedberg.

Fässer⸗Versteigerung.

2158 Freitag den 20. September, Nachmittags 3 Uhr,

läßt der Uaterzeichnete 24 Stückfaͤsser, 1 Zulast, mehrere

kleine Fässer und 2 Ständer von circa 2 Ohm Gehalt,

in dem Burghof zu Vilbel melstbietend versteigern. Vilbel den 11. September 1867.

Wilhelm Finck.

allerdringlichste Aufgabe zur Verhütung der Ansteckung ist es nun, diese Stoffe mit einem der genannten fäulnißwidrigen Stoffe(Eisenvitriollösung 1 Pfund mit 10 Pfund Wasser) zu mengen, damit sich kein Ansteckungs⸗ stoff bilden kann. Da es nicht verhütet werden kann, daß die Wäsche, die von solchen Kranken benutzt wird, mit Auswurfsstoffen, welche in der Folge zum Ansteckungsstoffe werden, verunreinigt wird, so muß diese Wäsche ebenfalls mit einem dieser Mittel Chlorkalk(1 Pfund Chlorkalk auf 60 Pfund Wasser) behandelt werden. Die sonstigen Gegenstände, welche werthlos sind, wie Stroh ꝛc., werden verbrannt, die Bettstaͤtte mit Chlor⸗ wasser abgewaschen.

Der Ansteckungsstoff der Cholera haftet aber nicht fest an der Ent- stehungsstelle, sondern ist flüchtig; die Gefahr vermindert sich übrigens mit der Verdünnung mit Luft. Wo also Ansteckungsstoff in der Luft vermuthet wird, da muß dieser auch zerstört werden, indem man der Luft fäulniß⸗ widrige Stoffe beimengt; das geschieht am besten durch Anbrennen eines Stückchens Schwefels von der Größe einer Haselnuß, welches beim Ver- brennen die schwefelige Säure liefert, das beste aller bekannten fäulniß⸗ widrigen Mittel. Auch kann hierzu der Chlorkalk oder der Theer ver- wendet werden. Ersteren stellt man in Gesäßen in die Zimmer oder be streut den Boden, letzteren zieht man mit Wasser aus und benützt das helle Wasser, das man beim Durchseihen durch ein Tuch erhält, zum Be sprengen der Zimmer. Diesen Vorgang wiederholt man öfters des Tages. Wird diesen Vorschriften, namentlich was die Desinfection der stehenden Wasser, Düngerhaufen und Abgänge Cholerakranker betrifft, pünktlich

nachgekommen, so ist die Gefahr der Ausbreitung der Cholera um vieles vermindert.

Schaden durch Zerstörung der Vogelnester.

Von Dr. Curtman.

Früher als man noch nicht den Amseln, Nachtigallen, Grasmücken, Stieglitzen, Meisen, Finken, Hänflingen, Zaunkönigen und ihres Gleichen den schonungslosen Krieg erklärt hatte, rechnete man auf jede Quadrat- meile in Frankreich durchschnittlich 10000 Vogelnester. Run nimmt man an, daß jedes Nest mindestens 4 Junge enthält. Vater und Mutter bringen aber jedem ihrer Jungen täglich etwa 15 Raupen, in jedes RNest also 60, und verbrauchen wohl für sich wiederum 60, also zusammen für jedes Nest 120 Stück. Für jene 10000 Nester beträgt dies 1200000 Raupen, welche täglich auf der einen Quadratmeile vertilgt werden. Das macht in einem einzigen Monate 36 Millionen. So wirkten unsre Sing- vögel. Was wird aber in Zukunft werden, wenn man nicht mehr um ihre Erhaltung besorgt ist, als gegenwärtig in den meisten Gegenden von Frankreich und Deutschland?