Ausgabe 
15.8.1867
 
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1867.

Donnerstag den 15. August.

96.

Anzeiger für Oberhessen.

3 N 0 0 Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Hessen. Darmstadt, 12. August. II. Kammer. Als neue Eingabe wird eine Vor lage des Großherzoglichen Ministeriums des Groß⸗ herzoglichen Hauses und des Aeußeren, betreffend die Fortdauer des Zoll- und Handels-Vereins zwischen dem norddeutschen Bund und den Süd- staaten, dem ersten Ausschuß zum Bericht über wiesen. Auf eine Recommunication der ersten Kammer wird auf dem früheren Antrag beharrt und die Summe für Erweiterung des Bensheimer Pfarrhauses abgelehnt. Zur Vorlage des Groß herzoglichen Kriegsministeriums, die Erwerbung des Geländes und monumentale Herrichtung der Gräber der bei Frohnhofen gefallenen Hessischen Soldaten beantragt der Ausschuß Genehmigung, und werden demgemäß von der Kammer ohne weitere Debatte die angeforderten 4850 fl. ein- stimmig bewilligt. Die Kammer tritt sodann in die Berathung verschiedener Anforderungen des Kriegsministeriums ein. Für bauliche Her⸗ stellungen zur Unterbringung der Mannschaften der Artillerie werden 16,000 fl. verwilligt, eben

so 25,000 fl. für Einrichtung des Gießener Zeug⸗

hauses in eine Infanteriecaserne. Kraft wünscht, daß zwei Bataillone nach Gießen verlegt würden. Soldan glaubt sich wegen des dort herrschenden Wohnungsmangels dagegen aussprechen zu müssen. Auf eine Anfrage v. Löw's erklärt die Regierung, daß es im Project sei, das Scharfschützenbataillon nach Gießen zu verlegen. Für die proponirte Erbauung einer bedeckten Reitbahn in der hiesigen Reitercaserne werden 20,420 fl. gefordert. Für den Bau sprechen Hunsinger, v. Riedesel und v. Löw, dagegen Dumont, Wernher und Kraft. Die Kammer lehnt den Posten ab. Für Anschaffungen von Casernenrequisiten werden 19,000 fl. bewilligt. Die Vertreter der hiesigen Stadt hatten den Neubau des Gymnastalgebäudes, resp. einen Anbau an dasselbe beantragt. Der Ausschuß beschließt, diesen Antrag abzulehnen und die Regierung aufzufordern, bis zum nächsten Land⸗ tag diese Frage im Verein mit der wegen der technischen Schule in Erwägung zu ziehen. Für sofortigen Neubau, der ein dringendes Bedürsniß sei, sprechen Kritzler, Hallwachs, Fink, Soldan und Ministerialrath v. Rodenstein. Dernburg ist ebenfalls für sofortigen Bau, da ein dringendes Bedürfniß vorliege, und hält im Gegensatz zu Wernher und Kraft alsbaldige Abhülfe des bestehenden Nothstandes für geboten. Der Antrag auf sofortigen Bau wird verworfen, dagegen ersucht die Kammer die Regierung, wegen des Gymnasialgebäudes auf dem nächsten Landtag Vorlage zu machen. Dumont hatte einen An- trag auf Hebung des Hypothekar-Credits, insbe- sondere wegen Abänderung des Hppothekenwesens in Rheinhessen gestellt. Der Ausschuß schlägt vor, diesem Antrag Folge zu geben und die Re⸗ gierung um eine Gesetzes vorlage zu ersuchen, wo⸗ tin die jenseitige Gesetzgebung über Uebertragung des Grundeigenthums und das Hypothekenwesen verbessert wird. An der Debatte betheiligen sich der Justizminister, Becker, Dernburg, Dumont und Andere. Der Ausschußantrag wird schließlich angenommen.

Darmstadt. DerHessischen Landeszeitung entnehmen wir folgende Mittheilung: Die Ueber- zeugung, daß der gegenwärtig durch Frankreich und Preußen in Europa zur Ausbildung kommende Militärstaat nicht allein die verfassungsmäßigen

stand vernichte, vereinigte gestern in Mainz eine Anzahl Demokraten, die zunächst in dieser Rich tung den Bestrebungen der Friedensliga ihre Zu stimmung gaben und zugleich im Bewußtsein, daß es erforderlich sei, die deutsche und die französische Nation, diejenigen, zwischen welchen die Rivalität des Bonapartismus und des Friedricianismus den nächsten blutigen Zwist zu entzünden, versuchen wird, einander näher zu führen, drückten die Ver⸗ sammelten den Wunsch aus, der internationale Friedenscongreß möge nicht in Genf, sondern auf deutschem Boden, und zwar in Mannheim, abge halten werden. Die Anwesenden fühlten ferner das Bedürfniß, daß es erforderlich sei, die demo kratischen Elemente Deutschlands unter einer ge meinsamen Organisation zu vereinigen; es wird zu diesem Zwecke demnächst eine Einladung zu einer größeren, aus verschiedenen Theilen Deutsch lands zu beschickenden Zusammenkunft ergehen, und ersuchen wir die Demokratie unseres Groß herzogthums, sich an derselben recht zahlreich zu betheiligen.

Wie Darmstädter Blätter melden, sollen die an den preußischen Musikern verübten Insulten eine Depesche des hiesigen preußischen Gesandten nach Berlin veranlaßt haben, durch welche derselbe der Regierung in Berlin von dem Vorfalle Kennt- niß gegeben und um Instructionen ersucht habe.

Den Postbeamten ist jetzt die Weisung zugegangen, die preußische Uniform im Dienste anzulegen. Dieselbe braucht nur auf dem Bureau getragen zu werden.

* Friedberg. Wie aus verschiedenen Zei⸗ tungsnachrichten zu entnehmen ist, würde der König von Preußen morgen Donnerstag den 15. Abends zwischen 5 und 7 Uhr in Kassel erwartet werden. Er wird also von Frankfurt kommend wohl zwi⸗ schen 1 und 3 Uhr Nachmittags Friedberg passiren. In Kassel werden großartige Vorbereitungen zu einem feierlichen Empfange gemacht; Flaggen, Ausschmückung der Häuser für den Tag, Illumi⸗ nation am Abend, Ehrenpforten, 120 weiß ge⸗ kleidete Jungfrauen, Anrede durch den Bürger- meister, Vortrag einer eigends eomponirten Hymne von allen Gesang-Vereinen der Stadt ꝛc. bilden die Hanptpunkte des Feftprogramms. Neuere Nachrichten lassen den Tag der Ankunft des Königs in Kassel noch unbestimmt erscheinen. Siehe Ems.

Mainz Die hundert und etliche schweren eisernen Geschütze der deutschen Flotte sind bei der öffentlichen Versteigerung dem hiesigen Handlungshause Gebr. G. spottbillig zugeschlagen worden. Sie werden in einer niederrheinischen Hütte umgeschmolzen werden, vorher zerstückelt durch Säge und Hammer, unter dem jetzt, eine einzig dastehende historische Thatsache, die ganze deutsche Flotte von 1849 bis auf den letzten Nagel verschwunden ist.

Preußen. Berlin. Wie dieErfurter Zeitung berichtet, wird soeben das von dem Er- finder des Zündnadelgewehrs v. Dreypse neuerdings construirte Granatgewehr in Spandau einer Prüfung unterworfen. Es ist dies eine Hand- Feuerwaffe,(natürlich Hinterlader,) welche im großen Ganzen nach dem Princip des Zündnadel Systems construirt ist, Granaten auf große Ent fernungen schießt und von außerordentlicher Wir- kung sein soll. Auch soll der Versuch des indi- recten Schusses gegen gedeckt stehende Ziele von den überraschendsten Erfolgen gekrönt sein. Das

Rechte des Volkes und die Freiheit der Gemeinde gefährde, sondern vor allem den materiellen Wohl-

Geschoß, die Granate, welche geladen, überhaupt

vollständig fertig, als Taschen-Munition ausrei⸗ chende Sicherheit in Betreff etwaiger Explosion gewährt, ist, sobald sie den Lauf verlassen hat, so empfindlich, daß sie crepirt, wenn sie eine un⸗ gewöhnlich dünne Papierscheibe passirt. Die Sprengstücke sind dann noch von solcher Größe, daß sie die verheerendsten Wirkungen haben. Der Streuungskreis ist eine Ellipse, deren Spitzen in einer Horizontal-Ebene etwa 5 Fuß weit von einander liegen; die größte Höhen-Aus dehnung beträgt etwa 3 Fuß. Die Waffe ist sehr leicht und bequem zu handhaben.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung

berichtet, daß die Nachricht von einer bevorstehen⸗ den Zusammenkunft Napoleons mit dem König von Preußen in Coblenz an Wahrscheinlichkeit gewinne. Dasselbe Blatt sagt: die freundschaft⸗ liche Begrüßung passe in die täglich sich fried⸗ licher gestaltende Situation. Es verlautet, Graf Bismarck werde eine Annäherung zwischen Preußen und Oester reich anzustreben suchen und zwar durch eine De⸗ pesche nach Wien über die schleswig'sche Frage. In dieser Depesche würde Preußen Oesterreich das ausschließliche Recht unter allen fremden Mächten zuerkennen, über diese Frage mit Preußen zu unterhandeln. Graf Bismarck würde zugleich auf das doppelte, deutsche und nationale, Interesse Oesterreichs in dieser Angelegenheit hinweisen.

Ems. Im Widerspruch mit andern Nach- richten, wird von hier gemeldet, daß der Aufent⸗ balt des Königs von Preußen bis zum 27. d. Mts. verlängert worden sei und daß der König Franksurt a. M., Kassel und Umgegend besuchen werde; auch erwartet man zwischen dem 24. und 25. August die Zusammenkunft des Kaisers Na⸗ poleon mit dem Könige von Preußen in Coblenz. Die nöthigen Vorbereitungen zu dem Empfange werden bereits angeordnet.

Frankfurt. Der Fremdenverkehr hat sich in letzterer Zeit etwas gehoben und die Frequenz unserer Gasthöfe ist im Ganzen eine erfreuliche. Viele Besucher der Pariser Ausstellung, aus Ita⸗ lien, dem südlichen Frankreich, Oesterreich u. s. w. nehmen den Rückweg nach ihrer Heimath über Deutschland und passiren oder verweilen kurze Zeit in unserer Stadt. Von Frankfurt selbst war der Besuch der Ausstellung verhältnißmäßig ein geringer, ein Beweis, daß die hiesigen Geschäfts⸗ Verhältnisse keineswegs behaglich sind.

Oesterreich. Das Wiener Cabinet hat sich veranlaßt gesehen, seine Agenten im Auslande durch ein Circular zu unterrichten, in welchem Sinne die bevorstehende Zusammenkunft der beiden Souveräne von Oesterreich und Frankreich in Salzburg gegenüber dem betreffenden Minister des Auswärtigen darzustellen sei. Die auswärtige Politik werde gar nicht davon betroffen. Die Regierung Franz Joseph's halte fest an der Main- linie, wie dieselbe im Prager Friedensvertrage ver⸗ standen worden. Hierüber hege Frankreich die gleichen Ansichten und ganz Deutschland stimme damit überein. Die Haltung Oesterreichs für die nächste Zukunft sei und werde also eine rein pas⸗ sive bleiben, unter allen Umständen werde die Hofburg sich nicht bewegen lassen, auf die offensive Politik irgend welchen Staates einzugehen. Doch müsse der Besuch Napoleons III. als ein sehr freudiges Ereigniß bezeichnet werden, weil er dar⸗ thue, daß zwischen Oesterreich und Frankreich die besten Beziehungen herrschen, worin eine Garantie

des allgemeinen Friedens zu finden sei.