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bevorstehenden ersten Jahrestage der Schlacht von Königgrätz allgemeine militärische Festlichkeiten veranstaltet, und die einzelnen Regimenter, welche die Schlacht mitgekämpft, den Jahrestag feierlich begehen. Auch die Siege von Gitschin, Nachod und Trautenau werden von den dabei betheiligten Truppentheilen festlich begangen werden.
— Wie die„Provinzial-Correspondenz“ mel⸗ det, wird der Schluß des preußischen Land⸗ tags voraussichtlich am 24. Juni durch den Finanzminister stattfinden, und soll die allseitige Verkündigung der Reichs verfassung Ende Juni, die Berufung des Bundesraths Anfangs August bevorstehen.— Der„Staatsanzeiger“ veröffent- licht die Feststellung des Finanzetats der ehe⸗ mals hessen⸗darmstädtischen Gebietstheile, wonach die Einnahmen wie die Ausgaben 473,800 Thlr. (2) betragen.
— Am Nachmittag des Pfingstmontags wurde dahier ein schauderhaftes Verbrechen verübt. Lieu— tenant v. Schewe hat nämlich seinen Hauswirth, Schuhmacher Seifert, erschossen, nachdem sie in einen heftigen Streit gerathen waren, weil der Hauswirth die Anwesenheit eines jungen Mäd⸗ chens, welches den Offizier schon öfters besucht hatte, in seinem Hause nicht gestatten wollte und deßhalb dem Lieutenant Vorstellungen gemacht hatte. Auf erfolgte Anzeige Seitens der Crimi⸗ nalpolizei bei der Militärbehörde schritt letztere zur Verhaftung des Mörders, der in einem Wa⸗ gen in's Militärgefängniß gebracht ward. Der Ermordete hatte den Krieg gegen Oesterreich mit⸗ gemacht, ohne verwundet zu werden, um jetzt von der Kugel eines preußischen Offiziers zu fallen.
Wiesbaden. Die„Mittelrhein. Zeitung“ berichtet, der Herzog habe„plötzlich“ in Berlin angezeigt, daß er nicht mehr geneigt sei, das vollständig ausgearbeitete, zur Unterzeichnung be⸗ reit liegende Abkommen mit der Krone Preußen anzunehmen.
Bayern. München. Das bayerische Kriegsministerium hat sieben Offiziere zur Pariser Ausstellung gesandt, damit dieselben den militärisch⸗ technischen Theil derselben studiren und für die bayerische Armee verwerthen sollen. Ihr Aufent⸗ halt in Frankreich ist für einen Monat bestimmt und jeder von ihnen erhält eine Vergütung von 600 Gulden.
Würtemberg. Stuttgart. Zwischen der würtembergischen Regierung und dem schwei⸗ zerischen Bundesrath ist ein Vertrag abgeschlossen worden, wonach eine unterseeische Telegraphen⸗ verbindung durch den Bodensee zwischen den Städ⸗ ten Friedrichshafen und Romanshorn errichtet werden wird.
Oesterreich. Pesth. Der Kaiser und die Kaiserin haben 100,000 Ducaten als Krönungs⸗ geschenk für die Wittwen und Waisen von Hon⸗ veds und für verkrüppelte Honveds gewidmet.
Frankreich. Paris. Der Czar ist mit seinen beiden Söhnen, nachdem er mit dem Kaiser,
der Kaiserin und dem Könige von Preußen Fon⸗ tainebleau besucht, mit der Straßburger Bahn abgereist, um sich zunächst nach Stuttgart zu be⸗ geben, woselbst er am 12. ds. bereits eingetroffen ist. Nächsten Samstag wird der Kaiser in Darm⸗ stadt erwartet.
— Der„Figaro“ schreibt: Es geht das Ge— rücht, daß zwischen dem Czar, dem Kaiser Na⸗ poleon und dem König von Preußen ein Ueber- einkommen über eine theilweise zu bewerkstelligende Entwaffnung zu Stande gekommen wäre. Im Falle dasselbe definitiv angenommen werden sollte, vermuthet man, daß die drei Cabinette es am 18. Juni, als am Tage der Schlacht von Waterloo, officiell verkündigen würden.“
— Mehrere Blätter enthalten heute eine von dem Grafen Plater und dem General Lan- giewiez gezeichnete Protestation gegen das At⸗ tentat, in welcher es heißt:„Es ist gewiß, daß ein langes Martyrium und große Leiden einen Menschen dahin bringen können, daß er den Ver⸗ stand verliert; aber es ist ebenso wahr, daß die Polen selbst nach so harten Leiden noch auf der Höhe ihres Patriotismus stehen und daß sie jede That, welche von dem öffentlichen Gewissen ge⸗ brandmarkt wird, als ihrer unwürdig zurückweisen.“
— Im französischen Senate macht eine von fünf Advocaten gezeichnete Petition einiges Auf⸗ sehen, worin nichts Geringeres verlangt wird, als die„Ueberführung der Asche Ludwig Philipp J., Königs der Franzosen, nach Frank⸗ reich, der in der Fremde gestorben, fern von Frankreich, das er so sehr geliebt.“ Dieses Unternehmen wird darin als ein des gegenwär⸗ tigen Herrschers im höchsten Grade angemessenes bezeichnet, der damit nur wiedervergelte, was Lud⸗ wig Philipp 1840 für seinen Vorfahren gethan.
Türkei. Constantinopel. Die Berichte der britischen Consuln an Lord Lyons constatiren übereinstimmend, daß die Christen in der Türkei sich in günstiger Lage befinden, und widersprechen die Nachrichten von angeblichen Niedermetzelungen der Christen in den türkischen Provinzen.
Amerika. Newyork. Aus Mexico wird berichtet, daß Escobedo Befehl gegeben, ein Kriegs- gericht solle am 29. Juni über das Schicksal Maximilian's entscheiden. Mendez ist erschossen worden.
— Ein Tag vergeht nach dem andern, ohne daß Gewißheit über das Schicksal des Kaisers Maximilian zu uns herüber nach Europa gelangte. Mittlerweile hat derselbe einen Fürsprecher in Garibaldi erhalten, welcher in einer Beglück⸗ wünschungs adresse an Juarez um Schonung für das Leben des Kaisers und um Rückgabe dessel⸗ ben an seine Familie bittet, als Beweis, daß das Volk schließlich immer siegt und verzeiht.— Amerikanische Blätter bringen jetzt einige Einzeln ⸗ heiten über die Einnahme von Queretaro, wonach Maximilian, Mejia, Castiglio und Miramar mit der ganzen Besatzung gefangen genommen wurden.
— Wie die Journale melden, haben die Li⸗ beralen Queretaro verlassen und gehen nach der Hauptstadt. Kaiser Maximilian wird als Kriegsgefangener nach der Hauptstadt gebracht.
Friedberg. Ein Spaziergang nach dem Schwal⸗ heimer Brunnen und der Aufenthalt in den dortigen schönen Parkanlagen gehörte in früheren Jahren zu den Annehmlichkeiten, die uns Friedͤbergern in nächster Nähe geboten waren und deßhalb fanden sich daselbst häufig größere und kleinere Gesellschaften, sowohl von hier als auch aus der Umgegend, gerne ein. In den letzten Jah⸗ ren hatten jedoch die derzeitigen Pächter durch Aufgeben des Wirthschaftsbetriebes das Publikum von dem Besuche dieses angenehmen Aufenthaltsortes ferne zu halten ge⸗ sucht und wirklich ferne gehalten, da selbst die früher dort befindlichen Ruhebänke entfernt worden waren und man es nur der Freundlichkeit der Familie des Brunnen⸗Ver⸗ walters zu danken hatte, wenn man zu einem Glas Wasser gelangen und auf ein Viertelstündchen zufriedener Besitzer eines Stuhles werden konnte. Es wird deßhalb für Viele die Mittheilung eine erwünschte und erfreuliche sein, daß der Betrieb der Wirthschaft wieder gestattet worden ist und daß dieselbe schon demnächst eröffnet wer⸗ den soll. Wir hoffen, daß bei freundlicher guter Bedienung mäßige Preise die Wirthschaft empfehlen und ihr die frü- here Frequenz zuführen werden.
M. Friedberg. Kaum ist der erste Schmerz ver⸗ klungen, welcher durch den so plötzlich erfolgten Tod eines unserer achtbarsten Bürger verursacht wurde, so hat schon wieder ein ähnlicher Fall eine andere, gleichfalls sehr geach⸗ tete Familie, welche erst kürzlich einen harten Schlag er⸗ litten, in tiefe Trauer versetzt, so wie die Theilnahme der Bewohnee unserer Stadt hervorgerufen. Die Ehefrau des Herrn Mayer Hirsch wurde plötzlich, nachdem dieselbe am Morgen des 8. d. M. durch die Anzeige eines glücklichen Familienereignisses von Freude überwältigt in Ohnmacht sank, Abends 6 Uhr durch einen Schlaganfall ihrer Fa⸗ milie entrissen. Ein unersetzlicher Verlust für die Familie, betrauert und beweint von Allen, welche mit ihr in Be⸗ rührung kamen, geachtet von Jedermann, wahrhaft gottes⸗ fürchtig und wohlthätig, war sie eine Stütze der Armen, ein Rachgeber allen denen, welche sich ihr vertrauensvoll nahten. Möge dieselbe sanft in Frieden ruhen!
e Nauheim. Am 12. d. Mts. gerieth dahier ein zweispänniger, mit Schutt beladener Wagen sammt Pferden in den Teich. Den Bemühungen mehrerer rasch herbei⸗ eilenden Personen, namentlich dem entschlossenen Beistand eines in der Nähe befindlichen österreichischen Ofsiziers, welcher in einem Nachen den Teich befuhr und bei Wahr⸗ nehmung des Vorfalles sich rasch seiner Uniform entkleidete, nach den Pferden hinschwamm und das Eine so lange über Wasser hielt, bis weitere Hülfe herbeigeeilt war, ist es zu danken, daß dies eine Pferd noch gerettet werden konnte; das andere wurde todt an's Ufer gebracht. Man ist beschäftigt den tief im Schlamme steckenden Wagen an's Ufer zu heben.
Frankfurt. Ein Reisender aus Bonn, welcher vor einigen Tagen den zoologischen Garten besuchte, und so unvorsichtig war, seinen Arm zwischen die Eisen des Bärenzwingers zu stecken, wurde von dem jungen Bären so stark gebissen, daß der Verlust des Armes zu befürchten steht. Es ist dies eine neue ernste Mahnung an alle Besucher des zoologischen Gartens, sich dort mit der größ⸗ ten Vorsicht zu bewegen und stets der gefährlichen Nach⸗ barschaft eingedenk zu sein.
Von der Lahn. In unserer Gegend weilt eine Gesellschaft Engländer, welche damit umgeht, die reichen Lager von phosphorsaurem Kalk, welche allenthalben im Lahngebiete vorkommen, zu Phosphorit, d. h. zum wirksamen Düngemittel zu verwenden und von hier aus nach England zu versenden, resp. auf den europäischen Markt zu bringen. Man denkt hierdurch dem Quano eine bedeutsame Concurrenz zu bieten.
S. Ein Reisebericht über Friedberg und die Wetterau.
Es ist den Bewohnern des heutigen Friedberge vielleicht von In⸗
teresse, zu hören, welche Eindrücke der bekannte Schriftsteller J. H. Campe von hiesiger Stadt und deren Umgebung empfing, als er im Jahre 1785 auf einer Reise von Hamburg nach der Schweiz begriffen, unsere Vater⸗ stadt passirte.. 5 Campe hatte ursprünglich die Absicht, von Gießen aus, wo er meh⸗ rere Tage verweilt hatte, seine Reise im Postwagen fortzusetzen. Da die⸗ ser aber nur zweimal wöchentlich kursirte, sah er sich genöthigt, sein Leben einem Miethpferde anzuvertrauen, und zwar bediente man ihn, wie er selbst erzählt, mit einer dermaßen abgelebten und verbrauchten Muse, daß die Gefahr des Halsbrechens, auch bei der größten Vorsicht unvermeidlich schien. Auf dieser Rosinante trabte nun unser Held gen Friedberg.
Schon freute er sich, durch die Wetterau, die er eine fette, lehmigte Landschaft nennt, an der sehr viele Landesherrschaften Antheil haben, in 8 Stunden, für damalige Verhältnisse ungeheuer schnell, hindurch geritten zu sein, als er plötzlich an der damals stark angeschwollenen Usa halten mußte; nach längerem Umherspähen zeigte sich endlich eine Brücke; voll
Freude ritt Campe auf dieselbe zu, aber sie war durch einen Schlagbaum
vollständig abgesperrt. Nun war guter Rath theuer. Weder ein Haus, noch ein Mensch war in der Nähe; endlich erschien jenseits der Brücke ein Mädchen, welches Wasser schöpfte. Diesem rief unser Reisender zu, ihm
zur Oeffnung jenes Baumes behülflich zu sein; statt dessen aber brachte
das Mädchen die Schreckensmeldung, der Baum würde nie geöffnet, für Pferde und Wagen sollte die Brücke verschlossen sein;„aber um Gottes Willen, wie soll ich denn hinüberkommen?“ rief bestürzt der Reisende. „Er muß durchreiten,“ war die Antwort des Mädchens, das sich schon wieder auf den Rückweg machte.„Aber wo, fragte zum Aeußersten ge⸗ trieben der Bedrängte, wo ist der Ort, wo ich ohne Gefahr durchreiten kann?“„Da schau' der Herr selbst zu,“ antwortete die undienstfertige Dirne, und ging ihrer Wege. Campe hielt noch ein Weilchen still, um die Ankunft irgend einer anderen menschenfreundlicheren Seele zu erwar⸗ ten; allein, es kam Niemand. Nun blieb also nichts übrig, als entweder durchzureiten, oder wieder umzukehren. Da der Abend schon nahte, sah sich der Reisende genöthigt, sich der Gefahr auszusetzen. Er unter⸗ drückte also seinen Zorn, so weit es ging, und im Vertrauen auf seine Kunde des Schwimmens gab er der schon bis zum Tod ermatteten Rosi⸗ nante die Sporen zu dem gefahrvollen Ritt. Das arme Thier sank bis zum Sattel in's Wasser und vermochte nur mit Anspannung aller Kräfte, dem reißenden Strom zu widerstehen. b N Aber das Schickfal hatte Gutes mit unserem Freunde beschlossen. Er kam glücklich, wenn auch über und über mit dem Wasser des lehmigen Usbaches bespritzt, an das andere Ufer. Bald darauf in die Stadt Fried⸗ berg selbst gelangt, erhielt er dann, auf die Frage: warum man hier zu Land denn eigentlich Brücken baue, wenn man ihren Gebrauch nicht gestatten wolle, als Ausflucht, die Stadt sei so arm, daß man, falls die Brücke einmal schadhaft würde, keine neue bauen könne; deßwegen müsse man sie,
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