zu welchem die Gemeinden des Kreises Gießen geschlagen werden dürften. Die Einfügung der Regierungsbezirke Kassel und Wiesbaden in einen Provinzialverband bleibt vorbehalten. Einstweilen werden dem Präsidenten der Regierung zu Kassel auch die Befugnisse eines Ober ⸗Prästdenten für beide Regierungsbezirke übertragen. Für das ehe⸗ malige Herzogthum Nassau tritt eine soforkige Trennung der Rechtspflege von der Verwaltung auch für die unterste Instanz ein. Die neuen Verwaltungsbehörden erheben bis auf Weiteres auch ferner für Rechnung der Staatscasse die- jenigen Sporteln, Taxen und Stempel, welche von den Behörden, an deren Stelle sie treten, nach den hierüber in dem betreffenden Gebiete gelten⸗ den Gesetzen und Verordnungen erhoben sind. Die zur Zeit bestehenden Behörden bleiben bis zur Einsetzung der neuen Behörden in ihrer bis⸗ herigen Wirksamkeit. Der Tag der Aufhebung der mit der neuen Organisation eingehenden Ver⸗ waltungsstellen wird seiner Zeit durch das Ober⸗ präsidium bekannt gemacht werden. a — 8. März. Reichstag. In heutiger Sitzung wird mit Prüfung von Wahlen fortge⸗ fahren und gibt die Wahl von Moritz Wiggers Veranlassung zu längerer Debatte, da Zweifel an der Wählbarkeit desselben erhoben wurden, weil er im Jahre 1856 als betheiligt bei dem Rostocker Hochverrathsproceß wegen„Theilnahme am Ver⸗ suche des Hochverraths“ vom Mecklenburgischen Gerichte zu Zuchthausstrafe verurtheilt worden sei. Da die Wahl des Abg. M. Wiggers in Preu⸗ ßen erfolgt ist, werden die in Preußen geltenden bezüglichen Gesetze als entscheidend betrachtet und hiernach die Gültigkeitserklärung der Wahl mit überaus großer Majorität beschlossen. Mit der Majorität stimmt auch Prinz Friedrich Karl, eine ganz geringe Minorität stimmt mit Nein.— Die Wahl des schleswig-holsteinischen Abg. Ahl⸗ mann, ein Däne, wird auf Antrag der Abthei⸗ lung beanstandet. Der übrige Theil der Wahl⸗ prüfung ist von keinem besonderen Interesse. Unregelmäßigkeiten, die hier und da vorgekommen sind, werden wohl gerügt, doch hat das Alles für die Wahlen selbst keine weiteren Folge. Ein⸗ getreten in den Reichstag sind bis heute 266 Mitglieder. Soweit die Wahlacten eingegangen, sind alle Wahlen, bis auf ihrer zwölf, ge: prüft. Nächste Sitzung: morgen Vormittags 10 Uhr; Tagesordnung: Generaldebatte über den Versassungsentwurf. f — 9. März. Nach einigen geschäftlichen Mittheilungen wird mit der Discussion des Verfassungsentwurfs begonnen, zu welcher 29 Redner für und 16 gegen denselben einge schrieben sind. Der Abg. Tw esten ist für An⸗ nahme des Entwurfs, wenn die Regierung in Bezug auf die Budget⸗ und Heeresfrage sich zu unumgänglichen Concessionen herbeilasse. Er wün⸗ sche dies, denn wenn der Entwurf so, wie er sei, vom Reichstage angenommen werde, so würde ihn das preuß. Abgeordnetenhaus jedenfalls verwerfen. — Abg. Waldeck bekämft den Entwurf und hält den Reichstag für rechtlos. Durch Annahme desselben werde die preußische Verfassung, die man den annectirten Ländern in Aussicht gestellt, ihrem wesentlichen Inhalte nach verloren gehen; man schaffe eine Centralgewalt mit einem verantwort⸗ lichen Ministerium und einem wirklichen Bundes ⸗ staat, dann würde man der Süddeutschen und aller Deutschen überhaupt sicher sein,— Abg. Miquel(Osnabrück) begrüßt den Entwurf mit Freuden, wenn derselbe in mancher Beziehung auch noch Vieles zu wünschen lasse. Er fasse mit seinen Freunden die Hauptsache ins Auge; die Einheit. Das gegenwärtige Ministerium würde, sobald die Einheit gegründet, dem Volke auch die Freiheit nicht vorenthalten.— Abg. Michaelis ist zu Opfern bereit, nur dürfe kein Recht der preußischen Verfassung vergeben werden.— Abg. v. Gerber. Auch er habe, was den Entwurf anbelange, viele Wünsche, die er bei der späteren Berathung vorbringen werde, aber im großen Ganzen wolle er gegen die Vorlage eine oppo⸗ sitionelle Haltung nicht einnehmen.— Abg. Re (Hamburg) hält den Entwurf für absolut unan⸗
nehmbar. Abg. Twesten habe nicht ein Recht, Namens des preußischen Abgeordnetenhauses zu sprechen; wenn der Reichstag die Verfaffung an⸗ genommen habe, werde keine deutsche Landesver⸗ tretung es wagen, dieselbe abzulehnen.— Abg. Rohden(Westphalen) tadelt die geringe Rück⸗ sicht auf Oesterreich, wo das deutsche Element zu schützen sei, er will die Friedensverträge genau beobachtet und den Entwurf amendiet wissen.— Schluß der Sitzung.
— Der„Staatsanzeiger“ veröffentlicht die Ernennung des Herrn v. Diest zum Regierungs— präsidenten von Wiesbaden und diejenige des Hrn. v. Möller zum Regierungsprästdenten von Kassel, Letzterer mit den Befugnissen eines Ober präsidenten für beide Regierungsbezirke.
— Die Streitkräfte des norddeutschen Bundes würden den„Militärischen Blättern“ zu— folge bei der Durchführung der verabredeten Mili— tärorganisation ungefähr 895,000 verfügbare, aus⸗ gebildete Mannschaften betragen= 292,000 Mann Friedensstärke, 285,000 Mann Reserven, 315,000 Mann Landwehr. 855 Haunobver. Zwei Rescripte des Cultus-⸗ ministers vom 10. und 31. December v. J. stellen, wie die„Voss. Ztg.“ meldet, die drei Universi— täten Göttingen, Marburg und Kiel sowohl in Bezug auf die Besuchszeit(in casu bei Mediein Studirenden, welche sich zur Promotionsprüfung melden,) als in Bezug auf die Promotion zum Doctorgrad bei der Habilitation von Privat- docenten den inländischen Universitäten völlig gleich. Göttingen. Die Eidesleistung der Profes⸗ soren unserer Universität hat vor einigen Tagen stattgefunden. Es ist jedoch zu diesem Akte Professor Ewald, einer der sieben Professoren, welche im Jahre 1837 gegen die Aufhebung des hannöverschen Staatsgrundgesetzes protestirten und in Folge dessen des Amtes entsetzt wurden, ohne Entschuldigung nicht erschienen und deshalb bereits zur Verantwortung gezogen worden. Frankfurt. Der Staatsminister v. Pato w hat die von ihm gewünschte Entlassung aus seiner bisherigen Stellung in Frankfurt a. M. erhalten.
— Gelegentlich der Vereidigung der hiesigen Advocaten haben acht derselben ihre Berechtigung zur Ausübung der Advocatur niedergelegt.
— Nach einer am Samstag publieirten Ver⸗ ordnung haben sich diejenigen hiesigen Wehrpflich⸗ tigen, welche als einjährige Freiwillige zu dienen beabsichtigen, sich spätestens am 18. d. M. bei der Departements-Prüfungs⸗Commission in Wiesbaden zu melden und am 20. d. M. zur personellen Prüfung ebendaselbst zu erscheinen. Wiesbaden. Sicherem Vernehmen nach sind die Ingenieure unserer Staatseisenbahn nach Limburg abgereist, um die Vorarbeiten für die projectirte Westerwälder Eisenbahn unter Leitung des Herrn Oberbauraths Hilf zu beginnen. Nach höherer Weisung sollen die Herren ihre Arbeiten möglichst beschleunigen, so daß gegründete Aus⸗ sicht vorhanden ist, daß noch im Laufe des Früh⸗ jahrs das Projett in technischer Beziehung fest⸗ gestellt wird.
Bayern. München. Die„Bagerische Zeitung“ veröffentlicht die Beschlüsse der Stutt⸗ garter Conferenz. Die Einigungsgrundlagen sind: Minimal⸗Procentsatz des Formationsstandes und Präsenzstandes; gleiche taktische Einheit; möglichste Uebereinstimmung der Reglements, namentlich Gleichheit der Signale und der Felddienstbestim⸗ mungen; möglichste Uebereinstimmung der Feuer⸗ waffe und Munition; gemeinschaftliche größere
Spätestens am 1. October soll hierüber eine weitere Conferenz in München zusammentreten.
Oesterreich. Wien. Der Ministerialrath beschloß gestern, ohne Rücksicht auf die Landtags⸗ opposition die Recrutirung in diesem Jahre schon auf der Basis der allgemeinen Wehrpflicht vorzunehmen.
— Die Presse theilt mit, daß der Unterstaats⸗ secretär Baron Becke zum Finanzminister er⸗ nannt worden ist und daß Graf Traffe die Leitung des Ministeriums des Innern übernom-
men hat.
Uebungen; gleichmäßige Ausbildung der Offiziere.
— Wie die„Neue freie Presse“ meldet, ist Graf Mensdorff zum Landescommandirenden in Ungarn und Fürst Friedrich v. Lichtenstern zum Generalinspeetor der Cavallerie ernannt worden. — Die Eröffnung des Reichsraths soll am 1. Mat erfolgen.— Die amtliche Zeitung meldet: Ein kaiserliches Handschreiben an Hrn, v. Beust hebt das Staatsministerium auf und überweist die Leitung der administrativ-politischen, nicht— ungarischen, Angelegenheiten dem Ministerium des Innern, während für Cultus und Unterricht ein eigenes Ministerium errichtet wird.— Der böh⸗ mische Statthalter v. Rothkirch ist in den Ruhe⸗ stand versetzt und Barvn v. Keklersperg zum Statthalter in Böhmen ernannt worden 8
Schweiz. Der deutsche Hülfs verein in Genf hat auch im vergangenen Jahre zu Gunsten von Deutschen aller Gauen eine äußerst rege Thätigkeit entfaltet. Der Verein zählt gegen- wärtig 102 Mitglieder. Der engere Vocstand wird gebildet von Banquier Brodhag(württemb. Consul,) Kaufmann Haltenhoff(aus Hanau) und Fabrikant Blind(aus Baden.) Der Verein unterstützte im verflossenen Jahre 395 Personen mit 2269 Franken, davon wurden verwendet 1380 Franes für Reiseunterstützungen 429 Franken für Spital⸗ und Beerdigungskosten; 460 Franken
für Linderung von Familiennoth; für die Ver⸗
wundeten des vorjährigen Krieges sandte der Ver⸗ ein einen Waggon mit 100 Centner Eis an den Magistrat von Miltenberg.
Frankreich. Paris. Die Subscription auf die österreichische Pfand brief-Anleihe gebt sehr gut. Der Zudrang ist sehr stark und man erwartet, daß die Zeichnungen werden reducirt werden müssen.
— Das Urtheil des Zuchtpolizeigerichts gegen Emile de Girardin und den Drucker dez „Liberté“ in Folge Anklage wegen eines in die⸗ sem Blatte enthaltenen, die Regierung des Kaisers scharf bekämpfenden Artikels, ist nun verkündigt. Ersterer wurde zu 5000, Letzterer zu 100 Fr. Geld⸗ buße verurtheilt. Die Erklärung Girardin's, daß, wenn er das erlaubte Maß der Kritik und des Tadels überschritten haben sollte, er dabei nicht die Ab⸗ sicht hatte, zum Haß und zur Verachtung gegen die Regierung aufzureizen, wird als mildernder Umstand für denselben angenommen. 3
— Das Militärproject fixirt die Dienst“ zeit im stehenden Heere auf 5 Jahre und in der Reserve auf 4 Jahre. Junge Leute, die nicht im stehenden Heere dienen, kommen während der Dauer von 4 Jahren zur Reserve und gehören dann weitere 5 Jahre zur mobilen Nationalgarde. Zur letzteren kommen auch die von allem Militär⸗ dienst Befreiten und die in der Reserve dienenden jungen Leute. Die gegenwärtig noch in der Ar⸗
mee dienenden Soldaten haben nach Ablauf ihrer
Dienstzeit noch zwei Jahre in der mobilen Natio⸗ nalgarde zu dienen. 0 — In der Abgeordnetenkammer stellte heute Thiers seine Interpellation über die auswärtigen Angelegenheiten.* b 12 13 Großbritannien. London. Wiederholt haben in der letzten Zeit sogenannte Fenier⸗ Aufstände in Irland stattgefunden, welche jedoch stets bald unterdrückt werden konnten. In den jüngsten Tagen sind dort abermals Ruhestörungen und Gewaltthätigkeiten von größerer Aus dehnung ausgeübt worden, es war aber auch diesmal durch Herbeiziehen von Militär aus der Hauptstadt Dublin die Ruhe alsbald wieder hergestellt und wurde eine größere Anzahl Gefangene dorthin verbracht. Ratörttbe — Das Ministerium ist jetzt complet. Sir John Packington hat das Kriegsministerium, Mr. Corvy das Marineministerium, Sir Stafford Northeote das Staatssecretariat für Judien und Herzog von Buckingham das für die Colonien über⸗ nommen. Herzog von Marlborough ist Conseilprä⸗ sident, Herzog von Richmond ist Handelsminister. Italien. Florenz. Die„Opinione“
schreibt: Peru hat zum bevorstehenden September den Handelsvertrag mit Italien aufgekündigt. Diese Maßregel wird motivirt durch das kürzlich
von den Republiken Süd⸗Amerikas angenommene
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* 2) Dienstag
Versteige 307 Miltwoc wird das alte garn sontrenden gegen baate Za.
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