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wältigenden Eindrucks Herr werden, den sie machen. Die Menge, Größe, Pracht und Mannich⸗ faltigkeit der ausgestellten Gegenstände ist da so gewaltig, daß man sich einen förmlichen Schlacht. plan machen muß, wenn man das Wichtigste oder nur das Nöthigste sehen will. Der Fachmann findet allerdings zusammengestellt, was ihn interessirt, aber das übrige Publikum sieht hier Dinge, von denen es nie etwas gehört, nie eine Ahnung gedabt bat. Wenn man alle die prachtvollen Stoffe, die riesigen Vasen, Thon— und Erzgebilde, Silbergefäße, die gigantischen Spiegel, Scheiben und Kandelaber und die Werke der Kunst überblickt, so fragt man unwillkührlich, ob es auf der Erde Leute genug giebt, die hin— reichend solche Dinge kaufen, um ganze Fabriken zu beschäftigen; denn mit wenigen Ausnahmen sind diesmal nur gangbare Erzeugnisse ausgestellt, keine Meister- oder Kunststücke. Ueberall erkennt man die Absicht, die Ausstellung möglichst praktisch, nützlich und lehrreich zu machen. Nirgends hat man in der That Gelegenheit, in kurzer Zeit so viel zu lernen, als auf dieser Ausstellung. Nach unserem Geschmack ist, namentlich außerhalb des Gebäudes im Park vielleicht etwas zu viel des Guten gethan und der Unterhaltungs- und Schaulust des französischen Volkes etwas zu viel Rechnung getragen, im Ganzen aber ist so viel des Lehrreichen und Nützlichen geboten, daß man Monate lang studiren könnte, ohne fertig zu werden.
Eine Menge von Industrien wird hier im Maschinenraum wirklich ausgeübt. Vor den Augen des Besuchers entstehen hier alle die Dinge des gewöhnlichen Bedarfes, deren Anfertigungsweise die wenigsten Menschen kennen. Die schöne Frau, welche mit nachlässiger Hand das seidene Band zerknittert, das ihren Hut schmückt, kann hier mit eigenen Augen sehen, welche Mühe seine Herstellung kostet. Verblüfft wird sie vor dem merkwürdigen Werkzeug stehen und beim Anblick der Hunderte von Karten, Stäben und Fäden einsehen, was es Jacquard für Kopfzerbrechens gekostet haben mag, bis er seinen Webstuhl erfunden hatte. Hier ent— stehen Hüte aus einem Haufen von Hasenhaaren, die man selbst in der Hand hatte und man kann den Hergang des Ganzen genau verfolgen. In 5 Minuten hat man die ganze Hutfabrikation kennen gelernt. Dort wird Baumwolle gesponnen und auf den mannichfachsten Maschinen zu allerlei Geweben verarbeitet. Hier werden von 2 Ara— bern Korke geschnitten, dort die ganze Seiden— fabrikation von der Abhaspelung des Cocon's an vor die Augen geführt. In der französischen Ab; theilung, wo dieß speciell berücksichtigt ist, kann man die ganze Schuhmacherei mit Maschinen sehen, lernen, wie Diamanten geschliffen, Holzbilder geschnitzt, Elfenbein gravirt, Medaillen in ver— kleinertem Maßstabe wieder gegeben, Blumen und Kämme gemacht, Spitzen geklöppelt, Buchstaben gegossen, gesetzt und gedruckt werden, wie ein Buch gebunden wird u.. w., wie man Erz gräbt, wie ein Bergwerk aussieht, wie die Steinkohle gewonnen, Stahl fabricirt, Blech gewalzt wird ꝛc. Dieses Element der Belehrung ist vielfach durch⸗ geführt und theilweise sogar bis zu einer förm⸗ lichen Geschichte der Arbeit ausgegipfelt. Tritt man von dem inneren Hofe aus durch einen der Hauptgänge ein, so trifft man zuerst auf die
Werkzeuge der Urzeit, der Steinperiode, Aexte, Messer und Sägen aus Stein, Nähnadeln aus Horn, dann Werkzeuge aus Kupfer oder Bronce, wie man gewöhnlich sagt, dann solche aus Eisen und damit gefertigte Waaren. Und von dieser historischen Ausstellung kommt man sodann zu den Werkzeugen der Neuzeit. In der deutschen (bayrischen) Abtheilung z. B. ist in ähnlichem Sinne in der Vorhalle eine Geschichte des Pfluges in 42 vollständig naturgetreuen Modellen, von dem egyptischen Krummholz an bis zum amerika— nischen Adlerpflug ausgestellt, ebenso eine Ent— wickelungsgeschichte der Lithographie, die bekanntlich in Bayern erfunden wurde.
Ein anderes, diesmal neues Element der Aus— stellung auf der man förmlich Kulturgeschichte studiren kann, das ist das Völkergewirr im Park, wo man fast alle Völker der Erde in ihrem häuslichen und öffentlichen Leben kennen lernen kann. Veranlaßt durch Napoleon selbst und die aus politischen Rücksichten hervorgegangene specielle Fürsorge der französischen Regierung für die s. g. Arbeiter, befinden sich hier Muster aller Wohn- häuser der mittleren und unteren Klassen in den Hauptstaaten Europa's, sowie Modelle von Arbeiterwohnungen, wie man sie bei möglichst niederem Preise für die praktischsten hält. Die ersten sind mit allen Geräthschaften der Bewohner ausgestattet und drinnen in der Halle kann man diese selbst in ihrer Landestracht, da und dort auch wohl lebendig herumwandeln sehen. Der ganze Haushalt, das Leben und geschäftliche Treiben der Bewohner tritt Einem hier vor die Augen; man sieht wie der Russe, der Schwede lebt und von was er lebt, wie er seinen Boden bebaut, wie der Lappländer fischt und jagt,(auch ein Ellenthier ist in der deutschen Abtheilung aus— gestellt), wie die Häringe gefangen und zugerichtet werden, wie der Wallfisch ausgebeutet wird. Ferner wie vornehme Türken und Indier leben, die förmliche Paläste errichtet haben. Ihre Gottes— verehrung kann man sogar kennen lernen und ihr öffentliches Leben; hier ein tunesisches Kaffeehaus, dort ein türkisches, da eine deutsche Bierhalle, dort ein chinesisches Theater, da ein egyptischer Tempel mit 2 Reihen Sphinxen, dort ein indischer; und was Täuschung vollständig macht, überall die frappantesten Typen der Völker als Hüter der Tempel oder Häuser, oder selbst als Besucher umherwandelnd. Wir suchen ermüdet von dem vielen Sehen das tunesische Kaffeehaus mit seiner drolligen Musik auf, da traben neben uns hoch in der Luft ragend zwei Beduinen auf flüchtigen Dromedaren an uns vorbei und am Eingang überreicht uns ein Indier im Namen der Bibel— gesellschaft, welche im Park ein besonderes Ver⸗ kaufslokal für Bibeln in allen Sprachen der Erde hat, ein frommes Traktätlein zu unserer Erbauung und etwaigen Bekehrung. Links sitzen am chinesischen Theater 2 Damen mit entschieden schiefen, aber eigenthümlich interessanten Augen, begafft von der französischen Männerwelt; und um nicht nutzlos zu sitzen, verkaufen die klugen Aeltern ringsum die Photographien der asiatischen Huldinnen. Ein fast ständiger Menschenzug deutet die Nähe der Wiener Bierhalle von Dreher an, worin Mädchen in den verschiedenen Landestrachten den edlen Gerstensaft, der beste in der Ausstellung,
eredenzen, zum Theil am Schenktisch thronen. Dicht daneben kann man auch die östreichischen Weine kennen lernen und dann treten wir in das türkische Kaffeehaus, wo 6 türkische oder georgische Schönheiten, wie uns scheint, mit goldenen Diademen, Mokka herumreichen. Etwas weiter ist die spanische Kunstausstellung, im maurischen Style, ein wahrer Palast.— So reiht sich in stetem Wechsel Volk an Volk mit dem Sehens- werthesten, das es bieten kann.
Um den Eindruck eines Sammelplatzes aller Völker der Erde vollständig zu machen, ist auch das Negerbataillon, welches der Pascha von Egypten Frankreich zur mexikanischen Expedition geliehen und wovon leider nur die Hälfte zurückkam, nach Paris gebracht worden. In weißen Gewändern wandeln diese schlanken und ziemlich großen Söhne Aethiopiens truppweise durch die Ausstellung, mit vieler Theilnahme Alles betrachtend. Viele Fremde, u. A. die jungen Japanesen, welche zur Aus- stellung gekommen sind, haben, belästigt durch das Auffallende ihrer Tracht, europäische Kleider an— gezogen, wobei den Genannten das Unterbringen ihrer langen Zöpfe, die natürlich nicht beseitigt werden dürfen, große Schwierigkeit bot. Glück— licherweise bieten unsere sonst so unbequemen und unpraktischen Hutofenrohre Raum genug, um nicht blos hohle Köpfe, sondern auch die größten Zöpfe zu verbergen. Ganz ist dies zwar nicht gelungen, da hinten der Sitz des Zopfes noch etwas sichtbar bleibt. Aegypten hat einen eigenen Pavillon im Innern der Maschinenhalle, wo den ganzen Tag ein schwarzer Aufseher auf seinem Sessel sitzt, umgeben von einigen Dienern, die etwas gebrochen Französisch sprechen und den Besuchern die Ge— räthe erklären. Um die Täuschung zu vollenden, werden da und dort Früchte aus Afrika, Schachteln mit Eingemachtem aus Südamerika verkauft, süße Pataten, Kokosnüsse ꝛc. und in der Nähe der Küchen kriechen kleine Schildkröten herum, als wandelnde Reklame für die Aechtheit der servirten turtle- soup. Köstlich ist auch die Sprechweise, welche sich bereits herausgebildet hat. Die Orien- tirung im Gebäude ist nämlich ziemlich leicht, wenn man sich nach den Ländern richtet. War man in der englischen Maschinenhalle und will man in Bayern ein gutes Glas Bier trinken oder einen Freund treffen, so antwortet der befragte Aufseher ungefähr so: gehen Sie von England über Amerika nach Afrika, dann kommen Sie von da über Italien und die Schweiz nach Oestreich, an das sich Bayern anschließt.
Frankfurt a. M. Aus dem soeben veröffentlichten fünften Jahresberichte der Dr. Steffan' schen Augen⸗ heilanstalt dabter geht hervor, daß die Zahl der im Zet traum vom 1. April 1866 bis 1. April 1867 bde⸗ handelten Augenkranken die Summe von 2120 erreicht hal; davon fanden 950 vollkommen freie Behandlung und insoweit es die Schwere der Erkrankung erforderte, auch freie Verpflegung und Verköstigung. Operationen kamen in dem genannten Zeitraum 159 vor, 149 mit anne Erfolg, 7 mit Besserung und 3 ohne Ecfolg.
Die Einrichtung der Anstalt ist der Art, daß Augen- kranke, welche keine unentgettliche Behandlung be⸗ anspruchen, sich in die Privatanflalt des Arztes(Kroͤger⸗ ftraße 8 in Frankfurt, Sprechzeit 3—5 Nachmittags) zu wenden haben, während für Augenkranke, welche unentgelt · lich bebandelt zu werden wünschen, die Augenklinik in Sac ssenbausen besteht(Dreikönigstraße, Eingang Bäcker⸗ gasse 2, Sprechzen ½12 dis ½1 Ubr Mitiags) 1691
Oeffentliche Aufforderung.
1609 Alle bekannte, wie unbekannte Gläubiger des Ortsbüörgers, Land⸗ und früheren Gastwirtbes Jakob Meier von Schwalheim werden zur Eingebung eines Nachlaß⸗ oder Stundungs⸗Vertrags arf zreitag den 26. Jul t d. J., Vormittags 8 Ubr, untet dem Anfügen anher eingeladen, daß die Beschlüsse der Mehrheit der gebörig auftretenden Gläubiger auch für die ungenügend vertretenen oder ausbleibenden Gläubiger als bindend angesehen werden sollen. Nauheim am 20. Juni 1867. Großberzoglsches Landgericht Rauhetm Ur ch, Suppe, Landrichter. Landgerichts⸗Assessor.
Roggenbrodmehl,
464% auf Beilangen Zahlungofrist bis 1. October d. J. empfehlen Gebrüder Löb.
8 t Versteigerung. 1689 Die auf Mittwoch den 24. Juli l. J., Vormittags 11 Ubr, in dem Gemeindehause zu Kaichen abzuhaltende Versteigerung der dem Großherzoglichen Domaniaffiscus zusiehenden, in diesem Blatte Nr. 68 näher beschriebenen Hofraithe nebst Oeconemsegebaͤuden und Grabgarten zu
Kaichen wird in Erinnerung gebracht. Friedberg am 6. Jult 1867. Großherzogliches Rentamt Frledberg -n. H.
Beachtenswerth!
201 Unterzeichneter besitzt ein vortreffliches Mittel gegen
nächtliches Bettnässen, sowie gegen Schwächezustände
der Harnblase und Geschlechtsorgane. Auch finden diese
Kranken Aufnahme in des Unterzeichne ten Peilanstalt. Speclalarzt Dr. Kirchhoffer
in Kappel bei St. Gallen.(Schweiz.)
Arbeits-Versteigerung.
1694 Samstag den 13. Juli 1867, Nachmittags 2 Ubr, sollen auf dem Büreau des Großherzoglichen Bürger⸗ meisters zu Rockenberg nachstehende Arbeiten einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden: 1) Lieferung einer eisernen Pumpe, laut Kosten · üderschlag zu 127 fl. 30 kr.
2) Steinbauerarbeit 10„— 3) Zimmerarbett. 4) Ausräumen des Gemeinde-Brunnens 6„ 30„
Gambach den 8. Juli 1867. Schneider, Bezirks⸗Bauaufseber.
w Mineralwasser
1679 als Ludwigs, Selterser, Domburger⸗, Schwal⸗
bacher⸗, Kiffinger⸗, Karlsbader, Wildunger und
Friedrichshaller Bitterwasser in stets srtschester Füllung 5
bel Ph. Dan. Kümmich.


