Ausgabe 
10.10.1867
 
Einzelbild herunterladen

1 9 N 1

r....ůĩjjçj

heute die Vertreter von 30 Millionen eines zu Einem Staatskörper geeinigten Volkes ihre Stim⸗ men erheben, eines Volkes, welches das Bewußt · sein hat, Maß und Gesetz seiner Bewegung, Fortbildung und Erweiterung ausschließlich in sich selber zu tragen. Der König erwiderte: Die in der Adresse ausgesprochenen Gesinnungen und Hoffnungen sind auch die meinigen, und daß der Einweihungstag der hergestellten Stammburg der Hohenzollern Zeuge des Ausspruches des Reichs⸗ tags ist, beweist, daß die Vorsehung mit dem hier entsprossenen Geschlechte und mit Preußen war und ist.

Dem Vernehmen nach ist durch Beschluß des Staatsministeriums festgesetzt worden, daß von den Beamten, welche Mitglieder des Reichs⸗ tags sind, keine Kosten für ihre Stellvertretung eingezogen werden sollen.

Der französische General Fleury, der auf einer Vergnügungsreise mit seiner Famil'e Mün⸗ chen, Salzburg, Wien, Dresden und Berlin be sucht hat, ist von hier wieder abgereist. Er hat hier auch dem Grafen Bismarck, den er von früher her kannte, einen Besuch abgestattet. General Fleury hatte keineswegs eine politische Mission, weder in Wien, noch in Berlin; er nimmt, wie versichert wird, friedliche Eindrücke aus Deutsch⸗ land mit und hat sich in diesem Sinne in Privat- gesprächen ausgesprochen.

Der Reichstag hat in der Sitzung am 7. ds. den gesammten Militäretat angenommen und nach längerer Debatte die Anträge von Götz und Oehmichen auf Verringerung der Militär⸗ lasten und Ausdehnung der Beurlaubungen ver⸗ worfen. Ein Antrag Forckenbeck's, betreffend baldige Vorlegung eines Service-Gesetzes, wurde unter Billigung der Regierung angenommen.

Kassel. Dem Obergerichts- und Geheimen Justizrath Eggena in Marburg, dem Ober- gerichtsrahch Baumgard in Kassel und dem Obergerichtsrath Zincke in Marburg ist die nachgesuchte Entlassung aus dem Justizdienste mit Pension bewilligt.

Frankfurt. DieFrkft. Ztg. brachte kürz⸗ lich bemerkenswerthe Aeußerungen des Grafen Bismarck, welche derselbe Frankfurter Bürgern gegenüber gethan haben soll. Darnach hat der Minister seine wohlwollenden Gesinnungen für Frankfurt in der wärmsten und eindringlichsten Weise wiederholt ausgesprochen:Frankfurt müsse ebenso gestellt sein, wie jede andere große preußi⸗ sche Stadt; ja, es habe die Stadt ein Recht, mehr zu verlangen, denn die neuen Verhältnisse hätten ihr große Verluste und Einbußen gebracht; Frankfurt müsse seinen alten Glanz und seinen wohlbegründeten Ruf bewahren; es müßten der Stadt die Mittel belassen werden, um ihre Be⸗ dürfnisse reichlich zu decken. Wenn durch frühere unrichtige Ansichten und Ausfstellungen Irrungen und Zögerungen entstanden seien, die er bedaure, so hege er dagegen die Ueberzeugung, daß bei einer billigen Beurtheilung der Thatsachen ein Einverständniß sich leicht erzielen lassen werde. Ueber die Stadt äußerte sich der Herr Minister⸗ präsident in der freundlichsten Weise. Die Frank- furter seien ihm während seines langjährigen Aufenthaltes bekannt und werth geworden.

Hanau. Die hiesige Zeitung meldet, daß der Kurfürst damit umgehe, in Prag ein Palais zu miethen, um für den bevorstehenden Winter dort seinen Aufenthalt zu nehmen. Dagegen soll die bestimmte Absicht bestehen, Hanau als eigent⸗ lichen Wohnsitz beizubehalten und namentlich im Sommer hier Residenz zu nehmen.

Bayern. In einer am 6. October in Augsburg abgehaltenen Landes ⸗Versammlung der Fortschrittspartei, welche von etwa 1000 Personen besucht war, referirte Professor Mar- quardsen über die Stuttgarter Resolutionen, welche einstimmig angenommen wurden. Von den ge⸗ haltenen Reden heben wir hervor: Crämer aus Doos sprach gegen die Bewegung in der ultra- montanen Partei; Erhard aus Nürnberg schilderte das Unheil, das für das Land aus der Ableh⸗ nung des Zollvereins erwachsen könnte; Völk von hier sprach für den Anschluß an den norddeutschen

Bund(Beifallssturm;) Beckh aus Lindau für die Freiheit durch die Einheit und für einiges Zu⸗ sammenstehen gegen das Ausland; Fischer aus Augsburg sprach über die Social-Gesetzgebung in Bayern und vertheidigte erfolgreich die Beschlüsse des Ausschusses gegen die Angriffe, denen sie aus gesetzt waren; Stauffenberg war für die Reform des bayerischen Heeres nach preußischem System. Der Ausschuß wurde wiedergewählt. Die Ver⸗ sammlung sprach sich einstimmig und entschlossen für die Einigung Deutschlands aus, sowie für die energische Abwehr des Auslandes.

Das preußische Königspaar wurde bei seiner Ankunft dahier vom Könige von Bayern im Bahnhof unter großem Jubel des zahlreich versammelten Publikums empfangen. Nach einem im Bahnhofe eingenommenen Diner wurde die Weiterreise nach Nürnberg fortgesetzt. Auch dort hatte sich eine große Volksmenge versammelt und begrüßte die Ankommenden enthusiastisch; Abends fand Fackelbeleuchtung statt.

Württemberg. Stuttgart. Am 5. ds. ist das königliche Deeret von Friedrichshafen hier eingetroffen, welches den Landtag auf den 18. October, den Jahrestag der Schlacht bei Leipzig, einberuft, zu einer der wichtigsten Sessio⸗ nen, die je in Württemberg stattgefunden haben.

Nach den letzten Bestimmungen werden der König und die Königin von Preußen am 10. October von Weimar nach Baden⸗Baden reisen.

Oesterreich. Wien. DieAbendpost bezeichnet in einer von guter Seite herrührenden Darstellung die Gerüchte über eine durch die Con⸗ cordatsfrage angeblich herbeigeführte Ministerkrisis als unbegründet. Der Reichskanzler sei vielmehr, im vollen Genuß des Vertrauens der Krone be strebt, die nöthigen Concordats-Reformen vorzu- nehmen. Die Regierung sei entschlossen, den Weg der inneren Gesetzgebung zu betreten, unbehindert von auswärtigen Einflüssen die wichtigsten und nothwendigsten Beziehungen des interconfessionellen Lebens zu regeln, und soll mit der Reform der Schule der Anfang gemacht werden.

DieDebatte vom 8. ds. meldet als verbürgt, daß der Kaiser, dem Ministerverant⸗ wortlichkeits⸗Gesetze entsprechend, das Ministerium beauftragt hat, die bischöfliche Adresse zu berathen und darüber Bericht zu erstatten. DiePresse und dieDebatte melden über⸗ einstimmend, daß die Brüder des Kaisers, die Erzherzöge Karl Ludwig und Ludwig Victor, ihn nach Paris begleiten werden, und daß die Dauer seiner Abwesenheit auf neun Tage festge⸗ setzt ist. N

Frankreich. Paris. Marschall Niel hat eine neue Einrichtung für die Uebungen der Reserve getroffen, welcher von Fachmännern große Wichtigkeit beigelegt wird. Die jungen Leute der Reserve aus der Altersclasse von 1866 näm⸗ lich werden nicht, wie sonst, zu gemeinsamen Uebungen unter sich als Keserven zusammengezo gen, sondern vielmehr unter ihre resp. Regimenter und Corps aus der Linie derart vertheilt, daß die Reservisten in Gemeinschaft mit den schon ge⸗ dienten Soldaten ihren Exercitien obliegen.

Die Liberté erfährt, daß der italienische Gesandte, Herr Nigra, dessen Reise nach Biarritz se ungewöhnliches Aufsehen in Paris macht,von Rattazzi die Mission erhielt, dem Kaiser zu er⸗ klären, das italienische Cabinet könne die Actions;

partei nicht länger zurückhalten, eine rasche und

gründliche Lösung der römischen Frage sei unum⸗ gänglich geworden.

DiePatrie zeigt jetzt auch an, daß der Kaiser von Oesterreich allein zur Aus⸗ stellung kommen werde; die Kaiserin Elisabeth sei durch Gesundheitsrücksichten verhindert, ihn zu be⸗ gleiten.

Wieder ist einer der treuesten Anhänger des Kaisers zu Grabe gegangen. Der frühere Finanzminister des zweiten Kaiserreichs, Achille Fould, starb plötzlich am 6. d. in seinem Schlosse bei Tarbos. Derselbe wurde am 17. November

1800 als Sohn eines reichen jüdischen Banquiers

geboren. Er erlernte im elterlichen Hause die

Handlung, fand aber auch an den schönen Künsten Geschmack, deren Studium er auf Reisen in Italien und im Orient sich mit vielem Eifer widmete. Nach Frankreich zurückgekehrt, ward er Associé seines Bruders Bénite Fould, des Chefs der FirmaF. Oppenheim u. Co. und wurde schon während der Regierung der Julidpnastie vielfach zu öffentlichen Ehrenämtern berufen, auch bei finanziellen Maßregeln von der Regierung vielfach zu Rathe gezogen. Nach der Februarrevolution wurde er für Paris in die constituirende Natio- nal versammlung, später in die Legislative gewählt, und erregte durch seine von anderer Seite ais abenteuerlich bekämpften finanziellen Pläne Auf⸗ sehen. Mit der Bildung des bonaparristischen Cabinets erhielt er das Portefeuille der Finanzen, das er mit geringen Unterbrechungen bis zum vorigen Jahre verwaltete. Seit 1857 war er auch Mitglied der Academie der schönen Künste.

Man versichert aus guter Quelle, daß nach dem vom Kaiser in Biarritz angenommenen Rouher'schen Programm die Nicht⸗Intervention die Basis der auswärtigen Politik Frankreichs sein wird. Der Papst soll bis zu seinem Tode die weltliche Gewalt in Rom behalten, mit seinem Nachfolger aber ein Arrangement getroffen werden, wodurch seine geistliche Autorität garantirt wird. Im Innern sollen die Rüstungen beendet und die Cadres der Armee erweitert werden, ohne den Effektivstand des Heeres zu vermehren. In diesem Sinne soll das Reorganisationsprojekt eine Modi⸗ fication erfahren. f

Großbritannien. London. Der Vor⸗

stand desDeutschen Rechtsschutzvereins in London

steht sich durch ein Circularschreiben genöthigt, öffentlich zu erklären, daß die Vereinsmitglieder sich nicht für berechtigt hielten, ihre Thätigkeit länger als bis zum 30. November fortzusetzen, wenn nicht vor diesem Datum dem Verein die Mittel zur Weiterverfolgung seiner Zwecke an die Hand gegeben würden. Das einzige Resultat des Hülferufs, welchen der Verein gelegentlich seines letzten Jahresberichtes erließ, um sein ge⸗ fährdetes Bestehen zu sichern, war die Bewilligung eines jährlichen Beitrags von 100 Thlrn. von Seiten des Rathes der Stadt Leipzig. Wenn man bedenkt, daß durch den Verein bereits 300 Civil⸗ und Criminalfälle aufgenommen und bei⸗ nahe alle zu Gunsten der Betreffenden gerichtlich durchgeführt worden sind, außerdem aber noch 900 Fälle, welche vor denselben gebracht wurden, ihre Erledigung durch practischen Rath oder Ver⸗ mittelung auf gütlichem Wege gefunden haben, so kann man wohl die Hoffnung aussprechen, daß genügende materielle Unterstützung das Fortbestehen des Vereins, der namentlich von den in London lebenden Deutschen so oft und erfolgreich in An⸗ spruch genommen wurde, sicher stellen möge.

Italien. Depeschen aus Florenz vom 6. ds. melden: Garibaldi hat eine Proclamation erlassen, worin er die Italiener zum Zuge gegen Rom auffordert. In Turin haben Demonstra⸗ tionen fürRom, dit Hauptstadt Italien's, statt⸗ gefunden. a

Ein Versuch Garibaldi's, von Caprera wieder nach dem Festland zu gelangen, ist durch die Dazwischenkunft eines in der Nähe der Insel verweilenden Königlichen Kriegsdampfers vereitelt worden. Garibaldi, der bereits einen Dampfer bestiegen hatte, mußte sich auf seine Insel zurück⸗ begeben, erließ aber vorher noch eine an die Italiener gerichtete Proelamation, in welcher er dieselben auffordert, in jeder Weise in der Er· lösung Rom's fortzufahren, und, wenn sie seiner Mitwirkung bedürftig seien, so zähle er darauf, daß sie daran denken würden, ihn zu befreien.

Die Nachrichten aus Rom bieten nichts Näheres, da die Telegraphen⸗ Verbindungen an verschiedenen Orten zerstört und andere zuverlässige Berichte nicht über die Grenze zu gelangen ver⸗ mögen. Aus allen einlaufenden Nachrichten geht indeß hervor, daß die Invasion Fortschritte macht, überall zeigen sich garibaldianische Corps und be unruhigen die päpstlichen Truppen. Der Papst soll in Paris haben erklären lassen, daß er in keinem Falle eine italienische Intervention dulden

Ameril 1. Stptenbtt nilan i Guß abges Mission de ganterba Ir Spal und stiebberg un. 100 fl. zugew! Fraukfr meldet: End sonen zu del männlichen Juhten die b derung macht Kisten mit th während ber!

Mi Fir d weilt mit der einet Zahlun = 1 Sid

Die bei jedem K Vylung der deins erfor

Dor

2404 Wi Wee war ur 28. Oe abgehalte