Ausgabe 
10.1.1867
 
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worin derselbe erklärt, er dürfe sein Gewissen nicht beschweren und gebe die Verpflichtung zur Huldigung zurück. Gleichzeitig entbält die Pro- clamation die Betheuerung seiner Vaterlandsliebe und vielfache Angriffe auf die preußische Politik.

Wiesbaden. Das bisher in Nassau be standene und gegenwärtig noch bestehende Jagd- recht auf fremdem Grund und Boden soll noch vor Einführung der preußischen Verfassung im Wege einer Verordnung aufgehoben werden. Die Aufhebung soll gegen Entschädigung erfolgen, jedoch mit der Maßgabe, daß der Fiscus, welcher der weitaus Meistberechtigte ist, auf seine Ent schädigung verzichtet und die Entschädigung der betheiligten Privatpersonen auf die Gesammtheit übernommen wird.

Gotha. Es gebt hier seit einiger Zeit das Gerücht von Mund zu Mund, der Herzog wolle seine Souveränetätsrechte der preußischen Dynastie vertragsweise abtreten, weil die kleinen Staaten bei den enormen Militärforderungen, die Preußen stelle, ihre Selbstständigkeit auf die Dauer ohnehin nicht erhalten oder selbige nur mit ihrem finanziellen Ruin erkaufen könnten, und weil er mit diesem Acte politischer Resignation der patriotischen Idee des deutschen Einheits- staates in die Hände arbeiten wolle. Auch bei andern Thüringischen Fürsten soll eine gleiche Ansicht zur Geltung gekommen und bezügliche Unterbandlungen zu erwarten sein.

Bayern. Die Durchführung der pro- jectirten neuen Heeresverfassung wird einen Mehr⸗ aufwand für die Armee von jährlich 6 ½ Mill. Gulden verursachen. Da in der laufenden 8. Finanzperiode der Militäretat auf 11,415,000 fl. festgesetzt ist, so würde sonach in Zukunft der Militäretat 17,915,000 fl. im ordentlichen Bud⸗ get betragen.

München. Am 8. d. Mts. wurden die bayerischen Kammern unter Anwesenheit des Ministers Fürsten Hohenlohe eröffnet. Die zur Vorlage kommenden Gesetzesentwürfe sind: die Kriegsentschädigung für die Provinzen; Ge⸗ meindeordnung; Gewerbefreiheit; außerordentlicher Credit für die Reorganisation des Herres.

Oesterreich. Der König von Italien hat an den Kaiser von Oesterreich einen tele⸗ graphischen Neujahrsgruß gesendet, der von letzterem auf demselben Wege auf's herzlichste er wiedert wurde. Pros't Neujahr!

ueber die recht bedenklich aus sehenden Zu⸗ stände im Orient äußert sich dieZeidler'sche Correspondenz u. A.:Nach den uns zugehenden Nachrichten scheine die orientalische Frage größere Dimensionen anzunehmen, womit selbst⸗ redend indeß noch nicht gesagt sein soll, daß sie schon vor Beendigung der diee jährigen Welt⸗ Austellung in Paris eine brennende werden dürfte. Jedenfalls steht so viel fest, daß die Veränderung des griechischen Cabinets in Athen im kriegerischen Sinne erfolgt ist und daß die Großmächte be⸗ ginnen, sich gegenseitig zu sondiren. In letzterer Hinsicht geht uns die Andeutung zu, daß in Wien an einer Allianz zwischen Italien und Griechenland gearbeitet werde, ein Bund, dem Oesterreich sodann in der Rolle einer Protektions⸗ macht beizutreten gedenke.

Ein kaiserliches Patent vom 2. Januar verordnet: 1) die Auflösung der bisherigen nicht⸗ ungarischen Landtage, da die sechsjährige Wahl- periode für dieselben demnächst abläuft; 2) die Neuwahlen der Landtage; 3) die Einberufung det neugewählten Landtage auf den 11. Februar; 4) die Wahl für eine außerordentliche Reichs; rathsversammlung ist der alleinige Gegenstand der Wirksamkeit der einberufenen Landtage; 5) der außerordentliche Reichsrath ist auf den 25. Februar nach Wien einberufen; 6) die Berathung der Versassungsfrage ist der alleinige Gegenstand der Thätigkeit dieser Reichsrathsversammlung.

Man spricht mit vieler Bestimmtheit davon, es würden alle jene Offiziere der hannover'schen, hessischen und nassauischen Armee, welchen die Bedingungen zum Eintritt in den freußischen Dienst nicht annehmbar erscheinen, ohne Weiteres in die österreichische aufgenommen werben.

aus der sächsischen Armee soll eine größere Anzahl von Offizieren in unser Heer auf diese Weise überzutreten gesonnen sein. Nach einer Mittheilung desNeuen Fremdenblattes stünde eine Amnestie

für volitische und Preßverbrecher bevor. Bekannt- lich sind in Oesterreich die dieserhalb Verurtheilten vom activen und passiven Wahlrechte ausgeschlossen. Beleredi soll beim Kaiser beantragt haben, den Verurtheilten jeder Kategorie diese Rechtsfolgen nachzusehen. f

Frankreich. Nachrichten aus Algier melden, daß dort am 2. Januar große Verheerungen durch ein Erobeben verursacht worden seien. Verschiedene Dörfer sollen gänzlich zerstört sein. An andern Orten sind eine große Anzahl Häuser erschüttert und unbewohnbar geworden, Casernen mußten geräumt werden und die Truppen unter Zelten campiren. Leider sind nach den Berichten viele Menschenleben zu beklagen, an Verwundeten soll sich eine große Anzahl vorfinden.

Friedberg. Während dieses Winters wird in Darmstadt eine Reihe von Vorträgen zum Besten der In validenstiftung im Saale der höheren Töchter schule gehalten werden, welche am Dienstag den 8. d. M. mit einer Vorlesung des Herrn Prof. Dr. Hundes⸗ hagen von Heidelbergüber die religissen Zustände der griechisch-römischen Welt zur Zeit der ersten Ausbreitung des Christenthums bereits begonnen baben. Bczüglich der später zu erwartenden Vorträge wollen wir hier nur erwähnen, daß ein solcher von Hrn. Director Dr. Schwabe über das evangelische Kirchenlied für den 15. Januar und ein weiterer von Hrn. Prof. Dr. Diegel überZiazendorf und die Herrnhüter für den 12. Februar angekündigt ist. Außer diesen Herren werden sich noch mit Vorträgen betheiligen: Missionar Strobel, Pfarrer Dr. Stromberger, Milprediger Dr. Wagner, Dr. Max Rieger, Garnisons prediger Dosch, Hauptmann v. Plönnies und Garnisons prediger Dr. Krätzinger.

Frankfurt. Friedrich Stoltze läßt dahier eine neue humoristische Wochenschrift unter dem Titelder wahre Jakob erscheinen, welche als Fortsetzung der Laterne betrachtet werden kann. Zu wünschen möchte hierbei sein, daßder wahre Jakob nicht in die alte Laterne fallen möge!

Gießen. Dienstag den 15. Jan. kommt in der hies. Stadtkirche die Schöpfung von Haydn unter der anerkannt trefflichen Leitung des academischen Musikdirectors W. Mickler, unter gefälliger Mitwirkung des academischen Gesangvereins und von Frau Peschka⸗Leutner von Darm stadt und Carl Hill in Frankfurt zur Aufführung.

Aus dem üntern Maingau. Man gab in Folge der schlechten Witterung in dem Monat August und An⸗ fangs September die diesjährige Weincrescenz so ziemlich für verloren, doch der Schluß des Septembers und des October thalen ihre Schuldigkeit, so daß der 18667 einen recht guten Tischwein ergab. Bei dem fühlbaren Mangel an geringeren Weinen erhielt derselbe einen im Verhäliniß zu seiner Qualität recht ansehnlichen Preis.

Mainz. Ein furchtbares Feuer, welches in den ganzen schneebedeckten Horizout Tageshelle verbreitete, hat am 7. Januar Morgens kurz nach 3 Uhr die Bembe'sche Parquet⸗ und Möbelfabrik in Asche gelegt. Man glaubt, daß das Feuer in der Trockenkammer ausbrach.

Diebstahl. Am Neujahrstage sind dahier zwei Artillerie⸗Gefreiten, denen die zum Auslöhnen von Sol⸗ daten bestimmie Summe von 500 Thalern anvertraut war, mit dieser Summe unsichtbar geworden, und werden dieselben steckbrieflich versolgt. Die an den Thoren stattgehabte Visitation von Personenfuhrwerken, die am Neujahestage die Festung verließen, hängt mit diefer Geschich te zufsammen.

oblenz. Am Syldbester⸗Abend fand in einem bies. Gasthause eine Gaserplosion statt, welche leicht die traurig⸗ ien Folgen hätte haben können. Zwischen 4 und 5 Uhr Abends fand sich der Wirth durch einen im ganzen Hause verbreiteten Gasgeruch veranlaßt, sein Local anstatt mit Gas⸗ mil Kerzenlicht zu erleuchten. Als man in der Nähe der im Hofe gelegenen Küche einige Steinplatten Behufs Untersuchung der Leitungsröhre an dieser Stelle entfernte und hier mittelst Anwendung eines Lichtes eine nur unbedeutende Austretung des Gases vorgefunden hatte, geschah in der Nähe einer der Gasleitung in der Küche gegenübersteheuden Pumpe eine so gewaltige Explosion, daß fast sämmiliche Scheiben zertrümmert, bie Fenster⸗ rahmen ausgehoben, selbst minder feste Steipplatten aus der Erde gehoben und in die Küche geschleudert wurden. Fast ein Wunder ist es zu nennen, daß von den acht in der Küche beschäftigten Personen keine einzige eine Ver⸗ letzung davongetragen.(Es ist hiernach sehr rathsam, bei Wahrnehmung größerer Gasausströmungen mit der Unter⸗ suchung der Leitung durch ein brennendes Licht sehr vor⸗ sichtig zu Werke zugehen, denn leicht hätte erwähnte Ex⸗ plosion größeres Unglück anrichten und Menschenleben fordern können.)

Baden. In der Frühe des 3. Januar ist zwischen Karlsruhe und Ettlingen während eines starken Schnee⸗ falles ein vom Oberland kommender Güterzug gegen einen vorher abgegangenen angerannt. Die Maschine des hinteren Zuges zertrümmerie dabet mehrere Wagen des vorfahrenden und kam, sowie auch der Tender, aus den Geldisen.

Menschenleben sind bei dem Unfall nicht zu beklagen, doch 6 8 hat der Heizer des nachfahrenden Zuges einen Beinbruch Auch serliulen. Der Meschinenführer und der Zugmeister dieses

Zuges wurden, dem Vernehmen nach, sofort vom Dienste suspendirt und in Untersuchung genommen.

Die Goldlager in Cauada sind jetzt von der Regierung untersucht worden. Die Commissäre berichten, daß in dem ganzen Districte um Mados herum Gold in bedeutenden Quantitäten vorhanden sei und haben der Regierung Proben von goldhaltigem Quarz und Golbd⸗ törnern zugeschickt. Das Lager ist augenscheinlich sehr reich. Man fand Gold in einer Tiefe von 5 Fuß. Der unter⸗ suchende Commissär sagt, daß an einer Stelle Gold in Werthe von 1500 2500 Dollars aus einem Schachte gefördert wurde. Der Boden des Golddistrictes gehört größtentheils der Reyiexung, doch sind einzelne Striche im Besite von Bauern, die für ihr Eigenthum ungeheuere Preise verlangen. Die Goldader soll sich nach dem Be⸗ richte der Commissäre über einen Flächenraum von 40 Quadratmeilen erstrecken und die Ausbeute in der Qua⸗ lität reicher sein als das Gold in Australien oder dem britischen Columbia.

Theater in Friedberg.

72 Freitag den 4. Januar 1867. Zum Benefice des Herrn Mackauer und der Frau Pielsch:Der Profos und die Seinige, oder die Folgen der Schlacht von Solferino, Originalposse mit Gesang und Tanz in 4 Abtheilungen von A. Berg.

Was kennt das Volk, was wälzt sich dort

Die breite Stcaße brausend fort?

Stürzt Friedberg unter Feuersflammen?

Es rottet sich im Sturm zusammen.

Und tausend Stimmen werden laut

Mackauer's Benefice, kommt, schaut!

Mackauer's Benefice und Compagnie! J

Und durch den Schuee stürmt bis zum Knie

Nach Thalia's Tempel hin der Troß

Zu bewundern den Meister als Profos. 19

Der Traum der Beneficlanten hat sich verwirklicht.

Zeus, der Beherrscher des Donners, bescheerte denselben ein Stück, das obgleich gehaltlos, für den Beneficianten sich seyr gehalkreich gefaltete. Die Galerie erbebte unter der Wucht ihrer Insassen, der erste und zweite Platz war so gedrängt voll, daß verschiedene Nasenspitzen zuweilen in zäctliche Berührung kamen. An einer bedeutenden Anzahl Quetschungen, Arm- und Beinverenkungen, Hühner⸗ augenverttetungen, Krinolinenverwicklungen fehlte es na⸗ türlich nicht. Es wäre sehr vortheilhaft gewesen, wenn das schöne Geschlecht heute ohne Crinoline erschienen wäre, denn, angenommen daß 200 Damen sich auf dem ersten und zweiten Platz befanden, und, was gewiß nicht zu viel gesaßt ist, 2 Crinolinen 3 Stühle einnahmen, so stellt lig dadurch ein erheblicher Cassendeficit heraus. Mütter un Väter hatten ihre Kinder auf dem Schocs, und selbst Nicht väter waren so galant, den platzlosen Kindern einiger Mütter ein Plätzchen auf iyren Schößen zu ver⸗ gönnen. Dessen ungeachtet gab es noch Standespersonen in Masse. Doch genug des äußeren Schauspiels, wenden wir unsern Blick der Bühne zu; der Vorhang rauscht in die Höhe, und die Origtnalposse beginnt. Ungeheurer Applaus beim Erscheinen des Beneftelanten; das Klatschen wurde durch die eng aneinander gepreßten Ellenbogen erschwert, dagegen thaten die Schreiorgane des verehrl. Publikums ihr Möglichstes. Von der Galerie herab er⸗ tönte es wie der Kanonendonner der Schlacht von Sol⸗ jerino. Der Beneficiant war sichtlich gerührt, verneigte sich und begrüßte mit Wonnegefühl das Publikum mit seinem gewaltigen Profosstab. Was soll ich nun in Betreff des Stückes und der Darstellung berichten? In Kürze gesagt, das Ganze ist ein fades Machwerk mut faulen einseitigen Witzen und mit den Haaren herbei⸗ gezogenen Couplets. Ausnahme das Eingangslied des Tambours, recht schön componirt von Herrn Kapellmeister Metzger; auch das Dampfcouplet, obwohl auch daran nicht sehr viel ist. Die Handlung besteht aus einem wirklich originell-possenhaften Durcheinander und schließt mit einem glänzenden Maskenball. Besonders reizend die Maske in Rosa mit dem rothen Husaren, der geflügelte Amor und der langgenaste Harlekin. Die Darsteller thaten ihre Schuldigkeit und halfen dem Stück so viel wie mög lich auf die Beine. Der Hauptzweck ist jedoch erreicht, der Traum der Beneficianten hat sich erfüllt, und das Publikum amüsirte sich trotz der diversen Queischungen und ging hoffentlich zufrieden gestellt nach Hause. J. M.

Verloosunge n.

f Zusammenstefnng sämmt⸗ licher Hauptpreise bei der nun vollendeten Ziehung der

Nr. 9858, 36894, 59894, 73592, 89. 1007 11. 114540, 126064, 127866 je 1000 fl. Rt. 10893, 14203, 16481, 17205, 26818, 27468, 3207, 34013, 38909, 47235, 55100, dsacg, 63406, 70301 J2883, 73889, 76395, 77904, 80048. 80897, 8278, 87149, 112888, 117611, 120144, 126165 je 400 fl

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Oesterreichische fl. 250 Lo ose von 1854. Serien⸗ ziehung. Serie 62 140 361 564 424 461 572 601 678 701 889 990 1023 1088 1115 1512 1668 2014 2670 2843 und 3735.

Brüsseler to Fr.⸗Loose von 1853. Nr. 63307 2 25000 Fr., Nr. 64351 4 10000 Fr., Nr 12417 14384 19317 23304 35959 51170 54328 60185 63841 64262 4 900. Fi, Ni, 2213 22931 26117 32979 35430 3649 9787 55787 59380 6329 1 à 500 Fr., Nr. 33096 63980 34009 à 300 Fr., Nr. 3183 7315 8357 20595 21584 24826 24845 30870 37529 53616 57548 58422 61782 64149 67764 à 200 Fr.

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