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sich seit einigen Tagen in Paris befand, wurde am Montag telegraphisch nach Wien berufen. Man bringt diese plötzliche Berufung mit der Katastrophe von Queretaro in Zusammenhang; wie es scheint, handelt es sich um eine Misston wegen Auslicferung der sterblichen Ueberreste Ma— ximilians.
Großbritannien. London. Dem Par⸗ lament ist jetzt der officielle Bericht über die Hungersnoth. in der indischen Provinz Orissa eingehändigt worden, woraus hervorgeht, daß eine schreckliche Dürre während des Jahres 1865 dort eine unbeschreibliche und unglaubliche Noth hervorgerufen hat. Vom Herbste 1865 bis Ende 1866, bis die Herbsternte dieses Jahres einge— bracht wurde, stieg die Noth von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat Von der Bevölkerung von 3,600,000 wurden über 600,000 Seelen während dieser Zeit vom Hunger hinweggerafft. Es ist ein Schreckens— gemälde ohne Gleichen, das der Commissionsbericht entrollt.
* Friedberg. Von Stuttgact berichten die Zestungen folgenden entsetzenerregenden Fall. Der große Hund eines
Bewohners der Olgaflraße überfiel ohne irgend eine äußere
Veranlassung einen ruhig seines Weges gehenden Knaben von etwa 7— 8 Jahren, biß ihn in den Hinterkopf und zerfleischte denselben völlig(man zählt bis zu acht Biß— wunden und eine Kopfader ist verletzt), so daß, wie man hört, selbst der sogleich herdeigeholle Arzt an dem Auf— kommen des unglücklichen Kindes zweifell.— Hier in Friedberg hat sich dieser Tage ein ähnlicher Fall ereignet. Ein etwa n 5 Jahre alter Knabe näherte sich im Vorüber— gehen dem in einer Straße stehenden Hundefuhrwerk« eines fremden Händlers, als er plötzlich von dem Hunde angefallen und mehrmals in das Gesicht gebissen wurde. Die Verwundung soll zwar nicht von großer Bedeutung sein, allein es ist doch sehr beumuhigend für Eltern, wenn sie ihre Kinder in den gangbarsten Straßen der Siadt in dieser Weise bedroht fürchten müssen. Denn wahrlich zu verwundern dürfte es sein, daß nicht schon öfters ähnliche und schwerere Verletzungen durch diese zur Vewachung bet ihren Wagen liegenden Hunde, sowie die vielen überall in unserer Stadt frei herumlaufenden großen Bestien vorge— kommen sind, da mau solche nur selten mit einem Maul— korbe verschen findet. Sollten obige Fälle die Polizei nicht zu strengeren Anordnungen im Inkeresse öffentlicher Sicherbeit auffordern?
Offenburg. Als kürzlich ein junges Brautpaar, das am folgenden Tag getraut werden sollte, in einen Beichtstuhl der hiesigen katholischen Stadttirche trat, um daseldst die vor der Trauung übliche Beichte zu verrichten, wurde dasselde durch eine in dem Beichtstuhle gelegene Leiche eines 15 Tage alten Kindes überrascht. Die gerichtliche Obduction soll einen natürlichen Tod desselben ergeben haben. Eine der Verbringung der Leiche an den genannten Ort verdächtige Person ist verhaftet.
Würzburg. In diesen Tagen befand sich unsere Stadt in der größten Aufregung. Es ereiänete sich nämlich, daß bei einem hiesigen Bäcker aus Unversichtigkeit eine bedeutende Quantität Arsenik, welches zur Vertilgung der Schwaben aufgestellt war, in den Butterteig gerieth aus welchem die sogenannten Hörnchen gebacken wurden. Alle Diejenigen, welche dieses Backwerk genaßen, und es sind deren bei der ausgedehnten Kundschaft des betreffenden Bäckers sehr Viele, bekamen mehr oder minder heftiges Erbrechen, von dem sich nur Wenige bis jetzt erholt haben. Ganze Familien liegen darnieder, Aerzte und Apotheker sind in größter Thätigkeit, doch ist keine Lebensgefahr mehr zu befürchten.
Schwurgericht der Provinz Oberhessen. III. Quartal 1867. Urtheile:
en 1. Juli wurde Johannes Traband aus Lauter— bach, wegen ausgezeichneten Diebstahls, in eine geschärfte Zuchthausstrafe von 4 Jahren, Antoinette, seine Ehefrau dagegen, wegen Begünstigung dieses Verbrechens, in eine Bezirksgefängnißstrase von 3 Wochen condemnirt.— Den 2. Juli wurden wegen Körperverletzung und Raubs ver- urtheilt: 1. Blasius Hill von Ohmes, in eine Zuchthaus— strafe von 5 Jahren und 3 Monaten. 2. Conrad Happ von da, in eine solche von 5 Jahren und 1 Monat; sodann wurde 3. wegen Begünstigung des letzten Ver— brechens, Gottfried Schmidt von da, in eine Bezirks— gefängnißstrafe von 8 Wochen, an welcher jedoch 5 Wochen als verbüßt zu betrachten seien, verfällt.— Den 3. Juli wurde Heinrich Grün von Rabertshausen, wohnhaft zu Betzenheim, wegen ausgezeichneten Diebstahls, in eine geschärfte Zuchthausstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten verurtheilt
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Das Dorheimer und Melbacher Zergwerk. Erwiderung
Der Anzeiger füt Oberhessen hat in Nr. 77 einen Aufsatz unter vorstehender Ueberschrift gebracht, welcher die Gemeinde Melbach beschuldigt, als widerstrebe dieselbe blos aus localem Interesse der Inbetriebsetzung eines neuen Braunkohlenbergwerks in ihrer Gemarkung. Es kann zwar nicht geleugnet werden, daß der Ortsvorstand resp. die ganze Gemeinde Melbach ihre Interessen durch jene An— lage für gefährdet erachten müßte, allein sie hat auch ihre guten Gründe dafür, wie aus Nach— stehendem zu ersehen sein wird.
Bekanntlich liegt die Gemarkung Melbach ganz eben und ist dasjenige Feld, wo die Anlage in Bau genommen werden soll, vor mehreren Jahren entwässert worden. Durch jene Inbaunahme wird eine Menge Wasser zu Tage gefördert, es werden Sümpfe gebildet, um mit dem darin befindlichen Wasser Sommerszeit die Klötze zu bereiten. Nun weiß jeder Laie, daß das Wasser das Gleichgewicht hält, es wird sich dasselbe dem Felde wieder mit— theilen und dieses wird sich hierdurch wieder ver— schlechtern, auch wenn Graben zur Ableitung des Wassers vom Werke angelegt werden sollten. Wo will man hin damit? Nach unsern Wiesen hin, welche vor einigen Jahren durch einen tiefen Graben entsumpft worden sind, und wo das Wasser so wenig Fall hat, daß dasselbe im Entwässerungsgraben stehen bleibt? Kommt nun das Bergwerkswasser noch dazu, welches bekannt— lich ganz böse Bestandtheile besitzt, so werden auch die Wiesen wieder gänzlich verdorben.
Bei Anlegung eines mit so viel Kosten ver— bundenen Werkes fragt es sich erstens: liegt die Nothwendigkeit vor, um durch jenen Betrieb der Landwirthschaft so viel Land zu entziehen und zweitens: wird sich dasselbe rentiren?
Beide Fragen müssen verneint werden, denn wenn man bedenkt, daß in einem Umkreise von circa 1½ Stunden, sechs Bergwerke, zwischen welchen Melbach fast in der Mitte liegt, in Betrieb
sind, Wölfersheim, Weckesheim, Dornassenheim, des Besten für's Allgemeine in hohem Grade.
Bauernheim, Ossenheim, Dorheim mit Beienheim, von denen die meisten solche reichhaltige Kohlen— lager haben, daß bei Menschenleben die Ausbeute zum Bedarf hiesiger Gegend hinreicht; wenn man ferner erwägt, daß durch den allgemein ein— geführten Verbrauch der Steinkohlen und die ge⸗ sunkenen Holzpreise der Bedarf an Braunkohlen ein weit geringerer geworden und für die Folge noch weit geringer werden wird, was darin seine Bestätigung findet, daß noch Tausende Centner alter Klötze auf dem Dorheimer Bergwerk sitzen geblieben sind, so beweist dieses Alles, daß kein Bedürfniß vorhanden ist, ein neues Bergwerk anzulegen. Was nun die zweite Frage der Rentabilität betrifft, so wollen wir nur kurzer Hand anführen, was ein neues Bergwerk für ein großes Auslagekapital verlangt, bis solches in Betrieb gesetzt werden kann. Für Ankauf von Gelände(und dieses ist in Melbach seit 10 bis 15 Jahren sehr theuer), für Aufführung neuer Ge— bäude, für Anlegung neuer Wassergraben und Ankauf des Geländes hierzu, sowie Ankauf von Gelände zu einer neuen Chaussee und deren Bau— kosten u. s. w. Nun weiß jeder, daß in den ersten Jahren die Ausbeute eine geringe ist und der Verkauf der Klötze fast gar nicht geht, weil dieselben in erster Zeit nicht viel werih sind. Allein das Auslagekapital will auch verzinst sein. Wo bleibt da gleich der Ueberschuß von 10,000 fl., welchen Einsender des besagten Aufsatzes uns so schön mit Zahlen auf's Papier bringt? Er sagt es freilich nicht bestimmt, sondern er führt an, es soll so und so viel Ueberschuß gehabt haben? Die Rentabilität wird ferner noch in Frage gestellt durch die Concurrenz, denn daß der Preis der Braunkohlen, um Absatz für dieselben zu finden, herabgesetzt werden wird und muß, unterliegt gar keinem Zweifel.
Wenn Einsender sagt, das Melbacher Lager wäre nur durch Unterbrechung einer kleinen Strecke von dem von Beienheim getrennt, so ist er sehr im Irrthum, das Melbacher Lager liegt weiter als eine viertel Stunde von dem Beienheimer entfernt und wenn derselbe ferner den Melbachern den guten Rath ertheilt, den Behörden entgegen zu kommen und an den bekannten Satz erinnert: „Das Wohl des Einzelnen muß dem Wohle der Gesammtheit untergeordnet werden“, so klingt dieses Alles recht schön und die Inbaunahme des Melbacher Bergwerks möchte wohl auch für sein eigenes Interesse) von Vortheil sein, allein daß den Melbachern Feld und Wiesen ruinirt und ihre Wege verdorben werden, das wird doch Niemand in Abrede stellen können, wer nur einiger maßen die Lage des Melbacher Feldes keant.
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*) Wie glauben hierzu bemerken zu sollen, daß der Ver⸗ fasser jenes Artikels duechaus nicht und in ke'ner Weise bei dem Dorgeimer Bergwerke persönlich interessirt ist, er iteressirt sich aber für volkswirehschaftliche. 1 8
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in segensreicher Weise fortdauerte und vielleicht jetzt noch fortdauert. Nach vorliegenden genauen Nachweisen vom 31. August v. J. hat der Johanniter- Orden überhaupt 1086 Verwundete in die von ihm begründeten und unterhaltenen Lazarethe aufgenommen, darunter ein Dritttheil Oestreicher. Der Krankenbestand betrug an jenem Tage noch 409. An Gelobe trägen baben die Ordensglieder unter sich fast 50 000 Thaler aufgebracht.
Der unter Thränen der Rührung ausgesprochene Dank von Tau— senden ist der hochherzigen Ritter schönster Lohn!
Blumenlese aus Jean Paul's Werken.
Wenn die Vernunft Gott und eine zweite Welt in ihr Zergliederungshaus sorbern darf, so bat sie auch ein Recht, dasselbe feine Messer an den Staat und seine Form zu legen, gesetzt, sie zöge daraus sogar lauter Mängel ans Licht! Jede Staatsform würde sich für Un form erklären, wenn sie fürchtete, von dem Lichte (wie Hornsilber) schwarz zu werden oder zu verlieren.— Kleine oder große Staaten, welche waren glücklicher, gediegener, weiser? Athen, Sparta, Hansarepubliken, einzelne italienische Staaten— oder orientalische Reiche, China, Rußland?— Riesenstaaten gleichen der Riesenmuschel, deren Schalen 6 Ceniner, deren Fleischinhalt kaum 25 Pfund wiegen.— Ganze verblutete Zeiten und Völker stehen vor uns als Blut⸗ zeugen des Satzes, daß ein Fürst eine Wahrheit(etwa 1½ Seilen stark) nicht gelesen halte. Wer soll den Häupern unter bem Thronhimmel, der so viele Schatten und Truglichter wirst, wahre Beleuchmung geben!„Das Vuch sagt kühn Allen Alles!“— Fürsten sellten eine geheiligte Gesellschaft von Männern anstellen und beeidigen, die mit grenzenleser Censurfreiheit dem Fürsten alle wichtigen gedruckten Aussätze in Betreff des eigenen Landes und der eingreifenden Nachbarländer, auch Meisterwerke
üver Volkswohl, gewissenhaft anzeichnen oder vorlesen müßten.— Täglich sollie ihnen aus den neuesten Kriegsgeschichten wiederbolt werden, daß Einsichten des Volks— Kräfte verleihen und daß Licht(in den Köpfen) Feuer gibt.— Heil den ersten Fürsten der Landständel Sie haben mehr erobert für die Zukunft als andere für die Gegenwart, denn sie erblühen ewig in ihren Ländern.— Es gibt kein schöneres Schauspiel, als das eines Fürsten und seines Landiages, die sich gegenseitig danken mit Wahrheit.
Tritt einmal die Zeit, die immer mit schlafendem Auge impft, plötzlich mit Blüthen und Früchten des Volksgeistes vor die Fürsten und die Welt, dann ist's schlimm, wenn man ihr nur Dornenzwetge zu entfalten gab.— Nur Tyrannen wollen Gegendruck durch größeren Druck absiumpfen und Thränen durch Tbränen wegschwemmen. Aber die Thränen der Völker fallen, wie in Trepfsteinhoͤhlen die Tropfen: sie bleiben beisammen und versteinern sich endlich zu zackigen Säulen und diese Säulen trotzen und hallen.— Wird die Freiheit langsam und sanst herbeigeführt, dann steht's gut mit Fürst und Volk— schlimm aber, wenn nicht die Kirchner, sondern die Revoluttonäre die Glocken läuten.— Die Freiheusliebe der Deutschen ist nur Rechllichkeiteliebe, nicht Glanz- und Raubsucht. Und so lange dieser Sinn in uns nicht zu ermorden ist, werden wir Fremdherrschaft und Knechischaft hassen und das Vaterland lieben. E.
Lücken büß er.
„ Nachahmungewerth. Der üblen Gewohnheit, Säuglinge und hald⸗ erwachsene Kinder mit in öffentliche Vergnügungslocale zu nehmen, wo sie nur zu häufig das Publikum durch Weinen oder Schreien belästigen, ist man neulich im Staate Maine durch ein prakzisches Mittel enigegengeireten. Bei einer öffentlichen Festeichkeit hieß es im Einladungs-Programme:„Eintrittspreis für erwachsene Personen 25 Cents und für Kinder unter 5 Jahren 1 Dodar.“— Wir vermuthen, daß der Festlichkeit nicht viele kleine Kinder beigewohnt haben.
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