„Hamburger Corkespondenten“ hat sich die Köni⸗ gin von Hannover entschlossen, das Land zu ver- lassen; ihre Abreise zu ihrem Gemahl nach Hietzing steht schon in wenigen Tagen bevor. Wie es beißt, habe König Wilhelm neuerdings in einer Zuschrift an die Königin die Forderung wieder— holt, daß sie ihre ganze Umgebung, mit Ausnahme ihrer Töchter, von sich entferne und dafür die ihr von ihm zu bestimmende Ehrenumgebung annehme, oder daß sie die Marienburg und das Land Han— nover verlasse. Die Königin hat sich für die letztere Alternative entschieden.
Kassel. Durch Entschließung des Königs ist die gegen den früheren Professor Dr. Karl Theodor Bayrhoffer zu Marburg, gegenwärtig zu Monroe in Nordamerika, wegen versuchten Hochverraths und Majestätsverbrechens ausgespro— chene Zuchthausstrafe von 15 Jahren und 4 Mo⸗ naten, unter Wiederverleihung des Rechts, die Nationalcocarde zu tragen und unter Niederschla⸗ gung der gesammten Kosten, erlassen worden.
Frankfurt. Die 41. Versammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte findet dahier vom 18. bis 24. September d. J. statt.
Ems. Am 6. ds. in der Mittagsstunde ist der König dahier eingetroffen. Es ertönten leb— hafte Hochrufe. In seiner Begleitung befanden sich die Generale v. Herwarth und Plonski und die Regierungspräsidenten v. Möller und v. Diest. In Limburg wurde der König von dem Bischof empfangen. Man hat in Ems große Vorberei⸗
tungen getroffen und glänzende Festlichkeiten vor-
gesehen, u. A. Abends große Illumination des Badeortes und Feuerwerk; am 7. Abends große Beleuchtung sämmtlicher Berge der nahen Umge— bung durch bengalisches Feuer; während dessen wird der König vom Balkone des Kurhauses dieselbe in Augenschein nehmen und der Männer- gesangverein von Castor aus Koblenz eigige Lieder vortragen. Hierauf folgt ein großes Feuerwerk; am 8. Juli Bal paré für die Damen; am 9. große Theatervorstellung unter der Direction Offen— bachs. Auch der Lahn-Sängerbund, sowie der Kölner Männergesangverein werden im Laufe der nächsten Woche vor dem Könige ihre Lieder vor— tragen.
Sachsen. Neuere Nachrichten aus Lug au melden über den Einsturz des Kohlenschachtes da⸗ selbst, daß ein Durchbruch durch den verschütteten Kohlenschacht hergestellt ist, so daß ein Steiger einfahren konnte. Derselbe wurde mit Lebens— mitteln und Erfrischungen für die Verschütteten versehen. Es ist also doch noch einige Hoffnung für Rettung der noch etwa lebenden verschütteten Bergleute vorhanden.
Dresden. Das„Dresdener Journal“ pu- blicirt die Verordnung über Ausführung der Reichs verfassung.— Von Lugau sind seit gestern keine Nachrichten eingetroffen. Man glaubt, daß sämmtliche Verschütteten todt sind.
Bremen. Die„Weser⸗Zeitung“ berichtet folgende erfreuliche Nachricht:„Die Besorgnisse über das Schicksal unseres Afrikareisenden, Herrn Gerhard Rohlfs, sind nunmehr, und zwar durch ihn selbst, auf das vollständigste gehoben. In einem heute hier seinem Bruder, Herrn Dr med. H. Rohlfs, aus Liverpool eingegangenen Telegramm meldet er demselben seine glückliche Ankunft in England.“
Bayern München. Der„Bayerischen Zeitung“ schreibt man:„Die Nachricht von der bevorstehenden Abrüstung Landau's hat zu der irrigen Meinung Veranlassung gegeben, diese Stadt werde eine vollkommen offene werden. Dem ist jedoch nicht so und wird Landau als fester, sturmfreier Depotplatz erhalten werden. Die be— sagte Abrüstung wird daher nur theilweise sein.“
Oesterreich. Wien. Bei Besprechung der nordschleswig'schen Frage sagt die„Presse“ bezüglich des gegenwärtigen Standes derselben: Oesterreich habe nicht das geringste Interesse, Preußen zur Hingabe Nordschleswigs ohne alle Garantie zu drängen; es könne ruhig die Ver— ständigung zwischen Preußen und Dänemark ab— warten; es habe am allerwenigsten Ursache, Par— tei zu ergreifen oder eine gefährliche Vermittler— rolle zu übernehmen; es sei, so lange man es selbst nicht beläßigt, mit der Zuschauerrolle zu— frieden.
— Die„Wiener Abendpost“ bringt, mit Trauerrand umgeben, die folgende officielle Be— stätigung vom Tode Kaiser Maximilians:„Die Hoffnungen, welche sich an die mehrtägige Ver— zögerung einer Bestätigung der ersten Nachricht von dem Tode Seiner Majestät des Kaisers von Mexico knüpften, sind, wie wir mit tiefer Be— kümmerniß zu melden haben, leider nicht in Er— füllung gegangen. Ein Telegramm des kaiserlichen Gesandten in Washingthon Freiherrn v. Wyden- bruck bekräftigt in ergreifender Weise die erschüt— ternde Kunde. Es lautet: Wien von Amerika. Aufgegeben am 3. Juli, 11 Uhr Nachts. An Freiherrn v. Beust in Wien. Seward erhielt heute von den Consuln in Matamoras und Vera— cruz die Bestätigung der Hinrichtung. Die be- dingungslose Uebergabe Mexico's hat am 21. Juni stattgefunden. Wydenbruck.“— Die letzten Nach richten über den Geisteszustand der Kaiserin Char- lotte in Miramare lauten ganz trostlos. Die Aerzte geben wenig Hoffnung auf Wiederherstellung, und die Kranke macht sowohl in lichten als in umwölkten Momenten fortwährend Versuche, Hand an sich zu legen.
— Ein Gerücht meldet: Admiral Teget— hoff habe die Mission erhalten, sich wit einem Kriegsschiff⸗Geschwader an die mexicanische Küste zu begeben, um die sterblichen Ueberreste des Kaisers Maximilian zu reclamiren.
Frankreich. Paris. Der„Kölnischen
Zeitung“ wird von Paris 3. Juli geschrieben: Wohl selten hat in Paris eine Trauerbotschaft
eine so allge meine Bestürzung erregt, als die be— treffs Les Kaisers Maximilian. Es ist, als wenn die Franzosen sich für mitschuldig an dem Tode des unglücklichen Fürsten hielten. Man glaubte noch bis gestern, daß die Nachricht sich nicht be— stätigen werde; aber heute, wo Niemand mehr daran zweifeln kann, herrscht tiefe Trauer in Paris. Die erste Nachricht von der Erschießung des Kaisers Maximilian traf am letzten Sonntag hier von Wien ein. An officieller Stelle glaubte man zuerst nicht daran, und der Kaiser telegra— phirte an seinen Gesandten in Washington, um Genaueres zu erfahren. Die Antwort lautete: „Die Nachricht ist leider nur zu wahr.“
— Wie der„Etendard“ meldet, hat der fran— zösische Consul in Mexico seine Functionen ein- gestellt und die Vertretung der französischen In teressen der Regierung von Washington anvertraut. Andere europäische Regierungen haben ihre Ver— treter aus Mexico abberufen und wollen die Re- gierung des Juarez nicht anerkennen.
— Die Note des„Moniteur“ über den Tod Maximilians, deren Autorschaft dem Kaiser Napoleon zugeschrieben wird, lautet wie folgt: „Die Nachricht, welche sich seit mehreren Tagen verbreitet und in allen Herzen eine tiefe Entrü⸗ stung hervorgerufen hatte, ist nun auch auf offi⸗ ciellm Wege aus Amerika angekommen. Kaiser Maximilian wurde am 19. Juni, auf Befehl von Juarez, von den Elenden, in deren Hände er ge— fallen war, erschossen. Dieser unglückliche Prinz, der vor vier Jahren von allen Mächten Europas als rechtmäßiger Herrscher von Mexico anerkannt werden war, hatte nach dem Abzuge der franzö— sischen Armee dieses Land nicht verlassen wollen. Trotz der Gefahren des Unternehmens hatte er es als Ehrensache angesehen, eine letzte Anstren— gung zu machen, um Die zu retten, die sich seiner Person angeschlossen und seiner Sache ergeben gezeigt hatten. Indem er sich muthig an die Spitze seiner Anhänger stellte, hatte er eine ziem- lich zahlreiche Armee zusammengebracht. Er be— fand sich zu Queretaro in einer beinahe unein— nehmbaren Stellung, und selbst im Falle einer Niederlage konnte er sich mit seinen Truppen durch das Gebirg nach dem Meere zurückziehen. Allein er rechnete ohne den Verrath. Ein Mann, Na⸗ mens Lopez, der sein Vertrauen sich zu erschleichen gewußt, hat gegen eine Summe Geldes den Kaiser während seines Schlafes niederträchtiger Weise verrathen. Die Ermordung des Kaisers Maxi- milian wird einen allgemeinen Schrei des Ent— setzeus hervorrufen. Diese von Juarez angeordnete ehrlose Handlung drückt der Stirne der Männer, die sich die Vertreter der mexicanischen Republik nennen, ein unauslöschliches Schandmal auf. Der Verdammungsspruch aller civilisirten Nationen wied die erste Züchtigung einer Regierung sein, an deren Spitze ein solches Oberhaupt steht.“
— Der österreichische Admiral Tegethoff, welcher, auf seiner Rückreise von Amerika begriffen,
Verdienste des Johanniter⸗Ordens in der neuesten Zeit. Nach K. Falkenstein, Geschichte des Johanniter-Ordens, mitgetheilt von J. Wahl.
Auch während des vorjährigen Krieges blieb der Orden der Johan- niter in der regsten Entfaltung ächter Nächstenliebe nicht zurück, sondern überbot vielmehr Das, was er ia dem schleswig⸗holsteinischen Kriege ge⸗ leistet hatte. Von wie großer, segensreicher Einwirkung der Orden der Johanniter⸗Ritter ist, kann man nicht genug ausdrücken.— Dem Orden scheinen große Mittel zu Gebote zu stehen, denn alle Lazarethe des letzten Kriegsschauplatzes sind von den Herren mit reichlichen Spenden und Liebes- gaben versehen worden. Während des Kampfes waren mehrere der Ritter unmittelbar auf dem Schlachtfelde in Thätigkeit, bis spät in die Nacht behülflich für die zweckmäßige Unterbringung der in nicht aufhörenden Zügen ankommenden Verwundeten.
Die Ritter sind ferner eine Stütze für die Diaconissen und barm- herzigen Schwestern. Für die Aerzte sind diese Schwestern mit ihrer Hülfeleistung ganz unschätzbar. Was ist die Pflege eines noch so geübten Krankenwärters gegen die liebevolle, sorgsame und zarte Behandlung der Verwundeten durch die Schwestern und Diaconissen! Man muß den dank⸗ baren Ausdruck auf den Gesichtern der schwer Verwundeten sehen, wenn diese Wohlthäterinnen ihre Wunden kühlen oder ihnen einen Labetrunk reichen! Da erkennt man ihren Werth.
Am 15. Mai 1866 erließ bereite Prinz Carl von Preußen einen Aufruf an den Johanniter-Orden, dessen Thätigkeit auch sofort begann.
Sämmtliche Krankenhäuser des Ordens wurden zur Aufnahme von kranken Soldaten in den Stand gesetzt. Es mochten in denselben 400— 500 Betten dispogibel sein Zehn Ritter erboten sich, auf ihre alleinigen Kosten Lazarethe von 6—60 Betten zur Aufnahme von Verwundeten und Kranken einzurichten, so daß dadurch dem Orden wiederum 200 Betten verfügbar wurden. Außerdem stellten mehrere Ritter ihre Schlösser und sonstige Räumlichkeiten, der Fürst Pleß seine Localitäten im Bade Salz⸗ brunn, dem Orden zur Disposition. Etwa 150 Ritter hatten sich zur persönlichen Dienstleistung während des Krieges gemeldet. Sämmtliche in den Diaconissenhäusern zu Berlin, Kaiserswerth, Breslau und Königsberg irgend disponibel zu machende Schwestern, zusammen 78, und 30 Bruder aus dem Diaconissenhause zu Duisburg, wurden von den Vorstehern dieser Anstalten dem Orden zur Verfügung gestellt. Diesen schloß sich noch eine Anzahl barmherziger Schwestern an, so wie zahlreiche andere freiwillige Krankenpfleger. Rühmend muß aber auch anerkannt werden, wie es im ganzen nördlichen Deutschland sich im Interesse der Krankenpflege regte. Der Verein für Pflege verwundeter und erkrankter Krieger“ breitete sich nach allen Seiten aus, und, so schwer auch der Druck der Zeit auf fast allen Ständen lastete, wollte doch kein Ort in der Bethätigung der Liebe zu den leidenden Brüdern zurückbleiben. Allenthalben entstanden Hülfs⸗ lazarethe, erboten sich Privatpersonen zur Aufnahme Verwundeter, und so konnten denn die in Böhmen errichteten Lazarethe des Ordens schon in der Mitte des August wieder aufgelöst werden, während in den stehenden Krankenhäusern des Ordens die Pflege der Verwundeten noch bis vor Kurzem
enttollt.
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