Päpstlichen hatten nicht Zeit, Position zu nehmen. Der General Garibaldi, der bei der Vorhut war, griff mit einer geringen Anzahl der Seinigen den Feind in den Flanken an und trieb ihn binnen weniger als einer halben Stunde in die Flucht. Drei Geschützstücke, welche die Päpstlichen mit großer Mühe auf eine Anhöhe hatten bringen lassen, wurden verlassen und man konnte nur die Pferde retten. Ueber hundert Gefangene fielen in die Hände der Garibaldianer, welche selbst wenig gelitten hatten. Die Niederlage der Päpst⸗ lichen war vollständig. Einige Compagnien Zua⸗ ven, die wenig gelitten hatten, nahmen bei Tar— retta Position, wo Garibaldi sie einholte und zwang, die Waffen zu strecken. Während dieß in Sabina vor sich ging, erschien Menotti Gari— baldi auf den Höhen von Parioli, von wo aus er 24 Stunden nachher mit seinem Vater zu- samwentraf.— Man meldet der„Gazzette Pie- montese“ aus Florenz unterm 30. October, daß die Franzosen in Civitavecchia und Terraeina landeten und das Corps Nicotera's sich in einer sehr kritischen Lage zwischen den päpstlichen Zuaven und den französischen Truppen befand. Zw ei spanische Schiffe machten Miene, Truppen ans Land zu setzen.
— Nachrichten aus Florenz vom 3. Nov. besagen, daß Verhandlungen mit Garibaldi durch officibse Abgesandte der Regierung gepflogen werden, um ihn zur Rückkehr aus dem päpstlichen Gebiete zu veranlassen.
— Um alle Zweideutigkeiten zu vermeiden, hat die kövigliche Regierung beschlossen, in den päpstlichen Gränzprovinzen keine Handlungen zu genehmigen, noch zu solchen aufzumuntern, welche geeignet Zären, in der gegenwärtigen Lage der Dinge eine Veränderung hervorzubringen. Diese Entschließung entspricht dem Wunsche der Regierung des Königs, eincm späteren Uebereinkommen die befriedigende und endgültige Lösurg der römischen Frage vorbehalten zu sehen.
— De Commandant des französischen Ex⸗ peditionscorps hat nach der Ausschiffung der ersten Division in Civitavecchia folgende Proclamation erlassen:„Römer! Der Kaiser Napoleon schickt von Neuem ein Expeditionscorps, um den heil. Vater und den päpstlichen Thron gegen die be— waffneten Angriffe revolutionärer Banden zu beschützen. Ihr kennt une seit langer Zeit; wie immer kommen wir, eine durchaus moralische und uninteressrte Wission zu erfüllen. Wir werden Euch helfen, dae Vertrauen und die Sicherheit herzuftallen. Ursere Soldaten werden fortfahren, Euere Personen, Euere Sitten und Euere Gesetze zu respertiren; die Bergangenheit garantirt Euch dafür.“ Civitavecchia, 29. October 1867. Der General en chef des französischen Expeditionscorps. De Faiily.
— Die neuesten Nachrichten aus Italien vom 4. und 5. Nov. melden einen Zusammenstoß Ga. ribaldi's mit den päpstliche! Truppen, wonach außer Zweifel scheint, daß Garibaldi eine empfind- liche Niederlage erlitten, wenngleich die ver⸗ schiedenen Nachrichten in den Einzelheiten nicht ganz übereinstimmen. Wir lasser hier die von Florenz kommenden Beccchte folgen: Garibaldi ist von den päpstlichen Truppen auf's Haupt ge⸗ schlagen und geht nach Caprera zurück. Die italienischen Truppen werden die Reste der Frei⸗ schaaren zurückdrängen und jeden weiteren Zu⸗ sammenßoß verhindern.— Die Päpstlichen griffen mit überlegenen Streitkräften die Garibaldianer zwischen Monte ⸗Rotondo und Tivoli an. Nach erbittertem Kampfe verließen die Insurgenten ihre Stellung. Schwere Verluste auf beiden Seiten. Garibaldi ist unversehrt.
— Der„Corriere Italiano“ vom 4. d. M. berichtet von Garibaldi, daß er zugestimmt habe sich über die Grenze zurückzuziehen. Derselbe sei im Begriffe gewesen mit 3000 Mann sich nach den Abbruzzen zu wenden, als 12000 Päpstliche angegriffen hätten. Es gehe das Gerücht, daß die 500 kampfunfähig gemachten Garibaldianer sofort wieder ersetzt worden seien. Nicotera sei mit seinem Generalstabe nach Neapel zurückgekehrt und die Freiwilligen kehrten zu ihren Familien zurück.
— Die„Opinione“ meldet, Garibaldi habe Florenz passirt und sei nach Caprera gebracht worden. Ein zweite Ausgabe desselben Blattes bemerkt jedoch, Garibaldi begab sich nicht nach Caprera, sondern er wurde nach Spezzia geführt um dort auf dem kleinen Fort Palmeira internirt zu werden. 0
— Weiter wird von Florenz gemeldet, daß in Folge des Rückzugs der Freiwilligen vom päpstlichen Gebiete die französischen Truppen Rom räumen und sich darauf beschränken werden, Civita— vecchia während der Dauer der diplematischen Verhandlungen zu occupiren. Gleichzeitig werden die italienischen Truppen in's Königreich zurück⸗ kehren. Der Verlust der Freiwilligen bei dem gestrigen Kampfe belaufe sich auf 200 Todte und 400 Verwundete.
Von der polnischen Gränze kommen Berichte über außerordentliche Truppenanhäufungen im Königreich Polen. Bis jetzt befinden sich daselbst bereits 80,000 Mann. Einrücken werden in der nächsten Zeit nech drei Corps, jedes 40,000 Mann stark, so daß im ganzen 200,000 Mann in Polen Winterquartiere beziehen werden. Dislocirt werden diese Truppen in der Art, daß das große Powonski'sche Lager bei Warschau 60,000 Mann aufnimmt, 40,000 beziehen das neue Lager bei Kalisch, und 20,000 Mann rücken unmittelbar an die galizische Gränze, und zwar möglichst nahe an Krakau. General Totleben und eine große Anzahl der tüchtigsten russischen Ingenieure sind bereits in Warschau eingetroffen.
* Friedberg. Heute am 6. November sehen wir den Vogelsberg bis in seine Niederungen wie es scheint mit hohem Schnee bedeckt.— Abermals wird uns heute
ein lebender, ganz fröhlicher Maikäfer überbracht.
Frankfurt. Nachdem in letzter Zeit schon mehrfach sreche Raubanfälle in der Nähe der Stadt flattgefunden baben, wurde in der Nacht vom 4. auf den 5. d. aber⸗ mals auf der Bornheimer Haide ein Mann, welcher im Begriffe war, nach Bornheim zu gehen, von 3 Srolchen angepackt und seiner Uhr beraubt. Auf das Geschrei eilie zwar Hülfe herbei, aber zu spät. Gartenbewohnern und Solchen, die spät Abends nach Hause gehen, ist daher die Führung einer Schutzwaffe dringend zu empfehlen.
Frankffurt Recht erbaulich ist eine Geschichte, die zwischen zwei Geschäftshäusern in Frankfurt und Glad⸗ bach gespielt hat. Das Frankfurter Haus bestellte bei einem Hause in Gladbach 20 Stück baumwollene Waaren. Das Gladbacher Haus schickte sofort Rechnung über 230 Thlr. und gab die Waaren auf die Bahn. Ein Paar Tage nach- her wurde es von dem Frankfurter Geschäftsfreunde benach⸗ richtigt, die Waaren wären eingetroffen, aber in schlechtem Zustande, die Waaren in Ballen Nr. so und so viel hätten dünne Stellen, seien unrein und streefig u. s. w. Sie ständen zur Disposition, wenn nicht ein Nachlaß von 20 Procent bewilligt werde. Der Fabrikant in Gladbach wettert und tobt über Prellerei u. s. w., da klopft's: ein Laufer der Eisenbahn meldet, im Bahnhofe liege ein Ballen, der nicht abgeschickt werden könne, weil auf dem Fracht⸗ briese der Bestimmungsort vergessen sei. Der Fabrikant stutzt, läuft auf die Bahn, richtig, es ist sein Ballen, der Lehrling hatte den Schnitzer gemacht. Lassen sie den Ballen liegen! bittet er den Güter ⸗Inspektor, eilt heim, gibt dem Lehrling eine Ohrfeige und setzt sich lächelnd an den Pult. Mein Lieber, schreibt er dem Frankfurter Ge⸗ schäftsfreund, die Rücksendung des Ballens macht Weit⸗ läufigkeiten, ich bewillige 20 Procent Nachlaß!— Der Frankfurter hat sich in der eigenen Falle gefangen, er schreibt zwar, sein früherer Brief beruhe auf einem Irr⸗ thum, wird aber vom Gladbacher Handelsgericht zur Zahlung der 230 Thlr. unter Akzug von 20 Procent verurtheilt. Der Gladbacher schenkte schließlich 190 Thlr. der Armenkasse und strich den Mehrbetrag der Rechnung,
Darmstadt. Ein dieser Tage beabsichtigter Ball im Offizierscasino mußte wegen Mangel an Theilnahme seitens der höheren Offiziere abgesagt werden; nur zwei Stabsoffiziere hatten sich betheiligt. Der Großherzog und das Großherzogliche Haus waren bereits geladen.
Darmstadt. Dr. Winckler jun. wird in diesem Winter wieder einen pharmaceutischen Ausbildungs- und Vorbercitungecursus in dem chemischen Laboratorium des⸗ selben abhalten. Der Cursus beginnt mit dem 15. Nov.
Mainz. Das von der Stadt Mainz dem ver⸗ florbenen Branddirektor Karl Weiser errichtete Denk⸗ mal wurde am 2. d in feierlicher Weise dessen Familie und dem Feuerwehr-Chor übergeben.
Landwirthschastliches und Gewerbliches.
4 Ameisenvertilgung. Die Moschuspflanze (Mimulus moschatus) vertreibt durch ihren scharfen Geruch die Ameisen.
2„Der Ansatz von Kesselstein wird verhindert durch Einlegen eines Stückes Zink oder Steinkoble in den
Südkessel.
Telegraphischer Bericht. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.-Agent.
Das Hamburger Postdampfschiff„Cimbria“, Capt. Trautmann, welches am 19. October von Hamburg via Southampton abging, ist nach einer ausgezeichnet schnellen, glücklichen Reise von 9 Tagen, 14 Stunden wohlbehalten in New-York angekommen.
Das Hamburger Postdampfschiff„Teutonia“, Capt. Kier, trat am 1. November wiederum eine Reise via Southampton nach New⸗Orleans an und hatte außer einer starken Brief- und Packetpost volle Ladung, 20 assa— giere in der Cajüte und 150 im Zwischendeck an Bord.
Das Bremer Postdamipfschiff„Hansa“, Cap. Oteren⸗ dorp, welches am 12. October von Bremen abging, ist nach einer glücklichen Reise von 14 Tagen wohlbehalten in New⸗York angekommen.
Verloosungen.
n Oesterreichische fl. 500. Loose von 1860. winnziehung.) Serie 3552 Nr. 6 300,000 fl., S. 6149 Nr. 17 50,000 fl., S. 17,721 Nr. 11 25,000 fl., S. 8089 Nr. 5 und S. 19,022 Nr. 11 je 10,000 fl., S. 1436 Nr. 13, S. 2214 Nr. 8 und 14, S. 2353 Nr. 20, 4561 Nr. 10, S. 7063 Nr. 10, S. 8089 Nr. 19,
10,725 Nr. 16, S. 10763 Nr. 13, S. 15,791 Nr. 8, 19,446 Nr. 20 und S. 19,839 Nr. 5 je 5000 fl., 150 Nr. 10 und 14, S. 1154 Nr. 19 und 20, S. 1436 Nr. 18, S. 1811 Nr. 12, S. 1890 Nr. 9, S. 2358 Nr. 4, S. 3673 Nr. 1, S. 4561 Nr. 6, S. 5012 Nr. 6, S. 8971 N. 16, S. 9062 Nr. 7, S. 10.373 Nr. 80 S. 10,763 Nr. 5, S. 11,282 Nr. 16, S. 12,991 Nr. 9, S. 13,164 Nr. 5, S. 13,228 Nr. 8, S. 13,723 Nr. 1, S. 13,773 Nr. 9, S. 15,791 Nr. 9, S. 16,189 Nr. 15, S. 18,857 Nr. 6 und 9, S. 19,405 Nr. 6, S. 19,446 Nr. 16, S. 19,517 Nr. 1 und 14, und S. 19.839 Nr. 2 je 1000 fl. österr. W. u. s. w. 8
Ga
Die Flottengelder des National⸗ vereins.
Die„Deutschen Blätter“ bringen unter obiger Aufschrift nachstehende Mahnung, welche sicher freudige Zustimmung bei dem größten Theile der jenigen finden wird, die einst ihr Scherflein zur Gründung einer deutschen Flotte beisteuerten und so die„Flottengelder des Nationalvereins“ zu⸗ sammenbringen halfen. Der erwähnte Artikel lautet: Am 10. und 11. November wird in Kassel die letzte Generalversammlung des National- vereins abgehalten werden, um über die fernere Verwendung des in den Händen des Vereins befindlichen Flottenfonds endgültigen Beschluß zu fassen. Verschiedene Wünsche, Vorschläge und Anträge sind bereits in dieser Beziehung laut
geworden, aber kein einziger derselben liegt so
handgreiflich nahe und dürfte der Erwägung der Mitglieder so dringend an's Herz zu legen sein, als eine Ueberweisung der betreffenden Kapitalien an den Verein zur Rettung Schiffbrüchiger an den deutschen Küsten.
Man betrachte nur einfach den Namen des Vereins, lasse sich von seinen bisherigen An- strengungen erzählen und bedenke dann, daß einem so wahrhaft nationalen, auf reinster Menschenliebe beruhenden Unternehmen noch immer die ausreichen ⸗ den Geldmittel fehlen, um in wirklich durch⸗ greifender Weise jene große und vielseitige Wirk⸗ samkeit entfalten zu können, zu welcher es berufen ist. Eine Gelegenheit, wie die jetzt sich darbietende, ihm durch Darreichung eines nicht unbedeutenden Kapitals zu kräftigem Aufschwunge zu verhelfen, kehrt so leicht nicht wieder. Zu deutschen See⸗ zwecken sind die betreffenden Gelder einst vom deutschen Volke gesammelt worden, zu einem deutschen Seezwecke von ganz unberechenbarer Wohlthätigkeit können sie jetzt verwendet werden!
Wir bezweifeln nicht, daß mit uns Unzählige von dem gleichen Wunsche beseelt sind und im Innersten ihres Gewissens jener zahllosen Nen⸗ schenleben gedenken, die der Verein, wenn er genügend unterstützt würde, in Gegenwart und Zukunft aus Gefahr und Tod zu erretten ver- mag. Mögen sie jetzt laut und eindringlich ihre Stimme erheben, damit der letzte Beschluß des Nationalvereins ein unserer Nation zu Ruhm und Ehre gereichender und noch von den spätesten Geschlechtern gesegneter werde. Wir haben hier den Gedanken nur anregen wollen und müssen es dem Vereine selber überlassen, seine, unserer Ueberzeugung nach, durchaus berechtigten An sprüche erschöpfend zu begründen.
(o
3 Dieselt
8971 Nr. 13, S. 9062 Nr. 17, S. 10,582 Nr. 145
4 Diesel 5 Diescb
6/ Dieselbe
9 Dieselb 10] Jeban Nai 11 Phil und 12J Ern
Me Valtb 1 Dicsel 15 Waun


