Ausgabe 
7.11.1867
 
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1867.

Donnerstag den 7. November.

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hessen.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Zntelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Auf denAnzeiger kann man noch für die Monate November und Dezember bei den Poststellen des Großherzog⸗ thums mit 22 kr. und bei der Verlags-Expedition mit 20 kr. abonniren.

Hessen. Darmstadt. Wie verlautet, soll das erste Jägerbataillon am 16. Nov. in Gießen einrücken. Dasselbe wird mittelst Extrazug von Darmstadt nach Gießen befördert.

Das von dem Reichstage des norddeutschen Bundes angenommene Postgesetz wird jedenfalls auch für das ganze Großherzogthum Hessen zur Einführung kommen. Der in demselben bisher giltige billigere Portosatz von 2 kr. fällt dann weg und jeder frankirte Brief kostet dann drei, der unfrankirte sogar sechs Kreuzer. Die Brief couverte, die man seither von der Post gratis bezog, müssen bezahlt werden. Nur die 1 Kr. Taxe bei Stadthriefen hofft man zu retten.

Nach derH. Ldsztg. werden den noch im Laufe dieses Monats zusammentretenden Land ständen folgende Vorlagen gemacht: 1) ein Einkommensteuergesetz; 2) ein Kriegs? kostenausgleichungsgesetz; 3) der mit der preuß. Regierung abgeschlossene Telegraphen⸗ vertrag über die in Hessen anzulegenden Tele⸗ graphenlinien, die schon aus den Verhandlungen des norddeutschen Reichstags bekannt sind und sich über das ganze Großherzogthum erstrecken; 4) der mit der bayerischen Regierung abgeschlossene Vertrag über die Anschlüsse der rhein⸗ hessischen Eisenbahnen nach der Pfalz hin; ferner höchst wahrscheinlich 5) ein Gesetz über Einführung von Stempelmarken statt des Stempelpapiers, um damit dem schon oft geäußerten Wunsche der Stände nachzukommen; 6) ein Gesetz über Einschaltung einiger Gewerbe in den Gewerbsteuertarif. Endlich werden, wenn die betreffenden Verhand- lungen bis dabin zum Abschluß gekommen sind,

den Kammern Vorlagen über den Bau, resp. über die Concessionirung der von ihnen in ihrer letzten befürworteten Eisenbahnlinien gemacht werden. Sind diese Vorlagen durchberathen und erledigt, so dürften die Landstände wieder auf tinige Zeit vertagt oder ganz geschlossen werden bis zum Beginn der Berathungen des Budgets für die folgende Finanzperiode 1869/71 im nächsten Herbste.

Major Kerz wurde zum Oberstlieutenant und Commandeur, Rittmeister Supp provisorisch zum Commandeur der Division Starkenburg und Oberlieutenant Barthel zum Rittmeister und Adjutant im Großh. Gensd'armeriecorps ernannt.

DieH. V. bringen folgende Mittheilung: In Gemäßheit der von den Ständen bewilligten Aufbesserung der Besoldungsverhältnisse der Justiz- beamten erhalten dermalen 71 Stadt- und Land- gerichts- Assessoren eine Besoldungserhöhung von je 200 fl vom 1. Januar 1867 an. Die De- crete sollen eben in der Ausfertigung begriffen sein.

Wie Darmstädter Blätter berichten, würde den Ständen demnächst der Entwurf einer vom 1. Jau. 1868 an zu erhebenden Einkommensteuer zugehen. Ein Einkommen unter 800 fl. soll un⸗ versteuert bleiben, 2% sollen nicht überschritten werden.

Die von verschiedenen Blättern gebrachte Nachricht, daß den Herren Neeße und Brebeck die Frist zur Bildung einer Actiengesellschaft zum Ausbau der oberhessischen Bahnen von Gießen nach Fulda und Gießen nach Partenstein bis zum Jahresschluß erstreckt worden sei, wird durch

gestellt und bemerkt, daß das Großh. Ministerium, ungeachtet selbst persönlichen Nachsuchens, es ab- gelehnt habe, die im Mai d. J. ertheilte Zusage: keiner anderen Gesellschaft eine Concession zu er theilen, länger aufrecht zu erhalten; eine Mit⸗ bewerbung sei demzufolge jetzo nicht ausgeschlossen. DieM.⸗Ztg., welche oben erwähnte Nachricht zuerst brachte, erklärt indessen die Berichtigung desFr. J. für falsch und versichert, seine Nachricht beruhe auf directen Erklärungen, welche vom Ministerium an Bewohner Oberhessens ge geben worden seien.

Der preußische Major v. Brandenstein vom großen Generalstab ist hierher commandirt worden.

Bayern. München. Die Einigung mit Württemberg über die Friedensgarnison von Ulm ist in allen wesentlichen Punkten erzielt. Ein Wunsch, an der Besetzung der süddeutschen Festungen theilzunehmen, ist von Preußen weder hier noch an den beiden andern Höten ausge sprochen. Die Ratification der Allianz und Zollvereinsverträge wird am 5. oder 6. Nov. in Berlin vorgenommen.

Württemberg. Stuttgart. Die Kam- mer der Standesherrn nahm den Zollver⸗ einsvertrag und das Salzsteuergesetz einstimmig, den Allianzvertrag mit 21 gegen 6 Stimmen an.

Kaiser Franz Joseph wurde auf seiner Rückreise von Paris dahier mit viel Pomp em- pfangen. Die gesammte Garnison bildete Spalier, während die österreichische Nationalhymne gespielt wurde.

Baden. Karlsruhe. Die Budget- commission der Abgeordnetenkammer beantragt in Anbetracht des anzustrebenden Eintritts Badens in den norddeutschen Bund eine Reduction der Kosten der Gesandtschaften in Wien, Florenz und Berlin.

In der Mittagsstunde des 5. d. traf der Kaiser von Oesterreich dahier ein und wurde am Bahnhofe vom Großherzoge begrüßt. Der Kaiser fuhr in das Residenzschloß, woselbst Dejeuner stattfand. Nach einstündigem Aufenthalt setzte der Kaiser die Reise nach Stuttgart fort.

Oesterreich. Wien. Es wird von hier bestätigt, daß Herr v. Beust von Paris aus ein Rundschreiben an die österreichischen Vertreter im Auslande erlassen hat, in welchem die Ueberein⸗ stimmung der Ansichten der Cabinette von Wien und Paris in den jetzt schwebenden Hauptfragen ausgesprochen wird. Diese Politik gelte aber nur dem Frieden und die jetzt beginnende Action könne ebenfalls nur eine Friedensaction sein.

Frankreich. Paris. In der Auffassung der römischen Frage sollen sich zwischen Frankreich und Oesterreich so große Differenzen herausstellen, daß an eine Vereinigung, trotz der französischen Wünsche, nicht zu denken ist.

Der italienische General Lamarmora ist am 3. d. in Paris eingetroffen und vom Kaiser empfangen worden, worauf er eine lange Con- ferenz mit Marquis de Moustier hatte. Die France sagt in Bezug auf die Ankunft des Ge nerals: Wenn wir gut unterrichtet sind, wird Frankrei h mit Italien nur unter folgenden Be dingungen unterhandlen. Die französische Re-

dasFr. J. ausguter Quelle in Abrede

gierung wird unter keiner Form eine italienische Intervention zulassen; sie stimmt der Idee einer gemeinsamen Action nicht bei; sie gestattet nicht, daß die Italiener sich vom römischen Gebiet zu⸗ rückziehen unter der Bedingung, daß auch die Franzosen dasselbe räumen; Italien hat blos ein einziges Mittel, bis zu einem gewissen Grade seine Verletzung des Völkerrechts wieder gut zu machen, und dieses ist, daß es selbst die Banden Garibaldi's bekämpft und seine Truppen zurück⸗ zieht, nachdem es jene zerstreut hat.

Am Allerseelentag fanden in Paris auf dem Friedhofe von Montmartre Demonstrationen statt, welche beweisen, daß sich in Folge der italienischen Intervention eine gewisse Gereiztheit eines Theiles der Bevölkerung der Hauptstadt be- mächtigt hat. Viele Tausende von Menschen hatten sich dort eingefunden um das Grab des italienischen Patrioten Man in mit Kränzen und Blumen zu bedecken. Vom Grabe Manin's wandte sich die Menschenmenge nach dem großen Monument in der Hauptallee, welches das Grab Eugene und Godefroy Cavaignac's deckt, der beiden Pa⸗ trioten, von denen der erstere, wie allbekannt, an der Spitze der Republik von 1848 stand und in der Präsidentenwahl dem gegenwärtigen Beherrscher der Franzosen unterlag. Hier erhob sich im Nu ein waheer Berg von Immortellenkränzen über den steinernen Standbildern der beiden Krieger, welche nur wenige Schritte von den Opfern des 2. December, denen auch redlich ihr Theil wurde, zur ewigen Ruhe gebettet sind. Die in großer Anzahl anwesenden Polizeisergeanten ließen die Menge gewähren und so verlief die Demonstration in aller Ordnung. f

DerMoniteur vom 4. d. bringt fol⸗ gende Nachrichten aus Italien: Depeschen aus Florenz von heute morgen datirt melden, daß die päpstlichen Truppen gestern bei Tivoli mit den von Garibaldi befehligten Banden zusammenge stoßen seien und dieselben sofort angegriffen hätten. Nach hartnäckigem Kampfe seien die Garibaldianer in Unordnung geflohen und hätten 3000 Mann an Todten, Verwundeten und Gefangenen auf vem Schlachtfeld gelassen. Garibaldi sei es ge lungen zu entkommen und Terni zu erreichen. Die italienischen Behörden brachten Garibaldi und seine 2 Söhne nach Florenz. Der Com- mandant der italienischen Truppen Ricotti habe an der Grenze operirt und den Empfang und die Entwaffnung von 4000 Garibaldianern, die sich auf italienisches Gebiet zu fliehen suchten, vor⸗ genommen.

Italien. Italienische Blätter geben jetzt ausführlichere Nachrichten über die Operationen Garibaldi's. Derselbe war in Scandeigla an die Spitze von 3000 Freischärlern getreten. Kaum hatte der Telegraph die Kachricht vom Marsche Garibaldi's nach Ros gebracht, ald ein Corps, welches, 2500 Mann stark, thells aus Infanterie, theils aus Cavallerie bestand und drei Sectionen Artillerie mit sich führte, sofort per Eisenbahn nach Monte- Rotondo befördert wurde. Garibaldi, dem Cavallerie und Artillerie fehlen, überblickte sofort mit seinem erfahrenen Auge die Lage und stürzte sich in einer Berg- gegend, wo der Feind seine Cavallerie und Ar- tillerie nicht anwenden konnte, auf ihn. Die