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sowie über gemeinsame Unterrichtsanstalten. Würt⸗ temberg und Baden sind wenig entgegenkommend.
Baden. Heidelberg. Das eben er— schienene Adreßbuch der hiesigen Hochschule weist eine Gesammtzahl von 636 Studirenden nach, worunter auch die Personen reiferen Alters und conditionirenden Pharmaceuten und Chirurgen, welche Vorlesungen besuchen, begriffen sind.
— Es wird von Baden-Baden berichtet, daß der dortige Spielpächter Eduard Benazet plötzlich in Nizza gestorben ist.
Oesterreich. Wien. Die bier circulirende Volksadresse, welche sich für die Aufhebung des Concordats ausspricht, zählt circa 41,000 Unter- schriften von Katholiken.
— Die Instruktion des Grafen Caprivi stellt für eine Modification des Concordats vornämlich die drei Forderungen: Appellation in Ehegerichts⸗ sachen von den geistlichen auch an die weltlichen Gerichte, verstärkte Betheiligung des Staates bei der Leitung der Volksschulen und erhöhte Leistun— gen der Kirchengüter an Abgaben und Steuern. Es sind außerdem verschiedene Wünsche von unter— geordneter Bedeutung aufgeführt.
— Die„Wiener Zeitung“ schreibt offiziell: Tegethoff meldet aus Havanna die Ankuaft der Fregatte„Novara“ mit der Leiche Maximilians.
Schweiz. Bern. Der Bundesratb hat die Einladung zur Conserenz acceptirt und gewisse Vorbehalte dabei gemacht, unter denen die Berück— sichtigung der italienischen Volkswünsche obenansteht.
— Nach Eröffnung der Bundesversammlung gab der Präsident des Ständeratbes einen Ueber— blick über die auswärtige Politik; er wünscht, daß die Conferenz die römische Frage nach dem Wunsche des italienischen Volkes lösen und zu— gleich dem Oberhaupte der Kirche seine Unabhän- gigkeit sichern werde; er bofft eine günstige Wirkung der friedlichen Aeußerungen der Souveräne auf Handel und Gewerbe; er weist auf die veränderte Stellung der Schweiz nach Außen hin. Die Schweiz habe durch die Ereignisse der letzten zehn Jahre statt der kleinen Staaten ein neutralisirtes Deutschland und ein einheitliches Italien zu Nachbarn bekommen. Die Schweiz suche mit allen Nachbarn Freundschaft, unterlasse jedoch auch nicht die Rüstungen für die Tage der Gefahr.
Frankreich. Paris. Im gesetzgebenden Körper sagte Jules Favre: Das Interesse Frank- reichs war, die Einheit Italiens zu unterstützen. Er spricht von dem üblen Eindruck, der durch die französische Intervention in Italien hervorgebracht worden sei. Aus der Conferenz, meint er, werde nichts hervorgehen, als eine Demüthigung des Papstthums. Der Redner schließt: Die französische Regierung habe die Encyclica durch den Staats- rath zerreißen lassen, habe aber die Fetzen der⸗ selben wieder aufgenommen, um daraus Pfropfen für seine Chassepot-Gewehre zu machen.
Großbritannien. London. Die „Times“ äußert sich über die Debatten im fran⸗ zösischen Senat, und glaubt nicht an das Zu- standekommen des Congresses. Für die hingerich ⸗ teten Fenier fand am Sonntag in Cork eine Prozession von 13,000 Personen, in Manchester eine von 3000 Theilnehmern statt. Die Polizei ließ sich nicht sehen und die Ordnung blieb ungesßöört.
In Manchester war man in Unruhe wegen einer beabsichtigten irländischen Demonstration und sollen sich in den letzten Tagen allerlei der Polizei verdächtige Gesichter in der Stadt gezeigt haben. Gleichzeitig hat man einen Mann mit einer bedeutenden Anzahl Revolver(45—50) festgenommen, was natürlich mit Fenierumtrieben in Verbindung gebracht wird Eigenthümlich ist es, daß eine Depesche aus Cork berichtet, daß dort einem bedeutenden Gewehrfabrikanten sein Lager bei nächtlicher Weile ausgeräumt wurde und gegen 200 gezogene Gewehre und Revolver abhanden gekommen sind.
„Italien. Florenz.„Diritto“ räth, während der Dauer der französischen Occupation die Verbindungen mit Frankreich einzustellen, die Gelegenheit zur Geltendmachung der Ansprüche Itallens abzuwarten und für innere Ordnung
Sorge zu tragen.—„Riforma“ empfiehlt dieselbe Haltung bei Gelegenheit der Besprechung der Rede von Marquis de Moustier. Rom. Als General des Failly dem Papst kürzlich den bevorstehenden Abmarsch des fran— zösischen Expeditionseorps ankündigte, soll dieser gesagt haben:„Ich habe Euch nicht berufen, ich kann mich also auch nicht Eurer Abreise wider— setzen. Handeln Sie, wie Sie wollen.“ Der Abrelse der Franzosen gegenüber erklärte der Osservatore Romano in einem offiziösen Artikel: „Die Ordnung ist noch lange nicht in Rom wieder hergestellt. In der That ist die Wühlerei der Aktionspartei noch groß. Sie verspricht Ver— geltung, sie schwört, sich zu rächen, sobald nur die Franzosen fort seien. Täglich fast werden Waffen und Pulver entdeckt; die Untersuchung nach Minen dauerl in zahlreichen Häusern fort. Die Nachricht von diesen Minen hat die Bevöl— kerung sehr aufgeregt. Man fürchtet sehr, die Theater seien unterminirt, und nun werden die— selben während der Carnevalszeit gewiß wenig besucht sein.“
— Man meldet aus Rom, daß der Zulauf der Freiwilligen in Civita-Vecchia sehr bedeutend
ist. Das Corps der Zuaven wird ehestens auf
4000 Mann gebracht werden. Bereits sind 1852 für dasselbe neu eingeschrieben. Das auswärtige Carabinieri-Bataillon, welches größtentheils aus Schweizern besteht, wird als der Kern eines neu zu bildenden 3000 Mann starken Regiments ver— wandt werden. Man erwartet aus England zahl— reiche Kisten von Hinterladegewehren
— Bei der letzten Verhaftung 12 mazzinisti— scher Verschwörer in Florenz wurde eine Complott behufs allgemeinen Aufstandes zum Umsturz der Monarchie entdeckt. In allen italienischen Städten waren Comites gebildet. Eine thätige Propaganda bestand in der Armee und in den Arbeiterklassen.
Darmstadt. Am verflossenen Donnerstag wurde der fünfpfündige, runde Laib Landbrod prima Qualität zu 22 kr. auf hiesigem Markte seilgehalten. Die zahlreichen Abnehmer rühmen die vorzügliche Güte des fraglichen Import⸗Arükels.
Darmstadt. Die dießjährige Generalversammlung des landwirtschaftlichen Vereins ist auf Samstag den 14. December im Gasthause zum„Darmstädier Hof“ hier anberaumt. Nachmitiags selben Tags wird eine Ver⸗ steigerung von neuen landwirthschaftlichen Maschinen staufinden.
Speyer. Eine furchtbare Schandihat hat sich dahier ereignet. Der Taglöhner Hermann in Verbindung mit seiner Ehefrau schlugen am Dienstag Abend ihr einziges, 3—4 Jahre altes Kind todt. Mit einer Hacke hieben diese Scheusale dem armen Kleinen die Nase weg, schlugen dann die vorderen Kiefer mit den Zähnen ein und zuletzt den Rückgrat entzwei. Am Mittwoch Morgen war das Criminalgericht von Frankenthal zur Aufnahme des That⸗ bessandes in Speyer.
Tübingen. Der Todtschlag eines Studenten erregt hier schmerzliches Aufsehen. Es handelte sich um einen Nachtscandal, dadurch verursacht, daß zwei Studenten in einet Weinwirihschaft in vorgerückter Nachtstunde noch Getränke verlangten, die ihnen verweigert wurden. Daraus entspann sich ein Raufhandel, bei welchem die Tochter des Wirthes ihrem Vater beisprang. Die Vertheidigung des, wie es scheint, in Nothwehr oder doch in Vertheidigung seines Hausrechts begriffenen Wirthes fiel aber so kräftig aus, daß einer der Studenten Tags darauf an den Folgen seiner Verwundung starb. Der Wirth und seine Tochter sind verhaftet worden.
„ Die dickste Frau in Paris, Mad. Elisabeth Veronique Montrouge, ist im 47. Jahre gestorben; sie wog 257 Kilogr.(514 Zollpfd.). Im Jahre 1848 schrieb sie an die Natlonal⸗Versammlung:„Bürger-Präsident! Ich bin eine schöne Fraun, bin 27 Jahre alt, bin 5 Fuß 8 Zoll groß und wiege 200 Kilogramm. Ich wünsche die Göuin der Freiheit bei dem nächsten Nationalfeste darzu— stellen; ich bin überzeugt, daß dieselbe durch keine andere Person von einer so vortheilhaften Seite gezeigt werden kann, wie durch mich.“ Leider sollte der dicken Frau dieser Wunsch nicht gewährt sein; denn das Nationalfest kam nicht zu Stande.
„ Wie übereinstimmende Nachrichten aus Neapel und Sicilien melden, sollen die Krater der beiden feuerspeienden Berge Vesuv und Aetna, den Ansprüchen der modernen Kriegskunst gemäß, gezogen und in Hinter— lader verwandelt werden. Italien verspricht sich von diesen beiden Monstregeschützen die vorzüglichsten Erfolge, und dürsten die ersten Probe-Salutschüsse bei Eröffnung der Conserenz erfolgen.
„% Transport von Schwerverwundeten auf Eiseubahnen. Vom 1. November d. J. ab ist auf den Eisenbahnstrecken der Provinz Hannover mit Ein— führung der Wagen 4. Klasse vorgegangen werden. Die neuen zur vierten Fahrklasse bestimmten Wagen bieten
auch in militärischer Beziehung ein besonderes Interessen, indem sie zugleich zum Transport der Schwerverwunbdeten für den Kriegsfall eingerichtet sind. Für den Transport der Schwerverwundeten werden in jedem Wagen zwölf Hängematten befestigt, so daß die Transportirten bequem ausgestreckt gegen alle Erschütterungen besser als bei irgend einer anderen Trans portart geschützt sind. In der Mitte jedes Wagens bleibt ein Raum zur Passage für die Aerzte und Krankenwärter frei, welcher durch eine zweckmäßige Verbindung der Wagen den Verkehr zwischen allen Waggons gestattet. Eine Reihe solcher Wagen bildet ein trans— portables Lazareth mit allen Bequemlichkeiten, die nach den Vorschriften der bewährten Militärärzte und auf Grund der im letzten Kriege gemachten Erfahrungen als aus⸗ führbar und empfehlenswerth erkannt worden sind. Von der königlichen Verwaltung der hannover'schen Eisenbahnen sind 70 Wagen dieser Construction zum Betrieb bestimmt, mit denen also, 12 Kranke auf den Wagen, 840 Schwer⸗ verwundete in einem Transport vom Kriegsschauplatz weg in die entserntesten Gegenden geführt werden können.
3 Die goldenen Preismedaillen der Weltaus⸗ stellung werden seit ungefähr acht Tagen ausgetheilt. Dieselben sind, nach den vorliegenden Exemplaren zu urtheilen, so schlecht und mangelhaft ausgeführt, daß, wären sie aus Zinn, statt aus Gold, der Stoff immer noch mehr werth wäre, als die Form. Jedenfalls würde keine Jury in der ganzen Welt sich so sehr blosgestellt haben, dem Produkt der Ausstellungscommission, auch nur als einfachem gewerblichem Artikel, den Zulaß zu dem Palaste des Marsfeldes gestattet zu haben. Die Futterale sind in ihrer überaus schäbigen Ausstattung selbst einer gemeinen irdenen Thonpfeife unwürdig. So tauten die Berichte mehrerer Blatter.
„ Weite Reise eines Briefes. Einen selt⸗ sameren Weg hat wohl kaum jemals ein Brief ge⸗ nommen, als derjenige, welcher vor einem halben Jahre in Berlin in den Briefkasten mit der Adresse des Herrn N. in Frankfurt a. O. gesteckt wurde. Vor einigen Tagen erst ist er in die Hände des Adressaten gelangt, und zwar direkt aus— Peking! Das beigefügte Schreiben eines dort stationirten preußischen Beamten klärt die Sache dahin auf, daß, in den Falten eines Paketes deutscher Zeitungen versteckt, besagter Brief die; Reise nach China gemacht habe.
e Deutsche National⸗Handschrift. Daß in den verschiedenen Ländern Deutschlands durch charakte⸗ ristische Verschiedenheilen sich auszeichnende„Hände“ ge⸗ schrieben werden, ist bekannt. Ob aber diese Eigenthüm⸗ lichkeiten zu den berechtigten oder unberechtigten gehören, dürfte eine jener Fragen sein, über welche die Gelehrten in Streit gerathen. Eine Autorisät hat sich bereits aus- gesprochen, der durch seine Handschriftendeutungen bekannte jetzt als vereidigter Schristverständiger bei 24 deutschen Regierungen fungirende Herr Adolf Henze in Alt⸗ Schönfeld bei Leipzig. Ee behanpiet nicht blos, daß jene Verschiedenheit ein Uebel und also auch in Bezug auf die Handschrift die Herstellung eines einigen Deutschlands noth⸗ wendig sei, sondern er will dasselde auch herbeizuführen, d. h. eine durch höchste Vollendung sich auszeichnende allgemeine deutsche Schrift zu schaffen suchen. Zu diesem Zwecke hat Herr Henze jetzt einen Preis von ein⸗ hundert Thalern für das schönste in deutscher Current⸗ schrift ausgeführte Alphabet ausgesetzt. Das Nähere über den jedenfalls originellen Plan ist in einem vom 10. November datirten gedruckten Preis⸗Ausschreiben enthalten.
Telegraphischer Bericht.
Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent.
Das Hamburger Postdampfschiff„Teutonia“, Capt. Kier, von der Linie der Hamburg⸗Amerikanischen Packet⸗ fahrt⸗Actien⸗Gesellschaft, welches am 1. Nov. von Hamburg via Southampton abging, ist nach einer glücklichen Reise von 20 Tagen woblbehalten in New-Orleans angekommen.
Das Hamburger Postdampsschiff Germania, Capt. Schwensen, welches von New Pork am 16. November ab⸗ ging, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Neise von 11 Tagen wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich be⸗ stimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Hamburg fortgesetzt.
Dasselbe bringt 75 Passagiere, 1200 Tons Ladung, 38407 Dollars Contanten und 44 Briessäcke.
Für Johanngeorgenstadt ging ferner bei uns ein von: R. 1 fl.— K. in W. 1 fl. 45 kr.— Kreisarzt Dr. Bode in Nauheim 5 fl.— F. W. 30 kr— Frau Heß 30 kr. Zusammen 8 fl. 45 kr. In Summa bis jetzt eingegangen 51 fl. 45 kr.
An Kleidungsstücken wurde uns weiter zugestellt von Kreisarzt Dr. Bode in Nauheim 1 Pack Kleidungastücke. Weitere Gaben werden mit Dank angenommen. Die Expedition des Anzeiger für Oberhessen.
Bitte.
Da wir auch in diesem Jahre beabsichtigen, für die Kinder, welche die hiesige Kleinlinderschule besuchen, eine Christbescheerung zu veranstalten, so erlauben wir uns im Vertrauen auf den wohlthätigen Sinn der Bewohner unseret Stadt an alle die Bitte zu richten, uns dazu mit Gaben, zu deren Empfang jede der Unterzeichneten bereit ist, freundlichst unterstützen zu wollen.
Friedberg den 3. Dezember 1867.
Lina Baur. Ty. Dieffenbach. C. Trapp.
Cor. Werner. W. Wickenböfer.


