Ausgabe 
5.11.1867
 
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Menabrea an die diplomatischen Vertreter im Auslande vom 30. Oct. sagte derselbe am Schlusse: Durch die Intervention der kaiserlichen Truppen ist die, durch die Septemberconvention geschaffene Situation alterirt worden; die Regierung des Königs mußte also ihr Recht dadurch wahren, daß sie sich in eine Lage versetzte, welche der des anderen contrahirenden Theiles identisch ist, um dann auf dem Fuße der Gleichheit vollkommen neue Verhandlungen einleiten zu können. Auf richtig wünschen wir, daß diese Unterhandlungen zu ei definitiven Lösung führen möchten, welche, indem sie einerseits die berechtigten Bestrebungen der Nation befriedigte, andererseits auch dem Oberhaupt der Kirche die Würde und Unab hängigkeit sichert, welche zur Erfüllung seiner göttlichen Mission so unentbehrlich sind.

DieGazetta ufsiciale constatirt, daß mehrere auf das italienische Gebiet geflüchtete päpstliche Soldaten nach Spezzia gebracht worden sind, von wo sie frei in ihre Heimath zurückkehren können. DieOpinione meldet: Garibaldi befindet sich zu Monte-Rotondo, wo ir sich befestigt. Die Aufforderung, sich zurück zuziehen, hat er abgelehnt. Dasselbe Blatt glaubt, die europäische Conferenz werde die tömische Frage nur verschleppen, aber nicht lösen. DieRiforma, das Organ Garibaldi's, erklärt, Garibaldi werde sich nur dann ergeben, venn der König ein neues Ministerium berufe. Aus Livorno wird vom 30. Oct., Nachts 11 Uhr, gemeldet, daß zwei Brigaden des französischen Expeditionscorps zu Rom an gekommen seien. Die Bevölkerung habe sich tuhig verhalten. Man glaubte, die Päpstlichen würden heute die Garibaldianer angreifen. Auch aus Cormons wird vom 1. Nov. berichtet, daß heute ein französisches Regiment von dem in Civitavecchia gelandeten Expeditionscorps in Rom tingerückt ist.

Türkei Konstantinopel. Frankreich, Rußland, Italien und Preußen haben der Pforte eine Note überreicht, welche die früher ertheilten ua wiederholt und das Scheitern der

ission Aali⸗Pascha's in Kandien constatirt, ohne doch ein Verlangen nach Untersuchung und Ab fimmung zu erwähnen.

Friedberg. Heute am 3. November brachten uns inder einen lebenden Maikäfer, welcher dahier in einem arten gefunden worden war. Es ist uns dadurch eine eberraschung bereitet worden, die bisher nur auser⸗ ählten Redaktionen zu Theil geworden. a Darmstadt. Das von den landwirihsch. Provinzial⸗ ereinen von Rheinhessen und Starkenburg in der Schweiz gigekaufte Zuchtrindvieh wurde von Seiten des etsteren m 16. zu Osthofen und von letzterem am 21. v. M. zu armstadt mit sehr günstigem Erfolg detsteigert. Der tarkenburger Verein erlöste für 26 Stück, worunter tragende Rinder und 15 Bullen, von welch letzteren älter als ein Jahr und 13 im Alter von nur 8 bis 11 Monaten standen, 5953 fl. oder per Stück circa 229 fl. 15 Ankaufakosten beliefen sich auf 5841 fl. 48 kr.; es rden also 111 fl. 12 kr. über dieselben erzielt. Der hichste Preis wurde für ein von Herrn Brauereibesitzer Ritsert dahier erworbenes Simmenthaler Rind mit 310 fl. bezahlt.

Einem ungarischen Landstreicher wurde in Linz n Reise⸗Document abgenommen, das lautet, wie folgt: enstatt Stullrichter bezeuge ich durch dieses Pescheunigung des weil er ißt ehrlicher Mann, der K. N. 64 Johre alt, ammt mit seinem Schwaker M. D. 55 Jahre alt letigen Stande mit Ihnern sechs lebendigen ganze Familie wohlen b reise nach der ganze Oesterreichische regirung mitmachen und dabei treiben Ihnere Profession Harpfenist. Weil ee uns große Not ist um Lebensmittel zu suchen also wrden vom Ungarlande Comitat M... Gemeinde N. u und öhrlich entlassen, weil bei uns die vorgesezden

noch nicht aufgestellt sind hiemit bestätiget. N. 5 durch R. F. Notär. Eine fünfzigjährige Gedenkfeier. Am 2. November 1817 wurde in Verbindung ut dem 300jährigen Jubelfest der Reformation

dies Schullehrer Seminar dahier feierlich eröffnet.

beute, am 2. November 1867, sind seit jener für unser Land bedeutungsvollen Eröffnung einer chrerbildungs-Anstalt 50 Jahre verslossen. Wenn auch nach den beklagenswerthen Ereignissen, wo unter diese Anstalt im Laufe des verflossenen kommers hat leiden müssen, von einer öffent- lichen Feier des fünfzigjährigen Bestehens der⸗

selben, wie sie bereits in Aussicht genommen und theilweise schon eingeleitet war, Abstand genommen werden mußte, so kann es doch nur allseitige Billigung finden, wenn die einschlägige Behörde es nicht für angemessen hielt, den heutigen Tag ohne jedwede festliche Begehung verstreichen zu lassen. Demgemäß fand denn heute in aller Stille eine dem Ernst der jüngsten Ereignisse ent sprechende gottesdienstliche Feier in dem Prüfungs saal des Seminargebäudes statt, bei welcher außer den Angehörigen der Anstalt selbst nur wenige Geladene, wie z. B. die Lehrer der verschiedenen hiesigen Schulanstalten, die hiesigen Geistlichen, Regierungsrath Trapp und etliche andere zum Seminar in dienstlicher Beziehung stehende Be amte, einige Mitglieder des Stadtvorstandes ꝛc. zugegen waren. Die Festrede hielt der Religions lehrer der Anstalt, Professor Dr. Köhler. Im Anschluß an den Text, Psalm 106:Danket dem Herrn ꝛc. hob der Redner in gewohnter ge diegenen Weise alle Momente hervor, heutige Tage beim Hinblick auf die Entwickelung des deutschen Schulwesens durch die Reformation und durch die spätere Wirksamkeit von Männernnach dem Herzen Gottes, wie eines Heinrich Pestalozzi, sowie speciell beim Rückblick auf die Gründung und die nunmehrige fünfzigjährige Wirksamkeit des Seminars zum Dank gegen den himmlischen Vater auffordern, dessen große Thaten sich hier in dem gesegneten Streben hochherziger Männer nach Volkswohlfahrt durch Volksbildung offen barten, und sprach dann in der weiteren Anwen dung der Textesworte von der Nothwendigkeit der Hülfe von Oben, wenn das nach allen Seiten noch unvollkommene Werk weiterer Vollendung entgegengeführt werden sollte. Auch die traurigen Erlebnisse der letzten Zeit müßten dann zum Segen ausschlagen, wenn sie von Seiten der Schüler aufgefaßt würden als Mahnung zu ernster Be trachtung des Lebens und zu weiser Benützung der Zeit im Dienste des heiligen und schweren Berufes, dem sie sich zu weihen entschlossen hätten. Hierauf theilte Direktor Steinberger nach kurzer Ansprache eine von ibm mit großem Fleiß aus den vorhandenen Akten zusammengestellte Eut stehungsgeschichte des Seminars mit, die für die Oeffentlichkeit so viel des Interessanten enthält, daß wenigstens eine oder die andere Notiz daraus hier eine Stelle finden möge. Schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, nachdem mehrere Seminare in verschiedenen deutschen Ländern er richtet waren,(jetzt existiren deren 148 in Deutsch land), wurden auch in der damaligen Landgraf schaft Hessen-Darmstadt Stimmen laut, die auf die Nothwendigkeit einer besseren Bildung der Lehrer des Volkes hinwiesen. Sie waren vorerst Prediger in der Wüste. Als aber am Anfange dieses Jahrhunderts diese Stimmen zahlreicher und vernehmlicher wurden, fanden sie an hoher Stelle geneigtes Gehör und eingehende Würdigung. Der Ausführung verschiedener vorgelegten Plane stand indeß ein mächtiges Hinderniß im Wege, der Mangel an den nöthigen Geldmitteln, und es ist wahrhaft kläglich, mit wie Wenigem man sich Anfangs begnügen wollte und wie auch dies Wenige aufzubringen unmöglich schien. Unter den Männern, die sich große Verdienste um das Seminar erworben haben, stehen in erster Reihe Kirchen- und Schulrath Wagner in Darmstadt, als einer der Ersten, die die Frage der Errichtung einer Lehrerbildungsanstalt in Anregung gebracht haben, dann Professor Roth, der erste und lang jährige Direktor der Anstalt, und Oberschulrath Hesse.

Was Roth, der von warmer Liebe für Menschenglück durchglühte, ideale Pädagoge dem Seminar und seinen Schülern war, was Hesse, ein Freund der Volksbildung und der Lehrer, wie kaum ein zweiter, in seiner Stellung als Oberschul Direktor namentlich zu Gunsten des Seminars gewirkt hat, das ist bei noch gar Vielen in dank barem Gedächtniß; hier scheint es angezeigt, darauf hinzuweisen, wie es die Stadt Friedberg hauptsäch lich ihrem Rektor an der Augustinerschule, Roth, zu verdanken hat, daß man bei Umschau nach einem geeigneten Orte für die zu gründende Anstalt

die am

sein Augenmerk auf Friedberg richtete, wie denn auch schon im Jahre 1811 die jetzige Kloster⸗ kaserne als Seminargebäude von der Regierung für 2200 fl. angekauft worden ist. Als man später den Plan faßte, ein Waisenhaus mit dem Seminar in Verbindung zu bringen und als unser Land in Folge der Wiener Congreßbeschlüsse um die Rheinprovinz sich vergrößerte, erschien dieses Haus dem Bedürfniß nicht mehr entsprechend und wurde noch in letzter Stunde das jetzige Seminar- gebäude gewonnen, das schon seiner Bestimmung als Kaserne übergeben werden sollte.

Der mit äußerster Sorgfalt bis in die kleinsten Einzelheiten eingehende Vortrag des Direktors Steinberger über die Entstehungsgeschichte des Seminars hat uns lebhaft in jene Zeit versetzt, und wie Gedanke an Gedanke sich entzündet, so drängte es uns vorwärts, und sinnenden Blickes durchmaßen wir im Geiste das halbe Jahrhundert des Bestehens des Seminars, und Frage um Frage drängte sich uns auf.

Wie hat man in jener ersten Zeit in leitenden Kreisen über Lehrerbildung und Lehrerwirksamkeit (an Volksschulen), über die Wichtigkeit derselben und dem daraus entspringenden Segen, über die Stellung der Schule, der Gemeinde, der Kirche, dem Staat gegenüber gedacht? Einen officiellen Ausdruck davon haben wir allerdings in dem für seine Zeit vorzüglichen Schuledikt, aber es darf doch wohl angenommen werden, daß jene Männer nicht der Meinung waren, sie hätten das Ziel schon erreicht, und Staatsklugheit genug besaßen, Nichts zu überstürzen.

Welches waren die leitenden Grundsätze in Unterricht und Erziehung im Seminar, und worin lag das Geheimniß, daß Roth seine Schüler unauflöslich an sich zu fesseln und sie für seine Ideale zu gewinnen wußte? Welches war die Wirksamkeit des als Lehrer der Mathe matik vielgerühmten Dr. Briel? Und da man die Verdienste Verstorbener laut und ohne Rück halt rühmen darf, welchen Einfluß hatte Sold an auf die Bildung der damals aus dem Seminar hervorgehenden Lehrer, jener edle Weise und prädestinirte Pädagoge, der den ganzen inwendigen Menschen seines Zöglings zu erfassen und empor zuheben verstand, und dessen Schüler noch heute ohne Ausnahme seinen Namen mit dankbarer Verehrung im Herzen tragen?

Viel Rühmliches wäre auch von der Thätig⸗ keit der noch lebenden Lehrer des Seminars zu sagen, von Direktor Dr. Curtman, der zur Zeit, als er die Leitung des Seminars übernahm, durch seine gekrönte Preisschrift und später durch seine Erziehungslehre eine weit über die Grenzen Deutsch⸗ lands hinausgehende Berühmtheit als genialer pädagogischer Schriftsteller sich erworben ꝛc. 2c. Doch genug der Fragen. Eine gewandte Feder, der die richtigen Quellen zu Gebote stünden und die mit vorurtheilslosem Blick und wohlwollendem Sinn alle einschlägigen Fragen beherrschte, könnte sich hier ein Verdienst erwerben. Die Geschichte eines Seminars ist die Geschichte des Volks- erziehungswesens des betreffenden Landes, ja in gewissem Sinn ganz Deutschlands.

Es ist im Laufe des verflossenen halben Jahr hunderts besser geworden, nicht blos mit der Lehrer- bildung, sondern auch mit Stellung und Einkommen der Lehrer. Mag es auch noch vorkommen, daß Lehrer bei geringem Einkommen und aufreibender Ardeit hungern müssen: daß sie verdungern müssen, kann nicht gesagt werden, wie in einem alten Bericht aus ehemals pfälzischen Landen be hauptet wird, daß die Schulmeister verhungern müßten, während der Kirchenfonds ein Vermögen von 20 Millionen besitze. Das kommende halbe Jahrhundert wird sicherlich nicht steben bleiben. Ueberall steht die Frage der Hebung der Volks- schule auf der Tagesordnung. Gelingt es der Fürsorge unserer Regierung, den projektirten dreijährigen Seminarkursus demnächst einzuführen, so werden manche andere Schwierigkeiten sich leichter heben, und nach aber 50 Jahren werden unsere Nachkommen, will's Gott, ein wahres Jubelfest des 100 jährigen Bestehens des Seminares feiern dürfen.