München. Seit einigen Jabren wird dahier bei edem Kinde, welches im ersten Lebensjahre stirbt, an⸗ zegeben, ob dasselbe an der Mutterbrust war oder nicht, and da weist ein zweijähriger Durchschnitt nach, daß von 100 in jenem Alter Verstorbenen 88 nicht mit Mutter⸗ milch genährt gewesen.
3 Cholera. In War schau hat mau die Be⸗ obachtung gemacht, daß die Cholera sich auch bei Thieren zeigt. Canarienvögel, mit Salat gefüttert, verfielen sofort in Krämpfe und crepirten. Ebenso sind Enten, denen man Kartoffelschalen und kranke Kartoffeln vorgeworfen, einige Stunden darauf mit den deutlichen Symptomen der Cholera erkrankt und crepirt.
% Mondsfinsterniß. In der Nacht vom 13. auf den 14. September findet eine sichtbare Mondsfinster⸗ niß statt. Um 11 Uhr 30 Minuten beginnt der linke obere Rand des Mondes sich zu verdunkeln, Anfang der Finsterniß. Um 1 Uhr ist die Verfinsterung am größten. Mitte der Finsterniß, und um 2 Uhr 27 Minuten Ende der Finsterniß.
Verloosungen.
Wien, 2. Sept. Bei der heute stattgefundenen Serienziehung der österreichischen 100 fl. Loose von 1864 wurden folgende 9 Serien 2 100 Loose gezogen. Serie: 304, 784, 968, 1272, 1883, 1936, 2167, 3319, 3872 und fielen bei der alsbald vorgenommenen Gewinn⸗ ziehung auf nachstehende Nummern die beigesetzten Prämien: Serie 2167 Nr. 63 200 000 fl., Serie 784 Nr. 18 50 000 fl., Serie 1936 Nr. 31 15 000 fl., Serie 1272 Nr. 71 10 000 fl.
An die Aerzte des Großherzogthums. Diejenigen Herren Collegen, welche den am 16. und 17. Sept. l. J. in dem großen Saale der Großh. Landes- Irrenanstalt dahier stattfindenden Verhandlungen des „Deuischen Vereins der Irrenärzte“ beizuwohnen geneigt sind, werden hierdurch ergebenst benachrichtigt, daß die
erwähnten Verhandlungen Vormittags zwischen 8 und 9
Uhr, nach Ankunft der ersten Eisenbahnzüge, beginnen und daß am ersten Tage Gegenstände von Interesse und Wichtigkeit für jeden Arzt, am folgenden Tage dagegen solche Themate zur Discussion kommen werden, welche sich auf die specifischen Verhältnisse der Irrenanstalt und der Irrenanstalten beziehen. Heppenheim den 1. September 1867. Dr. Ludwig. Dr. Werle.
Ehre der Arbeit.
Viele Bücher sind geschrieben worden über die Kunst, reich zu werden, die Manche für eine schwere, Andere wohl gar für eine schwarze Kunst halten; und doch ist sie die einfachste, natürlichste und volksthümlichste Wissenschaft, die sich nur denken läßt, eine Wissenschaft, in der Gelehrsamkeit häufig Alles verdirdt und der gesunde Menschenverstand Meister ist. Die Kunst, reich zu werden, wird auf der Gasse gelehrt, und Lehrmeister ist das Volk in seinen Sprichwörtern. Da beißt es:„Viele Wenig machen ein Viel.“—„Achtet auf den Groschen, die Thaler werden schon selbst auf sich Achtung geben.)—„Ohne Mübe kein Gewinn.“„Der Fleiß ist die Mutter des Glücks.“—„Ohne Schweiß kein Preis.“—„Schweiß gibt den besten Mörtel.“—„Eine rechte Arbeit kostet Armschmalz, und nur um Fleiß und Müh' gibt Gott Schaf und Küb.,—„Fleiß bricht alles Eis.“—„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“—„Wer durch den Pflug will werden reich, der muß ihn heben und treiben zugleich.“—„Spare in der Zeit, so hast Du in der Noth.—„Junge Schlemmer, alte Bettler—»Morgenstunde hat Gold im Munde.—„Geh' lieber ohne Abendbrod zu Bette, als mit Schulden aus dem Bette“ u. s. w.
Nichts weiter braucht ein Mensch mit
gewöhnlichen Arbeitskräften, als Fleiß, Spar— samkeit und Ehrlichkeit, um sich äußerlich eine bescheidene Unabhänigkeit zu gründen. Selbst der Arbeiter kann es dahin bringen, voraus— gesetzt natürlich, daß er seinen Verdienst sorgfältig zu Rathe hält und den so gefährlichen kleinen Ausgaben für unnütze Dinge strenge aus dem Wege geht. Ein Groschen ist ein kleiner Werthgegenstand, und doch beruht das häusliche Glück von Tausenden von Familien auf der wirthschaftlichen Anwendung von Groschen. Wer so leichtsinnig ist, seine sauer verdienten Groschen wegzuwerfen, um seinem sinnlichen Geluͤste, durch den Genuß von geistigen Ge⸗ tränken oder anderen schädlichen Dingen, zu fröhnen, der erniedrigt sich unter das Thier und bringt Jammer und Elend über sich und seine Familie. Achtet dagegen Jemand auf seine Groschen, legt er sie zweckmäßig an— indem er einige wöchentlich in die Sparkasse trägt und den Rest seiner Frau anvertraut, damit diese, im Interesse des Familienwohls, den bestmöglichen Gebrauch davon mache,— der wird sich bald reichlich für seine weise Schätzung und Benutzung des Groschens belohnt finden durch das Wachsthum seines Vermoͤgens, durch die zunehmende Behaglichkeit seines Haus⸗ wesens, und durch ein Bewußtsein, das frei ist von Nahrungssorgen und heiter im Gefühl einer gesicherten Zukunft und erfüllten Pflicht.
Benjamin Franklin, der Altmeister praktischer Lebensweisheit, schrieb an einen jungen Hand— werker:„Der Weg zum Reichthum ist, wenn Du nur ernstlich willst, so eben, als der Weg zum Markte. Er hängt meistens von zwei Wörtchen ab: Thätigkeit und Sparsamkeit, d. h.: verschwende weder Zeit noch Geld, sondern mache von beiden den besten Gebrauch. Ohne Thätigkeit und Sparsamkeit wird Dir nichts gelingen, mit ihnen aber Alles. Wer Alles erwirbt, was er mit Ehren erwerben kann, und(nothwendige Ausgaben abgerechnet) Alles erhält, was er erwirbt, dei wird sicherlich reich werden— wenn anders jenes Wesen, das die Welt regiert und von dem Jeder Segen zu seinem ehrlichen Fleiß erflehen sollte, seiner weisen Vorsicht nach, es nicht anders be⸗ schlossen hat.“
„Bedenke, daß auch Kredit Geld ist. Die geringsten Kleinigkeiten, die auf eines Mannes Kredit Einfluß haben, müssen beachtet werden. Das Geräusch Deines Hammere um 5 Uhr Morgens oder um 9 Uhr des Abends macht, daß Dein Gläubiger, wenn er es hört, sich sechs Monate länger geduldet. Sieht er Dich aber bei der Kegelbahn, oder hört er Deine Stimme in einem Trinkhause, wenn Du bei der Arbeit sein solltest, so läßt er Dich den nächsten Tag um sein Geld mahnen und preßt Dir's ab, aus Furcht, es in die Konkursmasse fallen zu sehen.“„Laß, sagt er,„den Fleiß am Morgen zu Deiner Seite gehen und Dich begleiten, bis Dich die Abendglocke zur Ruhe ruft. Betrachte die Ehrlichkeit als den Athem Deiner Seele und vergiß nie, einen Pfennig übrig zu behalten, wenn alle Deine Ausgaben berechnet und bezahlt sind. Dann wirst Du den Gipfel des Glückes erreichen und Unab⸗ hängigkeit wird Dein Schud und Panzer,
die Ehre
Dein Helm und Deine Krone sein. Dann wird Deine Seele aufrecht gehen; Du wirst Dich vor keinem in Sammt gekleideten Schufte bücken, weil er Reichthümer besitzt; Du wirst keinen Schlag einstecken, weil die Hand, die ihn Dir gibt, einen mit Diamanten besetzten Ning trägt.“ Und wie befolgte Franklin selbst seine Lehren? Er erzählt:„ Nach und nach fing ich an, meine Schulden abzu— tragen, die ich zu machen genöthigt gewesen war(er hatte nämlich einen kleinen Buch⸗ und Schreibmaterialien Laden eröffnet), und um mir Kredit und den Namen eines ehrlichen Geschäftsmannes zu sichern, trug ich dafür Sorge, nicht allein thatsächlich fleißig und sparsam zu sein, sondern auch jeden Schein von dem Gegentheil zu vermeiden. Ich war stets einfach gekleidet und ließ mich an keinem offentlichen Vergnügungsort sehen. Ich ging niemals weder sischen noch auf die Jagd. („Fische fangen und Vögel stellen verdarb schon manchen Junggesellen.“) Höchstens hielt mich hie und da ein Buch vom Geschäfte ab, doch geschah dieß nur selten und heimlich, so daß es kein Aufsehen erregte; und um zu zeigen, daß ich mich nicht über meinen Stand erhebe, führte ich zuweilen das Papier, das ich in den Magazinen gekauft hatte, auf einer Schiebkarre nach Hause. Dadurch kam ich in den Ruf, ein fleißiger junger Mann und ein pünktlicher Zahler zu sein. Die Kaufleute, die Schreib- papier aus Europa einführten, suchten mich zu ihrem Kunden, andere erboten sich, mich mit Büchern zu besorgen, und mein kleines Geschäft hatte den günstigsten Fortgang.“ Benjamin Franklin schämte sich nicht, sein
Papier selbst über die Straße zu fahren— so ist's recht und so fordert es die Ehre der Arbeit; denn jede Arbeit, sei sie an sich noch so niedrig, ehrt ihren Arbeiter und keine bringt ihm Schande.„Alle Arten sein Brod zu ver⸗ dienen„ sagt Lessing,„sind einem ehrlichen Manne gleich anständig. Die Arbeit ist als eine aus sittlichen Beweggründen entspringende, nach sittlichem Ziele ringende That aufzufassen und darum entscheidet nicht Erfolg und Gewinn, sondern allein das Maaß des sittlichen Gehalts, die sittliche That in der Arbeit.“ Dieser edle Grundsatz wurzelt, nach Riehl, seit uräͤltester Zeit tief und fest im deutschen Gem uthe. Jeder Arbeiter darf die Anerkennung seiner Arbeus⸗ oder Berufsehre als ein Recht in Anspruch nehmen, vorausgesetzt nämlich, daß er selbst seiner Arbeit achte. Wir wollen unser eigenstes, persönlichstes Wesen in unserer Arbeit geehrt sehen und aus diesem Drang nach persönlicher Ehre der Arbeit, der um so mächtiger in allen Volkskreisen erwacht, je höher die Gesittung steigt, kann man schon schließen, daß die persönlichste Arbeit zugleich die menschenwürdigste sei. Mögen ansere wackeren Arbeiter und Handwerker, der Ehre ihrer Arbeit eingedenk, den Kopf dochhalten und die herrlichen Schiller'schen Verse als Wahlspruch im Herzen fuͤhren:
„Arbeit it des Bürgers Zierde,
Segen ist der Mühe Preis;
Ehrt den König seine Würde,
Ehret uns der Hände Fleiß!“
Ochsenfleisch⸗ Lieferung. für das Milltär-Pospital Friedberg im 4 Quartal 1867. 200 Montag den 9. dieses Monats, Vormittags 10 Ubr, soll die obige Lieferung auf dem Pospltal⸗Bureau, unter den daseldst zur Einsicht bereit liegenden Be⸗ dingungen durch Summission veraccordirt werden.
Friedberg den 3. September 1867. Der Großherzogliche Dospitalcommandant Doff mann, Major.
Faselochs⸗Versteigerung.
2000 Dienstag den 10. d. Mis. soll det Abhaltung
des Vieh- und Krämermarktes ein der hiesigen Gemeinre gehöriger, zur Nachzucht untauglich gewordener Fasel⸗ ochse öffentlich meistbletend versteigert werden. Reichelsheim den 3. September 1867. Großherzogliche Bürgermeisterei Reichelsheim Vogt.
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Grummetgras-Versteigerung. 2078 Otenstag den 10. September, Vormittags 10 Uhr anfangend, soll das hlesige Gemelnde-Grummet⸗ gras, cirta 190 Morgen, öffentlich versteigert werden.
Gegen Bürgschaft wird Eredit bie Martini l. J. gestattet.
Die Großherzoglichen Bürgermeistereten der um⸗ liegenden Gemeinden werden ersucht, dies im Interesse ibrer Gemeindeangehörigen öffentlich bekannt machen zu lassen.
Utppe den 31. August 1867.
Großherzogliche Bürgermeisterel Utphe B ch er
Annonce.
2066 Bel Marcus Strauß, Frankfurt a. M., Neue Rothhofstraße Nr. 8, ist eine Partie gute starke Spixtitus⸗ fässer zu verkaufen.
Holz ⸗Versteigerung. 2082 Im Ober Ros dacher Gemeindewald wird Freitag den 6. d. M. nachstehendes Holz öffentlich meistbietend versteigert: 559 Wellen Eichen⸗Reiserholz, 255„ Nadel⸗ 5 5 Eichen⸗Stangen, zu Deichseln geeignet, und 38 Haufen Haide und 150 Gedund Ginstern. Die Zusammenkunft und Ansang ist Morgens 8 Uhr im Schlag„Große Johanneshacke.“ Sder⸗Rosbach den 2. September 1867. Hroß herzogliche Bürgermeisteret Ober ⸗Rosbach Bleche r.
Fasfer
2070 von 2 bis zu 7 Ohm, weingrüne, billig bei
Christian Koch, Kufermeister.


