Ig.
de
Beilage zum Anzeiger für Oberhessen. un 6
Hessen. Darmstadt. Der Kaiser von Rußland wird gelegentlich seiner Heimreise von der Pariser Ausstellung am 12. Juni hier ein treffen und drei Tage als Gast am großherzog— lichen Hofe verweilen.
— 31. Mai. II. Kammer. Das Kriegemini⸗— sterium theilt der Kammer mit, daß es im Laufe dieses Sommers die durch die Militärconvention mit Preußen nothwendigen Aenverungen in unse— rem Militärwesen ausführen werde und legte, um nicht durch Verzögerung das Eingreifen der preu— ßischen Regierung hervorzurufen, einen Plan zur sofortigen Ausführung der Art. 2 und 5 der Militärconvention vor: Formation von 10 Bataillo- nen Infanterie, einer Reiterbrigade von 10 Schwa- dronen und von 6 Batterien Artillerie nebst Trainabtheilung, sämmtlich nach preußischem Fuß. Neue Chargen sind vorläufig nicht beabsichtigt.— Die Antwort der Regierung auf die Interpellation des Abg. Bamberger und Genossen wegen der Rechtsverhältnisse der Festung Mainz lautet, daß die Verhandlungen mit Preußen noch im Gange seien. Auf der Tagesordnung steht der dringliche Antrag des Abg. Metz und Genossen über die Eisenbahnangelegenheit. Der Finanzminister theilt mit, daß der Bau sämmtlicher projectirten Bahnen mindestens 46 Millionen erfordere und daß die Regierung, ehe sie die eingeleiteten Verhandlungen weiter fortsetze, die Ansichten der Stände zu hören wünsche. Metz unterzieht das Verfahren der Regierung einer scharfen Kritik und tadelt es, daß sie bis jetzt noch nicht die Initiative ergriffen.— Der Präsident will die Debatte schließen und be— zeichnet die Angriffe des Abg. Metz für„maßlos,“ eine Aeußerung, welche von der Mehrheit der Kammer(32 gegen 13 Stimmen) gebilligt wurde. — Nachdem der Finanzminister noch geantwortet, erklärt die Kammer mit allen gegen 13 Stimmen den Antrag für erledigt, theilt die Aeußerungen, resp. Anfragen der Regierung dem Ausschuß zur weiteren Behandlung mit und setzt die Budget— berathung, insbesondere über„Bauwesen,“ fort.
— 1. Juni. II. Kammer. Für Anschaf⸗ fung, resp. Ausrüstung zweier weiteren Artillerie- Batterien beansprucht das Kriegsministerium einen Credit von 102,511 fl.— Die Regierung schlägt vor, die Gehalte der Probatoren und Calcula— toren zweiter Classe von 500 auf 600 fl. zu er⸗ höhen, eine Vorlage, welche der Ausschuß zur Bewilligung empfiehlt und welche auch Annahme findet. Die Berathung des Civil-Budgets wird fortgesetzt und zu Ende gebracht. Der Bericht des Militär-Budgets ist noch nicht erstattet.— Für Bauten in der Irrenanstalt zu Heppenheim werden sodann noch 12,000 fl. bewilligt. Die Regierung fordert für Entschädigung des Bau— unternehmers Amendt in Oppenheim für beim Bau der Heppenheimer Irrenanstalt erlittene Verluste 15,000 fl. Nach längerer Verhandlung bewilligt die Kammer aus Gründen der Billigkeit 7500 fl.— Der Antrag des Abg. Dumont wegen Erbauung einer stehenden Brücke zwischen Mainz und Castel wird abgelehnt unter Annahme der Anträge des Ausschusses, welche dahin gehen, die Staatsregierung zu ersuchen, in Verhandlung mit dem preußischen Militärgouvernement und der Verwaltung der Taunus⸗Eisenbahn-⸗Gesellschaft zu treten, um deren Geneigtheit, sich bei dem Bau einer stehenden Brücke zu betheiligen, zu erfahren, und nach dem Ergebnisse solcher Verhandlungen der Kammer geeignete Vorschläge zu machen.
— Die„Main-Zeitung“ schreibt: Wie man in militärischen Kreisen hört, sollen verschiedene Offiziere benachrichtigt worden sein, daß sie auf kein Avancement mehr zu rechnen hätten, daß aber ihre Pensionirung vorläufig wegen Ueberlastung des Pensionsfonds nicht eintreten könne.
— Beim Anfertigen von Granaten entzündete sich dieser Tage im hiesigen Laboratorium eine derselben, wobei ein Stück Geschoß einem Artille⸗ risten in den Leib fuhr. Sein Zustand soll sehr bedenklich sein.
+Darmstadt. Artillerie-Hauptmann Wei— gandt wurde mit 4 Unteroffizieren nach Mainz commandirt, um die Anfertigung von Zündnadel— patronen zu erlernen. Man spricht davon, daß ganz in der Kürze ein zweites Jägerbataillon er— richtet werden wird.— Vor Kurzem sind die Hauptleute v. Zangen, v. Hessert, v. Schenck und Scriba II., sämmtlich dem 3. Infanterie-Regiment angehörig, pensionirt worden. Die Penstonirung noch mehrerer Stabsoffiziere wird demnächst er— wartet.
— Prinz Ludwig und Gemahlin sind am 2. ds. zum Besuche der Ausstelluug nach Paris abgereist. Nach mehrtägigem Aufenthalte daselbst werden sich dieselben für längere Zeit nach England begeben.
Friedberg. Die zur Erlernung des preußischen Exercitiums commandirten Offiziere und Unteroffiziere der großherzoglichen Infanterie sind in diesen Tagen nach Mainz abgegangen. So viel wir vernehmen, werden dieselben preußi— schen Compagnieen zugetheilt und zu allen Dienst- leistungen herangezogen werden, so daß ste wäh— rend eines zweimonatlichen Aufenthaltes in Mainz nicht allein das Exercitium, sondern auch den ganzen inneren Dienst der preußischen Armee werden kennen lernen. Von dem dahier garniso⸗— nirenden Bataillon gingen Hauptmann Ram- städter und Oberlieutenant v. Stein nach Mainz ab, außerdem von jeder Compagnie 1 Unteroffizier.
* Friedberg. Der Abgeordncte unserer Stadt, Landrichter Dr. Stockhausen, war vor einigen Tagen dahier anwesend, um mit dem Stadtvorstande über verschiedene Angelegenheiten zu berathen und namentlich die Erweiterung und Hebung unserer Realschule zu einer, zum einjäh⸗ rigen freiwilligen Militärdienste heranbildenden Anstalt in das Auge zu fassen. Bei der Wichtig⸗ keit dieser Angelegenheit für unsere Stadt und Umgegend wollen wir wünschen und hoffen, daß die Bemühungen unseres Abgeordneten und unse— res Stadtvorstandes den besten Erfolg haben möchten.
Erbach. Der Bienen verein der Provinz Starkenburg wird am 7., 8. und 9. Juli dahier eine allgemeine Wanderversammlung abhalten
Mainz. Der Schuhmacher R. ist den am Abend des 20. v. M erhaltenen Schußwunden erlegen. Aus der eingeleiteten Untersuchung verlautet, daß gegen den Soldaten, welcher die beiden Schüsse in die Menge sandte, scharf eingeschritten werden soll, da namentlich die obere Festungsbehörde die Aus- schreitung ungerechtfertigt finde.
Preußen. Berlin. Mit den militärischen Veränderungen geht es in Norddeutschland eifrig vorwärts. Das preußische Offiziercorps hat sich um 770 Personen vermehrt. Das Norddeutsche Bundesheer wird 120 Infanterie-Regimenter zu 2 Bataillonen, 5 einzelne und 15 Jäger-Bataillone zählen, wozu 170 Landwehr-Bataillone kommen. Dazu treten 75 Regimenter Cavallerie zu 5 Schwadronen und die entsprechenden Artilleriekräfte. Auch die Seemacht ist in der letzten Zeit ansehn⸗ lich vermehrt worden.
— Abgeordnetenhaus. Nach der Er⸗ öffnung der Sitzung widmet der Präsident v. Forckenbeck dem seit der letzten Sitzung ver— storbenen Abg. Dr. Beitzke, dem überzeugungs⸗ treuen Vertreter des Volkes und ruhmreichen Ver— fasser der Geschichte der deutschen Befreiungskriege, warme Worte des Nachrufes. Das Haus erhebt sich, zum Gedächtniß an den Verstorbenen, von den Sitzen. Ueber den eingegangenen neuesten Bericht der Staatsschulden-Commission wird das Haus, nach dem Antrage des Präsidenten, in ein— facher Schlußberathung verhandeln. Es folgt die Schlußberathung über den Antrag der Abgg. Aßmann und Genossen, zu erklären:„Die unter Verantwortlichkeit des Justizministers erfolgte An- stellung des vormals hannover'schen Obergerichts-
Der„Pfälzische Kourir“ meldet:
Vicedirectors Oberg als Vicepräsidenten beim Appellationsgericht zu Ratibor verletzt das Gesetz und die Verfassung.“ Nach kurzer Debatte wird der Antrag Aßmann's mit 173 gegen 75 Stim- men angenommen, nachdem ein Amendement des Abg. Hauschteck abgelehnt worden war.
3 In Schleswig ⸗Holstein soll die preußische Münze eingeführt und die der Herzogthümer, so— wie die dänische und Hamburger Scheidemünze außer Cours gesetzt werden, während dänische Species, ganze und halbe Reichsbankthaler, im Privatverkehr vorläufig verbleiben.
— General v. Obernitz, der preußische Militärbevollmächtigte in Stuttgart, befindet sich gegenwärtig in Ulm, um die dortigen Militär⸗ einrichtungen kennen zu lernen und die Festungs⸗ werke im Verein mit dem von München angekom⸗ menen General Hartmann zu besichtigen.
— Das Mitglied des norddeutschen Parla⸗ ments Ahlmann ist in Kopenhagen kürzlich eingetroffen, wo er am Bahnhofe stürmisch em- pfangen wurde. Er sprach die zuversichtliche Hoffnung aus, daß der auf die Wiedervereinigung Nordschleswigs mit Dänemark gerichtete Wunsch sich bald erfüllen werde.
— Graf Bismarck begleitet den König auf dessen Wunsch nach Paris und tritt wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des Juni einen längeren Urlaub an.
— Der Kaiser von Rußland ist am verflossenen Freitag Nachmittag um 4½ Uhr nach Paris abgereist.
— In der Sitzung vom 31. Mai hat das Abgeordnetenhaus, bei Namensaufruf, die Ver- fassung des norddeutschen Bundes in zweiter Le⸗ sung mit 227 gegen 93 Stimmen angenommen. Gegen die Annahme sprachen: Waldeck, Michelis und Virchow.
— Das Herrenhaus hat in seiner Sitzung vom 1. Juni die Verfassung des norddeutschen Bundes einstimmig angenommen.
— Banquier E. Simon aus Hannover, welcher sich hier in Haft befand, ist nun gegen Caution von 10,000 Thaler entlassen worden. Veranlas— sung zur Verhaftung hat der Umstand gegeben, daß sich erwähntes Bankhause im Besitze bedeu— tender, dem Könige Georg gehöriger Gelder be— funden haben soll.
— Der König von Preußen geht nach einem Aufenthalte in Ems Mitte Juli nach Ra— gacz.— Der Besuch des Kaisers Napoleon ist hier um die Mitte des September nunmehr angemeldet worden.
Hannover. Das Geburtsfest des König's Georg gab hier zu kleinen Demonstrationen Ver- anlassung. Man bemerkte weiß⸗gelbe Zusammen- stellungen an den Kleidern von Damen und Herrn, an den Blumen in den Fenstern, an den Schau— fenstern von Manufacturisten, an den mit Bänd— chen geschmückten Pferden ꝛc. 1c. Herren und Damen ließ man unbehelligt, sonst mußten die gelb-weißen Farben auf Anordnung der Polizei verschwinden.
— In der„Magdeburger Zeitung“ ist fol⸗ gende Erklärung enthalten:„Ich habe nie ge⸗ leugnet, daß ich dem erlauchten Welfen hause sehr ergeben bin. Trotzdem werde ich mich nie und nimmermehr auf Verschwörungen gegen Seine Majestät den König von Preußen einlassen. Von einer angeblichen„Welfenverschwörung“ ist mir nur Das bekannt, was ich darüber in den öffent- lichen Blättern gelesen habe. Freiherr v. d. Busche⸗ Streithorst, Mitglied des Herrenhauses.“
Frankfurt. Am 31. v. M. passirte eine Abtheilung Dragoner, von Mainz kommend, un⸗ sere Stadt. Dieselben haben den Auftrag, Pferde an der russischen Grenze in Empfang zu nehmen und nach dem Rhein zu transportiren.
Wiesbaden. Die königliche Regierung bat die hiesige Handelskammer zu einer gutachtlichen Ueußerung wegen sofortiger Einführung der preu- gischen Thalerwährung aufgefordert.


