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— Der„Augsb. Allg. Ztg.“ wird officiös,
von Berlin geschrieben: Die Conferenzidee habe in Paris eine Wandlung erfahren. Statt einer entscheidenden, solle nun eine berathende Conferenz, berufen werden. Preußen, England und Rußland beharrten auf der Vorlage eines bestimmten Programms unter vorausgehender Verständigung Italiens, Roms und Frankreichs. Von den Großmächten, Oesterreich ausgenommen, fehlen noch Erklärungen in Paris, ebenso von Belgien
und Holland. Bayern erwarte die Theilnahme Italiens und Roms. Augsburg. Der„Allgem. Ztg.“ wird vom
Rhein geschrieben, glaubwürdigen Andeutungen zufolge beabsichtige Napoleon allerdings eine Be⸗ seitigung der weltlichen Macht des Papstthums gegen reichliche materielle Entschädigung. Frank- reich stelle demgemäß überall genaue Erhebungen über die Größe des katholischen Kirchenfonds und dessen Verwendungen an, um dem Papste aus entsprechenden Beiträgen eine Civilliste zu sichern. Die Residenz des Papstes und der Sitz der obersten Kirchencollegien bliebe Rom als neutraler Boden und das Personal der letzteren würde als exterritorial betrachtet.
Baden. Karlsruhe. Die erste Kammer hat das Wehrgesetz einstimmig angenommen.
Oesterreich. Wien. Ein Telegramm des„Fremdenblatts“ aus Belgrad meldet: Die serbische Regierung beschloß, eine Anleihe von 2,000,000 Rubel zu Kriegszwecken noch dieses Jahr zu realisiren.— Die„Morgenpost“ figna⸗ lisirt eine eventuelle Uebertragung des Kriegsmini⸗ steriums an Gablenz.
Frankreich. Paris. Ein Dekret des Kaisers beauftragt den Minister des Aeußern, Marquis de Moustier, die Diskussion über die italienische und deutsche Angelegenheit im Senate und gesetzgebenden Körper zu unterstützen.
— In der„Liberté“ werden zwei neue Flug⸗ schriften des Herrn v. Girardin angekündigt, die soeben bei Michel Lévy froͤres zur Ausgabe gelangen. Die erste ist betitelt:„Macht und Ohnmacht, Fragen des Jahres 1865“, die zweite „Der Erfolg, Fragen des Jahres 1866“; letztere Schrift ist mit einer Einleitung versehen, die in Form eines Schreibens an den Grafen Bismarck vom Standpunkt der allgemeinen europäischen Entwaffnung sich über die zukünftigen„beiden geographischen Einheiten, Deutschland und Frank⸗ reich“, ausspricht.
Toulon. Zwei Transporte Cavallerie und 3000 Mann Infanterie sind aus dem Kirchen⸗ staate eingetroffen. Drei weitere Transporte find signalisirt..
Spanien. Die spanische Regierung bat eine neue Institution in's Leben gerufen, die stark an die alte Inquisition und an die Wohl⸗ fahrts aus schüsse der französischen Revolution erin⸗ nert: es sind für ganz Spanien„General⸗Ueber⸗ wachungs⸗Inspektoren“ ernannt worden, welche in diejenigen Provinzen geschickt werden sollen, in denen der Minister des Innern es für zweckmäßig trachtet. Wo sie erscheinen, find sie sofort die Chefs aller in das Ueberwachungsfach einschlagen⸗ den Verwaltungszweige.
Italien. Florenz. Am 28. November fand eine Haussuchung in dem aufgehobenen Kloster der„Brüder Chartreux“ bei Florenz statt. Es wurde eine sehr beträchtliche Summe Silber entdeckt nebst Befehlen für die Brüder von Rom aus, ihre Organisation als geheime Gesellschaft und Glied der großen Chartreuse von Grenoble fortzusetzen.— Die Polizei legte heute eine auf ⸗ rührerische Proklamation Mazzini's an die Armee mit Beschlag.
— Das Amnestiedekret für Garibaldi wird erwartet. Italien macht die Beschickung der Conferenz von dem Abzuge der Franzosen aus dem Kirchenstaate abhängig.„Riforma“ räth
f die Verwerfung des Budgets.
— Die„Italie“ stellt über die begonnene Räumung des pärstlichen Gebietes Seitens der Franzosen, die sie als den Vorläufer einer nahe bevorstehenden vollständigen Räumung ansteht, folgende Betrachtungen an:„Die französische Re⸗
gierung fängt an, zu begreifen, daß eine Inter⸗ vention eine Ursache zu Verlegenheiten aller Art ist, und sie will sich so bald als nur irgend mög- lich der Verantwortlichkeit, die sie auf sich geladen hat, entladen. Hoffen wir, daß sie bis zu Ende folgerichtig sein und zum Prinzip der Nichtinter⸗ vention zurückkehren wird. Es gibt kein anderes Mittel, den heil. Stuhl zu nöthigen, sich mit Italien zu verständigen. Es dürfte gut sein, darauf aufmerksam zu machen, daß der Befehl zur Abreise der Truppen gegeben worden ist vor der Diskusston des Senats und des gesetzgebenden Körpers; das ist eine Art und Weise, den Sena⸗ toren und Deputirten begreiflich zu machen, daß der Kaiser nicht die Absicht hat, der beständige Vertheidiger der weltlichen Macht zu sein.
— Menabrea hat von Frankreich das Zu⸗ geständniß erreicht, daß Italien die Vorschläge, welche die Conferenz diskutiren soll, machen wird. Bis jetzt werden im Kabinet zwei Vorschläge be⸗ rathen: Neutralisirung eines Theils der Stadt Rom, und Abfindung des Papstes durch eine Geldentschädigung und jährliche Rente, welche zur Hälfte von Italien, zur Hälfte von den fremden Mächten aufgebracht werden. Der Einräumung von Jerusalem mit einem beträchtlichen Theil von Palästina an den Papst, Entschädigung der Türkei durch Italien und Garantie des neuen Kirchen⸗ staates durch die Großmächte.
— Der Rest der französischen Truppen, aus⸗ genommen eine kleine Cavalleriebrigade, verläßt ebenfalls den Kirchenstaat. Die Division Dumont hat ihre Einschiffung in Civita- Vecchia beendet, die Division Balaille beginnt sich einzuschiffen.
— Man liest im Movimento:„Der Aussage des Generals Lamarmora zufolge dreht sich die ganze römische Frage zwischen den Regierungen von Frankreich und Italien um die Frage einer Allianz, welche Frankreich für gewisse Eventuali⸗ täten von Italien verlangt. Der Preis der Unter- zeichnung einer solchen Allianz wäre Rom.“
— Das„Bulletin International“ spricht von 120,000 Hinterladern, theils umgearbeiteten Per- cussions⸗, theils Dreyse'schen Zündnadelgewehren, die von Preußen bereits an die italienische Armee abgegeben sein sollen. Außerdem wäre von einer Lieferung von 30,000 Zündnadelbüchsen die Rede, und zwar hätte Preußen dies alles auf Credit an Italien geliefert.
R. Aus dem Kreise Friedberg. Am 26. Nov. fand in Nieder⸗Mörlen ein außergewöhnliches und höchst seltenes Fest statt, das für manche Leser nicht ohne einiges Interesse sein dürfte. Die Eheleute Johannes Möbs I. und Elisabethe, geb. Krämer, feierten nämlich ihre goldene Hochzeit! Trotz der 83 Lebensjahre, welche der Ehemann, und der 73, welche die Eheftau zählt, erfreuen sich Beide noch einer seht guten Gesundheit und einer ungewöhnlichen körperlichen Rüstigkeit, wie nicht minder eines aufgeweckten heileren Geistes. Es war überaus er⸗ bauend und eine große Freude für Jedermann, dieses ehrwürdige Jubelpaar in sesilschem Gewande, von seinen 4 Töchtern und Schwiegersöhnen, worunter die Herren Bürgermeister von Nieder⸗Mörlen, Ober⸗Mörlen und Rockenberg, und 17 Enkeln begleitet, unter fcierlichem Geläute der Glocken in die Kirche ziehen zu sehen, um daselbst die Benedietion zu erhalten, wo vor fünfzig Jahren die erste Einsegnung ihret Ehe stattgesunden hatte. Herr Pfarrer Braun hielt eine der Feier des Tages an⸗ gemessene Predigt, so daß alle Anwesenden, sichtlich er⸗ griffen, den Sinn der Worte der heiligen Schrift tief empfanden:„Du sollst das fünfzigste Jahr heiligen, denn es ist das Jubeljahr!“(3. Mos. 25. 10.) Die innige Theilnahme der ganzen Gemeinde, die sich zur Feier ein⸗ gefunden halte, fand ihren Ausdruck in dem feierlichen ied:„Großer Gott wir loben dich“, das am Schlusse gesungen wurde, und dem man es deutlich anmerkte, daß es so recht aus vollem freudigen Herzen kam. Daß nach det kirchlichen Feier es munter und fröhlich in der Wohnung des Jubelpaares zuging, läßt sich leicht denken. Der Leser dieser Zeilen aber möge nicht versäumen, falls er nach Nieder-Mörlen kommt, im Gasthaus zum Löwen auf einige Augenblicke zu rasten; dort wohnen die beiden Eheleute, die die goldene Hochzeit gefeiert haben, und wenn diese dem Gaste einen guten Trunk oder Speise serviren, dann wird der Wunsch gewiß in seinem Herzen sich regen: Möchte ich in einem solchen Alter noch eben so gesund und rüstig sein, wie dieses glückliche Ehepaar, dem wir zum Schlusse zurufen:„Noch viele Jahre!“—
Darmstadt. Vorgestern fand in Bessungen zwischen einem Lieutenant und einem Studiosus ein Duell statt. Resultat: Auf Seite des Militärs ein„Schmiß“ und mehrere„Blutige.“— Das Dienstmädchen eines hiesigen
Schuhmachermeisters, das ben beiden jüngsten Kindern Leberthran einzugeben hatle, dergriff sich und gab denfelben
eine andere Flüssigkeit, die sich durch die sofortigen schreck⸗
lichen Wirkungen, welche sie hervorbrachse, als eine schäbd⸗ liche Substanz charakterisirte. Es stellte sich heraus, daß die Magd verdünnte Schwefelsäure den Kindern beigebracht hatte. Die Kinder befinden sich, in Folge der sofort ein⸗ getretenen ärztlichen Behandlungen, wieder auf dem Wege der Besserungen.(Die„Hess. Löszig.“ macht dazu folgende Bemerkung: Einer anderen unverbürgten Lesart zufolge soll die Flüssigleit Bier gewesen sein. Die gegenwärtige Qualität des Stoffs, welches einige hiesige Brauer ver⸗ zapfen, läßt allerdings Vergiftungssymptome als gla⸗zbhaft erscheinen.)
Mainz. Fast täglich haben wir einen Brand zu registrren. So brannte es in unserer Nachbargemeinde Heidesheim in diesem Jahre bereits 7 mal, in Kostheim 5 mal, in Castel fast eben so oft, und am 28. Nov. früh meldete der Thürmer, daß kurz nach Mittecnacht in Nieder-Olm ein über 2 Stunden anhaltendes Feuer ge⸗ wüthet und 7 Scheuern und 2 Wohnhäuser in Asche gelegl habe. Bei diesem Brande kam dte Mannschaft der Ober⸗Olmer Feuerwehr in Gefahr, von einer umfallenden Mauer getroffen zu werden. Die Mannschaft konnte noch schnell sich zurückziehen, so daß nur die Spritze beschädigt wurde.— Am 29. Nov. Nachts gegen 1 Uhr brach zu Bretzenheim in einer Scheune des Herrn May Feuer aus; letztere sammt einigen anstoßenden Gebäulichkeiten wurden von der Flamme zerstört.
Mainz. Wieder ist es gelungen, einige verdorbene Jungen der gesetzlichen Strafe zu überweisen, die sich ein Geschäft daraus machten, in hiesigen Kirchen Wachskerzen zu entwenden. Man hatte fast in allen Kirchen dergleichen Diebstähle bemerkt.—
Wiesbaden. In dem heute bei dem Amtsgerichte zu Homburg abgehaltenen Agufbationstermin im Concurse über das Vermögen des verltzebenen Barons J. v Wellens — Generaldirector der Spielbank zu Wiesbaden und Ems— wurden über zwei Million Gulden Schulden angemeldet. Die Activmasse, die überdies zum größten Theil von Dritten als Eigenthum beansprucht wurde, beträgt nach dem Taxationswerthe ca. 172,000 fl.
Breslau. Der Polizeipräsident zeigt an, daß ein 20 Jahre alter Handelsmann aus Nowoselitza in Bess⸗ arablen diesseits wegen mangelhafeer Legitimation an⸗ gehalten und im Besitze von 455 echten Perlen, 229 Edel⸗ steinen, darunter 200 kleine Rauten, 17 größere gelbliche und 9 größere schöne Rauten, zwei gelbe Brillanten und ein Saphir(double) betroffen wurde, welche er ohne Keuntniß von deren Werth oder dem Handel mit Edel⸗ steinen zu verrathen, iu Breslau unter sonst verdächtigen Umständen verkaufen oder vertauschen wollte und ford ert falls Jemanden über ein neuerliches Abhandenkommen derartiger Juwelen etwas bekannt geworden, denselben auf, dem Sicherheitsamte des Polizei⸗Präsidiums zu Breslau Anzeige zu machen.
2 Die Untersuchung wegen der Ver⸗ giftung der Sräfin v. Charinsky hat bis jetzt dazu geführt, daß der Gemahl der Gemordeten am 28. November in München verhaftet wurde und daß es in der Nacht vom 26. zum 27. in Wien gelungen ist, das Weib zu verbaften, auf welchem der Verdacht ruht, daß sie das schreckliche Verbrechen begangen habe. Der Herr Graf trug bei seiner Verhaftung ein Medaillon mit der Photographie einer Dame bei sich—, und dieser Umstand führte dazu, daß die muthmaßliche Mörderin in Wien aufgefunden und verhaftet werden konnte. Die bei der Obduktion und Sektion der Leiche der Gräfin Chorinsky rege gewordene Vermuthung, daß genannte Dame in Folge einer Vergiftung durch Blausäure gestorben sei, wurde durch die darauf von Professor A. Buchner vorgenom⸗ mene chemische Untersuchung vollkommen bestätigt. Es ist diesem Chemiker gelungen, dieses Gift nicht nur im Inhalt des Magens in bedeulender Menge nachzuweisen, sondern auch aus dem Blute der Vergifteten noch am fünften Tage nach deren Tode mit voller Sicherheit darzustellen.
Schwurgericht der Provinz Oberhessen. I. Qpartal 1868
Haupt ⸗Geschworne:
1. Johannes Schäfer I., Oeconom zu Alleustadt. 2. Conrad Beltz, Müller zu Oberau. 3. Johann Peter Schneider, Fruchthändler zu Borsdorf. 4. Friedrich Diehm II., Fabrikant zu Lauterbach. 5. Wilhelm Frank, Ellenwaarenhändler zu Schlitz. 6. Martin Schüßler, Oecondm zu Ober⸗Seibertenrod. 7. Georg Rasch, Schild⸗ wirth zu Freien⸗Steinau. 8. Heinrich Walter, Landwirt zu Maar. 9. Ernst Zimmer, Müller zu Lauter. 10. Georg Hartmann Kreiter, Bäcker zu Laubach. 11. Johs. Viehl II., Lürgermeister zu Rainrod. 12. Heinr. Carle, Bürgermeister zu Ruppertenrod. 13. Jacob Kaufmann, Ellenwaarenhändler zu Schotten. 14. Peter Horst, Land⸗ wirth zu Lrusel. 15. Georg Herget, Grobschmich zu Berstadt. 16. Heinr. Martini, Weinhändler zu Vilbel. 17. Balthasar Becker, Bürgermeister zu Kesselbach. 18. Markus Reiß, Eisenhändler zu Bobenhausen, Tr. Scholten. 19. Georg Jungblut, Bäcker zu Schlitz. 20. Kilian Ruhl, Packtuch? händler zu Herbstein. 21. Caspar Schmiermund, Oeconom zu Ober⸗Seibertenrod. 22. Heinrich Döll V., Landwieth zu Ulfa. 23. Wilhelm Fahz, Deconom zu Holzhausen. 24. Fiiedrich Christian ochem, Oeconom zu Laubach. 25. Friedrich Vollmüller III., Leinwandhändler zu Lau⸗ terbach. 26. Bernhard Schaum, Sammtrath zu Lauter⸗ bach. 27. Conrad Römer, Ellenwaarenhändler zu Schlitz. 28. Heinrich Herbst II., Landwirth zu Wahlen. 29. Johs. Lang II., Eisenhändler zu Stockhausen, Kr. Lauterbach, 30. Cispar Hofmann II., Landwirth zu Fleschenbach.
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