Ausgabe 
2.11.1867
 
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14 Cavallerit u das gur

17 2 An del . Der ucdautt

waren noch viel zahlreicher als bei der Heerschau zu Ehren des Kaisers von Rußland.

Auf den Vorschlag Rouher's hat die kaiserliche Ausstellungscommission beschlossen, daß die Ausstellung bis nächsten Sonntag incl. verlängert werden soll. Die fremden Commissäre baben sich mit der Prolongation unter der Be dingung einverstanden erklärt, daß die Einnahmen der drei letzten Tage(1. bis 3. November) den Armen von Paris zu Gute kommen soll.

DerMoniteur vom 31. Okt. sagt: Da die Telegraphenlinien im Kirchenstaate noch nicht hergestellt werden konnten, so sind heute keine neueren Nachrichten von dort eingetroffen. Man wußte nur, daß in Folge des Marsches Garibaldi's auf Rom die Garnisonen von Viterbo und anderen Städten sich concentriren, um Rom zu vertheidigen.

Italien. Nach Zeitungsberichten machen in Italien katholische Priester von der Civilehe, die im ganzen Königreich eingeführt ist, fleißig Ge⸗ brauch, und es ist möglich, daß es in 10 Jahren mehr verheirathete als unverheirathete katholische Priester gibt. Italienische Blätter geben ein größeres Verzeichniß von Priestern, welche sich verheirathet haben.

Vom 30. Okt. wird aus Florenz ge⸗ meldet: Nachdem der französischeMoniteur ge meldet hatte, daß das französische Banner auf den Mauern von Civita-Vecchia weht, so hat die Regierung des Königs, conform mit den früher den befreundeten Mächten in Aussicht auf eine solche Eventualität abgegebenen Erklärungen, den Befehl ertheilt, daß die königlichen Truppen die Gränzen überschreiten, um einige Punkte des päpstlichen Gebietes zu besetzen.

Die Florenzer Zeitung meldet von gleichem Datum: Heute Vormittag um 11 Uhr hat der König an die Truppen den Befehl gesandt, die römische Gränze zu überschreiten und zunächst nach Civitacastellano, Orte, Acquapendente und Frosinone zu marschiren. Wie dieRiforma meldet, hatte Garibaldi gestern sein Hauptquartier zu Canina San Colombo, seine Vorposten standen Meilen von Rom.

Das AUnterstützungscomité von Florenz hat am 26. Okt. folgende Proclamation erlassen: Italiener! Garibaldi hat auf den Ruf Roms geantwortet; er ist erschienen und er hat gesiegt. Aber die fremde Intervention droht damit, unser Land zu überschwemmen. Italiener, zu den Waffen! Das ist das Losungswort Garibaldi's, welches wir Euch überbringen! Der Platz der italienischen Jugend ist im Felde, den Soldaten des Papstes und des Kaiserreichs gegenüber! Die Turiner Zeitung vom 28. ist der Ansicht, daß man der französischen Interventionsdrohung dadurch zu antworten habe, daß man sofort nach Rom gehe, um es zu besetzen, und daß man die Belagerung

von Civita-Vecchia vorbereite, während Admiral Ribotti als Befehlshaber der italienischen See macht dem französischen Geschwader den Weg sperre. Es ist, fügt sie hinzu, der Augenblick gekommen, die Niederlage von Lissa wieder gut zu machen, aber man darf keinen Augenblick ver lieren! Ein anderes Blatt räth der Regierung, sobald als irgend möglich ein Ministerium zu organisiren, zu erklären, daß die französische Inter vention von Italien als ein casus belli betrachtet werde und sofort das Parlament einzuberufen. Von anderer Seite wird verlangt: Wenn Frank reich Civita-Vecchia und Rom besetze, so möge Italien seinerseits Frosinone und Viterbo besetzen.

v. Friedberg. Der große Saal des Hotel Trapp ist durch unseren Landsmann, Hofzimmermaler G. Hierony⸗ mus, auf das Geschmackvollste neu hergestelll worden und reiht sich würdig den bekannten vortrefflichen Werken dieses Künstlers anz wir erinnern nur an die Sääle des neuen Kurhauses und des neuen Badehauses in Nauheim. L. C. Trapps Nachfolger sind fortwährend bemüht nach jeder Richtung hin den alten guten Ruf des Gasthauses aufrecht zu erhalten. Die hiesigen und auswärtigen Freunde desselben macht man deßhalb auf ein zur Eröffnung des

neuen Saales am 10. d. Mts. statthabendes Concert ausmerksam. Frankfurt. In der Nacht vom 29. entstand nach

3 Ubr in der Güterhalle des Hanauer Bahnhofs, welche zur Aufbewahrung der abgehenden Güter dient, ein Feuer, welches das Gebäude binnen kurzer Zeit bis auf die Mauern zerstörte. Es sollen viele Güter verbrannt sein. Das zeitige Löschen des Feuers wurde durch Wassermangel verhindert. Das zerstörte Gebäude ist bei der Gesellschaft Providentia versichert.

Darmstadt. Die H. L. erzählt folgenden Vorfall: Am 27. Oct. fand die Magd eines Bauers zu Arheilgen in der Scheune desselben einen Leichnam. Es ergab sich, daß der Verlebte aus Mörfelden gebürtig, in Frankfurt als Arbeiter beschäftigt und dort wegen Krankheit entlassen war. Mit der Eisenvahn zurückreisend, konnte er in Langen nicht das Coupe verlassen und war in Arheilgen aus dem Zuge entfernt worden. In dem Zustand äußerster Ent⸗ krästung kam er in Arheilgen an. In einem Wirthshause Unterkunft suchend, wurde der Unglückliche abgewiesen und fand endlich in der Scheuer, in welcher er aufgefunden wurde, die gesuchte Schlafstätte und den ersehnten Schlaf auf Nimmererwachen. Einsender fragt mit Recht, ob man denn in der Anwendung der humanen Principien

noch nicht so weit gekommen, daß man für einen armen

durchreisenden Teufel ein Nachtquartier bereit hat, und daß es, wie das Beispiel zeigt, vorkommen kann, daß ein armer Unglücklicher hilflos verendet. Was sonst noch über Art und Weise der Beerdigung verlautet, wollen wir nicht wiedergeben, es klingt in der Thal unglaublich. Darmstadt. Mit dem 1. November ist bei der Main ⸗Neckarbahn ein neuer Fahrplan in Kraft getreten. Nach demselben gehen folgende Züge von Frankfurt in der Richtung nach Darmstadt ab: 550 830 100 Vormittags, 10 5 7 880 11 Nachmittags. Von Darmstadt nach Frankfurt werden Züge abgefertigt um: 580 745 945 113d Vormittags, 13s 425 710 95 Nachmittags. Darmstadt. Die am 27. Oct. im Turnhause dahier versammelt gewesenen Abgeordneten der Feuerwehren, welche dem mittelrheinischen Verbande angehören, haben den aus 6 Paragraphen bestehenden Statutenentwurf nach

kurzer Debatte mit wenigen Abänderungen und als Organ des Verbandes die in Stuttgart erscheinendeDeutsche Feuerwehr-Zeitung angenommen.

Mainz. Ein sehr elegant gekleideter Berliner ver⸗ kaufte dahier vor einigen Tagen einen polnischen Pfand⸗ brief von 750 Rubel. Dieser Pfandbrief wurde als ein zu dem im Juni 1863 in Warschau ausgeführten großen Diebstahl von 3,500,000 Rubel in Werthpapieren gehöriger erkannt.

Mainz. Nachdem bereits früher schon verschiebene Transporte von Geflügel per Eisenbahn hier durch nach Frankreich, besonders Paris, gebracht worden sind, kam auch kürzlich kin g fünf Eisenbahnwagen bestehender Transport lebender Hanse dahier durch, um nach Frank⸗ reich gebracht und dort als Martinibraten verspeist zu werden. Spaßhaft, aber auch ohrenzerreißend war das Geschrei dieser Thiere während der Fahrt zu vernehmen. Hiernach dürften wohl auch unsere Hausfrauen in Zeiten daran denken müssen, sich ein Martinsgänschen heimzuthun.

Bechtheim. In den Monaten August und Sep⸗ tember wurden in der hiesigen Gemarkung 188,670 Feld⸗ mäuse und 5524 Hamster gefangen, wofür aus der Ge⸗ meindekasse 1140 fl. 14 kr. bezahlt worden sind.

2% Im Jahre 1866 wurden in Paris 3614 Häuser (also um 263 mehr als im Vorjahr) ausgebaut, dagegen 2256 Gebäude ganz oder theilweise niedergerissen, was einem Mehr der Neubauten von 1358 entspricht. Es wurden durch jene Bauteu 20,311 neue Wohnungen geschaffen, durch die Demolirungen aber 16,513 zerstört, was einen Gewinn von 3797 Wohnungen gibt. Dieser Zuwachs steht im richtigen Verhältnisse zur Volkszunahme in der französischen Hauptstadt; in den letzten 5 Jahren waren dort 55,127 Wohnungen zugewachsen, während die Bevölkerungszunahme in derselben Zeit sich mit 132,139 beziffert. Man zählte übrigens im Jabre 1866 641,165 als Wohnungen dienende Quartiere in Paris.

2 Von den fünfzehn und einer halben Million Menschen, welche nach der letzten Zählung Spanien be⸗ wohnen, konnten 12 Millionen weder lesen noch schreiben.

* Ein französisches Blatt bringt ohne weitere An⸗ gabe des Ortes und Tages die Nachricht, daß die Gräfin Danner, Wittwe des verstorbenen Königs Friedrich VII. von Dänemark, gestorben sei. Dieselbe eine geborne Ras⸗ mussen, war 1814 geboren und seit dem Jahre 1850 ihrem königlichen Gemahl in morganalischer Ehe angetraut Am Tage ihrer Vermählung wurde sie zur Gräfin Danner ernannt. Seitdem sie Wittwe geworden, lebte sie zumeist in Paris.

2 Ein Riesenmagen. Um einen Begriff zu er⸗ halten von dem ungeheueren Verbrauche Wiens, sehe sich der Bewohner eines bescheidenen Städtchens einmal die nachfolgenden Zahlen an. Im Trauer- und Unglücksjahr 1866 verschlang der Riesenmagen dieser Stadt nach amt⸗ licher Feststellung nicht weniger als 313,000 Eimer Wein, 820.000 Eimer Bier, 98,000 Ochsen, 146,000 Kälber, 32,000 Schafe und Hämmel, 42,000 Lämmer und Spanferkel, 106,000 Schweine, 120,000 Hasen, 1,400,000 Hühner und Tauben, 327,000 Stück sonstiges Geflügel, 49,000,000 Gier, 1,197,000 Centner Mehl und Brod, 293,000 Centner Brodfrüchte, 28,000 Censner Gemüse, 174,000 Cenmer Obst, 90,000 Kudbikklafter Brennholz, 74,000 Cir. Holzkohlen und 2,725,000 Ctr. Steinkohlen.

2 Es ist bekannt, daß Liqueure, Rum, Cognac ꝛc. durch das Alter an Güte zunehmen. In Frankreich hat man die Erfahrung gemacht, daß Bewegung dieselde Wir⸗ kung auf diese Getränke habe, wie die Zeit, daher die besondere Güte jener Spirituosen, die eine weite Reise gemacht haben. Man setzte daher Flaschen mit solchen Flüffigkeiten gefüllt und wehlverpackt mit dem Getriebe einer Maschine in Verbindung und brachte durch Schütteln die Liqueure in acht Tagen zu derselben Güte, welche sie durch

Aufbewahrung in ebenso vielen Jahren erbalten können.

gewesen zu sein, um vor den blutigen keine Furcht zu haben. Allee das ist wahr.

Heldenthaten des Zündnadelgewehrs

Aber wie würde vieser

und Schlesien mit gleichfalls starker, polnischer Bevölkerung. z. B. in Mecklenburg⸗Schwerin konnten, mit seiner rein deutschen Bevölke⸗

Dagegen

tapfere und unvergleichliche Soldat in seinem Tornister den Stab eines Marschalls von Frankreich finden, wenn er weder schreiben noch lesen könnte? Darin liegt der große Einwurf gegen die Unwissenheit, und er findet auf alle Wirkungskreise Anwendung. Durch Sie, meine Herren Lehrer, durch Ihre Bestrebungen wird dieser Einwurf aufhören, unserer Zeit an- zuhören. Rufen Sie um sich diese Generationen, denen die Zukunft angehört; säen Sle die lischen Keime, aus denen Männer hervor- gehen, die dieses Namens würdig sind.*

Einen andern Beweis der geringen Bildung in Frankreich gibt auch die folgende Thatsache: Im Jahr 1864 fanden daselbst 299 579 Heirathen stalt. Von den sich verehelichten Paaren konnten weder lesen noch schreiben, unter den Männern 27,8 Procent, unter den Frauen 41½ Procent. Ganz anders sieht es dagegen in Preußen aus, und die preußischen Schulmeister haben alle Ursache darauf stolz zu sein. Sie haben, obwohl kärglich genug besoldet, doch ihre Pflicht gethan, und auch die Staatsregierung hat es an Förderung und Anregung nicht fehlen lassen. Schon 1852 befanden sich unter 100 zum Militär eingestellten Rekruten, die doch gewiß Manches wieder verlernt haben, in der Provinz Posen 56,1, welche lesen, 48 welche rechnen konnten und nur 20, ohne Schulbildung; in der Provinz Preußen waren die entsprechenden Zahlen 46%, 34,, 10%, in Schlesien 86,0, 77,3, 4,6, in Pommern 85,6, 76,1% 0%, in Brandenburg 95,7, 877, 0, und in Sachsen 97,ß, 93 und 0,6, In Posen, wo das polnische Element vorwiegt, war auch die Zahl derer am größten, die überhaupt keine Schulbildung hatten, dann kamen Preußen

rung von 100 Rekruten nur 55,8 lesen, 46,7 rechnen und 2,8 waren ohne jegliche Schulbildung.

Bei der Rekrutirung von 1863/64 stellte sich aber in den Provinzen des Staates folgendes Verhältniß heraus: Es waren ohne Schulbildung unter den Gestellten in den Provinzen Preußen 20 Procent, Posen 6,5, Schlesien 6, Pommern 6, Rheinland 4, Brandenburg 3,3, Westphalen 2, und Sachsen noch nicht 1 Prozent; in der Garde, welche sich aus allen Provinzen rekrutirt, fanden sich 6 Procent ohne Schulbildung. Zur Armee wurden überhaupt 54,876 Mann Deutsche und 4685 Nichtdeutsche(Polen, Wenden, Lithauer, Wallonen) eingestellt, von denen 3440 Mann, also 5,32 Procent, keine Schulbildung hatten. 5

Bei der Rekrutirung von 1864/65 wurden dagegen von 100 Ein- gestellten ohne Schulbildung befunden in den Provinzen Posen 16,90, Preußen 16,7½ Se s Pommern 1,½½ Rheinland 13, Westphalen

1%, Bran Berlin) 0/½ und Sachsen 0,19 Procent. Ja unter den ellten Mannschaften befand sich Keiner ohne

g. Dieses für alle bei dem Betheiligten so erfreuliche Resultat j der dortigen Schulen und den Ei sphäre der Haupt- und Residenzs n, sondern wesentlich auch dem Umstande beizumessen, daß daselbst n seit Jahren zweckmäßige Ver- anstaltungen zur Fortbildung, insbesondere der Handwerkslehrlinge bestebhen, welchen eine große Zahl von jungen Leuten nicht allein die Erhaltung, sondern auch die Vermehrung ihrer Elementarbildung zu verdanken hat.

Elementarschulwesen in Berlin t allein dem bessern Zustande welche in der geistigen Atmo-