Ausgabe 
28.8.1857
 
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Friedberger Jutelligenzblatt.

Erſcheint wo⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum

eee Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. de

kr.

ſammen 7 kr.

N 67.

Freitag, den 28. Auguſt.

1837.

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat-Anzeigen.

Verſteiger ung von Bauarbeiten und Materialien zur Erbau ung eines Oeconomiegebäudes ꝛc. in der Schul bofraithe zu Butzbach.

11399 Mitwoch den 2. September, Vormit tags 9 Uhr, ſollen auf dem Rathbauſe zu Butz. bach nachfolgende Arbeiten und Materiallie ferungen öffentlich in Accord gegeben werden: Maurerarbeit einſchließlich Kalklöſchen

veranſchl. zu 325 fl. 51 kr.

Steinhauerarbeit, 70114 Zimmerarbeit, 15 689 23 Dachdeckerarbeit,. 20617 Schreinerarbeit, 7 10134 Schloſſerarbeit,274 22 Glaſerarbeit, 6 36 Weißbinderarbeit, 15 5 Pflaſterarbceit, e Planirarbeit,5 125 56 Brunnenmacherarbeit, 90 Pumpenmacherarbeit, 120

Brechen, Fahren und Aufſetzen von 12,5 Cubklftr. Mauerſteinen aus den Brüchen bei Rockenberg.

Lieferung von 30000 Stück bartgebrannten Backſteinen.

Lieſerung von 61 Bätten Kalk nach naſſem Maaße.

Licferung und Meſſen von 3,4 Cubklftr. rei- nen Mauerſand.

Lieferung von 1,8 Cubklſtr. groben Uſakies. Pläne, Voranſchläge und Steigbedingungen

liegen bier zur Einſicht offen.

Friedberg den 17. Auguſt 1857.

Großherzogliches Kreisbauamt Friedberg JV. d. Wi fei, Bavacceſſiſt.

Güter er eilige rung. 11390] Montag den 31. Auguſt d. J., Vor⸗ mittags 10 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſ auf freiwilligen Antrag der Kinder erſter Ehe des hieſigen Bürgers Philipp Söllner die deen ſelben in Friedberger und Fauerbacher Gemar kung gehörenden Güterſtücke, nämlich:

Gemarkung Friedberg: Pag. Nr. Fl. Nr.[IKlftr.

210/29 5 1,7 195 Grabgarten an der

Seebach,

389/71 9 27 250 Acker im Großwart feld,

380/30 9 86 349 desgleichen,

660/37 10 104 271 Lachenfeld,

5957/1 12 82 166 Kleingalgenfeld, 447/15 13 130 264 Großgalgenfeld,

Gemarkung Fauerbach 11. Haas. Nr. Vrth. Ruthen.

206 65 2 22% in der Wüſtung, 207 66 ë4 6% desgleichen, 2 4% am Läusbiegel,

erbabtheilungshalber öffentlich meiſtbietend ver ſteigert. 0 Friedberg im Auguſt 1857. In Auftrag Großberzogliches Ortsgericht Friedberg. Der Vorſteher r Grummetgras⸗Verſteigerung. 11426] Montag den 31. Auguſt d. J., Nach- mittags 1 Uhr, ſoll das der hiefigen Gemeinde zuſtehende Grummetgras in der Behauſung des hiefigen Gaſtwirths Solz öffentlich meiſtbie⸗ tend verſteigert werden. Bauernheim den 25. Auguſt 1857. Großherzogliche Bürgermeiſterei Bauernheim Walther.

Bekanntmachung. 114121] Alle Diejenigen, welche noch bis zum 5. September d. J. fällige Holzgelder an die Gemeinde Rodbeim zu zahlen haben, werden hiermit aufgefordert, bis zu gedachtem Termin Zahlung zu leiſten, da ſonſt gegen die Säu⸗ migen mit Mabnung vorgeſchritten werden muß.

Rodheim den 20. Auguſt 1857.

Der Gemeinde-Einnehmer N e Aufforderung. 11392] Diejenigen Bewohner biefiger Stadt, welche geſonnen find, taubſtumme Kinder in Verpflegung zu nehmen, wollen fich, ſofern es noch nicht geſchehen iſt, bei uns an⸗ melden.

Friedberg am 18. Auguſt 1857.

Großherzogliche Direction des Taubſtummen⸗ Inſtituts Ur. Matthias.

Obligations ⸗Verlooſung. 11427] Bei der heute ſtattgehabten Verlooſung der Partial⸗Obligationen des am 1. Mai 1835 negoeiirten Anlebens hieſiger Gemeinde wurde die Nummer 29 von 100 fl. zur Rückzahlung auf den 1. November l. J. gezogen.

Dieſes wird dem Inhaber dieſer Nummer unter dem Anfügen andurch mitgetheilt, den Betrag gegen Rückgabe dieſer Obligation und der nicht fälligen Zinscoupons bei der hieſigen Gemeindekaſſe oder bei dem Handlungshauſe Samuel Lindbeimer in Friedberg in Empfang zu nehmen, indem von da an keine weiteren Zinſen vergütet werden.

Rodenbach den 13. Auguſt 1857.

Großherzogliche Bürgermeiſterei Rodenbach

Hetteſ ich.

Anſchauungen aus dem Leben mit beſonderem Hinblick auf das unabläſſige Streben nach Gewinn beſon ders im Fache der Landwirthſchaft.

Von A. Weller.

Als unleugbare Thatſache wird aus der früheren Zeit durch die Geſchichte nachgewieſen, und ſteht aus der Gegenwart vor unſern Augen feſt, daß in den geſellſchaft lichen und gewerblichen Angelegenheiten Zuſtänden) ſich in allen Zeiten Uebelſtände und Mißverhältniſſe heraus ſtellen, gegen die anzukämpfen als Pflicht Derjenigen er ſcheint, welche dieſe Mängel als ſolche erkennen und ihre nachtheiligen Folgen zu beurtheilen wiſſen.

Der deutſchen Landwirthſchaft des vorigen Jahrhun derts kann mit Recht der Vorwurf gemacht werden, daß ſie ſich vom Herkommen und von den alten Gewohnheiten nicht trennen wollte. Für jede Gegend hatten ſich gewiſſe Arbeiten und Benutzungen der Felder feſtgeſtellt, ohne daß in ernſtliche Erwägung gezogen wurde, ob ſie zu einem erwünſch ten Reſultate führen würden. Die formelle Kenntnißnahme des Betriebs des Ackerbaues in dieſer und jener Gegend, war genug für die eigene Einrichtung, ein wiſſenſchaft

liches Beſtreben nach Verbeſſerungen war im Allge meinen nicht möglich, weil die Zahl der Landwirthe, die der Wiſſenſchaft angehörten, ſehr gering war und über haupt die Landwirthſchaft noch nicht zu einer Wiſſenſchaft gehoben worden war. Eine kritiſche Prüfung des Alten hatte alſo äußerſt ſelten ſtatt, ohne Zweifel aus Mangel an Sachkenntniß und aus Furcht, man möchte ſich in Scha den und Nachtheil ſtürzen.

Seit etwa 40 bis 50 Jahren hat ſich dieſes ge waltig geändert. Seit dieſer Zeit hat ſich, wie faſt in allen geſellſchaftlichen Verhältniſſen, ſo auch im Betriebe der Landwirthſchaft ein anderer Geiſt herrſchend gemacht. Wir haben ſeit dieſer Zeit eine Landwirthſchaftswiſſen ſchaft, es wird nicht nach altem Herkommen gewirthſchaftet ſondern nach möglichſt feſtſtehenden Syſtemen, es wird Altes und Neues einer ſorgfältigen Prüfung unterworfen und wie dieſe den Ausſchlag gibt, ſo wird verfahren und das vorgeſteckte Ziel zu erreichen geſucht. Die Folgen, welche dieſes durch Nachdenken und Forſchen neu begründete Ackerbauſyſtem ins Leben gerufen hat ſind außerordent lich. Dieſem landwirthſchaftlichen Betriebe dürfte es haupt ſaͤchlich zuzuſchreiben ſein, daß in den meiſten europäiſchen