Friedberger Intelligenzblatt.
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Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
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et ee Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.„
1. 30 kr.
Ne 83. Freitag, den 23. Oktober.
1857.
Amtlicher Theil.
De fffentliche
Nachrich
Im Jahre 1856/57 ſind an Waiſenhausbüchſengeldern die in nachſtehendem Verzeichniß deſignirten Beträge ein— gegangen, was wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringen.
Friedberg den 21. Oktober 1857.
Ve r z
über die vom 1. September 1856 bis 1. September 1857
Großherzogliches Kreisamt Friedberg M in e.
e ich niß
in dem Büreau des Großherzoglichen Kreisamts Friedberg,
ſowie in den Gemeinden des Kreiſes Friedberg eingegangenen freiwilligen milden Gaben fuͤr arme Waiſen.
1) Aus der auf dem Bureau Gr. Kreisamts 16) Ilbenſtadt 1 42 kr. 32) Ockſtadt fl. 19 k aufgeſtellten Büchſe 5 fl. 10, kr. 17) Kirch⸗Goöns„ 48„ 33) Oppershofen 2„ 13½„ 2) Aſſenheim 2, 1½„ 18) Langenhain u. Ziegenderg— 30„ 34) Oſſenheim. 3) Bauernheim—„ 20„ 19) Maibach—„ 36„ 35) Oſtheim 2 4) Beienheim 17% 9„ 20) Melbach—„ 32„ 36) Pobl-Göns—„ 34 50 Bodenrod— 18 21) Münſter—„ 18„37) Rockenberg 3,— 6) Bönſtadt 1% 9„ 22) Münzenberg—„ 33„ 38) Södel 1% 24* 7) Bruchenbrücken 3,—„ 23) Nieder⸗Florſtadt 1% 58„ 39) Staaden 35 8) Butzbach 4% 14½„ 24) Nieder⸗Mörlen 1% 6„ 40) Steinfurt 18% 1* 9) Fauerbach I.—„ 46„ 25) Nieder-Rosbach— 5 46„ 41) Weckesheim 11 10) Fauerbach II. 1% 27.„ 26) Nieder⸗Weiſel 2% 40½„ 42) Wiſſelsheim e 11) Friedberg 20% 3 27) Nieder-Wöllſtadt 2% 3½„ 43) Wickſtadt 1% 48* 12) Gambach 1% 22„ 28) Ober⸗Florſtadt—„ 13„ 44) Wölfersheim 4 A 85 3 8—„ 20„ 29) Ober-Mörlen 3% 18„ 45) Wohnbach 2„ 230% 14) Hauſen mit Oes—„—„ 30) Ober-Rosba. 25 0 15) Hoch⸗Weiſel 275 9» 310 Sber-Wölſßadt N Summa 115 fl. 19 kr.
Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat-⸗Anzeigen.
Immobilien ⸗Verſteigerung. e e ee 11676] Montag den 23. November, Morgens um 11 Ubr, werden in hieſigem Rathhauſe 3 eig 35 nachbezeichnete Immobilien, der Frau Georg Görings Wittwe gehörend, einer meiftbietenden Verſteigerung ausgeſetzt, als:
O.⸗N. Fl. Nr. d.[]Klftr.
Großherzoglichen
1 2 328 12,5 Hofraithe in der Stadt, Be
Friedberg den 6. In Auftrag
ö Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Grdſt. Der Vorſteher
Grabgarten an der Set. Ja f boch:; Leonhardskirche,[1728] Künftigen Dienſtag den 27. d. M., desgleichen, daſelbſt.[des Vormittags 10 Uhr, werden auf bieſigem
Oktober 1857. Ratbhauſe zwei gemeinheitliche Faſelochſen, welche
zur Zucht noch tauglich find, verkauft. Nieder-Wöllftadt den 21. Oktober 1857.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Nieder- Wöllſtadt a See
Landgerichts Friedberg
Ueber Wiedereinführung der Klaſſenlotterie. Bedenken. (Schluß.) 3
Vom Allgemeinen zum Speciellen übergehend iſt auch die Frage in Erwägung zu ziehen, wie ſich gerade unſer Staat der Lotterie gegenüber verhalten hat? Abgeſehen davon, daß die oben erwähnten Grundſätze über das Spiel in demſelben noch gelten, hat er faſt vor einem Menſchen— alter die damals beſtehende Lotterie abgeſchafft, obgleich dieſelbe ein einträgliches Inſtitut war. Warum? Offenbar aus keinem andern Grunde, als weil ſie der Staat für eine ſeinem rechtlichen Zwecke nicht entſprechende Einrich— tung erkannt hatte. Denn um geringerer Intereſſen willen hätten die damals das Staatsruder führenden Männer ſich ſchwerlich zu einer ſolchen Einbuße am jährlichen Ein— kommen entſchloſſen. Jene— durch die Aufhebung der Lotterie kundgegebene— Anſicht hat aber die heſſiſche Geſetzgebung durch eine ganze Reihe weiterer Geſetze und Verordnungen fortdauernd als richtig anerkannt, indem
die Großherzogliche Regierung auch nach dem Aufheben der inländiſchen Lotterie Geſetze gegen die ausländiſchen erließ oder beſtehen ließ und verſchärfte(Geſetz vom 9. December 1834, 22. April 1830, 5. Mai 1837 ꝛc). In dieſen Geſetzen iſt das Lotterieſpielen möglichſt erſchwert, den Collecteuren jede Sicherheit und jedes Klagerecht ent— zogen. Was folgt daraus? Die Großherzogliche Geſetz— gebung hat das Lotterieſpiel für unſittlich erkannt und iſt ihr, ſoweit ſie dies mit Erfolg konnte, entgegengetreten. Daß aber die Geſetzgebung gewichtige Gründe haben muß, wenn ſie dieſen ſo conſequent und energiſch durch— geführten Grundſatz plötzlich umſtoßen, ihre Vergangenheit verleugnen und den entgegengeſetzten zum herrſchenden Prin— cipe erheben will, liegt auf, flacher Hand. Vor Allem müßte man, wenn dies geſchehen ſollte, erkannt haben, daß die Gründe der Aufhebung der Lotterie nicht ſtich— haltig geweſen, daß alſo die Lotterie nicht auf der Erregung und Ausbeutung der menſchlichen Leiden- ſchaften beruhe, nicht unſittlich, nicht ſchädlich ſei, und daß man bisher durch die derſelben bewieſene
Feindſeligkeit einen Fehler begangen habe. Wer hat aber das erkannt?


