Ausgabe 
20.10.1857
 
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Friedberger Intelligenzblatt.

Er ſcheint wo⸗ entlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen

fl. 1. 30 kr.

Einrückungsge⸗ bühren fur die ge⸗ paltene Petitzeile

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, , f e Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. n e.

mmen 7 kr.

0 Dienſtag, den 20. Oktober.

1857.

Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg

an die Großherzoglichen Buͤrgermeiſtereien der Wald beſitzenden Gemeinden.

Betreffend: Die Anſchaffung des Holzſaamens für die Communalwaldungen pro 1888.

Sie werden hiermit zum Ankauf der

für die Gemeinde-Waldungen erforderlichen Eicheln und Bucheln unter

Mitwirkung der betreffenden Großherzoglichen Oberförſtereien beauftragt.

Müller.

Al uef r der un.

Kaufmann Heinrich Hahn von hier, der als Unteragent für den Hauptagenten Heinrich Zitz in Mainz zur Be⸗

förderung von Auswanderern geſtellt hatte, hat dieſe

Gemäß

merkt, daß Anſprüche an dieſe Caution innerhalb 6

nach Amerika und Auſtralien Agentur niedergelegt.

8. der Verordnung vom 25. Januar 1851 wird dieß zur öffentlichen Kenntniß gebracht und be Monaten vom Tage der Bekanntmachung an gerechnet, bei uns

konzeſſionirt war, und als ſolcher eine Caution von 500 fl. Art.

mit einer Nachweiſung, daß bei Gericht Klage erhoben worden iſt, geltend zu machen ſind, als ſonſt die Rückgabe der Caution erfolgen wird.

Friedberg den 10. Oktober 1857.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Ne

Sana een d

Nach einer Mittheilung des Präſidiums des landwirthſchaftlichen Vereins für Oberheſſen ſollen zu der, Ende

dieſes oder Anfang nächſten Monats aus

Anlaß des Ablaufs der erſten 25 Jahre des Beſtehens der landwirth

ſchaftlichen Vereine des Großherzogthums ſtattfindenden Generalverſammlung in der Haupt- und Reſidenzſtadt Darm⸗

ſtadt Deputationen der Bezirksvereine abgeordnet werden. landwirthſchaftlichen Bezirksvereins auf Samſtag den 24. d. M., Friedberg am 16. October 1857.

Zur Wahl dieſer Deputation lade ich die Mitglieder des Nachmittags Uhr, auf das Rathhaus dahier ein. Der erſte Direktor des landwirthſchaftlichen Bezirksvereins

Müller.

Ueber Wiedereinführung der Klaſſenlotterie.

Verfaſſer dieſes iſt nicht genug Nationalökonom, um ſich mit der eigentlich finanziellen Seite des Projectes der Wiedereinführung der Klaſſenlotterie beſchäftigen zu kön Derſelbe will daher dies Project von einer wen. gerpraktiſchen Seite beleuchten, ſelbſt auf die Gefahr hin von denPraktikern des 19. Jahrhunderts für einen Anhänger veralteter Theorieen gehalten zu werden.

nen.

Wenn man anerkennt, daß der Staat ein rechtli ches und moraliſches Inſtitut iſt und nur rechtliche und moraliſche Zwecke verfolgen darf, ſo iſt begreiflich bei Allem, was vom Staat ausgeht, Zweck die Mittel heilige, tens hat ſich der Verfaſſer des Aufſatzes in Nr. 74 und 75 dieſer Blätter zuviel mit dem dem Mittel beſchäftigt, Zweck erreichen ſoll. ſes Mittel doch moraliſch Und wie leicht

Anſicht über

doch ſelbſt den Makel halb und halb an,

ſenen Mittel

geachteten Staatsmanne in den Mund gelegten Citate des Artifels in Nr. 74 und 75 dieſes Blattes hervor und

wird von den Vertheidigern der Lotterie ſelbſt nachgege ben, daß dieſelbe und der aus ihr zu ziehende Gewinn auf der Benutzung einer Leidenſchaft der Menſchen beruhe. Jede Benutzung der Leidenſchaft oder Schwäche eines Andern ſpricht aber dem Rechte wie der Moral Hohn, und jeder aus ihr gezogene Gewinn iſt verwerf lich. Auch die Trunkſucht iſt ein Laſter. Iſt es nun ehrenwerth daſſelbe zu benutzen, um ſich von dem Trun kenbolde einen Vortheil zu verſchaffen, den er uns nüchtern nicht zugeſtanden haben würde? Um aber bei der Spielwuth ſtehen zu bleiben, ſo bedarf es kaum des Auführens, daß ſie eine äußerſt gefährliche und verderbliche Leiden ſchaft iſt, und daß ihr jährlich, ja täglich viele, zum Theile edele Opfer fallen. Zeugen nicht täglich die öf fentlichen Blätter dafür, wie das Spiel Familien in's Elend, Individuen in den Abgrund des Verbrechens ſtuͤrzt und ſeine Opfer in den verſchiedenſten Ländern und Stän⸗ den ſucht? Man entgegne nicht: das thun bloß die Spielbanken. Freilich ſie ruiniren raſcher, eclatanter, öffentlicher als die übrigen Hazardſpiele. Allein die Sache d. h. der Grund des Uebels, die Anregung der Leiden ſchaft, ſie bleibt dieſelbe, ſei es Spielbank oder Lotterie. Sollte nun der Staat, der Vertreter des Rechtes und der Moral, ſeinen Unterthanen ſelbſt die Gelegen- heit bieten, öffentlich, unter ſeiner Aegide und Billigung ihren Leidenſchaften zu fröͤhnen und aus der entzügelten

Bedenken.

der Grundſatz, daß der ausgeſchloſſen. Meines Erach-

Zwecke und zu wenig mit das den allerdings lobenswerthen Denn wenn auch praktiſch, iſt die entſchieden verwerflich. auch die Vertheidiger der gegentheiligen dieſen Punkt weggehen, ſo erkennen ſie der dem geprie⸗ Wenigſtens geht aus dem einem

anklebt.